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Ein Fluch Afrikas.

Born Aberglauben im schwarzen Erdteil.

Won H. Singer.

'In Aeguatorialafrika, vor allem auch in großen Teilen unserer neuen Erwerbungen aus dem französischen Kongolande, wütet die Schlafkrankheit, die die Eingeborenen in Massen dahinrafft und bewirkt hat, daß weite Strecken, besonders im Gebiet des Sanghastromes, bereits zur nahezu menschenleeren Wildnis geworden sind. Die Kolonialstaaten versuchen gegen die Krankheit anzukämpfen. Die Aussichten sind zwar trübe, aber ein schließlicher Erfolg ist möglich.

Eines anderen, älteren Fluches Afrikas', der Sklaven-« j a g d e n und der damit verbundenen verheerenden Begleitum­stände, ist Man heute schon -einigermaßen Herr geworden. Einiger­maßen erst jöemt noch steht keineswegs jeder Winkel Afrikas unter wirksamer europäischer Aufsicht; aber Erscheinungen wie etwa Samory, Rabeh, die sansibaritischen Araber und die Sultane von Barnu, Bagirmi und Wadai, gehören doch für immer der Ver­gangenheit an, sind künftig nicht mehr denkbar. In Kamerun und dem englischen Nigeria haben bis noch vor wenigen Jahren die mohammedanischen Fulbesultane alljährlich zu bestimmten Zeiten Sklavenjagden in den benachbarten sogenannten Heiden-

ich mit ihr? Und ich ich bin für sie viel zu kompliziert. Sie kann mich nicht verstehen.

Dodo hatte wohl eine Entgegnung erwartet.

Einen festen Krach gab's mit Herrn Eberhard-Hoch­geboren," wiederholte sie,. . . na, und dazu sagst du gar nichts?"

Was soll ich dazu sagen? Höchstens: klug ist es nicht. Wir armen Mädels, mußt du wissen, werden während der Saison so manchmal aus die Brüder angewiesen sein."

Hellauf lachte Dodo, stemmte die Hände in die Hüften und wiegte sich.Du auf Hardi uni> Friedel? Du Schönste der Schönen. Lächerlich! Du glaubst es ja selber nicht. Und ich Aschenbrödelchen muß eben meinen Stiebel alleine gehen, denn auf die gnädigste Fürsorge der beiden geb ich keinen Pfifferling. Ist mir auch ganz schnuppe! Denn eigentlich, weißt du, mach ich mir aus dem ganzen Gesellschaftskram nichts."

Der Appetit kommt erfahrungsgemäß immer beim Essen."

Dodo schüttelte den Kopf. Ein Weilchen stand sie wie unschlüssig, dann holte sie sich einen kleinen Hocker und setzte sich zur Schwester. Sprang aber gleich noch einmal auf und zog Signes Kleid bis über die Fußspitzen herunter. So... in den Spinnwebenstrümpsen holst du dir sonst noch einen Schnupfen, und der soll selbst der Allerschönsten schlecht zu Gesichte stehen. So . . ." sie hockte nieder, stützte das Kinn in beide Hände und sah vor sich hin.Also beim Essen kämmt der Appetit. Ich wollte schon immer mit dir darüber sprechen, ganz ernsthaft. . . aber freilich nicht vom Gesellschaftstrubel. Sondern von uns hier, von uns allen. Weil's mir nämlich auch so vorkommt, als ob uns beim Essen der Appetit gekommen wäre. Verstehst du mich?"

Signe verstand schon. Aber sie sagte dennoch:Worauf willst bu denn hinaus?" >

Nun . . . aus alle die Veränderungen, die mit uns vorgegangen sind, seit wir aus Onkel Reinhards großem Suppennapf löffeln. Ich hab das ja zuerst auch alles riesig nett gefunden, schon allein, daß Mama nicht mehr so ängst­lich knausern muß und Vater alle Sorgen tos ist. Ich kann dir sagen, Signe, in Körlin war zuletzt wirklich Meister Knapphans bei uns im Anrücken. Aber nun hab ich doch so meine Gedanken"

Hast du? Sieh mal an."

Du brauchst gar nicht zu spötteln. Manchmal, finde ich, war's in Körlin gemütlicher. Mutter hat eigent­lich nie für uns Zeit, hat immer den Kopf voller Be­sorgungen und Einkäufe. Vater sitzt über Akten und Rech­nungen und was weiß ich, oder er rennt spazieren. Und er .ist dabei gar nicht so frisch wie früher, alle Augen-- blicke klagt er über den Magen. Die Brüder na, Eber­hard möchte nachgerade Prinz von Arkadien werden, und sein Vollblütler ist ihm, das kannst du mir glauben, lieber als wir beiden Schwestern zusammengenommen. Friedel erstickt nächstens in feinem hohen Stehkragen und in feiner Weisheit . . ."

Male nur weiter und ich?"

