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Mittwoch, den 16. Oktober

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Die Dame im Pelz.

Roman von G. W. App le ton.

(Nachdruck tierboten.)

(Fortsetzung.)

Ohne alle Begrüßung begann meine Tante gleich in einem entschiedenen Tone:

In erster Linie, Edward, bin ich hierhergekommen, um deiner Schwester eineu Gefallen zu tun, zweitens wollte ich aber auch, um meine Pflicht bis zuletzt zu erfüllen und später keinerlei Vorwürfe zu bekommen, nochmals mit dir über die Sache sprechen, die für deine Zukunft von der größten Wichtigkeit ist. Du wirst dir denken können, welche ich meine.

Ich merkte an ihrem Tone, daß die Kluft zwischen uns beiden jetzt noch keineswegs überbrückt war, und ant­wortete kühl:

Jawohl, ich kann mir's vorstellen.

Nun, fuhr sie fort, dann wollen wir uns nicht lange bei der Vorrede aufhalten. Ich bin mit deiner Schwester hergekommen, um mit dir endgültig über das Weib zu verhandeln, das du hier gegen seinen Willen fest- gehalten hast.

Die Keckheit, mit der sie diese Behauptung aufstellte, versetzte mich gleich wieder in hochgradige Erregung.

Gegen ihren Willen! rief ich aus. Hörst du diese Beschuldigung, Helen?

Ich habe ihr schon gesagt, daß das ein Irrtum ist, be­merkte meine Schwester, die sehr unglücklich und trostlos dreinschaute; aber sie glaubt es mir ja nicht.

Nein, ging meine Tante weiter. Ich irre mich ganz und gar nicht. Warum hat sie euch denn sonst gestern abend heimlich verlassen?

Aus ihrem ganzen Wesen und an der Betonung des letzten Satzes merkte ich, daß sie noch etwas auf dem Herzen hatte, und ich hielt es für das beste, gleich alles zu erfahren. Daher ging ich scheinbar auf ihre Frage ein.

Wie kann ich das wissen? antwortete ich ziemlich gleichgültig.

Fahr nur so fort mit deiner Heimlichkeit und Unwahr­heit gegen mich! Helen lügt wenigstens noch nicht, und sie hat mir erzählt, daß ihr gestern abend beide vergiftet gewesen wäret.

Nun, versetzte ich darauf, da dir's Helen mal erzählt hat, kann ich's ja ruhig zugeben, 's stimmt.

Und die Dame das sogenannte Fräulein Marcella Garcia war die auch vergiftet?

Wie soll ich das wissen können? Als wir aufwachten, Kar sie ja fort.

Jawohl, wiederholte meine Tante spöttisch, sie war fort. Und was schließest du daraus?

Was ich daraus schließe? Gar nichts. Was meinst du denn?

Oh, ihr Simpel! Daß sie eure Suppe vergiftet hat.

Ha, ha! Sie uns die Suppe vergiftet! Der Witz ist nicht schlecht!

Für'n Witz hältst du das?

Weiß Gott! sagte ich, ich kann mir Nicht helfen. Aber die Sache fängt an, interessant zu werden; bitte, erzähl' weiter. Ich verspreche dir auch, dich nicht öfter zu unter­brechen, als es meine Natur absolut verlangt.

Die akademische Bildung scheint deine Lebensart ja nicht besonders verfeinert zu haben, versetzte sie mit beißen­dem Spott. Vielleicht hast du die große Güte, mit deiner Erwiderung überhaupt zu wartcu, bis ich ausgeredet habe.

Schön, antwortete ich. Ich werde es versuchen.

Also, fuhr sie nun fort, ich sage nochmals, daß sie eure Suppe vergiftet hat, um unbemerkt entschlüpfen zu können. Daß sie eine Zeitlang wirklich ihre Erinnerung verloren hatte, will ich jetzt gar nicht mehr bestreiten. Als sie ihr aber wiederkam und klar wurde, daß sie sich in der Gewalt fremder Leute befand, die ihr Geld weg­genommen und sich geweigert hatten, es ihrem gesetzlichen Gatten auszuhändigen was blieb ihr da weiter übrig . . .

Als unsere Suppe zu vergiften, natürlich, ergänzt« ich, indem mir bei diesem Unsinn nun doch die Geduld ausging. Wie rasch du deine Ansicht änderst. Neulich behauptetest du noch, wir beherbergten eine Mörderin, die uns alle noch im Bett umbringen würde, und nun sind wir, Helen und ich, Spitzbuben, die es auf das Geld des Mädchens abgesehen haben.

Das hab ich absolut nicht gesagt, entgegnete sie gereizt.

Aber gemeint.

Auch nicht.

Dann möchte ich wahrhaftig wissen, was du sonst damit gemeint hast, versetzte ich unwillig über diesen Verlaus der Unterhaltung.

Auch sie wurde nun erregter.

Du hast das Geld doch im Besitz; das wirst du hoffent-i lich nicht leugnen wollen, sagte sie.

Leugnen? Durchaus nicht. Natürlich hab ich das Geld.

Wieviel?

Bei aller schuldigen Hochachtung vor dir kann ich dir auf diese Frage nur antworten, daß das nur sie und mich angeht und sonst niemand. Ich habe das Geld nicht nur bekommen, sondern auf polizeiliches Anraten habe ich's sogar festgelegt, bis sie cs selbst zurückfordert. Kein Mensch kann auch nur einen Heller davon wegnehmen. Das ist mein letztes 'Wort in dieser Sache.

Diese Erklärung schien einen gewissen Eindruck auf meine Tante gemacht zu haben.

Willst du damit sagen, fragte sie nach einer kleinen