Donnerstag ten 18. Januar
^Wdn|ii|
*m»sscfe MiBIS
» W liM
Pi
Elückslasten.
Roman von Hanns von ZobelttA
(Nachdruck verboten^
(Fortsetzung.)
Vorgestern hatte der Tapezierer hier die letzten Nägel eingeschlagen. Drüben an der Wand, wo der rote Seiden- t.eppich mit den seltsam verschlungenen indischen Ornamenten sich scharf und doch harmonisch von der blauen Stosfbespan- inung abhob. <
Mau war der Grundton des ganzen Zimmers. So hatte sie es gewollt mit ihrem feinen Farbengefühl, im sicheren Bewußtsein, wie dies matte Mau zu ihrem blassen Teint, zu ihrem rotgoldenen Haar paßte. Der Dekorateur halte wieder und wieder den wohlwcisen Kopf geschüttelt: blau die Wände, blau der Teppich, blau die Bezüge, blau sogar die Seidendecke über dem kleinen Jbachflügel. Mit -feinen Nuancen freilich, mit einer Silberborde hier, mit vielen ganz schmalen, dicht nebeneinandergesetzten bordeauxroten Streifchen an den Vorhängen — aber doch immer blau. Sie hatte auf ihrem Sinn bestanden, und gestern, als das geschniegelte Herrchen noch einmal zur letzten Schau gekommen war und sie mitten im Marr gesehen hatte, machte er eine devote Verbeugung: „Gnädiges Fräulein hatten doch recht."
Es war ja sehr komisch: ihr hatte das fast wie pn Symbol geklungen. Nur immer auf dem eigenen Sinn bestehen! Sich selbst vertrauen, sich nicht beeinflussen lassen! Jetzt — und später — immer!
Wenn man sich so tief hat Lücken müssen und sich so viel versagen mußte, dann fühlt man erst, wie wohl es tut, auf dem eigenen Sinn bestehen dürfen.
Und das machte nur der Reichtum möglich. Nur das Gold, das die törichten Menschen elendes Gold nennen. Gesegnet seist du, Onkel Reinhard!
Merkwürdig war's ja, wie der neue Reichtum auf die Menschen wirkte.
Auf Water eigentlich am wenigsten. Er hatte sich ja überall ein bissel was zugelegt, aber im großen und ganzen war die Veränderung nicht überwältigend. Aber Mama Mama, die früher jeden Silberling so oft in der Hand wendete, wie ihr schwarzseidenes Kleid — Mama hatte entschieden einen Zug zur Berschwendung bekommen. Da mußte man sogar manchmal steuern, daß der nicht zur Geschmacklosigkeit führte. Eberhard? Ich glaube, der ist auf dem gleichen Wege, wenn er auch immer an allem, was geschmacklos ist, vorübersteuern wird. Friedel? Das ist eigentlich der komischste — Friedel knausert. Vorläufig nicht im großen, aber im kleinen. Er entwickelt sich zum Finanzmann, neulich sprach er schon von seinem Bankier und seinem Scheckbuch.
Und ich , &. ich rr-i J«
. . . das Leben will ich genießen... in Schönheit genießen . . . bewundert werden, angebetet. . . und Herr-, scheu. ...
Draußen kam's die Treppe 'herauf mit Holter und Polter. Immer drei Stufen auf einmal, wie es schien. Und dann wurde die Tür weit aufgerissen, Dodo stürmte herein, noch im Schlittschuhkleide, mit halbgetauten Schneeflocken auf dem Pelzbarett; und mit ihr ein so frischer Winterhauch, daß die Schwester unwillkürlich die Füße unter die Matinee zog.
„Nein aber, Signe! Warum bist du nur so früh fortgefahren. Da wurde es ja erst schön. Himmlisch war's Die Maikäfer spielten. Die ganze Mase kam angetanzt, und wir haben eine Quadrille gelaufen — einfach zum Küssen. Ein Kamelchen warst du, daß du nicht bliebst, einfach ein Kamelchen . . ."
Und sie schob die blaue Ndatinee ziemlich rücksichtslos zur Seite, hockte sich neben der Schwester nieder, fast wie ein Junge, und erzählte mit strahlenden Augen, wie himmlisch es gewesen wäre.
„Die hatte ich ganz vergessen," dachte Signe. „Dodo! Die hat sich gar nicht verändert. An der ist der ganze große Umschwung spurlos vorübergegangen. Grad so himmlisch hätte sie sich auch in Körlin amüsiert — das Kind."
Schweigend hörte sie zu. Schweigend auch, als Dodo sich recht achtlos das Jackett abstreifte und das Barett von dem schwarzen üppigen Haar nahm. Aber sie musterte sie dabei doch. „Hübsch ist sie nicht, wenigstens kaum hübsch. Eine gute Figur wird sie bekommen, wenn sie sich mehr gestreckt hat, und frisch ist sie. Mehr nicht. Aber zum lieb haben — das Kind. Abschleifen muß man sie, sonst eckt sie an."
„Hardi war auch da. Im neuen blauen Rock. Na, noch ein bissel sehr, sehr neu. So als ob der ganze Kerl noch nicht recht hineingewachsen wäre. Mit einer ganzen Horde Kameraden. Von den pikfeinen Herrchen lief natürlich keiner. Bloß zusehn, sagte Eberhard. Da hab ich ihn ein bissel angebtasen, weißt du, und es gab einen kleinen Krach. Weißt du — was ich mir davor kaufe!"
Es war vorüber mit Signes wohliger Stimmung. Sie war herausgerissen. Unwillkürlich zog sie wieder eine Maske, vor das Gesicht: nur sich nicht gehen lassen; auch nicht vor den Allernächsten.
Den Allernächsten? Im Grunde: zählte denn diese kleine Dodo dort zu den Allernächsten? Eine Welt lag zwischen ihnen. Gern hatte sie die Dodo — lieb sogar. Aber gemeinsam hatten sie nichts, nicht die Erfahrungen des Lebens, nicht dessen Enttäuschungen, nicht die Freude an der Gegenwart, nicht Wünsche und Hoffnungen auf die Zukunft. Und das, was man an dem Kinde als das Reizendste empfinden mußte, die sprudelnde Natürlichkeit, zog vielleicht erst recht eine Trennungslinie, Was joli


