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selbst persönlich »lut Assist««» »u «rscheinen.^ Hesselbacher beeilte sich, dres seinem Herrn Wilhelm Balthasar als „dienstgevlißener Diener" brieflich zu melden, indem er ihn und seine Untertanen dem Schutze Gottes empfahl. Dieser Kries und die andern Hiobsposten von Freiensteinau ließen bat evangelischen Bewohnern des Schlitzerlandes keinen Zweifel mehr, was sie zu erwarten hatten. Die Befürchtungen sollten sich nur zu bald als begründet erweisen. Bereits am 16. März 1628 erschienen im Schlitzerland fuldische Kommissare mit bewaffneter Macht. Sie entsetzten die tüchtigen und allseits hoch geschätzten evangelischen Geistlichen Christoph Schellenberger und Johannes Hoffmann zu Schlitz, sowie die evangelischen Pfarrer von Queck, Hartershausen und Michelrombach ihres Amtes und befahlen ihnen, alsbald ihre Pfarrhäuser zu räumen.^) An Stelle der vertriebenen evangelischen Pfarrer fetzten sie katholische Priester ein, zu Schlitz Johann Axtius, zu Queck Joh. Philipp Herifab'er und zu Hartershausen Johann Volkmarus. Den Untertanen wurde anbefohlen, sich entweder beim Priester zur Beichte und Kommunion einzufin den oder das Land zu verlassen, andernfalls ihnen Soldaten beige legt würden, so lange und so viel, bis sie sich in dre katholische Religion bequemen würden.
Tie Sakristeien und die darin befindlichen Kasten und Schranke wurden erbrochen und die darin aufbewahrten Kelche Und kirchlichen .Geräte usw. weggenommen.
Wilhelm Balthasar ließ in seiner Not kein Rechtsmittel unversucht, das irgendwie Erfolg versprach, um das schwere Verhängnis^ von seinen Untertanen abzuwenden. Er konferierte mit den übrigen büchonischeN Rittern, holte Rechtsgutachten ein bei der Universität Jena und bei beit berühmtesten Rechtsgelehrten und Rechtsanwälten und wandte sich in Appellationen und Bittschriften an das Reichskammergericht. Alles, auch die herzbeweglichsteu Vorstellungen bei dem Äbte und die erbarmungswürdigsten Klagen der Schlitzer Bürger halfen nichts. Weder die Bitten noch "die Weigerung der Evangelischen zur Beichte zu kommen, machten Eindruck auf den Abt. Er fühlte sich vben als der Landesherr, und als solcher glaubte er sich auf Grund des Augsburger Religionsfriedens im Recht, nach dem Grundsatzzuhand elnicuiusregio, c i u s religio, d. h. wer das Land hat, hat auch über die Religion der Untertanen zu bestimmen. Schonungslos und rücksichtslos ging er auf dem betretenen Wege weiter. Am 31. Mürz 1628 ließ er den sämtlichen Gerichts- juukern durch einen gesandten Notar ein Patent, überreichen, wonach es den immer noch in Schlitz weilenden abgesetzten Pfarrern Schellenberger und Hoffmann untersagt sein sollte, heimliche Konventikel zu halten und die Bürger vom Besuch des katholischen Gottesdienstes zurückzuhalten. Obwohl sich Wilhelm Balthasar auf seine BelehNnngsurknnde von 1563 berief, wurde er doch genötigt, die beiden evangelischen Pfarrer, sowie den bisherigen Schulmeister Baitz, der sich nicht zur alleinseligmachenden Kirche bekennen wollte, auszuweisen und den katholischen Schulmeister Christoph Küchles aus Fulda alsbald in das Schulhüus einzuführen und ausreichend zu besolden. Tie Gerichtsjunker, die mit den schärfsten Strafen bedroht wurden, mußten sich fügen, verweigerten aber die Auslieferung der von ihren Vorfahren zur Kirche und Schule gestifteten Benefizien (milde Stiftungen). Ter Abt jedoch ließ am 9. Oktober 1628 durch seinen Schultheißen zu