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kurze Zeit in fein Studierzimmer zurück; dann fährt er mit dem Fahrstuhl zum dritten Stock zu feinem bevorzugten Wohnzimmer zurück und nimmt etwa nm 1 Uhr ein einfaches Frühstück. -i-er Tisch, au dem der Papst speist, ist groß und hat eine ovale tfornt. Er selbst siht am Ehrenplatz und in einer gewissen Entfernung sitzen die beiden Geheimkapläue, die Dionsignori Bressan und Pescini; Pius X. hat mit der früher fast nie gebrochenen Gewohnheit aufqehört, allein zu speisen. Es wird ihm ein besonderes Menu bereitet, das auf fein Alter und seine körperlichen Beschwerden Rücksicht nimmt. Er ißt und trinkt nur mäßig; ge« wohnlich nimmt er eine Suppe, mit Vorliebe Reis- und Hühnerbrühe, etivas gekochtes Huhn oder auch ein Kalbsbeefsteak, Fisch, oder einen andern Gang von weichem Fleisch mit gekochtem Gemüse und Obst; dazu trinkt er Mineralwasser und ein Glas sehr alten Bordeaux. Er hat den roten Valpolicella, den er als Bischof in Mantua trank, aufgeben müsse». Leo XIII. trank, wie hierbei bemerkt wird, als der vornehme Aristokrat nur Champagner. Zum Schluß der Tafel trinkt Pius X. eine Tasse Kaffee. Bressan und Pescini erhalten eine weniger einfache Mahlzeit, unb so kommt es wohl vor, daß der Papst, ivenn er sieht, daß die beiden Monsignori einen besonders schmackhaften Gang erhalten, mit schalkhafter Grazie sich ein wenig zu ihnen hinüberneigt, um
besser zu sehen, und schließlich mit der Gabel etwas von
dem Teller des einen oder andern nimmt, wobei er
lächelnd sagt: „Es wird doch nicht gleich eine Schlemmerei
{ein, ivenn ich das mal koste, nicht wahr?" Das Frühstück dauert in der Regel eine Stunde. Wenn das Wetter mild und die Lust klar ist, so verweilt der Papst wohl eine halbe Stunde am Fenster, dann zieht er sich in sein Schlaizimmer zurück und ruht. Hierauf kehrt er wieder in sein Studierzimmer zurück, wo er im Sommer bis 61/, Uhr, im Winter bis 5 Uhr bleibt und empfängt; manchmal dehnen sich die Audienzen aber auch bis 81/, Uhr aus. An Sommer- und schönen Herbsttagen unternimmt der Papst Spaziergänge in den vatikanischen (Sorten. Die Aerzte haben ihm Lust und Bewegung verordnet; er steigt daher aus dem Wagen und hält sich bei der Reproduktion der Grotte von Lourdes oder aus einem der Wege aus und spricht gelegentlich mit den Personen seines Gefolges, mit den Gärtnern oder anderen, die ihm begegnen. Um 9 Uhr kehrt der Papst in fein Zimmer zurück, betet den Rosenkranz und hält dann die Abendmahlzeit. Auch diese ist höchst einfach : eine Suppe, zwei Eier, gekochtes Gemüse und Marmelade. Bald danach legt er sich zu Bett, zugleich mit ihm Monsignore Bressan im Nebenzimmer; dann wird das Gemach verschlossen und Schweizer Garden und vatikanische Wächter halten vor der Türe Wacht.
Als eifriger Leser der Zeitungen sah Pius X. auch die Notiz, die im vorigen Monat durch aste Blätter der Welt ging: von dem entscheidenden Einfluß der Zahl 9 im Leben des Papstes. 9 Jahre war er Kaplan, 9 Jahre Pfarrer, 9 Jahre Bischof, 9 Jahre Patriarch — 9 Jahre auch Papst. Da er am 4. August 1903 zum Papst erwählt worden war, so gingen die 9 Jahre am letzten 4. August zu Ende, so daß ... die Schlußfolgerung nahe lag, aber der Papst beunruhigte sich keineswegs über diese seltsame Prophezeiung, sondern sagte mit seinem fröhlichen Lächeln zu einem Prälaten: „Sagen Sie, haben Sie in den Blättern die Geschichte von der 9 gelesen? Eine schöne Geschichte, aber sie stimmt — absolut nicht ..." -------------
Vermischtes.
