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sehen, da die Vertrauten derselben mir schon t*nt Dessin teuf btt! Spur gewesen waren und sie ihre Spione viel zu gut dressiert hatte, als diese leichtlich bei Verfolgung ihres Menschenwildes auf eine falsche Fährte geraten könnten.

Nachdem ich meinen .'Führer leider nicht meinen Wünschen/ sondern nur meinen Kräften gämäß belohnt hatte, blich mir noch gerade ein Toppia di Genova übrig, eine Goldmünze, ungefähr 82 Franken an Wert; wenig genug, um damit die Reise bis Basel zu bestreiten, wo ich Rimessen von Haufe erwartete. Da ich es nicht wagte, bei Tag meine Reise fortzusetzen, weil ich besorgen mußte, meinen Käschern zu begegnen, so machte ich mich noch in derselben Nacht auf den Weg. Kaum! eine Stunde weit gegangen, ergriffen mich heftige Fieberschauer, und mit Müh!e nur vermochte ich es, mich aufrecht zu erhalten; dennoch durfte ich nicht wagen, wieder umzukeh-ren, weil es meinen Verfolgern nicht lange verborgen bleiben konnte, daß, wann und mit wem ich über den Bernhardin gereist fei. Mein Aufenthalt im Dorfe Hinterrhein wurde ihnen dann sogleich bekannt, und meine Ver* Haftung war unausbleiblich. Die Schmerzen, die Müdigkeit und Ermattung zwangen mich zu wiederholten Malen auszuruhen; ends- lich verlor ich die Besinnung; dunkel weiß ich nur noch, daß ich unvermögend war aufzustehen, und mein letzter Gedanke wär: Tu willst ein wenig schlafen."--.

Von den schrecklichsten Träumen geängstigt, erwachte ich und befand mich zu meiner größten Verwunderung an einem mir durchaus fremden Orte. Vergebens suchte ich mir ins Gedächtnis! zurückzurufen, wie ich hierher gekommen; es war und blieb mir ein Rätsel. Ich lag auf einen: Strohlager, worüber man Moos und einige weiche Felle ausgebreitet hatte; das Gemach war klein und schien aus unbehauenen Steinen aufgemauert, welche mit rohen Balken bekleidet und in den Ritzen ytm Schutz gegen die Kälte mit Moos verstopft waren. Da ich auf mein wieder­holtes Rufen keine Antwort erhielt, schwankte ich auf die Tür zu, sie war abgeschlossen; ich trat ans Fenster, und mir starrte eine zehn bis zwölf Fuß hohe Schüeewaiw entgegen. Rings um das Gebäude hatte man den Schnee wenige Schritte weit fortgeschaufelt, um doch nicht ganz das spärliche Tageslicht entbehren zu müssen. Gefangen konnte ich nicht sein, denn das Fenster war unver­schlossen, auf dem Tisch lag ein Messer, und eine Flinte hing an der Wand. Hierdurch in etwas beruhigt, legte ich mich aufs Lager hin, und schnell schliß ich wieder ein. Ms ich neuerdings erwachte, fand ich die ganze Szene verändert. Acht bis neun Männer saßen zechend und spielend um einen Tisch hemm, Waffen mancherlei Art lagen unordmtlich aufeinander geworfen am Boden, und ein junges, recht hübsches Weib macht die Hebe. Man denke sich diese Versammlung durch ein paar große Kienfackeln erhellt/ deren dunkle Glut und dicker, schwarzer 'Dampf die wunderbarsten Beleuchtungen hervorbringt, und man wird es ganz erklärlich finden, wenn ich offen hier bekenne, daß mir nicht wenig angst ward.

