so
Mchenpssten.
Tie Auffindung einer Flaschenpost, die angeblich von der .Titanic" stannnen sollte und die wahrscheinlich ein wenig geschmackvoller Scherz irgend eines Witzboldes gewesen ist, lenkt wieder den Blick am den Mißbrauch, der so ost mit diesen auch heute noch nicht ganz bedeutungslos gewordenen Flaschenposten getrieben wird. Reisende macken sich oft ein Vergnügen daraus, eine geleerte flasche mit phantastischen Mitteilungen oder naiven Scherzgedichten zu versehen und dann wohlverkorkt und versiegelt ins Meer gn werfen, ohne daran zu denken, daß Seeleute, Fischer und Küstenbewohner ost viel Mühe und Zeit daran wenden müssen, um eine von der Ströinliiig tu,getriebene Flaschenpost auszufischen, weil sie wichtige m,d ernste Mitteilungen enthalten kann. Gefährlicher aber als diese unüberlegten Absender zweckloser Flaschenposten sind die Schwindler, die sich dieses Mittels bedienen, um Versicherungsgesellschaften zu prellen. Heute freilich, im Zeitalter der drahtlosen Telegraphie, ist das Operationsfeld dieser erfinderischen Köpfe auf ein Minimum eingeschränkt, aber in früheren Zeiten find See-Ver- sicherungsgesellschaiten mehr als einmal durch gefälschte Flaschenposten geschädigt worden. Eines der berühmtesten Beispiele davon ist der Fall von der Auffindung einer Flaschenpost des amerikanischen Tampfers „Vermont". Die Botschaft erhielt die Nachricht von dem Untergang des Schisses und sofort schnellte in London die Rückversicherungsprämie auf nicht weniger als 80 Prozent empor. Als ein paar Tage später die Nachricht kam, daß die „Vermont" wohlbehalten St. Helena erreicht habe, hatten die schlauen Schwindler bereits ein glänzendes Geschäft gemacht. Ein großer Teil der in den Weltmeeren treibenden Flaschenposten stammt von den hydrographischen Seeämtern her und sind von Den Behörden ausgeworfen, um den Wechsel und die Schnelligkeit von Meeresströmungen zu verfolgen. Jede dieser Flaschenposten enthält ein Formular mit ausführlichen, in sechs Weltsprachen abgesaßten Anweisungen; die Finder werden gebeten, die Breite des Fundortes einzutragen und die Flaschenpost dann am nächsten Hafen entweder den Seebehörden oder dem Konsul des betresfenden Landes zu übergeben. Die Entfernungen, die von solchen Flaschenposten zurückgelegt werden, sind bisweilen gewaltig; vor einigen Jahren, so berichtet eine englische Wochenschrift, wurde eine Flaschenpost aufgefischt, die in 327 Tagen nicht weniger als 6000 eugl. Meilen zurückgelegt hatte, und bald darauf fand man noch eine zweite Flaschenpost, die in nur 92 Tagen 2400 Meilen weit durch den Ozean getrieben war. Bei Schiffskatastrophen wird die Flaschenpost wohl noch auf lange Zeit hinaus eine Nolle spielen; trotz der vielen Gefahren, die eine int Meer treibende Flasche umgeben, ist die Zahl der jährlich aufgefundeneit schwimmenden Botschaften verhältnismäßig sehr groß, und jedenfalls größer, als man annehmen sollte. Am 25. November 1875 fischte ein Küstenwächter in der Mitte des Cape Flattery eine solche Botschaft auf, die einen an ,Mrs. Mumie Bowdisch, San Francisco", adressierten Brief enthielt. DaS Schreiben wurde weitergesandt, erreichte die Adressatin, die Tochter der Absenderin. Durch die Flaschenpost erfuhr sie, daß ihre Mutter bei dem Untergang eines Pasfagierdamp-ers ein Grab in den Wellen gefunden hatte. Der Brief war vom 1. November datiert und schilderte die furchtbare Notlage des Schiffes. Die Mutterteilte der Tochter mit, daß sie einen Teil ihrer Kostbarkeiten sechs Männern übergeben habe, die fchwimmen könnten. Die Schreiberin wollte offenbar noch nähere Angaben machen, aber das Verlagen der Beleuchtung inachte dem Schreiben ein Ende. Der Brief'schließt mit den hastig hingekritzelten Worten: „Hiermit treffe ich meine letztwillige Verfügung und mache durch dies Testament dich, Minnie Bowdisch, zu meiner alleinigen Erbin. Dies von deiner dich liebenden Mutter Jenny Parsons." Mrs. Bowdisch hat von den Schmuckstücken ihrer Mutter niemals etwas wieder- gesehen, aber int Jahre 1900 las sie zufällig in einer Zeitung, daß bei der Hibernia-Sparbank noch 28 000 Mk. lägen, die 1875 von einer gewissen Jenny Mandeville deponiert und seitdem nicht abgehoben worden waren. Mandeville war der Mädchenname der Mutter, und mit Hilfe der alten Flaschenpost konnte die Tochter nun die Erbschaft antreten und die Bemühungen entfernter Verwandter durchkreuzen, die bereits versucht hatten, das vergessene Erbe an sich zu reißen.
