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beitfyie erworben hat dieser Ihnen wohlbekannte Herr hat soeben einen telegraphischen Ruf als ordentlicher Pro­fessor an die Universität Tübingen erhalten--"

Das gab einen Sturm!

Ja, wahrhaftig, sie mochten ihn alle leiden, den be­scheidenen, gutmütigen, pflichtgetreuen Mann...

Famos... tadellos... bravo, bravo Frobemus .... gratuliere tausendmal...!!" .

, Halt, meine Herren!" überschrie der Major den Tu­mult,ich bitte dringend um Ihre Aufmerksamkeit! ich bin nämlich noch nicht 31t Ende: Ich habe die angenehme Pflicht, Ihnen die Verlobung meiner Tochter Nelly mit!"

Weiter kam er nicht keiner verlangte, den Namen des Erkorenen zu wissen.

Es gab einen Jubel, daß au alleu Lagerfeuern des ganzen Bataillons alle Köpfe dorthin sich wandten, wo bei der Fahne auf einer leichten Bodenerhebung die Herren vorm Bataillonszelt tafelten...

Das Brautpaar: hurra, hurra, hurra--!"

Und Vor versammeltem Kriegsvolk nahm der Major seinen Schwiegersohn beim Kragen Und preßte seine lang­wällenden Schnurrbarrzipfel auf den roten Bart des Herrn Professors. *

Wenige Minuten vor neun Uhr ließen die Kom­pagnieführer ihre Leute bei den Gewehren antreten. Es war kühl geworden, die Mäntel hatten schon längst ange­zogen werden müssen... '

In langen' dunkeln Reihen standen die Kompagnien... es kam der Augenblick des Abendgebets.

Die Kompagnieführer standen vor der Front, die Zug­führer am rechten Flügel ihrer Züge.

Und nun erklang von 'rechts her in ruhig heiterm Schreiten das Schmettern der Rcgimentsmusik... sie spielte die alte stolze Weise desGroßen Zapfenstreichs"..., Langsam marschierte das Musiklorps, die Spielleute aller drei Bataillone voran, an der Front des ganzen Regi­ments vorbei, dessen drei Bataillone ihre Biwaks neben­einander aufgebaut hätten...

Gelblich leuchteten die Instrumente ans im Widerschein der Lagerfeuer...

Und aus der Ferne von rechts und links käm's wie ein Widerhall... dort, wo die andern Regimenter des Korps biwakierten, vollzog sich die gleiche Feierlichkeit...

Nun war die Musik am linken Flügel des dritten Batail- lons angekommen, sie machte kehrt, zog abermals vor den dunkeln Massen der lauschenden Truppen entlang bis in die Mitte des zweiten Bataillons, in die Mitte der ganzen Regimentsfront. Da machte sie halt.

Hier stand der Oberst mit seinem Stabe. Er gab mit weithin schallender Stimme das Kommando:Mützen ab zum Gebet!"

Die Bataillonskommandeure, die Kompagniechefs wie­derholten den Befehl.

Alle Mützen flogen von den Köpfen... ein tiefes, an­dächtiges Schweigen lagerte über dem nächtigen Plan...

Nun scholl ein dumpfer, langhinrollender Trommel­wirbel... die achtundvierzig Tambours des Regiments ließen leise rasselnd ihre Schlägel auf die entspannten Kalb­felle niederfallen... darüber schwebte ein leiser, flehender Triller der Flöten... und nun setzte der volle Ton der Trompeten, Tuben, Posaunen ein mit herzerschütternder Chvralmelodie...

Ich bete an die Macht der Liebe, die uns vom Himmel offenbart... ich geb' mich hin dem freien Triebe, mit dem ich je geliebet ward.

Ich will, anstatt an mich! zn freuten, ins Meer der Liebe mich versenken..

Das griff in jede Brust... übergewaltig... ver­söhnend ... Frieden spendend ... Himmelsfrieden...

Stumm... regungslos lauschten die zwölfhundert jun­gen Männer im Waffenrock der Niederländer Füsiliere... und alles weithin übers endlose Wafsengefild lauschte... sie alle, die jugendschwiellenden, hochaufschauernden Krieger- herzen...

Und keiner... keiner war so arm... so Heimat- und friedlos, daß er nicht an ein Liebes hätte denken können, dessen Herz in weiter Ferne für ihn schlug...

Märtin Flambergs Herz aber schrie auf in wildem Mgm.., in fressender Reue...

Agathe... Agathe...!i

Mützen auf weggetreten!"

Als Flamberg sich umwändte, freut Kompagniezelt zu i stand plötzlich der Hauptmann von Brandeis hinter ihm:Sitten Abend, Flamberg habdn Sie einen Moment Zeit für mich?!"

Zu Befehl, Herr Hauptmann!"

Kommen Sie... wir gehen -ein paar Schritte in den Busch hinein..."

Stumm folgte Märtin Flamberg in seinem Kopf und Herzen war ein brandender Schwall er konnte nichts denken nichts fühlen...

