Ausgabe 
18.1.1912
 
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warst Er tm Samstag früh zu einer Kommission nach Ober­haching gefahren; so hatte ich diesen ganzen Tag und die beiden Feiertage für mich; ich arbeitete jeden der drei Tage etwa 10 n- und als E Dienstag der Herr Assessor eintrat, waren alleRückstände" verschwunden. Erschrocken sah er mich an Um Gottes Willen wo mb denn alle die Akten?Er­ledigt!" sagte Dahn darauf prahlend.Hab alles signiert Liegt schon alles zum Abschreiben bei den Schreibern 6 haben Nur zu unterschreiben!' -^Sr? Unglücksmensch! Sie Narr!" schrie er, rannte zornroten Kopfes zu den Schreibern urtb entriß diesen, was noch zu retten war. Ach!reiner Tor'" Ich hatte mich in meinemBrererfer an dre schwersten Dinge gemacht, an Fragen, von denen ich noch gar nichts verband, an Konknrsakten, an Sachen, in welchen erst ein neues Schrift­stück der 'Parteien oder das Ergebnis einer Requisition zu erwarten war, bevorsigniert" werden konnte. Ich aber hatte frisch drauf lossigniert" nach bestem freilich sehr unzulänglichem Wissen! Den ganzen Tag sprach ier kein Wort mit mir. Und ich hatte es doch so gut gemeint und beide FeiertageHarald und Thwno', der Edda und den geliebten Rechtsaltertümern von Jakob Grimm entzogen!

Am Tag darauf, abends 6 Uhr wir waren allein legte er mir die Hand auf die Schulter: Tun's das nie mehr! Gelt? So! Und jetzt zahl' ich Ihnen eine Maß. Gehn's mit zum Franziskaner!" Das tat er keinem andern. Mir war, als halt' ich den Michelsorden gekriegt."

Vermißtes.

* F r a u e n m o d e n i in R e i ch e d e r M i t t e. Wird die Revolution in China, die so überraschend die Gersteswandluug der Söhne deS Himmels offenbart, auch in der nächnen 3e*t die Litten und Bräuche der chinesischen Frauenn>elt verändern? Das ist die F>aqe, die der Pariser Journalist de Marechal einem vertrauten Freunde und Mitarbeiter, Sim Yat Sens, vorgelegt hat und deren Beantwortung einen interessanten Einblick in das Leben der ckme- stseven Frau und in ihr Verhältnis zur 'Mode gewährt.Bor allem", so erklärte der Freund Sun Yat Sens,mu6 man streng unterscheiden zwilchen der chinesischen Frau und der Mandschu- irau Sie sind einander in Tracht, Sitte, Temperament und Wesen aunerordenltich verschieden. Ich glaube nicht, daß die Mandschu» srau in abiebbarer Jett euroväische Sitten annehmen wird, oder jeden atls nicht die guten europäischen Sitie». Tie Rasse der Mandschu ist ihrem Wesen nach sehr konservaiiv, sträubt sich gegen Aenderungen und Wandlungen. Bor allein aber sind die Mandicku- frauen keine Anhängerinnen intellektueller oder künstlerischer Bildung, und in'olgedessen siebt ihre Kultur auf keiner hoben Stuke." Dieser Unterschied gegenüber der wlssensöurüigen Ehmesin, die nach den alten Traditionen ihres Boltes von fiübeüer Jugend an die Achtung vor aeifttger Bildung und Wissen geleint bat, prägt sich ctueb tm änderen l'eben aus; die Dlandschuirau jncbt im Veben on eie Genüsse und sie kleidet sich auch anders Ivie die Chinesinnen. Tie reut eines reichen und vornebmeu Mandschus tragt eine 'Art kurze seidene Jacke und einen seidenen Rock, während die Chinesin eine lange .tacke trügt, die !ür den europäischen Blick in ihrer Länge an einen Gehrock erinnern mag. Ter ott pelzbesetzte Kragen dieser Jacke ist immer hochgeschlagen, statt des Rockes der Alandschufiau aber trügt die Chinesin seidene Beinkleider. Tie Wesensverschieden- heiten des Geschmackes zwischen den Rassen prügt sich aber vor allem in dem Kopfschmuck aus. Tie Chinesin trägt eine eng an­liegende, an den Rändern mit Stickerei geschmückte Kappe, die Alands bmrau dagegen eine sehr umnäudliche und auffällige Frisur. Ihr uopk schmückt em hoher, schmetterlmgarliger Ausbau aus falschem Haare, der mit Hilfe eines Trahtgestelles m seiner Lage erhalten uurd. In seinen Formen erinnert dieier künstliche Ausbau au die grobe seidene Schleite, die die Elsässerin als Kopfschmuck trägt, nur daß diese Zierde der Mandschukrau nicht aus Llofs, son­dern aus künstlichem Haar besteht, -ier Haaibau der Mandschu- srau ist für sie auch die Gelegeiiheit zur Entsaltnng von Prunk, alles, was sie an Kostbarkeiten und Juwelen besitzt, richtet sich auf diesen Haarausbau, in den gern Perlenketten verwoben werden. Tie Mitte der Frisur bildet immer eine schwere kostbare Spange, die oft mit Juwelen besetzt ift und in senkrechter Richtung an dem Haaraufbau angebracht ul. so daß sie an ihrem unteren Ende den Scheltet berührt. Dte Chinesin dagegen schmückt sich mit einem Perlenbaud, das um den Hals getragen wird, und das einen mög­lichst schweren und kostbaren Anhänger tränt, der dann auf der Brust pendelt." Wenn aber auch diese beiden einander so ver­schiedenen Trachten einstweilen noch wenig Berührungspunkte mit euroväiscber Mode zeigen, so lägt sich doch annehmen, dab tm Gegensatz zu der Mandtchufrciu die Chinesin verhältnismässig rasch europäisches Fühlen und europäische Sitten annehmen wird. Tie Dlaiilschuirau verbringt ihren Tag mit Spiel, sie raucht Cpinm und hat eine besondere Vorliebe für Theater, ja viele von ihnen hallen sich SckauspielergeseUschasten und Tänzer, wie sie überhaupt männliche Umgebung und männliche Bedienung vorzreheu. Tie Chinesin dagegen lebt sehr zurückgezogen, bat nur ihre Dienerinnen, sie kennt die Svielleidenscbaft nicht, die Beschäftigung tlner Mube-

