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Sommrrleutnants.

Roman von Walter Bloem.

Copyright 1910 by Orethlein & Co.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Ein siedender Schreck hatte Martin plötzlich durchzuckt, -als die Ordonnanz des Majors herangekommen war... -Auf die hatte et ja den ganzen Tag gewartet...

Und -nun erging der Ruf zu seinem fröhlichen Zechen !? -Also die Stunde her Abrechnung war noch immer nicht da... der Major wußte noch von nichts...?!

, Natürlich, jetzt saß Brandeis drüben im Dorfe, wo der Brigadestab lag, mit seinem General zusammen, studierte die Korps- und Divisionsbefehle für morgen redigierte den Brigadebefehl

Da blieb ihm keine Zeit, an seine eigenen Angelegen­heiten zu denken mochten sie auch noch so dringlich... noch so unaufschiebbar sein...!

Im Hinschreiten ließ Flamberg seine Blicke über das Weite Lager schweifen ... Die Dämmerung sank hernieder ... die frühe Dämmerung des Spätsommerabends...: hinter dem fernen braunen Strich des Jdarwaldes ver­glomm der letzte Tagesglast...

Endlos hin über Berg und Tal zog sich das Biwak des Korps ... und überall dieselbe Szene ... die lodern­den Feuer mit den rastenden, schmausenden, singenden jungen Männern drum herum... überall niedere Lein­wandzelte ... Gewehrpyramiden... Posten vor der Fahne ... Ein ergreifendes Bild ruhender, gesammelter Volks- kraft:Lieb Vaterland, magst ruhig sein..."

Ach und immer wieder fühlte er dann den jähen Ruck am Herzen...

Was hast du getan und was Wird werden ---?!

Wie anders müßte mir nun zumute sein... wie leicht ,.. wie dankbar... wie voll Hoffnung... voll überströmen­der Glückshoffnung und wie ist mir nun...

Unmännlich hab ich mich hingegeben an diese Leiden­schaft, die ich hätte bekämpfen müssen von Anbeginn... ausroden wie ein holdselig blühendes, berauschend duften­des Giftgewächs...

Ich hab sie wachsen lassen ... und eine einzige Sekunde hat mein Leben... meine Zukunft... mein Glück ver­nichtet ... Mein Glück... ^

Meines nur...?

Und sie... Agathe... das vertrauensvolle Mädchen, das sein Geschick in.meine Hand- gelegt hat.,.?! Ach, Kimmel, wenn sie ahnte...

Und das, was kommen kann... was kommen muß....

Nein, nein nicht dran denken... hinwegscheuchen die grausigen Bilder alles dessen, !vas kommen wird

Gespielt mit dem Heiligsten ... gedankenlos... halt­los... gewissenlos...!

Jm Künstlerübermut... im Rausch des Machtgefühls hineingegriffen in die festgefügte Ordnung, welche diese Lebenssphäre beherrscht, in die der Dienst des Königs, des Vaterlandes mich, den Mann aus Kreisen leichterer, freierer Daseinsführung, hineingeführt...

Nein, das ging nicht... das paßte nicht zusammen... Entweder -oder! Nur zu einem Spiel... nur zu einem Anlaß künstlerischer Sensationen war das Gewand zu gut, das er trug, der Stand, dessen Zeichen es w-ar...

Eine Offizierübung ist kein malerischer Motivenschatz ... die Ehe eines Fritz von Brandeis ist kein Modellbureau... Entweder oder! Entweder man ist Offizier oder man ist es nicht!

Nun... er würde sühnen... seine Schuld bezahlen...

In tiefem Sinnen war Flambevg stehen geblieben am Rande des Gehölzes, welches das Biwak deckte.

Nun hörte er Plötzlich seinen Namen rufen:Flamberg! Sie, Flamberg!"

Das klang vom Bataillonszelt her... Die Kameraden hatten ihn entdeckt.

Er trat hastig näher.

Na Meister... bißchen Stimmung geschunden... biß­chen photographiert für den Winter?! So, nun kommen Sie mal 'ran... die Bowle ist prima, prima..." so klang's durcheinander.

Der Major lthronte inmitten der Tafelrunde, die sich auf Feldstühlen, Kisten und Koffern Um den grauen Klapptisch gruppiert hatte, der ein Vorrecht des Bataillonsstabes war. Sein Gesicht war gerötet, die zerknitterte Manövermütze saß ihm im Genick, den Kragen des Waffenrocks hatte er aufgehakt...

Und an seiner rechten Seite saß der Leutnant der Land­wehr Frobenins... seine Brillengläser funkelten... seine klugen Äugen leuchteten so seltsam... die rotumbarteten Lippen zuckten wie in freudiger, festlicher Erregung.. .f

So, lieber Dormagen," sagte der Major mit einer ge­wissen Feierlichkeit zu dem jüngsten der Herren des Batail­lons, dem eleganten Referendar aus Koblenz,nun füllen Sie gefälligst mal alle Gemäße!"

Schäumend floß der Kasinosekt über die Ränder der Emaillebecher, der Bierseidel, der henkellosen Kaffeetassen..

Und Sassenbach erhob sich:Meine Herren ich weiß, daß ich Ihnen allen eine Freude machen werde mit bent, was ich Ihnen jetzt mitzuteilen habe: Erstens unser ver­ehrter Kamerad, Herr Frobenins, bislang Privatdozent der Literaturgeschichte an der Universität Bonn ein Herr, der in den acht Wochen, während deren er inmitten unseres Regiments geweilt hat, trotz gewisser hm hm--an­

fänglicher Schwierigkeiten... trotz -einer gewissen Vorliebe für den Aufenthalt in Froschtümpeln und auf Parkett­böden ... die uns ein wenig befremdet hat... auf die Dauer unsere -größte kameradschaftliche Hochachtung und Sym-