Mittwoch den \T. Zanuar

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Clückslasten.

Lloman von Hanns von Zobelti A (Nachdruck verboten.) (Fortietzung.)

Früher, im guten Körlin, hatte sich sein Leben wie ein gut gehendes Uhrwerk abgewickelt. Es war von stram­mer Ordnung regiert gewesen, und wie eine Triebfeder hatte seine Frau in der Mitte gestanden. Manchmal hatte sie ihn ein wenig pantoffelt, das gestand er sich selber; aber er hatte sich gerade deshalb so wohl gefühlt. Jetzt hatte sie für ihn nie Zeit.Hol mich der Geier: die große Triebfeder ist einfach ausgeschaltet!"

Alles war anders geworden in diesem schönen, ver­maledeiten Berlin.

Als sie sich in der Mietswohnung provisorisch ein* richteten, hatte Ida plötzlich gefunden, daß sie ihr Schlaf­zimmer für sich haben wollte.Eigentlich ein alter sehn­licher Wunsch. Sei nicht böse, aber du schnarchst wirklich unerträglich. Und wo wir nun in den Räumen nicht mehr so beschränkt sind . . ." Dabei hatte sie ihm noch zärtlich auf die Backe geklopft, ordentlich mit einem kleinen Schel­menblick:Wir sind doch auch über unsere silberne Hoch­zeit hinaus . . ."

Und nun ging's schon früh am Morgen mit dem Ge­fühl der Vereinsamung los.

Wenn er aufwachte, streckte er immer noch die rechte Hand gewohnheitsmäßig nach der Seite aus und sagte oder wollte sagen: ,/Morgen, Altchen. Gut geschlafen?" Erkannte daun seinen Irrtum, legte sich auf dre andere Seite und brummelte verdrießlich:Also nee"; versuchte noch einen kleinen Dormus nachzuholen, klingelte endlich und ärgerte sich über denlangen Labammel" im schwarzen Nock mit der Meißen Krawatte, der nach einiger Zeit die Gnade hatte zu erscheinen, um die Befehle des Herr» Barons für den An^ug entgegenzunehmen.

Ein greulicher Kerl, dieser glattrasierte Silberdiener mit der gedrechselten Tolle. Zuerst war er immer mit der Meldung hereingetreten:Das Bad ist bereit." Himmel* krenzdonnerwetter . . . bis ihm endlich begreiflich gemacht worden war, daß ein Bad für die Woche genügte. Und seitdem grinste der Lasse unter seiner glatten Maske, als ob er im Innersten seiner Lakaienseele meinte:Meine frühere Herrschaft badete täglich." Na ja. . . die mochte das nötig gehabt haben. . .

Genieren mußte man sich vor dem Kerl, darauf legte der es an. Da hatte man aus dem guten Körlin ein Paar derbe Rindslederne vom Meister Gvolich mitgebracht, die zum Küssen bequem saßen; man rutschte rein und man rutschte raus und wußte gar nicht, wie das geschah. Mer bloß zu sehen, wie Wonseur Friedrich sie anfaßte, [ «.»faßte, Mit dem Räumen und dem Zeigefinger an

den Anziehschlaufen, als ob er seine hochpreislichen Finger nicht mit dem Rindsleder in Berührung bringen wollte. Und wie er fragte:Befehlen der Herr Baron, daß ich diese Stiefel auch mit Creme behandele?" Und wie er sie hinstellte und ihnen bann noch mit den höchsteigenen, in Lackschuhen wahrhaftig in Lackschuhen steckenden Fußspitzen einen kleinen verächtlichen Ruck gab!

Doch das war ja Wurscht. Neseio, quid mihi magis fareimenti esset! rezitierte Gudareza im berühmten Bis- mnrckschen Kückenlatein.Ich wüßte nicht, was mir mehr Wurst wäre."

Schlimmer wurde es schon ein halbes Stündchen später. In Körlin hatte er immer sein schönes ruhiges Frühstücks­stündchen gehabt, im Kreise der Seinen natürlich, mit Mama obenan und den Kindern, soweit sie zu Hause waren, rund- herum. Jetzt es schrie zum Himmel! jetzt mußte er fast immer allein frühstücken. Sehr selten, daß Ida am Kaffeelisch erschien. Entweder, sie war noch nicht auf, ober sie war schon aus. Als er einmal leise Einwand erhob, hatte sie die Achseln gezuckt:Aber Otto, warum sich gegensei ig genieren?" Signe schlief grundsätzlich lange, wenn sie nicht ritt. Blieb Dodo. Aber Dodo hatte an­scheinend einen plötzlichen Bildungspips bekommen. Ein* geschailt war sie nicht mehr worden, dafür besuchte sie alle möglichen Vorträge.

So saß er denn allein, mußte sich selbst seine Semmel buttern, selbst seine Zigarre anzünden. Drehte und drehte an den dämlichen Zeitungen herum, las hier eine Notiz und da eine und langweilte sich zum Davonrennen. Dann kam die Post, die gewöhnlich ein halbes Dutzend Bettel­briefe, ein viertel Dutzend Aufforderungen zum Beitritt in Wohltätigkeits-, politische, soziale Vereine und ein gan­zes Dutzend Geschäftsofferten brachte; dazu als pisee de refiftance einige Geschäftsbriefe, die auch nicht gerade zur Erbauung beitrugen. Schließlich rannte er wirklich davon. In den Tiergarten, durch die Linden zum Schloß, wieder zurück und dann zu Habel, um einen Schoppen Rotspon zu trinken. Manchmal traf er da auch einen Bekannten, und dann wurde noch eine bessere Flasche aufgefahren; dazu gekannegießert, Rangliste gemacht, geklatscht, die Welt verbessert. Eigentlich empfand er auch das als Zeitver­geudung. Schlimmer war, daß der Frühschoppen ihm nie sonderlich bekam. 9hm, das hörte ja von selbst auf, wenn man aus den provisorischen Verhältnissen heraus war und sein eigenes Heim hatte.

Dazu schien nun endlich Rat zu werden. Wer darüber ging auch seine Ansicht, möglichst bald einmal mit Signe ein väterliches Wort zu sprechen, in die Brüche.

Als er nämlich von seinem etwas ausgedehnten Bor­mittagsmarsch ein bissel Kopfschmerz hatte ihm die Sitzung beim Regiment doch eingebracht nach Hause kam, flog ihm Dodo an den .Hals:Papa, Mama hat eine Villa in petto! Diesmal ist's aber wirklich etwas!" Und sie lachte ihn dazu atts ihren blanken schwarzem Augen