Blinzelnd und regungslos fing ich nun an, die einzelnen Phy­siognomien zu studieren, und wurde hierdurch in etwas beruhigt, denn ich glaubte in den Zügen der Männer, wenn auch Roheit und Gemeinheit, doch keineswegs Bosheit und Hinterlist zu lesen, ja eine gewisse Gutmütigkeit war in ihrem gedämpften Lachen un­verkennbar. Vergebens lauschte ich ihrem Gespräche zu; es war mir fast ganz unverständlich, eine Mschung von romanischer Mundart und schlechtem italcenischen Patois. Endlich faßte ich mir Mut und rief deutsch die in jenen katholischen Gegenden übliche Begrüßungsformel aus:Gelobt sei Jesus Christ!"In 'Ewigkeit!" erwiderte die Gesellschaft, und ein ältlicher Mann, der Hausherr, wie ich hieraus erkannte, trat freundlich auf mich zu und reichte mir die Hand. Jetzt erst erfuhr ich, welcher Ge­fahr ich entgangen. Vor drei Tagen, denn so lange schon lag ich im heftigen Phantasieren bewußtlos in der Hütte darnieder, hatte dieser Mann, von einer Reise heimkehrend, mich unweit Rusfeuest erstarrt im Schnee gefunden. Das Scheuen und Bäumen seines. Pferdes ließ ihn auf etwas Ungewöhnliches schließen, und .en stieg ab, um es am Zaume vorüber zu führen. Da fand er mich; entsetzt hob er nun den erstarrten Körper in den Schlitten und' eilte damit nach seiner Wohnung, die ganz abwärts von der Churer Straße in der Richtung nach dem Splügen zu lag. Aus seiner und seiner Genossen Hantierung machte er mir kein Geheimnis; sie waren, wie ich halb und halb schon vermutet, Schleichhändler,

In nicht geringe Verlegenheit geriet ich aber, als man mich jetzt nach Namen, Herkunft usw. befragte. Tie Wahrheit konnte ich natürlich nicht gestehn, und eine Erdichtung so schnell zu im­provisieren, war um so schwerer, da ich nicht wissen konnte, ob sie nicht meine Papiere und namentlich meinen Paß gelesen hatten, der im grellsten Widerspruch zu meiner dermaligen so ärmlichen Lage stand. Von den Blanketts nämlich, die mir in Roveredo zugcstellt waren, hatte ich eines sogleich ausgeftillt und selbiges, da ich es zufällig nicht im Mantelsack verpackt, sondern' zu mir gesteckt hatte, noch gerettet. Leider war dieses aber von der Art, daß ich es nur unter äußerlich günstigen Verhältnissen! zu benutzen vermochte. Ein Vetter meiner vielfach erwähnten trefflichen Adelaide, der Vicomte von F., war seit längerer Zeit schon in Aegypten, und da alle Nachrichten von ihm ausgeblieben, glaubte man ihn gestorben. Eine flüchtige Aehnlichkeit, die wir miteinander hatten, bestimmte Adelaiden dazu, mich über ihn und seine Verhältnisse auf das genaueste zu unterrichten, damit

einen ihrer Vertrauten nach Lugano abgesendet habe. Des Nachts beim schönsten Mondschein verließ ich Roveredo, ohne irgend jemanden zuvor davon in Kenntnis zu setzen, und schlenderte behaglich zu Fuße uach Misox.

Da die Straße über den Bernhardin damals noch nicht ganz vollendet war, überhaupt aber in dieser Jahreszeit nicht gut zu passieren toar,. so hatte ich mir aus Vorsicht den besten Führer verschrieben, einen Bauer aus dem jeuseitigen Dorfe Hinterrhein, dem es oblag, die Straße den Winter über in wegsamem Stande zu erhalten. Um bei guter Zeit die in diesem besonders strengen Winter gefährliche Passage unternehmen zu können, war ich, wie gesagt, bei Nacht von Roveredo aufgebrocheu und schon um 3 Uhr Morgens in Misox. Ich hoffte meinen Führer bereits vorzufinden; da dieses aber nicht der Fall >var, legte ich mich einen Augenblick aufs 'Bett und gab dem Wirt,den Auftrag, mich, sowie jener käme, zu wecken. Nach Mittag erst erivachte ich und ließ.mir, ungeduldig und erzürnt aber des Führers langes Ausbleiben, etwas zu essen geben. Kaum hatte ich aögespeist, als man mir die Ankunft des­selben meldete, worauf ich schleunigst in den schon bereitstehenden Schlitten sprang. Höchst verdrießlich über den längeren Verzug, begann ich, ihm Vorwürfe über sein,langes Ausbleiben zu machen, die er mir indessen echt schweizerisch in demselben Tone zurückgab. Da entdeckte sich denn der Betrug des habsüchtigen Wirtes in Misox. Schon am Abend zuvor war mein wackerer Führer angekommen; allein damit wir länger verweilen und somit mehr verzehren möchten, hatte der Wirt uns gegenseitig voreinander verborgen gehalten.

Der Führer machte mir den Vorschlag, im Dorfe Bernhardin die Nacht zu verweilen; allein es trieb mich, bald durch die Mpen von meinen Verfolgern getrennt zu sein, und so bestand ich auf unsere Weiterreise.