(Schluß folgt.)

Helgoländer Zchlendertage.

1.

Nun hat es auch mich gepackt. Durch mehrere Helgoländer Fahrten, dieglatt" verliefen, kühn gemacht, saß ich auf der vordersten Spitze des Oberdecks derPrinzessin Heinrich" und jauchzte vergnügt in das Wogen und Brausen der recht erregten, See hinein. Gleich hinter Cuxhaven begannen die Wellen sich haushoch zu türmen und noch^ würde Spritzer über Spritzer, der mancheni schon bis auf die Haut ging, mit Lachen und Krei­schen begrüßt. Plötzlich merkte ich ein noch nie gekanntes Gefühl irgendwo in der Magengegend. Am Tage vorher hatten wir noch große Töne darüber geschwungen, daß auch gegen die See­krankheit die Willenskraft das Hauptmittel sei, und so holte ich denn alles, was sich an Vorrat hiervon 'in meinem Körper zusammcnsnchen ließ, hervor, und begann den fürchterlichen, aus­sichtslosen Kampf gegen die Geister des Meeres. Im .Stehen wirds besser gehen: nein, es ist doch int Sitzen leichter. Aber es hals nichts, 'zwar wohl nicht als erster ans dem Schiff, aber als erster dort unter den Passagieren des Vorderdecks, mußte ich die Flagge einziehen und verschwinden. Wen's einmal ähn­lich faßt, der merke sich: keine falsche Scham, und nicht' hinnnter- gehen! Es war drunten ein fürchterlicher Aufenthalt, und ich war froh, einen Platz an der kleinen nach dem Unterdeck hinans- sührenden Tür erobert zu haben, in der ich frische Luft, Aus­blick auf die wunderbare See nnd die nötige Freiheit tztt allen Explosionen hatte. Von Zeit zu Zeit mußten sich die er­matteten Lebensgeister zu einem Kampf ums Dasein aufrasfen, da alle 5 Minuten ein anderer vorüberdrängte, um draußen die Reeling zn erreichen. Auf dem Streifen Deck vor uns flutete durch die überspülenden Wellen das Wasser 10 Zentimeter hoch und da drin standen die armen Opfer gefühllos. Bon Ange­hörigen und Freunden, die mit mir fuhren, konnte ich erst im Augenblicke des Ankerwerfens wieder etwas hören und sehen, da ein Gehen auf dem stampfenden, rollenden und schlingernden Schiffe unmöglich war, waren doch sogar die Stewardskrank" und alte Seeleute nahe daran, zu unterliegen. Einmal kam nut großem Gepolter etwas hinter mir die Schiffstreppe herunter, es waren 3Gegenstände": voran die kleine Frau eines Kollegen dann eine Decke, die ihr jemand nachtragen wollte und dann der ägev dieser Decke. Kurz, es war Heulen und Zähneklappen ui die ganze Reisegesellschaft eingezogen, die an den neuen St. Pauli- Landungsbrücken noch so freudig an Deck ging, zum Teil nut denk stolzen Hochgefühle der ersten Seefahrt.

Verloren gegangen war unter sotanen Umständen das immer so fesselnde allmähliche Uuftauchen des roten Eilandes. Es lag da und wir lagen da, und die größte Freude war daß die alten Helgoländerruderboote jetzt alle mit Motor versehen sind, so daß das früher unleidige Ausbooten in wenigen Minuten vor sich ging. Die Lästerallee war noch die alte, d. h. ein Paar schnoddrige junge Leute versuchten die alte Tradition aufrecht zu erhalten, ohne damit guten Eindruck zu machen. Im all­gemeinen beachtet man die noch grünlich Aussehenden in Hel­goland nicht mehr. Und wie manches hat sich verändert. Vor der Südspitze ist in dem neuen Kriegshafen ein ganzes neues Un­terland geschaffen worden, ein großes Gebiet mit Wasserbecken und künstlichem Festlande, auf dem eine Reihe von Häusern steht und auf dem grüne Flächen Und sogar derTennisplatz" nicht fehlen. Wer rann es.glauben, daß jetzt auf der Insel 4 Eisen- bahnm gehen? Eine Baubahn unten auf diesem neuen Gelände, eine solche durch den Tunnel von unten nach oben, und zwei oben auf dem Oberlande. Dort arbeiten auch Dampfmaschinen, die Steinmaterial befördern,*) große Baracken bergen eine Menge italienischer Arbeiter, und rote Steinhaufen liegen dort, wo früher Helgoländer Schafe weideten. Aus den wenigen Panzertürmen früherer Jahre ist eine ganze Reihe geworden, die das drohende Rohr auf die See hinausstrecken. Auch die Stadt zeigt eine Menge schöner Neubauten und hat an Stelle des alten Scheunen­theaters einen einfachen schmucken Neubau gesetzt.

Und mit dem und trotz alledem übt die grünweißrote Insel doch immer wieder auf den, der sie lieb gewonnen hat, dm alte« Reiz aus.

*) Kürzlich alles abgebrannt.