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ich mich int Fall bet Nvt für ihn ausgeben und selbst vis-ä-vis der Behörden meine Rolle behaupten könne.

Ich suchte daher anfänglich nur ausweichend zu antworten, erzählte, wie ich auf der Reise all das Meinige verloren, ent­schuldigte mich mit meinen Schmerzen und meiner Ermattung tntb bewirkte dadurch, dass diese ehrlichen Leute, die weniger in irgend­einer bestimmten Absicht, als hcrgebrachtermaßen jene Fragen an mich gerichtet hatten, mich auch bald wieder in Ruhe ließen. Ich und trank nun mit- vielem Appetit und schlief bald wieder ein.

Am anderen Morgen erwachte ich neu gestärkt, ia, wie ein ganz anderer Mensch. Die Magd, eine ebenso gutherzige als häß­liche junge Dirne, erzählte mir, daß man mich bei meiner An­kunft für tot gehalten imb daß die grundböse Tochter des Hauses, die obgedachte Hebe, mich nicht aufnehmen gewollt und ihrem Vater nachher die heftigsten Vorwürfe darüber gemacht habe, daß er sich unnötigerweise durch meine Rettung mancherlei Kosten und Unannehmlichkeiten bereite. Erst der kategorische Imperativ, d. h. eine derbe Ohrfeige, konnte sie dazu bewegen, mir ein Lager einzuräumen und für meine Herstellung Sorge zu tragen. Der wackere Mann hatte daraus, da sein Geschäft ihn zu häufigen Entfernungen nötigte, die Magd mit meiner Wartung beauftragt, welche diese denn auch, des Keifens der bösen Tochter nicht achtend, mit größter Aufmerksamkeit besorgte.

Kaum hatte ich diese Aufklärungen erhalten, als die Tochter auch schon selbst erschien und ein Examen rigorostlin mit mir anstellte, welches ich, da ich erfahren, daß sie nicht lesen konnte, zu meiner größten Zufriedenheit bestand. Am Abend kam der Mann nach Hause und ergötzte sich, zum größten Aergcr seiner Tochter, an dein wahren Heißhunger, mit welchem ich die auf­getragenen Speisen verschlang.

Tie arglistig-mißtrauischen Blicke, mit denen die geizige Tochter mich stets betrachtete, fingen an, mich zu beunruhigen. Meine Vermutung täuschte mich nicht, und niete gering war mein Schrecken, als die gute Magd mir am folgenden Morgen erzählte, die Tochter habe gesagt, ich sei bestimmt ein Spitzbube und sie wolle daher, sowie nur der Vater sich entferne und ein Landjäger sich zeige, mich arretieren lassen.

Mein Entschluß war nun augenblicklich gefaßt; sowie es Nacht war, wollte ich, unter dem Vorwand, frische Lust zu schöpfen, vor die Tür treten und schnell dann auf dem von der Magd mir bezeichneten Weg davoneilen. Ich teilte der guten Dirne von meinem Schicksal dasjenige mit, was sie fassen und was ebendaher ihre Teilnahme erwecken konnte; die Revolution von Piemont war in jener Gegend wenigen unbekannt geblieben, und der Flüchtlinge waren auch manche in die Täler verschlagen, so daß sie das Ge­fährliche einer Verhaftung für mich erkannte. Die Magd ver­sicherte mich, daß ich, sowie ich nur erst fort wäre, von der Tochter nichts weiter zu besorgen hätte, da sie lediglich Meine Entfernung durch meine Verhaftung bezwecke. Schon triumphierte ich über meinen Glücksstern, der, je dunkler die Nacht, desto heller stets mir geleuchtet, als ich entdeckte, daß mir mein Goldstück fehle; aller Wahrscheinlichkeit nach hatte die Dirne es mir geraubt, und um einer Entdeckung vorzubeugen, beabsichtigte sie Meine Verhaftung und Entfernung. So schrecklich mir nun auch die Aussicht war, eine so große Reise, krank, ohne Geld und von allen Seiten verfolgt, unternehmen zu müssen, so traute ich doch auf Gottes Hilfe, der im Verlauf weniger Tage mich zweimal auf so wunderbare Weise dem fast unvermeidlichen Untergang entrissen hatte. Die Magd steckte mir noch ein Stück Brot in den Sack, und sowie die Nacht anbrach, machte ich nnch auf den .Wckg.