Da beugte sich Dodo vor und umfaßte die Schwester zärtlich.Du, ©gine .... ja, du auch! Sei nicht böse ! Du willst für mich das reine Pflänzchen Rührmichnichtan werden. Wie du zu allen anderen Menschen bist, das ist mir im Grunde ganz egal. Wer mir gegenüber sollst du nicht die Prinzessin spielen. Du bist ein paar Jahre älter na gut. Du bist gewiß klüger schön. Aber du bist doch meine Schwester, meine liebe gute alte Signe"

Leidenschaftlich hatte sie zuletzt gesprochen, und immer fester hatten sich ihre Arme um Signe geschlossen. Die schüttelte nur langsam den Kops und' lächelte.Aber Kind!"

Ja Kind! Meinetwegen Kind'. Ich wollte, ich wäre noch ein rechtes Kind, dann würde ich das alles gar nicht so empfinden. Aber ich fühl's, wie du dich mir entfremdest. Alle werden wir uns fremder, aber von dir schmerzt's mich am meisten. Sei du der ganzen Welt gegenüber die große kühle Dame, die anstatt des Herzens einen Kieselstein in der Must trägt. Du mußt ja wissen, ob das auf die Dauer bekömmlich ist. Aber ich hab Anspruch da da muf dies Herz! Hörst du! Ich will, daß du mich lieb hast."

Signe schob den Ellenbogen unter und richtete sich ein wenig auf. Etwas wie Neugier und Ueberraschung regte sich in ihr:Alle Wetter, hat das Mädelchen Temperament. Md etwas. Wahres ist auch A allem,, was sie sagt. .Abe«

unbequem ist sie und kann noch viel unbequemer werden.^

..Laut sagte sie:Schäfchen! Du bist wirklich ein liebes! Schäfchen. Wie kannst du dir nur solche Dummheiten ein­bilden? Soll ich's dir noch ganz besonders versichern, daß ich dich lieb habe? Komm, gib mir einen Kutz. Küsse unter Schwestern gelten zwar heut als sehr unmodern, aber warum soll man denn immer modern sein."

Um Dodos frische Lippen zuckte es.Du treibst Spott mit mir, Signe. Für eine Theaterszene im Biedermeier­stil bin ich nicht geschaffen trotzdem die am Ende heut auch wieder hochmodern wäre."

Sieh mal an. Eine ganz hübsche ästhetisch-literarisch- kunsthistorische Bemerkung. Lernte man so etwas auch in deinem geliebten Körlin? Wer nun mach mich nicht böse: ich kann doch nicht mehr tun, als dir sagen: ich hab dich gern."

. . . sag lieb, Signe!"

Ich hab dich lieb!"

Und sie legte ihre Arme, um Dodos Nacken und küßte! sie herzlich Und dann sprang sie auf, schritt zum Flügel, warf die Decke zurück und öffnete das Instrument.

Einen Augenblick überlegte sie. Gleich darauf klang ihrs herrliche Altstimme durch den Raum. Sie sang Mörikesr Wir Schwestern, wir schönen - Wir haben nußbraun Haar Und flichtst du sie in einen Zopfs

Man kennt sie nicht fürwahr.

Wir Schwestern, wir schönen, Wir tragen gleich Gewand Spazieren auf dem Wiesenplan Und singen Hand in Hand"

*

Es wurde heute etwas früher gegessen als gewöhnlich, denn für den Abend war eine Loge im -Opernhaus bestellt.

Das Speisezimmer lag im Erdgeschoß. Als die beiden Schwestern, Arm in Arm, die breite Freitreppe herabkamen, stand Vater grad in der großen Halle. Das hübsche Bild erfreute ihn. Er klatschte fröhlich in die Hände und ries: Bravo, ihr lieben beide. So etwas lob ich mir. Und famos seht ihr aus. Kommt mal her ich muß das genauer ansehen."

Sie waren schon in großer Gesellschaststoilette. Signe wieder in ihrer Lieblingsfarbe, einem mattblauen Seiden« kleide, Dodo in duftigem cremefarbigem Chiffon. Vater ließ sie Revue passieren, tat ein paar Schritte zurück, ein paar Schritte vor.Hervorragend, soviel ich davon ver­stehe." Er schmunzelte .Der Ausschnitt wäre wohl für Körlin ein bissel reichlich, aber hier na, das ist ja wohl Hofsitte." Dann gab er erst der Aelteren, dann Dodo einen Kuh:Vorspeise fürs Diner." Aber er empfand dabei selbst den Unterschied, den er machte. Signe küßte er auf die Stirn; immer hatte er das dumme Gefühl: eigentlich kann man ihr nur die Hand küssen. Dodo nahm unb er­hielt einen ordentlichen Schmatz, und zum Ueberfluß klopfte er ihr noch sanft und zärtlich auf den Nacken:Du bist gut bei Fleische, Kind, könntest Signe was abgeben- wenn man so an den derberen Geschmack denkt/

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