Vermischtes.
* Maeterlincks Wandertheater. In französischen Dheaterkreisen wurde in den letzten Monaten oft von einem Projekte gesprochen, das die Errichtung eines Maeterlinck-Theaters vorsah, aber man erwartete die Ausführung dieses Planes erst von einer Nicht allzu nahen Zukunft. Nun wird die Kunstwelt mit der Botschaft überrascht, daß das Maeterlinck-Theater in seinen wichtigsten Grundlinien berefts geschaffen ist und schon zu Beginn des kommenden Jahres, spätestens int Februar, seine ersten Aufführungen veranstalten wird. Die geschäftliche Leitung des Unternehmens hat Georgette Leblauo, die rührige Gattin des Dichters übernommen. Das Interessanteste aber bleibt, daß dies neue Theaterunternehmen sich nicht an eine bestimmte Stadt bindet, sondern von vornherein als ein regelrechtes Wandertheater kon- stitutert ist. Wo immer auf ein aufnahmefähiges Publikum für Maeterlincks Kunst gerechnet werden kann, wird Georgette Leblancs
I Thespiskarren Hält machen. Das PrograM'm wird sich im Übrige« J keineswegs nur auf die Darstellung von Werken Maeterlincks beschränken, auch andere Stücke kommen zur Aufführung; von vornherein aber wird als Prinzip aufgestellt, daß nur Dichtungen von unzweifelhaft hohem künstlerischen Niveau vom Maeterlinck-Theater dargestellt werden. Das Unternehmen wird seine Laufbahn in Nizza beginnen und zwar während der Karnevalszeit; der vorliegende Neiseplan sieht dann als nächste Etappe Paris vor. Tie weitere Reiseroute, die sich nicht auf Frankreichs Grenzen beschränkt, ist in ihren Einzelheiten noch nicht festgelegt. Die Eröffnung wird die Aufführung eines Werkes von Maeterlinck bringen, das bisher in Europa noch nie über die Bühne gegangen ist und nur wenige Mal in Amerika über die Bühne ging: die „Maria Magdalena". Das Ensemble wird in den nächsten Wochen endgültig zusammengestellt. Charles Vogel, ein Mitarbeiter der I Comoedia, der einem intimen Freunde des Dichters nahesteht, versichert, daß eine Reihe erster Künstler bei:, den Vorstellungen des neuen Maeterlinck-Theaters Mitwirken wird.
