Ausgabe 
17.4.1912
 
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und Lehr- Eurer Kii

so kecken, unternehmungslustigen Jungen, die znni ersten Male zur Schule kommen, sind die Borfahren lener Manner und Frauen, mit denen einst meine eignen Enkel und Urenkel Verbmdungen suchen; und jene rotwangigen, gesunden Madelchcn, sie werden die Mütter zukünftiger Vaterlandsverteidiger, Mkimftlger Volks- berttcter erben, nlfo bet Münnkr, bt*c bcrein.fi nucyi nie in (Ligen-- tum ich meine nicht das, so die Motten und der Rost freuen, - die mchn Eigentum für'die Ewigkeit beschützen sollen Und vielleicht erleben wir es noch einmal, -Du junge Mutter, da st wer beide als alte Grauköpfe beieinander sitzen und uns des Glückes derer erfreuen, die dann unser beiderseitiges Eigentum |tnö.

Der Mann, dem Du heute abend über das Tagesereignis be­richtest, er war im Winter Holzhauer; heute ist er auf der Bau­stelle ein geschätzter Arbeiter. Der kleine Bursche da vor Dir, er wird einmal dasselbe, vielleicht auch ein tüchtiger Geschafts>- lciter, dessen Kenntnisse und ruhige Besonnenheit vielen Mit­menschen Wohlfahrt und Lebensfreude erwirken helfen. Seme Söhne oder Enkel sind zukünftige Verwaltungsbeamten, Lehrer, Richter oder gelehrte Forscher. Ei, mögen sie doch sein was sie wollen, sicher ist: In den Kleinen da steckt ern Stuck unserer Zukunft, der Zukunft des Volkes, von dem auch wir beide Glieder sind. Und die sollte ich nicht lKten und pflegen nach bestem Wisten und Gewissen, Uten und pflegen wie mein eigen Fleisch und Blut'? Noch eins will ich Dir anvertrauen: Wenn ich sehe, daß Ihr auch ohne viel Geld und Gut zufrieden seid, weil ^hr bei fleißiger Arbeit Euer Auskommen findet; wenn infolge besserer Erkenntnis Euer Sinn nicht im Stumpfen und Niedrigen gefangen bleibt, sondern sich mit Abscheu vom Häßlichen und Gemeinen abwendet, und wenn sich durch das alles Eure Lebensfreude erhöht: Dann freue auch ich mich herzlich. Diese große Freude erhöht aber meinen Lebensmut, läßt mich viel Bitteres vergessen und hilft arbeiten. Ich mag sii^ darum nicht entbehren, ^ch will sre mir an Deinem und Deiner Kinder Wohlergehen mitschaffeud erarbeiten, erwerben. Seid darum versichert, Ihr Vater und Mütter, es ist noch etwas mehr dabei als Broterwerb, was uns Lehrer antreibt, gute Arbeit zu leisten. ,

Ihr Eltern! Nachdem wir uns so über die Hauptfragen ver­ständigt haben, wird es uns, so hoffe ich, auch nicht schwer fallen, in Einzelftagen der Erziehung eine Einigung zu erzielen, ^ch will Vertrauen zu Euch fassen, wie Ihr es auch zu mir und meiner Arbeit haben sollt. Aber zur gedeihlichen Arbeit bedarf ich ttn besonderen auch das Zutrauen Eurer Kinder. Das Vertrauen ist für die Erziehung, was Regen und Sonnenschein für die Pflanzen auf Eurem Felde, ohne das gibts kein Gedeihen. Darum zerstört dieses Vertrauen im Kinderherzen nicht. Hütet Euch vor allem, in Gegenwart Eurer Kinder Partei gegen Schule und Lehrer zu ergreifen. Die Faust, die Ihr vor den Augen Eurer Kinder gegen Schule und Lehrer ballt, erhebt sich einige Jahre später in Euren Kindern gegen Euch selbst. Gern gebe ich indes zu, daß Schule und Lehrer nicht unfehlbar find und wie alles Irdische auch nicht ohne Fehler sein können. Aber das Haus darf ckuch nicht zu viel von der Schule fordern. Was soll da die Schule nicht alles helfen? Allheilmittel kann die Schule nie und nimmer sein. Sollte Euch einmal eine meiner An­ordnungen unverständlich erscheinen, oder wünscht Ihr in irgend einer Schulangelegenheit genauen Bescheid, dann kommt nur, ich bin gerne bereit, Euch Aufklärung zu geben, aber auch Eure Meinung zu hören und sorgfältig zu prüfen. Eine solche Aus­sprache wird nur segensreich wirken. Mißverständnisse klaren sich auf, Spannungen werden sich lösen. Ueber manche Eigen­tümlichkeit Deines Kindes werde ich Dich, wirst Du mich aufflären, und über vieles wird unser Auge geöffnet. Immer bandelt es sich «alber um Deines Kindes Glück, und dieses wird am besten ge­fördert, wenn Schule und Elternhaus sich gegenseitig stiltzen und in Einigkeit zusammenwirken. Darum Ihr Eltern! Hattet! Ihr Zweifel, so laßt sie schwinden und bringt voll Vertrauen Eure Kinder herein in die Schule! K. Z.

