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fdjäfien nach, bis die Junge» auskriechen: »nd dann süttert er sie und weicht nicht von ihnen, bis sie so groß sind, daß sie Mr 1) selbst sorgen können. Auch unter den Kröten gibt es einen Mr sorglichen Vater, der die Eier, die das Weibchen aus iemen Rilcken legt, sesthält. Er sitzt tagsüber in seinem Loch und komnit nur nachts heraus, um die Eier im Wasser anzuieuchten. Eiidlich wemi sie beinah so weit sind, auszukriechen, labt er die Eier ms Wasser fallen. In den meisten Fällen kümmern sich die Rept ilen sehr we.iig um die Eier, die sie in den Sand legen, aber nachdem d e Jungen ausgekroche» „nd, geht dle Krokodilmama oder Schlangen. mutter oder Schildkrölenmuhme und besieht sich ihre Jungen und bewacht ihre Kindheit. .
Eine hübsche Anekdote, die denen, die un täglichen Verkehr «nt Tieren die Seele unb das Enipsindeii der Tiere keimen gelernt haben, Freude machen wird, sei hier sinn Schlich angeMhrt. Ein Herr klagte, daß die Katzen hinterlistige und unangenehme Tiere feien und führte zum Beweis dessen an, daß 9 Tage hintereinander, wenn er vom Essen kam, auf der Treppe eine Katze gesehen hätte, die sich jedesmal von ihm hätte streicheln lassen. Am 10. Tage aber, als er dies wieder versuchte, fauchte ihn das ~ier wütend an und bih ihn in die Hand. Ter humorvolle und tierverstandige Direktor des Zoologischen Gartens erwiderte dem Herrn ganz ernsthaft: „Dar! ich fragen, wie lange Sie es sich gefallen lassen würden, daß Ihnen jeden Tag ein Fremder un Klub denn Aus- und Eingehen den Kops streichelte?"
Vermischtes.
* Die Ameisen im Salon. Das berühmte Puzzlespiel, das noch vor wenigen Monaten den schönen Pariserinnen die Mußestunden verkürzte, ist in den Abgrund der Vergessenheit versunken; tie eleganten Damen,'die mit einer wahren Leidenschaft Stunden damit verbringen konnten, die kleinen Steine zu Figuren zusammenzusetzen, sind jetzt rettungslos der Anziehungskraft einer neuen Modelauus erlegen. Wenn man in Paris den Salon einer schönen Frau 'betritt, so wird man die Dame in acht von zehn Fällen vor einem kleinen Glaskasten sitzen seheir, in dem es eifrig kribbelt und krabbelt: das ist der Ameisenhaufen, mit dem sich heute jede Frau von Welt beschäftigen muß. Woher diese seltsame Laune so plötzlich gekommen ist, wird man wohl nie ergründen, aber sie ist da, sie beherrscht ganz, Paris, jede Dame muß ihren Ameisenhaufen haben. In letzter Zeit sind die geistreichen Schriften des berühmten, Enthonwlogen I. H. Fabre in den Salons sehr populär geworden und das mag vielleicht eine Erklärung für das plötzliche Auftauchen dieser seltsamen Sitte fein. Einstweilen genießen die Pariserinnen das Schauspiel der fleißigen Tierchen nur als ein reizvolles Wunder. Der sonst so rege Nachahmungstrieb der Modedame scheint vor den Ameisen jedenfalls zu versagen.
Lk. D i e Sängerin auf Aktien. Eine junge Australierin besab eine glänzende Sopranstimme, die an Wohlklang und Stärke ihresgleichen suchte. B ispielloser Eriolg winkte ihr: aber sie war arm und deswegen wnble sie auf eine Ausbildung, die ihr die Ruhmeslmöbahn ebnen würde, verzichten. Da hörte eines Tages ein findiger Geschäftsmann, der gerade mit feinem- Freunde vorbei ging, ihren Gesang. „Sie hat eine Goldmine in der Kehle", rief der' Geschäftsmann aus. „Eine Goldmine, die ausgebeutet werden muß", fügte der Freund hinzu. „Wie wäre es mit der Gründung einer Aktiengesellschaft zur Ausbeutung der herrlichen Stimme des armen Mädchens?" — „Mit 25 000 Francs würde man wohl zum Ziele kommen. Das kluge Kind würde nach Paris geschickt werben können, bort feine Ausbildung erhalten. Bei ber Rückkehr sind ihm die glänzendsten Engagements und uns, den Aktionären, die größten Dividenden sicher." Gesagt, getan! Tausend Aktien zu 25 Francs das Stück, wurden ausgeboten; im Nu waren sie gezeichnet Tie junge Australierin beendete ihre Studien in Pans mit glänzendem Erfolge; die Thearer ihres Vaterlandes rissen sich um sie. Die Aktien stiegen rasend und heute werden die 25 Francs-Aktien zu 87,45 Francs an der Börse zu Melbourne notiert.
