Ausgabe 
16.3.1912
 
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Eine Heldin.

Novelle von Max Karl Böttcher-Chemnitz.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Als sich Graf zu Hollen nach des Erbprinzen Rückkehr bei ihm melden ließ, dankte dieser für weitere Dienste am Abend Der Herzog und Hans Jochen nahmen für ge­wöhnlich abends ihre Mahlzeit gemeinschaftlich er« und zwax im Bibliothekszimmer Hans Jochens. Born, des Erbprinzen Kammerdiener, genoß die besondere Ehre, den Herren ser­vieren zu dürfen. Hier sprachen sich Vater und Sohn aus, hier wurden Negierungsangelegenheiten ganz ohne höfische Beeinflussung, ganz selbständig beraten.

Hans Jochen war heute abend mißgestimmt. Er fühlte, daß er am Nachmittag unrecht gehandelt, er fühlte sich dem Vater sowohl als auch Kathinka gegenüber schuldbeladen.

Der gute alte Herzog billigte völlig des Erbprinzen Besuch bei der Fürstin-Tante und auch dre Ausfahrt nach

Schw an au. I

Das solltest du öfters machen, mein Junge, um deinet- und'des Volkes willen. Wenn du so in Zivil unter dre Leute trittst, wenn sie merken, du achtest ihre Interessen, I so spinnen ich Fäden hinüber und herüber, die niemals entstehen können, wenn sie dich nur im Purpurmantel und I Hofprunk kennen." -

Pater, ich denke aber, unsere Umgebung durfte von dieser Art der Abstreifung des fürstlichen Nimbus nicht so recht erbaut sein." .

Ach laß sie Der gute Graul ist in Hosdiensten alt und "gr?u geworden. Er ist zu Konservativ um sich iN moderne Bewegungen finden zu können, und Graf Hollen, | na der tut eben, was Graul tut, denn der «Graf spekuliert sicher auf den Marschallshut - und da er seine Pflicht so ernst nimmt, sind seine Aussichten fa auch

Hans Jochen lachte.Ernst nimmt er sein.Amt, das muß man ihm lassen, Wohl manchmal zu ernst, so daß ich ihm werde öfters die Arbeit erleichtern müssen.

Uebriaens, Jochen, die gute Tante habe ich in der letzten Zeit etwas vernachlässigt. Du könntest die Sunde des Vaters wieder gut machen und sie öfters mal besuchen.

"Sv^ ^ind^dir diese Molche so amüsant?" *

"Das nicht aber Fräulein von Hämmerling mit ^^^Ach^so. Was macht übrigens unsere Tochting. Hat sie

Ach dmke" Tante scheint schon sehr vertraut mitihr zu smn. Kathinka ist sehr zufrieder^ und über den 'Ausflug beute nachmittag war sie überglückliche

Das kann ich mir denken. Wie wäre es, wenn wir ftg öfters einmal ausreiten ließen?" sagte der Herzog,

Die Häminerling?"

Na ja, ihr Vater hat mir Wunderdinge von ihrep Reitkunst erzählt. Du und Hollen könnt fte ja begleiten.

Der Herzog zog sich in sein Arbeitszimmer zurück, und Hans Jochen begab sich zu Fuß und ohne sehe Begleitung in das Kasino der Gardereiter, wo heute ein Liebesmahl! stattfand. m

- Vom Kasinogarten erscholl Musik und Gläserklirren. Er blieb an der Seitenpforte stehen; dann zog er sich die Mütze tief in die Stirn und durchwanderte etliche Straßen. Er mochte noch nicht hineingehen in dre überlaute Fröhlichkeit. In Berlin, ja, da war das etwas anderes gewesen; der lautesten einer war er dort gewesen. Aber hier als Erbprinz und Regent hier durfte er nur Hul­digungen entgegeniiehmen und selbst nicht mit fröhlich sein. Wieder packte ihn Sehnsucht iiach seinem Berlin; das Gefühl des Verlassenseins drückte ihn stärker denn je. - W Pärchen und flirtende Backfische kamen an ihm vorüber. Da dachte er an den vergangenen Nachmittag. Er stellte sich den Augenblick des süßen Vergessens vor, den Augenblick, ut welchem die kleine Hämmerling ihre Neigung verriet.Fort mit diesen Gedanken, das darf nicht sein, sagte er zu sich selbst. Er kehrte schnell um und betrat das Kasino. Bei seinem Eintritt erhoben sich die Herren, und größte Stille trat ein. Der Regimentskommandeur eilte ihm ent­gegen und begrüßte ihn mit lauter Stimme, der man dre Freude ob der hohen Ehre deutlich anhorte. Dre Musik­kapelle spielte hierauf den Nationalmarsch, den man stehend anhörte und dann begrüßte Seine Hoheit die Stabsoffiziere mit der Hand, während sich die anderen Herren mit erner Gesamtverbeugung begnügen mußten. Die Unterhaltung nahm nun einen ganz anderen Verlauf, wre vorher. Man sprach nur leise mit seinem Nachbar, und alle, mit Aus­nahme des Regimentskommandeurs, mutzten warten, bis Seine Hoheit sie durch eine Ansprache auszerchnete. Hans Jochen war das zuin Sterben langweilig. Am liebsten Ware

I er aufgesprungen und hätte gerufen:Aber Kinder, seid I doch nicht so fade; seid doch lustig; schreit und tollt und trinkt und singt, wie ich das vor sechs Wochen.auchnoch aemackt habe." Aber das ging eben nicht. Nun hatte er

Regimentskommandeur, der erst Oberstleutnant war, auch noch aus VersehenHerr Oberst" genannt - und da blieb ihm nun nichts weiter übrig, als morgen fernen .Vater

I um die Beförderung des Kommandeurs zu bitten. Dcu I erhöhte natürlich seine Laune nicht. Ma;or von Gunther, I der links von ihm saß, erzählte breit und lang von entern I Rekruten, der nie lernen wollte, die Absätze un Bügel I beranterzudrücken. Der Erbprinz hörte gar nicht zu, sondern nickte nur von Zeit zu Zeit oder ließ einAch was? oder

I Ganz recht" hören oder er kachelte verbindlich. Plötzlich ivrana er auf und rief mit heller freudiger Stimme:

INa, zum Donnerwetter, ist das nicht der Leutnant: I von Schröder ha unten?"

|Zu Befehl, Ew. Hoheit/^