ff. Der russische Feldzug der C o m e d i e - Frantz ai se im Jahre 1812. Ein friedlicher Feldzug war es, den Mitglieder der Comßdie-.Frantzaise int Jahve 1812 in Rußland führten. Während Napoleons Truppen den Njemen überschritten und die feindlichen Heere sich gegenüberstanden, spielten in St. Petersburg französische Schauspieler den „Nationalfeinden" französische Stücke vor. Ja, noch mehr! Da die Volksmeinung sich gegen die Franzosen wandte, so büßten die Schauspieler an Einnahmen ein, und — das Absonderliche geschah: Um gegen den „Eindringling" zu protestieren, Anderten die Mitglieder der Coms- die-Frantzaise den Spielplan und gaben fortan ein russisches, ins Französische übertragenes Stück. „Angesichts der gegenwärtigen Umstände" erließ Zar Alexander aber bald ein Dekret, durch das die französischen Schauspieler verabschiedet wurden. Wenigstens wurden ihnen die kaiserlichen Unterstützungen, die die französischen Bühneti in St. Petersburg und Moskau erhielten, entzogen. Es war ihnen jedoch gestattet, auf eigene Rechnung hin, gewissermaßen als private Schauspielgesellschaft-en, aufzutreten, und so seltsam es klingt, es ist Tatsache, daß während des ganzen russischfranzösischen Feldzuges Mitglieder der Comedie-Frantzaise in St. Petersburg ausgetreten sind. Erst zwei Monate nach dem Brande von Moskau kehrte die französische Schauspieltruppe St. Petersburg den Rücken. Ganz anders verhielten sich die französischen Schauspieler, die in Moskau gastierten. Selbstverständlich machten sie alsbald offene Sache mit ihren Landsleuten, und der Graf von Bausset, den Napoleon zum Direktor der schönen Künste er- nannt hatte, organisierte ein regelrechtes kaiserliches Hoftheater. Allerdings haperte es etwas sehr mit den Kostümen und den Regmsiten, und Memoiren aus der damaligen Zeit wissen von ganz absonderlichen Verkleidungen zu erzählen, die alles andere
als getreu waren. Ms die ^Franzosen in Moskau einzogen, waren die Schauspieler des früheren, vom Zaren subventionierten.französischen Theaters, im größten Elend. Selbst die notwendigsten Kleidungsstücke fehlten ihnen, und es war daher eine Wohltat für sie, daß der Graf Dumas ihnen gnädigst erlaubte, sich aus den Kostümen, die man in den Häusern der flüchtigen .Bojaren sand/ das herauszusuchen, was ihnen gut schien. Sie fanden dort die kostbarsten Pelze, die erlesensten Spitzen, und so kam e§' denn, daß z>. B. die Schauspielerinnen auf der Bühne in einzelnen Kleidungsstücken prunken konnten, die -einer Königin würdig gewesen wären. Erwähnt sei aber auch, daß ihnen bei all der Pracht manchmal das — Hemd fehlte. 1 1
"FrattzösifcherWitz. Späte Erkenntnis. Rechtsanwalt : „Wie kommt es nur, daß Sie drei Jahre gewartet haben, ehe Sie de» Mann niederschlugen, der Sie ein Rinozeros genannt hat?" — Angeklagter: „Herr Rechtsanwalt, ich war am Tage vorher zum ersten Male im Zoologischen Garten und habe ein Rhinozeros gesehen." — In der Türkei. Gespräch zweier Paschas: „Wenn um 11 Uhr 40 die Regimenter, auf die ich zähle, die Gewalt haben werden, fo werde ich Sie füsilieren lassen . . / „Und ich Sie um 12 Uhr 32, wenn die Bataillone, an die ich denke, zu unserer Partei stoßen!" — Letzter Schmerz. Der Ehemann (in tiefem Sinnen) : . und nun soll ich nicht einmal
den Frieden haben, wenn ich tot sein werde, wir haben ein Familiengrab." — Fehl am Ort. Alpenführer (zu den Touristen, die stehen geblieben sind, um eine Aussicht zu genießen): „Hier soll man nicht stehen bleiben! Sie müssen weiter oben in Begeisterung geraten — ich werds Ihne» dann schon sagen!" — Hygiene Parveim (zu feiner Frau): „Weißt du, endlich habe ich das berühmte Buch über Hygiene wiedergefunden, das wir uns angeschafft haben, und das wir nun schon seit zwei Jahren suchen . . „Schade, daß wirs nicht eher hatten. Wo war es denn aber?" .. „Dadrin — in der Badewanne I" — Der gute Kunde. „Nun, Doktor, Sie begleiten mich noch so weit? Ich glaubte doch, daß Sie einen Kranken zu besuchen hätten?" „Ach, der ist chronisch, der kann warten." . . . I m B a d e o r t. „Was für ein abscheuliches Wetter!" „So, wirklich, das weiß ich gar nicht . . . Es regnet immer zu? . . . Ach, ich interessiere mich nicht für das Wetter, ich spiele von 9 morgens bis 11 Uhr abends Bridge".
