Ausgabe 
17.7.1912
 
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bezweckten die jetzt Noch, da er verlobt war? Wollte er jetzt mit ihr spielen, nachdem er früher ernsthaft um sre geworben, oder wollte er ihr damit einen Vorwurf machen, daß sie sich verstellt habe und nun die Folgen ihres Be­nehmens tragen müsse?

Sie tat, als hätte sie ihn nicht verstanden:Nun, ganz so tief wird Ihre Liebe wohl nicht vergraben sein. Sonst wüßte ich wirklich nicht, warum Sie sich so schnell verlobt hätten." ...

So schnell?" fragte er ganz erstaunt.Ja wissen Sie denn, ob das wirklich so schnell ging? Und schließlich, wie oft hat nicht schon die Schlacht eines einzigen Tages das Schicksal ganzer Völker entschieden! Warum soll da der Liebeskampf zwischen zwei einzelnen Menschen noch länger dauern?"

Sie haben recht. Und schließlich sind die Charaktere ja auch verschieden. Der eine verliebt fich schnell, der andere langsam und der dritte nie."

Pardon, Komtesse es heißt: nie, niemals!"

Wenn Sie wollen, auch das. Ob nie oder niemals ist aber doch schließlich dasselbe."

Gewiß, denn das eine ist ans dem. Münde einer Fran ebenso wenig ernsthaft zu nehmen wie das andere. Das habe ich sogar bei Claire gemerkt, sie sagte guch zuerst: nie niemals! Und jetzt sitzt sie doch da drüben als meine kleine Braut."

Er erhob sein Glas und trank Claire zu., Aber als er sich dann wieder an Dagmar wandte, unterhielt die sich so lebhaft mit Alexa, daß er für sie gar nicht mehr zu existieren schien.

Der Baron sah, daß er für Dagmar einmal "wiederer­ledigt" war. So wandte er sich denn Claire zu, die immer noch von dem Grafen ausschließlich in Anspruch genommen wurde. Uud auch als man endlich von Tisch aufstand, wich der Graf nicht von ihrer Seite:Machen Sie, daß Sie fortkommen, Baron!" rief er dem zu, als er sich ihnen näherte.Sie haben Ihre Braut später so lange, wie Sie leben, da können Sie mir Claire die paar Tage, die sie hier ist, ruhig gönnen. Unterhaltungen zu dritt' wenn zwei davon ineinander verliebt oder miteinander verlobt sind haben für mich keinen besonderen Reiz. Setzen Sie sich nur getrost zu meinen Damen, und überlassen Sie mir dafür Ihre Dame."

Aber Herr Graf seien Sie vorsichtig," flüsterte der Baron ihm zu.Sie zeigen Ihre Schwärmerei für Claire doch zu deutlich. Heute, am ersten Abend, dürfen Sie sich noch nicht verraten."

Ich werd' mich hüten," rief der ganz erschrocken,und Sie brauchen auch nichts zu fürchten. Meine Frau ist zwar auf ihre Menschenkenntnis sehr stolz, aber sie hat sich trotzdem in dieser Hinsicht ein solches Kindergemüt bewahrt, daß sie gar nicht auf den Gedanken kommt, hier könnte etwas nicht stimmen. Aber besser ist immer besser: gebt euch mal einen Kuß, natürlich nur auf die Stirn sonst könnte Hans am Ende doch eifersüchtig werden."

Der Baron sah ein, er mußte wirklich einmal seine Rolle als Bräutigam spielen. So legte er denn jetzt leicht seinen Arm um Claires Schultern.

Alle sahen, wie Claire errötete, wie ihre Wangen glüh­ten und wie sie verlegen und verwirrt den Blick zu Boden senkte.

So sieht keine glückliche Braut aus," sagte sich die Gräfin.Sollte sie dem Baron nicht nur aus Liebe ihr Jawort gegeben haben vielleicht mehr auf Wunsch der Eltern hin als aus eigenem Empfinden? Das sollte mir für beide leid tun. 1 Irgend etwas scheint mir da nicht zu stimmen, das ist mir schon vorhin ausgefallen. Der Baron ist merkwürdig kalt und leidenschaftslos; allerdings ist er ja auch an Jahren sehr viel älter als Claire. Sie empfindet seine Zurückhaltung sicher, und das macht sie so verzagt. Armes Kind, sie tut mir leid, sie ist so hübsch! Schade, jammerschade, daß sie nicht adelig ist."

Wollen Sie sich nicht -etwas zu mir setzen, liebe Claire?" rief die Gräfin, als sie ihren alten Platz am Kamin eingenommen hatte. Und mit einer einladenden Handbewegung bat sie Claire zu sich.