(ff) Locken von Berühmtheiten. Kürzlich ging durch die Blätter die Meldung, daß der „Leibbarbier" Bismarcks die Locken des großen Kanzlers zum Kaufe anbietet. Es ist nicht das erste Mal, daß mit den Locken von Berühmtheiten ein schwunghafter Handel getrieben wird. Von Tamagno, dem berühmten Tenor, erzählt man, daß sein Barbier ihm nicht allein die Haare umsonst schneiden, sondern ihm auch an dem durch den Verkauf seine« Locken erzielten Gewinn teilnehmen lassen mußte. Die Haare Alfred de Mussets waren zu seinen Lebzeiten berühmt; sein Barbier war den unglaublichsten Bestechungsversuchen ausgesetzt. Lange Zeit blieb er standhaft, bis er eines Tages dnem verführerisch hohen Angebote erlag. Unglücklicherweise schnitt er ein solches Büschel aus dem Haarzopf des Dichters, daß dieser aufmerksam wurde. Die Folge war, daß Müsset entrüstet den Barbierladen
verließ und sich tieftraurig für lange Zeit in sein Haus cupchloß, bis sein Haarwuchs wieder in alter Herrlichkeit erstanden war.- Auch Wagners Barbier versuchte mit den Locken des berühmten Meisters ein Geschäft zu machen. Aber er hatte dabei nicht mit der Schlauheit Frau Cosimas gerechnet, die zufällig hinter seine Schliche kam. Sorgfältig sammelte sie selbst alle Haarlocken, die der Barbier vom Haupte des Gatten herunterschnitt. Aber sie verriet dem traurigen Figaro, daß die Haare ihres — Schlächters denen ihres Mannes verteufelt ähnlich seien. Von Verdi wird eine reizende Geschichte erzählt. Bäi einer Wohltätigkeitssamm-- lung wollte er einen größeren Betrag stiften. Flugs ließ er öffentlich verkünden, daß er für eine gewisse Summe jedem eine Haarlocke verkaufen würde. Hunderte von Briefen kamen an, und alle Bitten wurden erfüllt, sobald das Geld eingezahlt war. Der Erfolg war glänzend; die Kasse der Sammlung erhielt einen bedeutenden Zuschuß, Aber wie groß war das Erstaunen der zahlreichen Käufer, als der berühmte Komponist trotz alledem noch seinen prächtigen Haarwuchs besaß, der durch die große Ernte! auch nicht int mindesten gelitten hatte. Nur fein Sammer«* diener erschien in der Folgezeit mit einem nahezu kahlrasiertett Kopse.
'Lk. Das musikalische Echo. Ein Echo, das nicht den gegebenen Ton widerhallt, sondern aus einem Geräusche einen musikalischen Ton „heraushört", befindet sich in Berkeleh tu Kalifornien. Es handelt sich um das griechische Theater der dortigen Universität, ein Bauwerk, dessen Zuschauerraum aus halbkreisförmigen übereinander angeorbneten Stufen besteht. Auf. dieser Anordnung beruht, wie die „Science" beschreibt, die merkwürdige musikalische Eigenschaft des Echos. Wer in der Mitte der Bühne ein Geräusch verursacht, hört nach kurzer Zett einenmusikalischen Ton. Die einzelnen Töne, aus deren wirrer Zn« sammensetzung das Geräusch besteht, werden nämlich nacheinander von den Zementstufen des Zuschauerraumes zurückgeworfen, und die Größenverhältnisse des Bauwerkes sind so, daß auf der Mitte der Buhne mm die znrückgeworsenen Schallwellen tn solcher Reihenfolge nacheinander eintreffen, als seien es die einzelnen Schwingungen, wie sie etwa eine Stimmgabel oder eine schwingende Saite hören läßt. Ein amerikanischer Gelehrter F. R. Watson, der Verfasser des Aufsatzes in der „Science", hat die musikalische Eigenschaft dieses merkwürdigen Echos zunächst mathematisch berechnet unb bann mit einer guten Königschen Stimmgabel nachgeprüft. Die Berechnung ergab, daß ein Ton 227 schlvuigungen gehört werden müsse. Der Versuch ergab eine überraschend gute Heb ereinftimmung mit der Berechnung, nämlich einen Ton von 22b, Schwingungen.
Sprachecke bes Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.
* D i e aufgebrochene Reisegesellschaft.
zweite Mittelwort, das Partizip des Perfekts, bezeichnet nunter etwas Zustäudliches, z. B.: der verblühte Baum, die abgebrannte Kirche ufw. Es ist also in gutem Deutsch unstatthaft, zu sagen: „Eine in das Innere von Neuguinea auf gebrochen« Forschungsgesellschaft wird vermißt." Ebenso unstatthaft: Der gestern abend eingetroffene und in der Sonne abgesttegene General hat heute . .; sie kehrten unter die inzwischen angckommene Menge zurück; die soeben aufgetauchte Nachricht; der bisher südwärts verlaufene Bach wendet sich nach Osten ufw. Noch fehlerhafter sind die Fälle, in denen Mittelwörter von solchen Zeitwörtern so angewenbet sind, bte mit „haben", nicht mit „fein verbunden werden, z. B.: der abgenommene Mond, die gegen die Dänen gekämpfte Brigade, der so unglücklich, geendete Dichter ufw. Aber einiger Spielraum ist der persönlichen Sprachemp- finbung nun doch insofern zu lassen, als man solche Fügungen wie „die eingerittene Unorbnuug, die durchgedrungene Kraft, der in den Ruhestand getretene Oberlahrer" durchgehen lassen darf, weil man dabei mehr an die Fortdauer und Zuständigkeit beim, als es gewöhnlich bei biesen Zeitwörtern des Tuns unb Eintretens der Fall ist. Bgl. Matthias, Sprachleben und Sprachschäden 8 § 124. Z.
Logogriph.
Wie man aus Schwalben Aeroplane zimmert. Darum hab ich mich zwar noch nicht bekümmert, Doch wirb ein ähnlich Wunber hier erreicht: Tn nimmst ein klein Gewicht, unsagbar leicht, Man sinbet's auf bes Apothekers Wage, Unb fügst ein kleines „e" dem Worte an, Nun ivirbs zum Roß aus einer beutschen Sage, Das im Theater man bewunberu kann.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des magischen Dreiecks in voriger Nummerl
EIMER
ISIS
MIK
E 8
R
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Verlag ber Brühl'schen Universität?-Buch- unb Steindrnckerci, R. Lange, Giejen.