Meine Nahrungsmittel itraten bald verzehrt, und schon am nächsten Mittag sah ich mich genötigt, die Mildtätigkeit der Bauern in Anspruch zu nehmen. Vier Tage brachte ich auf dem Weg durch das Rheinwaldtal, die schauerliche Via mala und das schöne Tvmleschgertal zu, vier Tage, die entsetzlichsten meines Lebens. Ich sah mich genötigt, nicht bloß zu bitten, nein, im eigentlichsten Sinn des Worts zu betteln; meine Totenblässe, meine starren Blicke, meine halb unverständliche Sprache endlich verleiteten die Leute zum Glauben, ich sei ein Wahnsinniger. Um Geld bat ich nie, ein paar Blutzer, die eine gutherzige Alte mir zustecken wollte, wies ich kopfschüttelnd zurück, allein ich bat um ein Stück Brot, ich hat um eine Schale Milch, ich bat um ein Nachtlager, denn ich konnte es nicht mehr ertragen, die Nächte durch zu wandern. An Brot fehlte eS mir freilich nie; allein in dieser kurzen Zeit wurde mir zweimal die Street ab­geschlagen, und ich mußte, um nicht neuerdings vor Kälte zu erstarren, mit einem Platz untern: Vieh mich begnügen. Und dennoch,lag selbst in dieser entsetzlichen Lage eine Art von Trost, von Befriedigung. Wenn ich allein war und einem Trunkenen gleich auf einen Knittel gestützt umherschwankte, forderte ich oft­mals nut lauter, drohender Stimme das Schicksal zum Kampfe mit nur heraus; das Bewußtsein, daß es unmöglich noch schlechter Norden kann, gibt einen ganz,eignen Trost. Eine gellende Lache schlug tch auf, wenn ich, meine frühere Lage der gegenwärtigen ver- entsetzlichen Abstand gewahrte, und fast möchte ich selbst glauben, daß die Menschen damals nicht ganz unrecht hatten, wenn sie mich für wahnsinnig hielten.

So kam ich denn endlich bis Thüsis; es war gerade Mittags die Sonne schien wunderschön, und um mich zu erwärmen, setzte ich mich, hinlänglich, wie ich glaubte, gegen jede Erkennung durch meine ganz verfallene Gestalt und schlechte Kleidung geschützt, auf eine Bank vor dem Gasthof zum weißen Krug. Ich mochte wohl eine Stunde daselbst geruht haben, mit mir selbst uneins, ob ich Yineintreten und um etwas Speise bitten wollte, als die Blicke eines ältlichen Mannes, der vor dem Hause auf und ab schritt nnd^ mich scharf fixierte, mich zu beunruhigen an- fingen. Da ich aufstand und forteilen wollte, trat er mir in den Weg, reichte freundlich mir die Hand und sagte auf deutsch: Wenn Sie mich denn auch schon vergessen haben, so vergesse ich Sie doch nimmermehr!"- Er nannte mir darauf seinen Namen, und ich erkannte zu meiner größten Freude in ihm einen Kauf­mann, dem ich in Mailand, durch Bubnas gütige Vermittlung, einen bedeutenden Dienst geleistet hatte. Ich müßte mit ihm ins Gasthaus tzurück, um mich an warmer Speise zu sättigen und' mit einem Glas Wein zu erguicken. Ich konnte und wollte ihm aus meiner unglücklichen Lage kein Geheimnis machen, und er bestand darauf, daß ich bis Chur, wohin auch er jetzt reiste, mit ihm führe und das Geld zur gemächlichen Reise nach Basel annähme.

