Donnerstag, den 15. August
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Lommerleutnsnts.
Roman von Walter Bloem.
Copyright 1910 by Grethlein L- Co.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
. In dem Kreise der Gleichgültigen und' Zurückhaltenden, in dem Frobenius sich bewegte, hatte er, ohne es zu wissen und zu ahnen, einen geschworenen verbissenen Feind.
r Major von Sassenbach hatte sich beim .Hauptmann Goll genau nach den Umständen erkundigt, unter denen der Reitunsall Landwehroffiziers zustande gekommen war.
Goll hatte ihm erzählt, wie besorgniserregend sich der Gaul bereits auf dem Kasernenhof benommen —- wie er sich dann beim Ausreiten zum Exerzierplatz zur Ruhe gegeben habe, 6eint Klang der ersten Schüsse aber plötzlich wie wahnsinnig geworden und nach kurzem Widerstande seines Reiters in besinnungsloser Karriere mit ihm davongerast sei.
Der Major hatte sich erinnert, daß Leutnant von Fi- uette ihm erzählt, es handle sich um ein notorisch verdorbenes Pferd, und er hielt sich für verpflichtet, festzustellen, wie es zusammenhängen mochte, daß die Verwaltung des Tattersalls einen solchen Schinder einem Offizier zu dienstlicher Verwendung an die Hand zu geben gewagt habe.
Zufällig kam er in den nächsten Tagen an der Reitbahn vorbei, suchte den Direktor auf und beschwerte sich sehr energisch.
Der schien untröstlich, ließ sofort den Stallaufseher kommen. Dieser war sehr erstaunt, daß ihm eine Rüge zugedacht war; just dieses Pferd sei ausdrücklich verlangt worden.
Von wem denn?
Ja, ,das wisse er nicht Mehr, Er müsse ist der Liste .Nachsehen.
Er kam zurück, meldete: der Bursche des Oberleutnants Menshausen habe das Pferd bestellt — anzuschreiben für Herrn Leutnant der Landwehr Frobenius, ' Nun wußte der Major genug.
1 Er sprach dein! Direktor der Reitbahn sein Bedauern über das Ntißverständnis auch empfahl sich und überlegte «. m 1
Was tun? — Offenbar hatte der kaltherzige Geselle, den der Major ohnedies nicht leiden konnte, dem harmlosen Landwehrfritzen einen infamen Streich gespielt — Was war nun anzufangen —? Frobenius Mitteilung machen —? Aber dann mußte es ja Mord und Totschlag geben — —■ Nein —j er wollte sich den intriganten Herrn privatim vor- hinden, ।
Bei nächster Gelegenheit stellte er Menshausen r -„Herr Oberleutnant, Ihr Bursche hat am vergangenen Donnerstag
vormittag im Tattersaal ein Pferd abgeholt — war das für Sie oder für jemand anders?"
Das fahlbraune Gesicht des Oberleutnants würde noch uni einen Ton fahler , . . die aufgedrehten Schnurrbartspitzen zuckten leise . . . „Das war — für jemand anderch Herr Major!"
„Für wen denn?"
„Für den Leutnant der Landwehr Frobenius \"
„Wie kamen Sie dazu?"
„Der Bursche des Herrn Frobenius wußte noch nicht Bescheid im Tattersall!"
„So — und da haben Sie ihm also freundlicherweise den Ihrigen zur Verfügung gestellt?"
„Zu Befehl, Herr Major!"
„Und — wie war es denn möglich, daß der Bursche mit dem notorisch unbrauchbaren und gemeingefährlichen Viech angezogen gekommen ist?"
— Woher soll ich das wissen, Herr Major!? — ich bedaure das selbst aufs lebhafteste — ist eben 'ne kolossale Schweinerei von den Stallburschen im Tattersall."
„Hm — also Sie hatten dem Burschen keine Anweisung gegeben, welches Pferd er bringen solle?"
„Ich, Herr Major — — ?"
In diesem Augenblick stieg eine dunkle Welle in das schnauzbärtige Antlitz des Stabsoffiziers ... die starken Kinnmuskeln begannen mächtig zu arbeiten . . . zwischen den zusammengepreßten Lippen drang keuchend der Atem hervor und blies die lang herabhängenden grauen Schnurr- bartborften in die Höhe . . .
Herrgott, der Major wußte Bescheid! r-i Wie? — das mochte der Teufel wissen —!
„Ich bitte ganz gehorsamst um Verzeihung, Herr Major — ich habe die Unwahrheit gesagt —"
„Das heißt: Sie haben mich unverschämt belogen, Herr! — Frech und schamlos belogen haben Sie mich!!"
-„Herr Major, ich muß ganz gehorsamst bitten —"
„Gar nichts bitten müssen Sie. . . Soll ich Sie dem Ehrenrat melden — ?! Wissen Sie, was dann mit Ihnen passiert?!"
Totenblaß, mit bebenden Lippen stand Menshausen vor dem Vorgesetzten. . . die weißbehandfchuhte Rechte am Mützenschirm flatterte hin und her , . .
„Haben Sie gewußt, daß der Herr von der Landwehr keinen Schimmer vom Reiten hatte?"
„Nein, Herr Major — ich habe ihn erst am Tage vorher beim Mittagessen kennen gelernt."
„Na, und da haben Sie ihm nicht auf den ersten Blick angesehen, daß er nicht der Mann ist, einen solchen Racker zur Räson zu bringen?!" ,
Menshausen schwieg.
„Geben Sie also zu, daß Ske sich einer Infamie schuldig gemacht haben?"
„Herr Major =■,!"