Büchertisch.
— Ein junges und erfolgreiches Unternehmen, das sich mik frischem Mute ganz in den Dienst der gebildeten Frau, der -gesunden Frauenbewegung stellt und sich weit fern hält von den Auswüchsen der Frauen-Emanzipation, ist die im Verlage von Velhagen u. Klasing zu Leipzig erscheinende illustrierte Frauenwochenschrift „D i e D e u t s ch e Fra u". Alle brennenden Tages- sragen, welche die gebildete Frau von heute bewegen, finden darin anregende Beleuchtung: Rechts- und Gesundheitsfragen, soziale Probleme, Frauen-Berufe und Frauen-Bildung, Nebenerwerb; aber auch Ratschlage für Haus und Hof, Küche und Keller, für -Toilette und Luxus. Die aparten Bilderbeigaben bevorzugen dte^ Bedürfnisse und Interessen der gebildeten und geschmackvollen Frau, sie berücksichtigen also insbesondere das unerschöpfliche Gebiet der Mode mit ihren vielfachen Verzweigungen, des Kunstgewerbes (Wohnungseinrichtungen, Beleuchtungsgegenstände, Gartenmöbel, Spielzeug, Porzellan, Handarbeiten feinerer Art, Spitzen, Schmuck), ferner Brautausstattungen, neueste Kücheneinrichtungen usw. Besonderes Interesse v-crdienen drei gemeinnützige Neueinrichtungen der „Deutschen Frau".: 1. der Toilettenmarkt, der den Damen der wohlhabenden Kreise eine willkommene Gelegenheit bietet, ihre guterhaltenen Toiletten (auch,Hüte, Pelze usw.) an die wirtschaftlich schwächeren Mitschwestern zu ermäßigtem Preise abzugeben/ 2. der Markt für Gelegenheitskäufe, welcher den vorteilhaften An- und Verkauf von vielen nützlichen und wertvollen Dingen/ Antiquitäten, Liebhabergegenständen, Gold- und Silbersachen, Bildern, alten Möbeln, Spielen und Sportsachen vermittelt, 3. der Nahrungsmittel-Markt, der den Hausfrauen in allen Teilen -Deutschlands erprobte und billige Quellen für den direkten -Einkauf vom Produzenten nachweist. Der Vertrag stellt Interessenten gern kostenlos eine Probenummer zur Verfügung. Der .Abonnementspreis für diese illustrierte und wöchentlich erscheinende Zeitschrift ist mit vierteljährlich 1 Mk. sehr niedrig bemessen.
Rätsel.
Ich kenne im Thüringerland einen Ort, Der ebenso heißt, wie das Flüßchen dort; Das Wörllein wird mit vier Zeichen geschrieben. Doch willst du sie richtig verdrehen und verschieben, So nennen sie dir einen Frauennamen, Ter wenig gebräuchlich bei unseren Damen. Im Drama und int modernen Rotnatt Triffst du ihn bei Weitem am häufigsten an.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Kelle, Egge, €}eel, Egle, Eeeb, Kofel, JLeef, Üle, Med;
Kegelklub.
Redaktion: K. Neurath. — NotatioitSdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Sange, Gießen,