Nach wenig Stunden waren wir .in Chur, !vo ich einige Tage auszuruhen beschloß, während mein wackerer Begleiter und Wohltäter seine Reise nach dem Vorarlberg fortsetzte. Nach zweien in Chur verlebten Tagen reiste ich mit der Diligenca nach Basel ab; die Reisegesellschaft war munter und angenehm, sie bestand nur aus Schweizer Offizieren in französischen Diensten, die vom Urlaub heimkehrten, um den Feldzug gegen Spanien mitzumacheir.

vermischtes.

* Unverkennbares Zeichen von Liebe. Tie Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens" erzählt iolgende nette Geschichte: Ter Verfasser des SchauspielsTie Weihe der Krast", Zacharias Werner, war ein eckiger, ungeschliffener und exzentrischer Mensch, der sein Aeußercs aufs gröblichste vernach­lässigte. Jin Alter von secl sunddreißig Jahren kam er nach Berlin, mar aber zu der Zeit bereits von zwei Frauen geschieden und ließ sich nicht lange darauf auch zum dritten Male scheiden. Seine dritte Frau war eine schöne, erst dreiundzwanzigjährige Polin, die sich nach kurzer Zeit in Berlin mit einem Staatsrat wieder ver­heiratete. Zehn Jahre später, als Werner Berlin verließ, stattete er seiner ehemaligen Frau, der nunmehrigen Stnatsrätin, einen Abschiedsbesuch ab und kam ganz ausgeregt zu einem Freunde. Denke dir," berichtete er ihm frohlockend,' ich habe soeben ent­deckt, daß mich meine schöne Malgarzata Mankjatowska noch immer liebt. Sie hat mir ein unverkennbares Zeichen von ihrer Liebe und Fürsorge gegeben."Jst's möglich I Worin bestand denn das?" forschte der Freund.Sie begleitete mich bis an die Treppe und sagte mir:Werner, du bist doch nun einmal früher mein Mann gewesen, und da möchte ich dir doch noch eine« guten Rat mitgeben: Wasche dich und kämme dich, beim du siehst aus wie ein Schwein 1" Ob Werner sich nach diesemunverkennbaren Zeichen der Liebe" gerichtet hat, hat die Geschichte leider nicht aufbewahrt.

* Mulay Hafids Problem. Der Mitarbeiter des Temps, der Mulai Hasid interviewte und nach den Reise- eindrücken des marokkanischen Exsulians fragte, muß die braune Majestät in sehr grüblerischer Stimmung gefunden haben, denn Malay Hasid erzählte, daß er auf seiner Reise durch Frankreich besonders die Denkmäler und historischen Stätten jener sranzöst- schen Berühmtheiten besuchte, von denen er gelesen habe. Seme Helden sind Ludwig XIV. und Napoleon L, aber er hat auch eine ritterliche Bewunderung für die Jungsrau von Orleans. Und in diesem Zusammenhang warf der grüblerische Exsuitan eine neue tiefe Frage auf, deren Beantwortung den Historikern überlassen sei. Er schloß die Unterredung mit der Frage:Was wäre geschehen, wenn Napoleon I. und Johanna von Orleans Zeitgenossen gewesen wären und sich geheiratet hätten?" Ja, was wäre geschehen . . .

Silbenrätsel.

a, ach, de, des, e, g, gu, la, le, meö, mm, mut, na, na, pi, ri, re, ra, sti, wa, xin.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangs, buchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, den Namen eines französischen Bühnen--und Romanschriftstellers ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter iolgendes:

1. Athenischer Staatsmann, 2. Sibirischen Strom, 8. Ein Ge­dicht, 4. Fluß in Brasilien, 5. Name osmanischer Sultane, 6, Bel­gische Provinz, 7. Einen Jndianerstamm.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung dos mätielÜ üt voriger Nummerr Untererheber.

Redaktion: Ü. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»