stiinden ist Malerei, Stickerei und Musik, fa viele von ihnen mache» auch heimlich ihre Gedickte. Da sie aber durch ihre Erziehung über eine einstweilen ireilich einseitig ckmesiscke Bildung ver'ügen, leien sie auch viel, haben einen gröberen Gesichtstreis, vor allem aber eine lebhaftere Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit des Eieistes, so dab sie sicher die er'ien sein werden, die sich in verhält­nismässig kur er Zeit den neuen Umständen anpassen werden, wo­bei naturgemäß auch ihre Lebensweise und ihre Tracht fremden Einflüssen zugängig werden.

Xk. Das Schiff d e S Jahres 2000.Wo das Rechne» anfängt, hört der gesunde Menschenverstand auf. Für dieses bos­hafte ivort Schopenhauers liefert ein amerikanisches Blatt einen tressticheu Beleg in einer Phantasie über das Schiff des Jahres 2üj0. TieClermont", der erste Dampfer Fultous, war 130 Fug lang; jetzt, 100 Jahre später, baut man Schifte von 1000 Futz Länge, also wird man wieder 100 Jahre später Schiffe bauen, die im gleichen Maßstäbe vergröbert sind: d. h, das Schiff des Jahres 2i>00 bat, sehr mässig gerechnet, eine Länge von 48u0 Fub, 1400 Metern. Wie dieses Schiff sonst eingericktet ist, weib das amerika­nische Blatt auch in Wort und Bild zu erzählen. Zu dieser Vban- tasie ist übrigens zu beinerfen, dab manck es, was als Phantasie angenommen wird, bei Schiffen der Gegenwart schon verwirklicht ist oder wird. Golfplätze, die das amerikanische Schiff des Jahres 2u00 zeigt, hat z. B dieClpmpic" an Bord. Ter ge­waltigen Länge entsprechend ist das Schiff des Jahres 2000 auch recht breit, nämlich 13b Meter. Seme Höhe (26 einzelne Geschosses wird mit etiua 44 'Dieter angenommen. Im Querschnitte sieht man, was die 300 090 Fahrgäste (>o viel soll es nämlich befördern I alles zur Verfügung haben: Tie 4 edaufbautcii zeigen Flugplatz» etnri i tnngeit; auf dem obersten Teck ist eine schöne Automobil» rennbabit mit einem Zielriu terbause zu sehen, aubeidem muß auch die Steiiiwaite ganz oben angebracht werden. Eine richtige Feuer­wehr mit Automobilea >md Pieroegespcnmen fehlt nicht; auf einem tieferen Deck ist eine schön Reit- und Fahrbahn, sowie eine Pferde­rennbahn, bei der natürlich bei den Riesenmabcn des Schisses klalsiscke Rennen entschieden werden können^ Weiter ift an B nd des Schiffes bemerkenswert: der künstliche Fischgrund für leiben» schädliche Angler, eine Börse, ein Warenhaus, em sehr weitläufiges Post» und Telephonaml, die Strabenbahn, die Polizeisiatioii, der Schiebvlatz, das Gerichtsgebäude, das Fubball'eld, die Tennis- pchtze und die Berg- und Ta.bahn für Leute, die es lieben, während der Seereise eine kleine Elsenbahnreije zu machen. Tatz em Luischiff und Meffengerboys an Bord sind, bedarf wohl keiner desondereii Erwähnung. Emen gewaltigen Vorzug hätte ein solches Riejenschiff bestimmt, wenn es auch ionit durchaus unwirtschaftlich märe: die Fahrt wäre vermutlich auch bei sehr stürmischer cec ganz ruhig. Nimmt man etwa an, daß die laugen Wellen deS Weltmeeres eine Turchschnittslange von 100 Metern haben, so er­kennt man, dab kleine Schiffe auf ihnen nicht allzu sehr schwingen uns schaukeln, weil ihr Kiel dauernd unter Wasser bleiben kann. Gröbere Schiffe, deren Lange unter 200 Dietern bleibt, müssen stark schaukeln, weil, wenn sie mit der Mitte auf dem Kamm einet 'Ibelle sind, beide Enden frei schweben und bann das plötzliche Ern- tauchen erfolgt. Roch längere Schiffe, von mehr als 300 Meter» Länge, fahren viel ruhiger, weil sie stets mmöeftens zwei Wellen- tännne unter sich Haien und daher praktisch genau roagerecht bleiben, bloch größer e Schiffe ruhen gleichzeitig aus mehrere« Wellenkämmen und fahren deswegen noch ruhiger.

ttönigspromenade.

Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weis« miteinander verbinden, dab man rote der König auf dem Sckach» brett stets von einem Feld au« auf em benachbartes übergeht.

Auflistung in nächster 'Nummer.

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Höch

Auflösung der Charade in voriger Nummert Armband.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühk'jchen Uiilverstläts-Buck» und Stembructeret, R. Lang«,