Das Zchaukelsest in Siam.

Alljährlich wirb in Siam ein uraltes Fest begangen, das aus der Zett der Brahmaverehrung übernommen unb vorn Buddhismus nur wenig umgeformt ist: basFest ber Schaukel". DiesFest der Schaukel" hat einen mythologischen Ursprung. Der Gott Siwa kam, wie die Göttersage Siams erzählt, eines Tages mit einer Reihe von Gefährten an bas Ufer eines reißenden Flusses, über ben feine Brücke führte. Währenb bie Götter nach einem Uebergange suchten, kam plötzlich von einem Baume herab eine gewaltige Riesenschlange, die sich als Brücke über ben Fluß spannte, so baß die Götter trockenen Fußes an bas anbere Ufer gelangten.

DasFest ber Schaukel", bas drei Tage lang in Bangkok karnevalartig begangen wirb, enthält, wie eine hübsche Schilberung imWibe World Magazine" zeigt, eigentlich gar keine erkennbare Beziehung $ur Mythologie, falls man bleie nicht in bem Auftreten der Riefenfchaukel erblicken will. Ter König selbst bestimmt vor dem Feste einen Vertreter, der amtlich alsfalscher König" be­zeichnet wirb. Gewöhnlich wirb er aus ber Reihe ber höchsten Hofbeamten ausgewählt. Dieser König zieht mit einem großen Gefolge zu bem Plage, wo bie Schaukel Hebt Er hat bas Vor­

recht, fein Gefolge mit den alten siamesischen Rüstungen und Hof- qewänbern zu betteiben, so daß fein Festzug außerordentlich pomp­haft wirkt. Wenn er am Platze der Schaukel angekommen ist. mutz er den Thron besteigen, ber natürlich einfalscher Thron" ist, näm­lich nur ein Schemel, ebenso wie er selbst nur ein falscher König ist. Während der Zeiemonie des Schaukelns muß der König so sitzen, baß sein rechter Fuy auf bem linken Knie ruht; hört bie Be­rührung auch nur einen Augenblick auf, so muß er ben Insassen bet Schaukel eine erhebliche Summe bezahlen.

Tie Männer auf der Schaukel finb es nun, bie ben eigentlichen Mittelpunkt bes Fettes bilden, unb bied mit Rechts denn ihr Schaukeln ist ein gefährliches Ting. Tie Schaukel hat nämlich eine Höhe von etwa 25 'Bieter unb von biefem hohen Gerüste hängt ber Schaukelsitz bis auf 7 'Bieter über bem Grbboben herab. In ihm haben vier dis fünf Männer Platz. Es sinb Brahminen unb em Kämpfer, bie dort schaukeln. Während des Schaukelns fechten sie einen eigentümlichen Kampf aus. Sieben ihren Köpfen ist an einem Bambusstäbe ein Beutel voll Geld aufgehängt. TerKämpfer hat die Aufgabe, biejen Beutel in seine Gewalt zu bringen, wobei er ihn nur mit ben Zähnen ergreifen darf, während bie Brahminen so schaukeln, baß ihm diese Aufgabe aufs äußerste erschwert wird. Wie aufregend der Kampf ist, kann man sich vorstellen. Es kommt oft vor, baß derKämpfer" bei einem besonders gewagten Lprmige nach dem Geldbeutel nur noch mit einer Hand an den Leiten hangt unb in große Gefahr gerät, in bie Tiefe zu stürzen. Von der Geschicklichkeit der beiden kämpfenden Parteien in der schaukel hängt es ab, wie lange der Kampf dauert. Es ist aber die Regel, baß es bemKämpfer" schließlich gelingt, feine schwierige Aufgabe zu er­füllen. Je nachbem, wie er sich ihrer entlebigt, wirb er dafür belohnt, Tie Siamesen unterscheiden verschiedene Grade der Geschick­lichkeit in dieser Kampfart. Sobald der Kämpfer den Geldbeutel zwischen seinen Zähnen hält, hört das Schaukeln auf, unb nun be­sprengen bie Braymmen bie Volksmasse ringsherum mit Wäger, was als Seanung gilt. Tiefer Teil ber Zeremonie weilt äugen- scheinlich darauf hin, daß dasFest der Schaukel" gleichzeitig ein Erntedankfest ist, das nach bem Enbe ber Reisernle begangen wirb. Tas Schaukeln ftnbet an zwei Tagen statt, unb zwar morgens unb abenbs- ------------ K- F-

