Ausgabe 
17.6.1912
 
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konnte, oder ob man ittit ttrodber auf kremt Nitz ,Me .

man eine Aagd wegen Landfriedensbruch fürchtete. Möglich ist auch, daß man den Gefangenen wie s. Zt. den gefangenen katholischen Priester Rübsamen von Freiensteinau Urfehde schwören und dann ziehen ließ. Jedenfalls aber scheint es mit der Pfarr­herrlichkeit Reitzens zu Herbstein bald aus gewesen zu sein, denn schon 1555 erscheint Konrad Sann als Pfarrer in Herbstekm Auch er war bei der evangelisch gesinnten Bevölkerung nickt auf Rosen 'gebettet.") Nur dem Scheine nach und unter dem Schuh des fuldischen Amtmanns konnte er den katholischen Kultus aufrecht erhalten. Es waren, wie Brower mit Recht sagt, nur noch vestigia antiqui ritus, b. h. leere, der lebendigen Reso­nanz in der Gemeinde entbehrende Formen und Formeln, die Saun mühsam in Uebuug erhielt, bis dann nach seinem 1558 erfolgten Tode dank der inzwischen für die Protestanten günstiger gewordenen Zeitläufte und auf Grund des Augsburger Religions- fnebenS18) der von der Gemeinde lang ersehnte Tag kam, an dem in Valentin Eckhardt der erste evangelische Pfarrer in Herb­stein einziehen und di« totenvestigia antiqui ritus" zwar Nicht, wie Brolver meint, mitLutheri vanitate" (Luthers Nich­tigkeit) aber mit neuem evangelischem Glaubensleben erfüllen und Weihrauchfaß und Meßgeivand in die Rumpelkammer tun konnte, bis sie di«glaubenseifrigen" Jesuiten Balthasars von Dernbach, tote wir später sehen werden, 1604 wieder buchstäblich hervorholen und unter gewaltsamer Verdrängung Eckhardts und unter dem Schutze fuldischer Amts- und Krtegsleute wieder zu Ehren bringen konnten. Bis dahin aber durfte fort­an ungestört das Evangelium in her Stadtktrche gu Herbstein lauter und rein gepredigt und das Abendmahl in beiderlei Gestalt gespendet wer­den. Wie im ganzen Vogelsberg, so lang man auch in Herbstein in der zweiten Hälfte des Jahr« hunderts evangelische Lieder im Gottesdienst, tauftedieKindernachlutherischemRitusundmit deutschem Gebet an dem vom evangelischen in Herbstein begüterten Adel damals freudig in die Kirche gestifteten und noch letzt benutzten kunst­vollen Tauf st ein, las Luthers deutsche Bibel vor und lehrte Luthers kleinen Katechismus. So gut Engelisch waren die Herbsteiner in dieser Zeit, daß sie sich

ar weigerten, den von der fuldischen Regierung am 22. Sep- 6er 1585 anbefohlenenkatholischen" (b. h. Gregorianischen) Kalender anzunehmen und daß mehrere Bürger gestraft werden mußten, weil si«ufss nechst verschiene 'Christvest sich solchem! fürst­lichen Bevelch ungehorsamlich widersetzt und aufs genanntes vest gnu ander ortt außerhalb dieser Herrschaft ihr arbeytt gesucht. Irr den benachbarten landgräflichen Orten feierte man das Weih­nachtsfest noch nach dem alten Julianischen Kalender, also 12 Tage später.

(Fortsetzung folgt.)

18) Bezeichnend ist, daß die Urkunden von ihm nur zu melden wissen, daß er der Frühmesserei und berrt Hospital ge­hörige Grundstücke billig an bi« Stadt verkaufte, wahrscheinlich Um feine durch Ausfall der Seelenmessen usw. gekürzten Ein­nahmen aufzubessern, und daß man ihm Gefälle der Frühmesserei streitig machte.

I9) Die Nebendeklaration des römischen Königs Ferdinand zum Augsburger Religionsfrieden vom 24. September 1555 ge­stand den Protestanten als Gegengewicht gegen den geistlichen Vorbehalt zu, daßder Geistlichere (d. h. geistlichen Fürsten) eigen Ritterschaft, Stat und CommUnen, welche lange Zeit und ihar her der Äugsburgisch!en Consession, Religion, glauben, Kirchengebräuchen, Ordnungen und Ceremonien öffentltch gehalten und gebraucht und bis auff heut Dato noch also halten und gebrauchen, von derselben ihrer Religion nnvergewaltiget gelassen werden sollen." Im übrigen aber gewährt der Religionsftrede bekanntlich nur den Reichsständen, nicht aber den einzelnen Unter­tanen Religionsfreiheit.

vermischtes.

* Aus den Puffern. Zwei englische Matrosen wollten vor kurzem auf die billigste Weise von London nach ihrer schotti­schen Heimat kommen. Was konnten sie Besseres tun, denn als ^blinde Passagiere" auf den Puffern des berühmten Flying Scotchman zu reisen! Aber die Sache war einfacher gedacht- als getan! Schwer war es nicht, in Euston, dem Londoner Uusgangsbahnhof des Zuges, auf die Puffer eines Wagens zu gelangen. Aber kaum hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, als bte beiden Seeleute auch schon gräßliche Qualen erduldeten- Und diese erreichten ihren Höhepunkt, als kurz nacheinander drei Tunnels passtert wurden. Der Rauch betäubte sie und durch die aus dem Schornstein herauSgeschleuderten glühenden Uschenieilchen erlitten sie Brandwunden im Gesicht und an den Händen. Mehr tot als lebendig kamen sie am ersten Haltepunkt, in Crewe, an, wo ste bei ihrer Entdeckung sofort in ärztliche Behandlung ge­geben werden mußten.