Es war acht Uhr, als wir das Dors Bernhardin beim schönsten Mondenschein und Sternenschimmer verließen; wohl eingehüllt saß ich im Schlitten, und lustig ging es beim fröhlichen Schellen­klang den Söerg- hinan. Kaum aber .waren wir eine Stunde ge­fahren, als die schrecklichste Tormenta sich erhob; das Licht des Mondes und der Sterne schwand hinter düstern Wolken, und das entsetzlichste Schneegestöber machte es uns im eigentlichsten Sinne des Wortes unmöglich, die Hand vor Augen zu sehen. Mein Be­gleiter war stets ruhig geblieben, so lange er nur noch die hohen Stangen erkennen konnte, die den Weg bezeichneten; sowie uns aber auch dieses, wegen des 'Dunkels und der ungeheuren Schnee­massen unmöglich geworden, erklärte er mir, wie er jetzt gar nichts Mehr zu unserer Rettung zu tun imstande sei und es daher am besten sei, wenn wir ruhig an dem' Orte, wo wir wären, verharrten, uns warm und wach 'erhielten und unsere Seele Gott und allen Heiligen empföhlen. 1

Nur eine geringe Hoffnung blieb uns noch. Und diese ließ Uns wunderbärerweise nicht zuschanden werden. Wir lösten die Stränge vom Schlitten ab, den wir seinem Schicksal überließen, banden uns damit aneinander fest, und der Führer wand den Schwanz des Pferdes um seine Hand. Der große Verlust, der mir daraus erwuchs, daß ich mit dem Schlitten all mein Hab und Gut verlor, ward in jenem Moment gar nicht von mir beachtet, sonst hätte ich wenigstens mein Geld herausgenommen; allein der Schiffbrüchige, der keine andere Hoffnung hat als ein elendes Brettchen, das ihm die nächste Welle schon wieder entreißen kann, henkt sicherlich nicht daran, sich erst noch mit Geld zu beschweren.

Ter wunderbare Instinkt des Pferdes rettete uns. Das Ge­fährliche unserer Lage entsprang, wie ich schon bemerkte, daraus, haß die Schneewirbel jedes mögliche Erkennung?'sichen am Wege vernichtet hatten, so daß wir nie wissen konnte.., ob der nächste Schritt nicht schon uns einem tausend Fuß tiefen Abgrund ent­gegenführte. Unser Pferd war ein fogenannter Bahnbrecher; sowie nämlich die Masse des gefallenen Schnees tauf den Alpen die Kom­munikation verhindert, werden eine Anzahl Ochsen den Berg hinan- getrießen, große, in einem spitzigen Winkel zusammengefügte Balken nach sich schleppend, ein des Weges besonders kundiges' starkes Pferd führt diese Schar an und wird deshalb der Bahnbrecher genannt. Wer nun hätte es glauben sollen, daß dieses Pferd, der Nacht und des Schnees ungeachtet, welcher oft so hoch zusammen­geweht war, daß wir uns und das Pferd unter demselben hin­durchschaufeln mußten, den im steilen Zickzack fortlaufenden Weg auf das sicherste auffinden könne? Und dennoch war dies der Fall. Nach unendlichen Mühen, fast erstarrt, unsere Kleidung mit einer dicken Eisdecke überzogen, daß wir faum uns fortzubewegen ver­mochten, laugten wir endlich um acht Uhr morgens im Dorfe Hinterrhein an. 1

Die Freude der Familie meines Führers war nicht gering, als sie den Vater, ob dessen Ausbleiben sie sehr in Sorge gewesen, gesund und wohl wiederkehren sahen. Auch meiner nahm man sich auf das herzlichste an, man zerklopfte die mich umgebende Eis­hülle, gab mir andere Kleider und brachte mich zu Bett.

Erst am Abend ettvachte ich und überdachte meine jetzige Lage, deren große Unannehmlichkeiten bis dahin vor der größeren Gefahr ganz in den Hintergrund getreten waren. Schwermütig stieg ich in die Stube meines Wirtes hinab, wo meiner schon oas frugale Mahl harrte. Ich keinen Bissen; zu vieles be­wegte mein Gemüt und nahst: meine ganze Denkkraft in Anspruch; denn was jetzt anfangen? Daß die italienische Polizei sehr schnell meinen Aufenthaltsort entdecken würde, konnte ich voraus­