Das Amethyst-Fläfchlem.
Eine Erzählung von A. K. Green.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Bitte, sagen Sie nichts, begann sie. Ich habe einen schrecklichen. Fehler'begangen, den schlimmsten, der, wie ich glaube, einem Weibe passieren 'kann. — Dann fuhr sie fort, mit längeren Pausen, als sei ihre Zunge durch die Scham beschwert, viÄleicht auch durch ein weniger offenkundiges, aber tieferes Gefühl behindert: Sie lieben Dorothea. Liebt Dorothea denn auch Sie?
Meine Antwort war ehrlich:
. Ich habe gewagt, es zu hoffen, trotzdem sie mir bis jetzt wenig Gelegenheit gab, ihr meine Gefühle zu gestehen. Sie hat mich stets zurückgehalten und das in sehr entschiedener Weise, sonst wäre meine Verehrung für jedermann offenkundig geworden.
Oh, Dorothea! ■
Kummer, Sorge, unendliche Zärtlichkeit, all das lag in diesem Ausrufe. Es schien tatsächlich, als weilten für den Augenblick ihre Gedanken mehr bei dem Unglück ihrer Cousine, als bei ihrem eigenen.
Wie muß sic durch meine Schuld gelitten haben! Allen, die ich liebte, bin ich zum Fluch geworden. Aber nunmehr bin ich erniedrigt und das mit Recht!
Ich begann eine gewisse Scheu vor dieser großangelegten Seele zu empfinden. Selbst in ihrer Zerknirschung lag ein Zug ins Große, und als ich mich in den Ausdruck ihrer bleichen Züge vertiefte, die trotz des Kummers, der sie verzehrte, immer noch nichts von ihrer überirdischen Lieblichkeit verloren hatten, da sah ich mit einem Male ein, wie groß Sinclairs Liebe für sie gewesen sein mußte. Ebenso plötzlich wurde ich mir auch der Tiefe und Ausdehnung ihres Leidens bewußt. Solch ein Weib sein eigen nennen, sie beinahe bis zum Altar hinzuführen, und dann zu sehen, daß sie umkehrt und einen verläßt! Sicher war sein Schicksal unerträglich, und trotzdem meine Einmischung in seine Herzenswünsche ohne mein Wissen geschehen war, machte ich mir bittere Borwürfe darüber, daß ich in meinen Liebesbeweisen dem Mädchen gegenüber, das ich in Wirklichkeit liebte, nicht offener gewesen war.
Gilbertine schien meine Gedanken zu erraten. Sie hatte sich unwillkürlich der Türe genähert und blieb nun dort stehen, die Hand auf der Klinke. Mit abgewandtem Gesicht bemerkte sie ernsten Tones:
Ich werde nicht mehr Ihren Lebenspfad kreuzen. Aber zuvor möchte ich Ihnen noch ein paar Worte sagen, die vielleicht mein Benehmen in einem milderen Lichte erscheinen lassen werden. Ich habe nie meine Mutter gekannt. Früh fiel ich meiner Tante zur Last, die Kiuder nicht leiden mochte und mich in die Schule steckte, wo ich gut behandelt, aber
Montag, den <6. Dezember
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nie geliebt wurde. Ich war ein gewöhnliches Kind unfühlte das ganz genau. Dies gab meinen Bewegungen etwas Linkisches, und da meine Tante es klipp und Kay ausgesprochen hatte, ihre einzige Absicht, in der sie mich auf die .Akademie geschickt habe, sei die, mich zur Lehrerin auszubilden, so.fand ich wenige, die sich bei meiner Stellung um mich .kümmerten, sehr wenige, wenn es überhaupt jemand war, die mir wohlwollten. Mittlerweile füllte ein einziger Wunsch Mein Inneres aus: ich hatte das Bedürfnis, leidenschaftlich zu lieben und leidenschaftlich wieder geliebt zu iöerben. . Hätte ich doch eine Freundin gefunden, aber es Ivar mir nicht beschieden! Ich war nicht für ein solches Glück geschaffen. ,
Jahre vergingen. >J!ch würde ein Weib, aber weder mein Glück noch mein Selbstvertrauen hatten mit meinem Wachstum Schritt gehalten. Mädchen, die mich früher kaum eines flüchtigen Grußes gewürdigt hatten, blieben jetzt stehen und starrten mich an, ja sie machten sogar hie ttn'b da. hinter meinem Rücken Bemerkungen über mich. Ich verstand diese Veränderung nicht und zog mich mehr und mehr auf mich selbst und in die Welt meiner Bücher zurück. Mein Leben wickelte sich in Träumen ab, und ich war der gefährlichen Gewohnheit verfallen, den Vergnügungen und Zerstreuungen nachzuhängen, die die meinen gewesen wären, hätte ich das Glück gehabt, schön und reich zu sein. Da be- silchte eines Tages meine Tante die Schule, sah mich und nahm mich sofort mit sich. Sie versetzte mich in eine der vornehmsten Schulen in New Jork City. Von da aus wurde ich ohne eilten einzigen mütterlichen Ratschlag in das lustige Gesellschaftsleben eingeführt, das Sie so gut kennen. Gleich bei meinem Eintritt fand ich die Welt zu meinen Füßen, und wenn mir meine Tante auch keine Liebe erwies, so fühlte sie doch einen gewissen Stolz über meinen Erfolg und machte sich daran, eine gute Partie für mich ausfindig zu machen. Ihr Opfer war Herr Sinclair. Er besuchte uns, führte mich ins Theater und hielt nm meine Hand an. So gut er mir anfänglich gefiel, hier spielte mir meine allzulang gepflegte Phantasie und mein Hang zur Romantik einen bösen Streich, wie Sie sehen werden. Meine Tante war außer sich vor Freude über das Gelingen ihres Plans. Sie wurde nicht müde, mir von seinem Reichtum zu erzählen, was mich schon merklich abkühlte. Aber da ich nicht gegen ihren Willen zu handeln den Mut fand, freute ich mich wenigstens, daß der Manu, den sie für mich bestimmt hatte, ein Gentleman sei und allem Anscheine nach eine achtbare Lebensweise und einen gewählten Geschmack besaß, wenn er auch nicht gerade dem Ideal entsprach, das ich mir in meinen Träumen entworfen hätte. Ich nahm ihn also---es
war mir unmöglich, anders zu handeln, da meine Tante jeden Schritt, ja jeden Gedanken von mir bewachte. Und wirklich schien auch das Verhältnis zu meiner Tante ein besseres werden zu wollen; so erinnerte ich mich, daß sie eines Tages in Gegenwart von Herrn Sinclair erklärte, sie wolle mir ihr Vermögen vermachen. Damals fiel mir