Salzschlirf unter dem Schutz etlicher Musketiere zu Roß und zu Fuß in Niederstoll von 4 Bauern den bereits erlegten Zins für die Benefizien der Herrn von Schlitz nochmals eintreiben; das gleiche geschah durch« "den Zentgrafen von Fulda mit vielen Musketieren im Dorf F r a u r o mb a ch Und durch den Salzschlirfer Schultheißen mit 200 Mann in H Utzdorf. Aehnlich verfuhr Man in Schlitz, Niederjossa und Berns hausens Die Schlitzer Bürger und Görtzischen Tiener, die ihre schwangeren Frauen nach Lauterbach, Kassel und Gelnhausen gesandt, um sie dort niederkommen und ihre Kinder evangelisch taufen lassen zu können, wurden mit 2—20 Reichstaler bestraft. — Nach dem Ahzug der evangelischen Pfarrer glaubte der katholische Priester Axtius in Schlitz umso rigoroser vorgehen zu dürfen. Er drohte denen, welche nicht bei ihm beichten und kommunizieren wollten, nut sofortiger Einquartierung. Am 23. Januar 1630 würden Rat und Bürge r m e i st e r v o n S ch li tz durch den Schulmeister in das Pfarrhaus geladen und im Beisein des Pfarrers Axt würde ihnen von einem Erschienenen fuldischen Kommissar vorgehalten: Falls sie innerhalb 14Tagtzn sich nicht zum katholischen Glauben bequemen Möchten, würden sie mit
i) Diese und die folgenden Ausführungen fußen auf Akten des Gräfl. Schlitz'schen Archivs, wie sie Pfarrer Hotz von Schlitz in den Beiträgen zur Hess. K. G. Bd. III, H. 1, S. 43 ff. veröffentlicht und verarbeitet hat. , .
2) Schellenberg sand später, wie auch der vertriebene Freten- steinauer Pfarrer Köhler, wieder Anstellung bei den Riedeseln, und zwar in Engelrod. Kaplan Hoffmann wurde von Landgraf Georg tzon Darmstadt wieder aitgestellh
gleicher Straf« fl>ie Sie tzu LangenschwarK, nSm- lrch mit Massenhafter Einquartierung, belegt werden. Bürgermeister und Rat et Härt en mannhaft, daß sie es Gott befehlen müßten; kämen die Soldaten, würden sie bald fertig Mit ihnen sein, da sie kaum noch Vorrat zum Leben Hätten. Als der Kommissar darauf den Bürgermeister Hans Jörgen fragte, ob er sich nicht bald ein stellen wofle, gab er zur Antwort: „Nein, eher will ich das Land raunten.'* Seiner Antwort schlossen sich alle an. Tie Soldaten kamen. Am 8. April 1630 schon konnte Axtius des „Quartiermeister amt es" walten und die Soldaten, die Graf Tillh ihm angeblich zur „Sicherheit gegen streifende Rotten" als salva guardia zur Verfügung gestellt hatte, e i n quartieren, aber selbstverständlich nur bei denjenigen Bürgern, die standhaft auf dem evangelischen Glauben beharrten. Den Gerichtsherrn wurdb befohlen, alle ihre Tiener, die noch evait- gelisch geblieben waren, hinnen 14 Tagen zu entlassen. Sie erklärten, daß sie weder für noch gegen einen Uebertritt bei ihren! Untertanen etwas unternehmen würden, sondern einem' jeden hierin seinen freien Willen lassen müßten. Tie Bedrängnis stieg aufs) höchste. Schon 18 lange, qualvolle Monate dauerte .die Drangsalierung der Evangelischen in Schlitz und Umgegend. Wie lange werden die Glaubenstteuen noch aushalten können? Mit Kummer und Herzeleid glaubte Man schon die letzte Stunde des evangelischen Bekenntnisses im Schlitzerlande gekommen. Ta geschah ein Wunder. Wie so manchesmal schon bewahrte sich auch hier die Wahrheit I Wenn die Not am höchsten, ist Gott am nächsten. Hals über Kopf verließen eines Tagen die Tillyschen Musketiere ihre Quartiere in eiliger Flucht nach Süden. Tie Stunde der Befreiung war gekommen. Der Befreier -und Retter, den Gott gesandt hatte, aber hieß: Gustav Adolf.
