Ausgabe 
15.8.1912
 
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1 1Geben Sie's zu ?! Oder wollen Sie's vom Ehren­gericht bescheinigt haben?! Nicht nur, daß .Sie sich skandalös unkameradschaftlich benommen haben . . . Sie haben ein Menschenleben in Gefahr gebracht . . . Na, und Sie wissen ja auch, wem Sie's zu verdanken haben, daß Sie nicht als fahrlässiger Mörder dastehen! Genügt Ihnen das nicht, um einfach in den Boden zu sinken',. Sie--? Also noch einmal: geben Sie zu, daß Sie sich

ganz nnqualifizierbar benommen haben geben Sie's zu?" ' ,

Es es r-; soll nicht wieder Vorkommen, Herp Major!"

Ich denke in diesem Augenblick daran, daß Ihr ver­storbener Herr Vater ein Kriegsschulkamerad von mir ge­wesen ist. . . dazu können Sie sich gratulieren . . . sonst Aber jch werde Sie im Auge behalten, Herr Ober­leutnant verlassen Sie sich darauf! Danke!!"

--Für diese Stunde hatte Menshausen Rache ge­schworen.

Ohne daß Frobenius eine Ahnung davon hatte, um­lauerte Menshausen seinen ganzen Lebenswandel, dienst­lichen und außerdienstlichen. . . Irgendwo würde man schon etwas finden, wo man hinterhaken könnte . . .

Es war ja doch auch reinweg zum Verrecken . . . immer kam aller Aerger von den verdammten Gehirnfatzken, die dem ehrlichen Soldaten hier in seine Arbeit hinein- korksten...

Vor wenig Tagen hatte er draußen bei der Felddienst­übung wegen des versedrechselndcn Einjährigen einen Riescnanriß besehen . . . und nun diese gottverfluchte Schweinerei, die ihn das Wohlwollen seines Bataillons­kommandeurs gekostet hatte!

Das sollte nicht.vergessen werden!

Während die Reserveoffiziere sich bei den Hähern Vor­gesetzten lediglich dienstlich zu melden hatten, war es üb­lich im Regiment, daß sie ihrem Kompagniechef noch einen gesellschaftlichen Besuch in dessen Wohnung abstatteten; bei den verheirateten Herren pflegten sie aber zwei Karten nur dann abzugeben, wenn sie dazu besonders aufgefordert wurden.

Das lag ja bei Martin Flamberg vor. . .

Eines Morgens nach dem Dienst warf er sich in Be­suchsanzug, um Frau von Brandeis seine Aufwartung zu machen. .

Er hatte, wie.täglich bei der Rückkehr von der Kaserne, ein zärtliches Briefchen seiner Braut rkorgefunden, und während er sein zweites Frühstück verzehrte, überlas er, ein stilles Lächeln um die Lippen, die beglückenden Zeilen...

Agathe richtete zurzeit daheim das eheliche Nest ein und meldete freudestrahlend, daß die Saloneinrichtunq aus­gestellt sei...

Auch noch für ein anderes Zimmer sind die Möbel an­gekommen. Denk dir selbst, du Schlimmer, für welches!"

Ach, du süßes, süßes Mädel! . . . Herrgott, nur sie­ben Wochen noch! ,

Er schob den Brief in den Aermel seines Ueberrocks und Mächte sich auf den Weg.

Eine Weile noch spann seine Phantasie die holdseligen Träume weiter. Dann aber begannen sich seine Gedanken mit dem Ziel seines Besuches zu beschäftigen.

.Er hatte genug im Regiment von Frau von Brandeis gehört, um zu wissen, daß er einem nicht ganz gewöhn­lichen Erlebnis entgegengehe.

Niemand wollte so recht begreifen, wie Herr von Brand- eis an diese Frau gekommen war.

Ein liebenswürdiger Herr von tadellosen Manieren, einigem Unterhaltungstalent und auch von durchschnitt­lichen militärischen Fähigkeiten.

Daß er allerdings einmal im Schießen mit seiner Kompagnie den Kaiserpreis davongetragen, das schrieb man weniger seinen eigenen Bemühungen zu, als der Tüchtig­keit seines Kompagnieoffiziers, des nunmehrigen Regi­mentsadjutanten, Oberleutnant von Schoenowa. Und so mißgönnte man ihm ein klein wenig den Roten Adlerorden vrerter Klasse, den er diesem glänzenden Schießresultat ferner^ Kohorte verdankte. .

,' man aber als ganz nnd> gar wöhlverdient au- sah, Has waren die zahlreichen Frühstücksorden, die ihm zuterl geworden waren, wenn er. das Regiment bei Fürsten­

besuchen ,und Hoffestlichkeiten vertreten hafte; denn seine Repräsentationstalente wären beträchtlich, und Eng­lisch und Französisch sprach er wie seine Muttersprache.!