kf. Das kluge Rotschwänzchen. Eine hübsche B« obachtung über die Klugheit eines Rotschwänzchens teilt ein Mch arbeitet desKosmos" mit. Kürzlich hatte er Gelegenheit zu sehen, wie ein Hausrotschwänzchen sich abmühte, ein wohl zum erstenmal ausgeflogenes Junges wieder ins Nest hinaus aufs Dach zu bekommen. Das Junge saß auf dem Zaune eines Vor­gartens, das alte oben auf der Dachrinne eines 2VsstöÄgen Nach- barhauses und lockte zum Schlafengehen. Der Versuch des Jungen, so steil hiuaufzufliegen, mißlang. In halber Höhe sank es an der Hauswand entlang auf das Fenstersims des ersten Stock- Werkes. Da kam der alte Vogel zu ihm geflogen und flog dann guf den etwas höheren und weiter vom Hans entfernten Zaun. Von hier ans lockte er wieder, bis das Junge kam; dann flog er auf den unteren Vorsprung des Erkers im zweiten Stocke des Nachbarhauses, von dort aus auf das Dach des Erkers und von da schließlich zur Dachrinne, so daß der steile Fsug durch einen Zickzackflug mit sanfteren Steigerungen ersetzt wurde.

Die Zimmerpflanzen und ihre pflege.

Woche vom 18.21. Juni.

Wir fahren mit den Aussaaten fort. Zweckmäßig aber für den, der vielerlei auSsät, ist es, die Töpfe und Kästen, die man durch Holzstäbchen oder haltbaren Bindfaden in Fächer einteilt- genau mit den Namen und Aussaatzeiten der etnzelnen Aussaaten, auf Holzetiketten oder bergt, zu versehen. Wir empfehlen zur ÄuSsaat von Steinbrech (Saxifraga) bte Arten: sarmentosa (Judenbart) fitr Ampeln, den man durch Ausläufer vermehrt, granulata, gefüllt: ferner umbrosa, geum, Burseriana und Coty- ledon, bte man teils durch Ausläufer, teils durch Knöllchen vermehrt. Lockere, kalkhaltige Erde jederart, noch ohne Misterds, und kleine Töpfe sagen den erstarkten Sämlingen zu. Mit dem Steinbrech sät man auch die schöne und zierliche, rosa-fleisch­farbige Heuchera au8 und behandelt sie ebenso wie jene. Die Verbena (Lipipia) citriodpra (oder triphhlla), die sich durch ihren Dust von den übrigen Verbenen unterscheidet, sät man entweder mit jenen im Januar-Februar, besser aber jefet au8; ste wird wie jene durch Stecklinge und Ableger vermehrt und liebt einen nahrhaften, sandigen Boden ohne Mist- und Lauberde. Die glühend-rote Rochea (wir empfehlen versieolor und odorata) lieben denselben Boden und kleine Topfe; auch si» kann matt letzt aussäen. Die Bouvardien werden halb­schattig und feucht gehalten, dem Heliotrop für WinterblAs die Knospen genommen und die Zitronen und Orangen (mir empfehlen die Zwergorange (Citrus! chinensis) sonnig ge­stellt und gut bewässert. :

Stecklinge und Ausläufer macht man jetzt von der Dolden­rebe (Ämpelopsis) einer Abart des wilden Weins, die mit den marmorierten Blättern Ampeln und Blumentisch ziert und überaus leicht zu kultivieren ist; ferner von Erdb eer-Duchesne« (Heide- und Moorerde!) und von derM itta gsb lume (Mesen- brianthum, auch Eiskraut, Zaserblume u. a. genannt) im Zimmer unter Glasglocken wachsen diese am besten.

Die Schildblume (Aspidistra) verträgt zwar sehr titel Schatten, Kälte und Wärme und sorglose Behandlung, aber für etwas Pflege (Laub- und sandige Gartenerde), Reinigen und zeit­weises Düngen ist sie umso dankbarer. Die buntblättrige Abart ist, tote überall, so auch hier, empfindlicher und anspruchsvoller. Man pflanzt diese Blattpflanzen selten um, und teilt sie, weich

Iftadj Sebürfni8 werden die krautartigen, raschwüchsigen Pflan­zen um getopft, z. B. Abütilon, Geranien, Heliotrop, Primeln, Fuchsienstecklinge usw. Der Würzelballen wird dabei geschont. Der Zierspargel (Asparagus) und die Med6ola erhalten dabei Lauberde, gemischt mit Mistbeeterde und getrocknetem Kuh­dünger und gute Scherbeneinlage für Wasser abzug.

Ueberall wird fleißig gedüngt; aber mit Ausnahme der kranken und noch nicht durchwurzelten Pflanzen.

Äste chinesischen Primeln (PrimUla chinensis) werden bis «Ur Knospenbildung kühl, halbschattig und gleichmäßig feucht gehalten; erst später wärmer, doch ist ihnen auch während der Blüte eilte Temperatur von höchstens 15 Grad C am zuträglichsten; meist läßt .matt sie auch im Winter blühen. Nach der Blüte wirst! matt sie fort.

Magischer Quadrat

I In die Felder nebenstehenden Quadrats sind

___bte SBucbftaben AAEEEHHLLMOORR

8 8 derart einzutragen, daß die wagerechten u.

---senkrecht. Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:

1. Ein Tier.

--- 2. Römische Gottheit.

3. Ungarisches Komitai.

4. Einen Baum.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummert

Wer vieles bringt, ivird manchem etwas bringen.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag her Brühl'schen UmversttätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«,