11. Gustav Adolf als Befreier und Retter der Evangelischen in der Abtei Fulda und im Schlitzerland.
Tie Not feiner evangelischen Glaubensgenossen in Deutschland, das Schicksal seiner Verwandten, der von Wallenstein vertriebenen Herzöge von Mecklenburg, und die für Schweden bedrohliche Machtentfaltung des Kaisers an der Ostsee hatten Gustav Adolf, den edlen Schwebenkönig, auf ben Plan gerufen. Tie Situation war so ungünstig tote möglich für ihn. Ganz Deutschland seufzte unter der Soldateska der Liga und unter dem lieber» mute des Kaisers und' seiner Jesuiten. Im Kurfürstenkollegium! saßen ,5 Katholiken und zwei laue Protestanten, die als solche ihren Taufbatzen nicht wert waren (Sachsen und Brandenburg). Ter Landgraf von Hessen-Darmstadt suchte unter deut Schirme kaiserlicher Gunst das Schäfchen seiner Marburger Erbschaft ins Trockene zu bringen. Bleiche Furcht vor des Kaisers Ungnade und Rache hielt die übrigen protestantischen Träger von Kronen und Krönchen ab, dem nordischen Helden, brüderlich die Hand zu reichen zu gemeinsamem Kampf für die Ehre und Freiheit des evangelischen Bekenntnisses in Deutschland. Nur die Städte Stralsund und Magdeburg hatten Charakterstärke und Glaubeusmut genug, der katholischen Uebermacht zu trotzen. Schwer hat letztere für die Lauheit.und deü Kleinglauben ihrer Glaubensgenossen, befonberS bet Kurfürsten von Branbeubnrg unb Sachsen, büßen müssen. Sie ist «eine Märtyrerin des Evangeliums geworben unb verdient ihren Ehrenplatz als „tranernbe Magdeburg" auf bent Lutherbenkmal zu Worms. Aber neben ihr sollte tröstenb bie Gestalt des Sanbgrafen Wilhelm bes Fünften von Heffen-Kafsel stehen, der als toitrbiger Nachfolger des großen Sanbgrafen Philipp als erster deutscher Fürst es wagte, dem Mordbrenner von Magdeburg Hohn zu sprechet) unb sein Schicksal an bas Gustav Abolfs zu binben. Er hat seine Unerschrockenheit später tnt westfälischen Stieben nicht zu bereuen gehabt. Aber auch bie frevelnden Mordbrenner und Zerstörer Magdeburgs, Tilly und Pappenheim, sollten ihren Lohn empfangen. Als die beiden Haudegen mit ihrem als unbesieglich geltenden Heere bet Breitenfeld dein Schwebenkönig Gustav Aböls zum, Kampfe gerüstet gegenüber stauben, ba bebte bas Herz Europas in banger Erwartung, auf welcher Seite bie Wage bes Schicksals sich neigen werbe. Tas überlegene Felbherrngenie Gustav Abolfs, bie moralische Intaktheit und religiöse Begeisterung seines Heeres warfen ein solches Gewicht in die Schale, baß sie auf evangelischer Seite sich neigte und bie Pappenheimer unb Ligisteit zu leicht befunben würben. So glänzenb siegte Gustav Aböls am 5. Sep- tentber 1631 über seine kampferprobten Gegner, daß bet Ruhm ihrer Unbesieglichkeit für immer dahin war. Wie ein Triumphator zog Gustav Adolf durch Thüringen und Franken nach dem
" i) Ms Tilly nach dem Falle Magdeburgs, ihn aufforberte,; ungesäumt seine Truppen zü entlassen, katholische Regimenter in seine Festungen unb in sein Laub aufzunehmen, Kontributionen zu entrichten unb sich 'entweder als Freunb ober als Felnb zu erklären, antwortete Wilhelm mit gewünschter Deutlichkeit: Fremde Solbaten in seine Festungen unb in seine Residenz aufzunehmen, sei er ganz und gar nicht gesonnen; ferne Truppen brauche er selbst: gegen einen Angriff würde er sich zu verteidigen wissen. Fehle es dem General Tilly an Geld unb Seben^ Mitteln, so Möchte ist doch nach München aufbrechen, wo,,Vorrat an bejhem fei. $8gf. Shciebx» b. Schiller, Gefch. de» 30jahr. Kk,