* Der Phono g raph im Flugzeug. In der Nähe von Versailles, bei Buo, sind in den letzten Tagen interessante Experimente angestellt worden, die darauf abzielen, bei militärischen Erkundiingsflügen die Mitführung eines Beobachtungsoffiziers überflüssig zu machen. Es handelt sich tunt einen speziell zu diesem! Zweck konstruierten sehr sinnreich angelegten Phonographen, der trotz des gewaltigen Lärmes der ratternden Motoren die von den Piloten gesprochenen Worte klar und deutlich aufnimmt und bei der Landung wiederzugeben vermag. Eine Reihe französischer Fliegeroffiziere unternahmen Aufstiege, während deren sie in den Apparat, der den Namen Roneophon erhalten hat, hineinsprachen. Es zeigte sich, daß jedes gesprochene Wort mit unzweifelhafter Klarheit ausgenommen wurde. Nach der Landung tvurde der Roneophon in Gegenwart des Chefs des französischen Flugkorps von Vincennes, Oberstleutnant Estienne, in Gang gesetzt und man hörte auf diese Weise einen genauen Fahrtbericht, wie er I in solcher .Ausführlichkeit während des Fluges kaum Hütte schriftlich fixiert werden können. Die militärischen Fachleute waren mit den günstigen Ergebnissen dieser Versuche außerordentlich zufrieden/ weil der Roneophon bei Erkundungsflügen die Mitnahme eines besonderen Beobachters erübrigt.
kf. Die Dame in der Straßenbahnschiene. Ter I Schweizer Korrespondent eines Londoner Blattes weiß aus Zürich I folgende reizende Geschichte ztt berichten: Höchst elegante Dame, die sich besonders durch „turmhohe" Absätze auszeichnet, kreuzt die Straße. Plötzlich bleibt Absatz des rechten Schuhes in der — Straßenbahnschiene stecken. Vergeblicher Versttch, ihn los- zubekommeu l Verkehrsstockung tritt ein! Straßenbahnwagen bilden lange Reihen. Menschen sammeln sich an. Schutzmann kommt, fordert Dame auf, „den Absatz aus der Straßenbahnschiene zu entfernen". Dame beteuert Unmöglichkeit. Schutzmann ersucht sie, Schutz auszuziehen. Dame weigert sich heftig, ohne Grund anzugeben. Schutzmann droht mit Gewalt. Hilft nichts. Hüter des Gesetzes beugt sich blitzschnell zur Erde, dürchschneidet Schnür- I senket, und hebt schuhlosen Damenfuß hoch. Ein homerisches Gelächter! Strumpf voller Löcher! Rätsel der Weigerung gelvst!
Humoristischer.
.* Auf der Durchreise. „Wo haben Sie denn Ihren diesjährigen Sommerurlaub verbracht, Herr Wamperl?" — „In Tirol war ich." — „Sechs Wochen lang?" — „Nee, nur acht Tag . . . Fünf Wochen war ich auf der Durchreis' in München."
* Die Spröde. Er: „Was würden Sie tun, Fräulein Lizzie, wenn ich Sie küssen würde?" — Sie: „Ich würde nach Papa rufen." — Er: „Na, dann möcht ich es doch lieber nicht tun." — Sie: „Aber Papa ist ja in Europa."
* . Der Dackel. „Daß meinem Herrn alles Wurst ist, macht nichts, aber daß er alles von der Wurst ißt, ärgert mich."
' * Zeitbild. Mutter (zur Tochter): „Du wirft dich noch so oft verloben, bis du mal wirklich sitzen bleibst."
* Betrachtung. Schusterbub: „Ein Glück, daß mein Meister kein Türke ist, sonst hätt ich gleich ein paar Meisterinnen,: die mich durchprügelten."
Gähnende Leere. Sttident (am Ultimo): „Warum gähnen Sie denn so, Lina? Haben Sie Hunger?" — Kellnerin: „Herr Doktor, mein Wägen und Ihr Portemonnaie gäben eia feines Duett!"
Magisches Madras.
-------------- In die Felder nebelrstehenden Quadrats sind ____die Buchstaben BEEEIIILLLOOBE
8 'S derart einzutragen, daß die wagerechteu u> senkrecht. Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:
1. Berauschendes Getränk.
—--- 2. Feldherr aus dem 30jährigen Kriege.
3. Altgriechische Landschaft.
~1 4. Eine Blume.
Auflösung in nächster Nummer. '
Auflösung des Gleichklangrätsels in voriger NnDmerL Wenden.
Redaktion: I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießen,


