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Die von Gründingen.
Roman von Freiherr von Schlicht, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Marianne erschien nach längerer Pause wieder einmal hoch zu Roß.
Verwundert betrachtete sie die Coach und erkundigte sich, wohin die Fahrt ginge, und als sie hörte, daß man zur Bahn fuhr, um den Baron und seine Braut abzuholen, war sie ganz starr.
Dann zog sie Dagmar beiseite: „Was, der Baron verlobt? Und das sagst du mir erst jetzt? Nicht ein Wort hast du mir davon geschrieben — wer ist die Braut — wie ist er so plötzlich zu der gekommen? Das mußt du mir alles erzählen."
„Aber ich kann doch jetzt nicht, Marianne, es wird Zeit, daß wir fahren."
z „Dann fahre ich mit," entschied Marianne schnell. 7,Oder noch Lesser: du läßt die anderen allein fahren; es ist doch auch vollkommen genug, wenn der Graf und Alexa die Braut in Empfang nehmen."
„Aber ich habe Loch ganz bestimmte Gründe, die mich veranlassen, mitzufähren," wollte Dagmar sagen. Doch sie schwieg. War sie schon die Besiegte, dann war es genug, daß sie selbst sich das eingestehen mußte. Das auch "noch der Freundin erzählen — nein, unter keinen Umständen.
Nie war iHv Marianne so ungelegen gekommen wie jetzt. Am liebsten hätte sie die gebeten, wieder nach Haus zu reiten, morgen oder an einem der nächsten Tage wiederzukommen; aber das konnte sie nicht, denn Marianne hatte erklärt: unter allen Umständen die Ankunft der Braut ab- zuwarten. Sie war viel zu neugierig, diese kennen zu lernen.
„Aber wie ist es denn nun mit unserer Wette? Wer hat gewonnen?"
„Ich natürlich, Marianne. Denn du siehst doch: ich habe mich nicht mit ihm verlobt."
„Aber der Baron hat ja auch gar nicht um dich ange-s halten. Da List du nicht in Versuchung gekommen, ja oder nein zu sagen. Nach meiner Meinung ist sie unentp schieden."
7,Wie du willst- ich Lin damit einverstanden. Ich Lin nur froh, daß ich meinen „Old Fellow" behalte."
7,Wär' dir der Baron nicht doch lieber gewesen?"
Noch bevor Dagmar die Frage hätte beantworten können, rief der Graf, der schon die Zügel zur Hand genommen hatte: „Wie ist es, Dagmar, fährst du mit?"
Einen Augenblick zögerte sie noch. Aber sie sah keine Möglichkeit, sich freizumachen. So sagte sie denn: „Fahrt nur los, Papa, ich kann Marianne doch nicht allein lassen. Wer sag' dM Baron uM We ahch Claire^ daß ich die feste
Absicht hatte, sie mit abzuholen. Vergeßt das bitte nicht; mir liegt viel daran, daß ihr es bestellt."
„Sei unbesorgt, Dagmar, wir werden es bestellen," rief Alexa fröhlich zurück. Und gleich darauf fuhr der Viererzug von dannen.
XI.
Vor zwei Stunden waren der Graf und Alexa nttf dem Brautpaar von der Bahn zurückgekommen, und nun sollte gleich zu Tisch gegangen werden.
Claire war noch in ihrem Zimmer mit Alexa, während Dagmar und Marianne sich bereits nach unten begeben hatten; denn Marianne hatte erklärt, unter allen Umständen zum Diner bleiben zu wollen, ganz einerlei, ob sie nun ein Reitkleid anhabe oder nicht. Wie vorhin, so unterhielt sie sich natürlich auch jetzt mit der Freundin fast ausk> schließlich über die Verlobung.
„Wer hätte das gedacht — alles andere hätte ich eher geglaubt. — Der Baron hat dir doch aber auch den Hof gemacht, ich habe es mit meinen eigenen Angen gesehen —: mit meinen eigenen Ohren gehört. Und daß er nun so plötzlich abschwenkt
Wie oft hatte Marianne im Lause des Nachmittags nicht schon dieses Wort gebraucht, und jedesmal zuckte Dagmar dabei zusammen. Fühlte die Freundin denn nicht, daß dieses Wort eine Beleidigung für sie enthielt, auch dann, wenn sie selbst nicht zugab, etwas von diesem Courmachen gemerkt zu haben? Und dieses „Abschwenken" erinnerte so an die Reitbahn oder an den Exerzierplatz, da wurde ja mit Zügen oder mit Schwadronen abgeschwenkt.
Schön war Claire, auffallend schön, das mußten alle anerkennen, und auch Dagmar war ganz überrascht gewesen, als sie sie zum ersten Male sah. Neidlos gestand sie das ein. Und doch begriff sie nicht, wie der Baron so schnell dazu gc- kommen war, jeden Gedanken an sie auszugeben; denn auch sie war sich ihrer Schönheit wohl bewußt. Und wenn sie gedacht hatte, daß Claire es darauf angelegt hatte, den Baron einzufangen, fo bewies ihr die erste Begegnung, daß sie diesen Verdacht nicht aufrecht erhalten konnte. Claire war in ihrem ganzen Wesen, in ihrem ganzen Auftreten die Natürlichkeit selbst; jede Koketterie, jedes absichtliche Gefallenwollen lag ihr völlig fern.
So sehr Dagmar Marianne auch zuerst fortgewünscht hatte, jetzt freute sie sich doch, daß sie da war. Bei der ersten Begegnung mit dem Baron war ihr deren Anwesew- heit sogar sehr angenehm gewesen; denn wenn sie dem Baron auch ganz unbefangen gegenübergetreten war und sich so zu verstellen gewußt hatte, daß niemand ihr etwas anmerkte, so war es ihr doch lieh, daß Marianne der Unterhaltung beiwohnte.
„Ob die beiden wohl ein sehr zärtliches Brautpaar sein werden?" fragte Marianne jetzt. „Ich muß gestehen: bis jetzt habe ich noch nichts davon gemerkt. Mir war vorhin sogar so, als hätte sie einen kleinen Md erst and