Aber das alles waren doch keine Qualitäten, die An­spruch auf die Gunst einer Dame, wie seine Frau war, gewährten!

Frau Cäcilie wär vor anderthälb Iahten dem! Regi­ment wie ein Stern aufgegangen »

Jeder kannte die Höhe ihrer Mitgift und wüßte, daß sie ans -ein noch ganz anderes Vermögen Anwartschaft hatte, wenn sie einmal ihre noch recht rüstigen .Eltern in Wiesbaden beerben würde.

Inmitten eines Offizierkorps, dessen Ungehörige weder von Hanse aus noch im großen und ganzen infolge ihrer« ehelichen Verbindungen durch namhafte Vermögen aus­gezeichnet waren, gab soviel Geld immerhin die Folie des Außer g ewöhnli chen.

Aber mehr noch als diese äußeren Güter war es der! Ruf ihrer eigenartigen Schönheit, ihres Geistes und ihrer Talente, was sie hoch über das Durchschnittsniveau der irrt Regiment vertretenen Weiblichkeit heraushob und die er­staunte Frage berechtigte, wie eine solche Dame sich mit einer glatten Mittelmäßigkeit wie Fritz von Brandeis habe begnügen können! , /.<

Es herrschte in den gesellschaftlichen Beziehungen der Herren des Regiments zu seinen Damen im allgemeinen ein ausgezeichneter Ton. Die Frauen und Töchter der Kameraden galten auch den ausgesprochensten Don Juans als Tabu. -

Um die schöne Fran von Brandeis aber, die Tochter der Künstlerstadt, wehte es wie ein geheimnisvoller Hauch von Seltsamem. . . geheimnisvoll Lockendem ... der sie aus der ^L>char der bieder korrekten Frauen und Mädchen heraus­hob, die man sonst an der Seite der Kameraden zu sehen gewohnt war . . .

Und die keckern unter den jüngcru Herren hatten denn auch in aller Vorsicht einmal Fühler ausgestreckt aber sie waren rasch und gründlich enttäuscht worden

Frau von Braudeis war eine ebenso tadellose wie zärtliche Gattin- .

Oberleutnant Menshausen, der Abgott aller Näht» mädcheu und Ladenmamsells der Garnison, hätte im Ver­trauen auf eine nicht unbeträchtliche Reihe von Erfolgen auf gefährlichen Gebieten einmal einen etwas schärferen Ansturm riskiert. . . aber die schöne Frau hatte ihm in einer .Weise heimgeleuchtet, die ihm ein für allemal dest Mut zu weitern Versuchen benommen hatte.

Von .alledem hatte Martin Flamberg in den letzten Tagen im Kasino genug gehört, um mit einiger Spannung seinem heutigen Erlebnis eutgegenzusehen .- . .

Nun, er war ja abgehärtet. . . mochte Frau von Brandeis immerhin ein kleines Wunder fein

Wenn er die Reihe strahlender Schönheiten an sich vorüberziehen ließ!, die irrt vergangenen Sommer seinem Pinsel gesessen hatte, so brauchte er nicht zu befürchten, in Versuchung zu kommen , . , Agathe konnte ganz ruhig sein!

Sein erster Eindruck wär eine gewisse Enttäuschung . . .- Unwillkürlich hatte er sich ein Bild her vielberedeten Er­scheinung gemacht . . . groß königlich brünett . . Nun war sie einen Kops kleiner als er selbst, von rötlich^ braunem, flimmerndem Haar, zarten Farben, lebhaftem, etwas unruhigem Auge . . . .Gewiß ein sehr anmutiges Geschöpf . . . aber für ihn, den. Verwöhnten, doch nichts Außergewöhnliches , . . .

,. .(Fortsetzung folgt.)

Der Ebsdörser Grund.

(Fortsetzung.)

Landwirtschaft und- Gewerbä.

Erst von der Mitte des 18. Jahrhunderts ab ist ein allgemeiner .Aufschwung der Landwirtschaft zu verzeichnen, als die Gegend von Erfurt bahnbrechend! für die! neue Wirtschaftsweise (tiefes Pflügen, starkes Düngen, Wechsel zwischen Hack- und KörnerfruM wurde.

Im Ebsdörfer Grunde herrschen der Klein- und mittlere Grundbesitz vor; größere Bauerngüter finden wir in Ebsdorf und Hachborn. 1495 zählte Hachborn nur zwölf Bauerngüter.- Die Hörigkeit des Bauernstandes trieb! auch hier ihre Blüten: Ein Bauer mußte Mit feinem .Gespann in einem Fasse einen. Fisch aus dem Teiche bei Heskem in den Schwarzenbörner Teich fahren.