Wie die Gräfin, so hatten auch Dagmar und Marianne das Brautpaar nicht aus den Augen gelassen. Marianne war viel zu harmlos, Um auf irgend einen bösen Gedanken äu kommen; öfter wie ihre Mutter, so wurde auch Dagmar den Argwohn nicht los, daß zwischen dem Baron und

Claire irgend etwas nicht in Ordnung sei. Er war Claire gegenüber, wenn auch nicht gerade verlegen, doch etwas unsicher in seinem Auftreten; -er sprach nur wenig mit ihr, und dann versuchte er, seiner Stimme einen to-arme», zärtlichen Klang zu geben, der sehr gezwungen erschien. Warum hatten die beiden sich miteinander verlobt? Nur eine leidenschaftliche, glühende Liebe hätte diesen schnellen, gänzlich überraschenden Schritt erklären können. Und doch schien gerade diese Liebe zu fehlen. Vielleicht hatten Claire andere Gründe veranlaßt, ihm die Hand zu reichen. Viel­leicht lockte sie der Gedanke, Frau Baronin zu werden, was konnte da nicht alles mitgesprochen haben!

Und immer wieder mußte sie an die Worte denken,- die er ihr vorhin gesagt hatte. Was sollten die jetzt noch," da er verlobt war--?

Sie fand keine Antwort darauf.

Unterdessen plauderte die Gräfin mit Claire und sie gefiel ihr immer besser.

-Augenblicklich waren- die beiden bei einem sehr heiklen Thema angelangt: Claire hatte auf Befragen erzählt, daß sie Hans auf Gesellschaften kennen gelernt und sogar ver­schiedentlich mit ihm getanzt habe. Auch wäre er neulich mit ihren Eltern und mit ihr zusammen der Gast des Barons gewesen.

Und hat Ihnen mein Hans gefallen?" fragte die Gräfin. Eigentlich war diese Frage ja ganz überflüssig; denn daß ihr Sohn einem jungen Mädchen nicht gefiel,- war -ausgeschlossen.

Claire gab Auskunft, aber so groß -auch sonst ihre Verstellungskunst war, hier versagte sie doch! lieber Hans, über ihreneinzig süßen Hans" so gleichgültig zu sprechen, als handele es sich um einen Menschen, mit dem sie nur ein paarmal fluchtig in Berührung gekommen sei, das ging denn Doch über ihre Kraft! Sie wurde verlegen und verwirrt und suchte das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken.

Das also war es!" Die Gräfin war glücklich. Sie hatte eine neue Entdeckung gemacht, -einen neuen Beweis' ihrer -großen Menschenkenntnis -erhalten! Claire liebte Hans! Sie hatte ihn wenigstens geliebt, ihn angcschwiirmt, wie wohl -alle ihre Freundinnen; sie hatte sich von ihm. den Hos machen lassen, mit ihm geflirtet und sich bei der Gelegenheit vielleicht wirklich in Hans verliebt, in diesen leichtsinnigen, tollen Hans, der allen jungen Damen den Hof machte, weil -er das seiner Stellung als Kavallerie Offizier schuldig zu sein glaubte! Sein eigenes Herz war kühl und kalt geblieben -er hatte gar nichts von dem gewußt, was seine Lippen sprachen, aber sie hatte Feuer gefangen! Und- wenn sie auch schon mit Rücksicht auf ihren Namen und ihre Vermögenslage hatte einsehen müssen, daß jeder ernste Gedanke an Hans ein Wahnsinn sei, so war die Liebe zu ihm doch noch- nicht -ganz in ihr erloschen.

Das also war es!

(Fortsetzung folgt.)

Die Herkunft des Wortes Hanse und seine Beziehung zu dem Namen der Hessen.

Von Professor Dr. K. Stuhl, Würzburg.

Vielleicht zu den merkwürdigsten und zugleich hinsichtlich seines Ursprungs dunkelsten Wörtern unseres deutschen Sprachschatzes gehört das Wort Hanse. Die Herkunft dieses Ausdrucks, mit dem sich für jeden Deutschen soviel ruhmvolle Erinnerungen verknüpfen, aufzuhellen, ist der Zweck der nachfolgenden Zeilen.

In der Form Hansa tritt es bereits im- 4. Jahrhundert n. Chr. in der gotischen Bibelübersetzung auf und bedeutet da eine bewaffnete Schar. Ebenso oder (mit Unterdrückung des Hauches) Ansa lautet es im mittelalterlichen Latein, wonach man dann die Hansestädte urbcs Ansaticae oder Anscaticae und mit volksetymologischer Rückübersetzung in das. Deutsche Ansee- st-ädte (!) nannte. In Regensbürg hieß es. zu Karls des Großen Zeiten die Hans. An deren Spitze stand der Hans- oder Handgraf. Hier und ebenso in Wien bedeutete es wie in Niederdeutschland die Innung, die Kaufniannsgilde. In Kärnten verstand män unter Hanse oder Hans das Geplau­der, die Unterh altung, die Tr in kg e s ell scha ft. Jrt Lübeck ist dieDudesche Hense" aus denr Anfang des 14. Jahr­hunderts bezeugt. Ebenda ist ein Hanshus im Sinne von Gilde­halle und Hanse, Lanze oder Hense Mit der Bedeutung Steuer^ Abgabe, Handelsrecht schon aus dem! 12. Jahrhundert belegt. , ... 1

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