vermischtes.

kf. Das MSbchen als Ehemann. Vor einem Londoner Gerichtshöfe spielte sich vor einigen Tagen eine äußerst romantische Geschichte ab, bie wohl mancher in bas Reich ber Fabel verweisen wird: ein Mädchen, Adelaide Tullamore, war angeklagt, sich als Mann auSgegeben und in männlicher Kleidung umhergelau'en zu sein. Nur durch einen Zufall entdeckte man das Weibliche des jungen Mannes".Er" wurde nämlich unglücklicherweise in einen Auflauf verwickelt. 'Blan forfchte nach, und siehe da I es ergab sich, daß sie im gewöhnlichen Leben als Mr. Dallamore fungierte, der mit seiner Frau em friedliches Dasein in der Vorstadt Chiswick führte. Einige Wochen vor Weihnachten vergangenen JahreS waren sie dort zugezogen unbHerr" Dallamore hatte angegeben, daß er unb feine Frau erst feit einem Jahre verheiratet feien; er konnte ben iriebiertigen unb guten Charakter seinesEhegesponsteS nicht genug rühmen. Morgens um halb 6 Ohr verließer" bie Wohnung unb verdiente in einer Klempnerei als Gelüste bas täg­liche Brot. Erst abenbs um 7 Uhr kehrteer" nach Hause zurück. So ging bas Idyll fort, bis es jetzt durch jenen unglücklichen Zufall, der die Entdeckung herbeiführte, einen etwas tragischen Abschluß fand. Wenn auch der Gerichtshof die Liede anerkannte, die die beiden Plädchen zusammengeführt hatte, so gab er beim boch keines­wegs bie Zustimmung zu ihrem fernerenehelichen" Zusammen­leben unb wohl ober übel mußte sichHerr" Dallamore entschließe», zu seinen Eltern zurückzukehren. Tie 'Blutter besEhemannes" sagte vor Gericht aus, baß schon von frühester Jugenbzeit an bie beiden Plädchen unzertrennliche Gefährtinnen und Trennungsversuche fruchtlos gewesen seien. Im vorigen Jahre sei bann ihre Tochter plötzlich verfchivunben. Die Arbeitskollegen besEhemannes" waren beS Lobes voll über ihren angenehmen Genossen ; ja,er" war ihnen so sympathisch, baß sie ihm häufig aus Wlitleib mit feiner augen­scheinlichen Schwächlichkeit einen Teil ber Arbeit abnahmen.

* Noch nicht das Schlimmste.Armer Mann," sagte! die Samariterin, als das Opfer eines Antomobilunfalls von mit­leidigen Händen auf die Tragbahre gehoben wurde,sind Sie verheiratet?"Nein," stöhnte der Verunglückte,dies ist das erste Malheur, das mir bis jetzt passiert ist."

Geographisches Verschiebrätsel.

Hamburg Leipzig Berlin Budapest Wien Detmold Eisleben Breslau Vreßburg Riga.

Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben werben, baß eine Buchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, ben Namen einer deutschen Universitätsstadt ergibt

.Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer» Dagobert Eboli Rebe Zobelpelz Aster Hase Rebenmond;

Der Zahn der Zeit.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck unb Vertag ber Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steinbruckerei, R. Sang«, Gie-e»