Ausgabe 
18.3.1912
 
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Eine Heldin.

Novelle von Max Karl Böttcher -ChenrnM (Nachdruck verboten.) , ''

(Fortsetzung.)

Der Erbprinz vermochte nicht zu anWorten, sondern Neigte nur das Haupt.

Ich bin mit allen Dispositionen einverstanden, Vater."

Gut, mein Sohn, und nun mag uns Dr. Brian den Aktenauszug vorlegen, über die Verhandlungen mit dem herzoglichen Hofe zu 91."

Wenige Minuten später trat der Geheimsekretär des Herzogs, Geheimer Rat Dr. Brian, ein.

Mein lieber Brian, bitte nehmen Sie Platz und halten Sie uns an der Hand Ihrer Akten Vortrag über die Geheimverhandlungen mit dem Hause zu 91."

Der Geheimrat hielt seinen Vortrag.

Ich danke Ihnen sehr, mein lieber Brian. Und nun noch Daten der Begegnung."

Sofort, Em. Hoheit. Se. Hoheit würde sich in Be­gleitung Ihrer Durchlauchtigsten Fürstin und des Kammer­herrn Grafen zu Hollen am 31. Juli nach Luzern begeben und dortselbst ttn Schweizerhofhotel Wohnung nehmen. Am Wend des 3. Slugust soll dann in den Appartements des Nationalhotels die Begegnung der hohen Herrschaften statt- ssinden. Ihre Durchlaucht die Fürstin wird als Gräfin Schwanau auftreten, in ihrer Privatöegleitung befindet sich noch Fräulein von Hämmerling."

Der Erbprinz ergriff das Wort.

Ich bin mit allen diesen Dispositionen einverstanden, bis auf eine. Notieren Sie bitte, Brian: An Stelle des Kammerherrn Grafen zu Hollen tritt Hofjägermeister von Merkwitz. Doch das bleibt vorläufig geheim."

Aber Hans Jochen, das bedeutet eine schwere Kränkung des Grafen."

Ich kann cs nicht ändern. Bei diesem wichtigen Schritt will ich aber auf keinen Fall einen Mann um mich haben, der mir unsympathisch ist."

Der Herzog gab nach langem Zögern seine Einwilligung.

Kathinka lebte im wonnigen Rausche der ersten, süßen Liebe.

Am ersten Juli war der Namenstag des regierenden Herrn. In der Schloßkapelle war Gedächtnisfeier und an­schließend in den Prunksälen Galatafel. Beim Eintritt des Hofs in die Kapelle ging der Erbprinz etliche Schritte neben kathinka. Er flüsterte ihr schnell zu, daß er sie nach der Tafel sprechen wolle. Sie wurde dadurch so aufgeregt, daß sie von der Rede des Hofpredigers nichts vernahm. Ummer wieder sagte sie sich: Was wird er von dir wollen? Beim Cercle vergaß sie, die vorgeschriebenen Gratulations­worte zu sprechen; sie stammelte:Mein gütiger Herzog

und Vater," und neigte sich auf die Hand Seiner Hoheit, sie zu küssen. Der Oberhofmarschall trat nach Beendigung des Cercles ärgerlich auf sie zu, aber der alte Herzog, der das gemerkt hatte, sandte Merkwitz zu Graul und ließ rhn zu sich bitten. So stand Fräulein von Hämmerling einen Augenblick allein. Das benutzte der Erbprinz. Er erltg unauffällig an Kathinkas Seite.

Mein gnädiges Fräulein, ich werde den Vorzug haben in vier Wochen mit Ihnen im schönen Ludern zu weilen. Sie erschrecken. Um Gotteswillen, fassen Sie sich^ Kind. Mir blutet das Herz. Aber sehen Sie dort meinen alten, lieben Vater; sollen wir ihm den Schinerz antun?'

Nein, nein, Hoheit. Ich bin ja schon ganz ruhig;1 ich weiß wohl es geht nicht. Ihr Mächen wird zur Wahrheit."

Achtes Kapitel.

Seit acht Tagen weilte Ihre Durchlaucht die Fürstin Clothilde in Begleitung von Kathinka und ihrer alten Kam­merzofe in Berlin. Sie hatten im HotelBristol" Wohnung bezogen. Ein Heer von Schneiderinnen bemühte sich, für die beiden Damen Bade- und Reisetoiletten herzustellen. Am Ende der ersten Woche traf der Erbprinz ein.

Und nun durchwanderten sie, gleich Privatleuten, die Straßen der Reichshauptftadt. Der Erbprinz markierte mit gutem Humor den Fremdensührer.

Am Zoologischen Garten stiegen sie in den Tunnel der Untergrundbahn. Die Fürstin hatte sich auf einer Bank niedergelassen, während der Prinz und Kathinka auf und ab prominierten. Ms sie im hintersten Teil des Tunnels' angekommen waren, ergriff Hans Jochen Kathinkas Hand.

Müßte es nicht herrlich sein, Kathinka, wenn wir,, fern von allem Hofgepränge und ich der Krone ledig, immer hier weilen könnten?"

Kathinka sah vor sich nieder und scharrte aus Ven legenheit mit dem Stiefelspitzchen auf dem Asphalts >

So sprechen Sie doch ein Wort, Kathinka."

Ach, quälen Sie mich doch nicht so, Prinz."

Er zog sie an sich und flüsterte:

Wenn Sie eine Ahnung hätten, wie märchenhaft schön Sie in diesem Augenblick sind, und daß ich alle Kronen der Welt darum gäbe, könnte ich Sie jetzt küssen, rasend küssen"

Da brauste der Zug heran. Im Augenblick stand er; die Türen rollten aus, und die Herrschaften mußten sich beeilen, den Wagen zu erreichen. In dem engen Raum saßen sie dicht nebeneinander. Ein junger Major aus dem Großen Generalstab lehnte neben einem Gardeulan in der Tür der Rauchabteilung. Er blickte unverwandt nach Hans Jochen, und als dieser mit der Fürstin und Kathinka am Leipziger Platz den Wagen verließ, salutierten beide Herren und der Major sagte laut:Ew. Hoheit, Ew. Durchlaucht."

An dem Rohrposthäuschen zwischen Leipziger- und Pots­damer Platz kaufte der Prinz für die Fürstin ein Veilchen­bukett und" für Kathinka einen Strauß taufrischer Rosem