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der ihm den Rang ablaufen wollte. Ich danke Ihnen aber von Herzen und gebe Ihnen gern das Doppelte der versprochenen Summen. Aber, lieber Octave, warum stehen.Sie denn nochttm und hassen mich an?" wandte er sich an diesen, „ich habe Ihnen doch auseiuandcrgesetzt, daß Ihre Reise keinen Aufschub leidet."
Hiermit ging Garnier zu seinem Wagen, die erstaunten Und erfreuten Arbeiter folgten ihm. Salimain stand noch einige Sekunden mit offenem Akunde, den Scheck in der Hand, da, dann ganz langsam begab er sich zu seinem Auto, und „tut tut" fuhren die beiden Wagen in entgegengesetzter Richtung auseinander.
Vermischter.
* Der Klcideraufwand der Könige. Kein Herrscher Europas hat eine so große Ausgabe für Kleider, wie der Zar von Rußland. Allein sein Zivilschneider verdient am Zaren jährlich 40 000 Mark und der Militärschneider, der auch die Staatsgewänder herstellt, rund 60 000 Mark. Allerdings trägt der Zar, wie ein Pariser Blatt berichtet, niemals einen Anzug mehr als höchstens dreimal und für jeden Anzug .bezahlt er wenigstens 240 Mark. Ein Zylinder kostet dem Zaren über 100 Mark, ein Paar Handschuhe rund 40 Mark imb. jährlich kaust der Zar einen neuen Zobelpelz, der 9 000—10 000 Mark kostet. König Georg V. dagegen begnügt sich mit einem Garderobeetat von rund 80 000 Mk. König Alphons von Spanien treibt mit seidenen Jagdhemden Aufwand; er bezahlt jedes Hemd mit 150 Brauks und verbraucht im Jahre mehrere Dutzend. Der Deutsche aiser soll nach den Angaben dieses Blattes für seine Uniform- gardcrobe jährlich rund 80 000 Mark ausgeben, dafür opfert er aber für seine Zivilgarderobe nur ganz bescheidene Summen. Er trägt einen Anzug auch rund dreißigmal und bezahlt nie mehr als 150 Mark dafür. Sein einziger Kleiderluxus sind höchstens die Krawatten. Das bescheidenste Garderobebudget aber hat der König von Norwegen, der in der Tat für seine Kleidung nicht mehr ausgibt als ein wohlhabender Bürger, der sich sorgsam und gewissenhaft anzieht.
'Die Stadt des Verbrechens. Ter Chef der New V o r k e r Geheimpolizei, William F l y n n , erfreut seine Mitbürger jetzt mit der Feststellung, daß New Dorf die größte Verbrecherstadt der Welt ist. In keiner Stadt gibt es so große und mächtige Verbrecherverbände, die Pariser Apachen können sich mit den New Dörfer Geheimbünden nicht messen, und London ist im Vergleich mit der amerikanischen Metropole fast eine Stadt schneeweißer Unschuld. Nach den Angaben FlynnS sind die Pariser Apachen nur jugendliche Abenteurer im Vergleich mit solchen Verbrechern, wie sie etwa in New Dorf die Bande Lupomu- rellos darstellt; jahraus, jahrein reihen sich hier Erpressungen und Mordtaten aneinander, es gibt eine regelrechte amerikanische „Mafia", die nach beit, genauen Erkundungen Flynns bereits mehr als 60 Mordtaten verüÜ hat, ohne zur Verantwortung gezogen werden zu können. „Durchschnittlich wird in jeder Woche ein Mensch ermordet und es gibt keine Schurkerei, die nicht zur Ausführung käme. Meist findet man die Opfer dieser Bande in Fässern oder Kanälen, aber sie besitzen mich einen eigenen Kirchhof." Das Schlimmste aber ist nach der Aussage des Chefs der New Uorker Geheimpolizei die erwiesene Tatsache, daß diese Erprefferbande Beziehungen zu den politischen Parteien und großen Einfluß hat. Es ist daher unmöglich, sie wirklich wirksam zu bekämpfen. Hinter der Verbrecherbande befinden sich Persönlichkeiten, die den politischen „bosses“ New Docks nahe stehen und daher Verhaftungen vereiteln. Die Enthüllungen Flynns machen großes Aufsehen, eine Revision des Ge- heitnpolizeiwesens wird verlangt, zwei Italiener als Revisoren sind vorgeschlagen. Aber Flynn erklärt, dadurch würden nur seine Gewährsmänner, die zu Lupomurellos Bande gehören, verraten und dem Tode übergeben, wodurch die Ohnmacht der Polizei noch steigen würde.
* 250 Tage unter dem Rasiermesser! Es ist gegenwärtig bei uns Sitte, nach amerikanisch-englischem Borbilde glatt rasiert zu gehen. Die vielen Herren, die täglich eine gute Zett sttllsttzen müssen, uM sich dem Rasiermesser altzuvertrauen, denken dabei aber kaum daran, wieviel Zeit sie der ästhetischen Wirkung des glattrasierten Gesichtes opfern. Wer sich tinen Voll- vart stehen ließe, ersparte nicht nur erkleckliche Summen, sondern auch eine Menge Zeit: rechnet man damit, daß ein Mann mit durchschnittlichem Bartwuchse sich täglich einmal rasieren läßt oder selber rasiert, was wenigstens 10 Minuten dauert, so bedeutet das int Jahre 3650 Minuten oder rund 60 Stunden. Nimmt man toeiter an, diese zeitraubende Tätigkeit werde etwa 50 Jahre hindurch, vom 20. bis zum 70. Lebensjahre fortgesetzt, so bedeutet das 60 mal 50 gleich 3000 Stunden. Das sind 250 Tage von je 12 Stunden, während derer man sich rasieren laßt.
chsten Aufregung. Frau: -Merkwürdig, tu nichts kannst du dich vor anderen auszeichnen, immer sind E, anderen dir voran, sogar beim Kneipen ist dein Kollege Muller immer betrunkener als du!"
Sprachecke des Mgemeinen Deutschen Sprachvereins.
* lieber lange Wörter. Unsere Sprache hat einen entschiedenen Vorzug durch bte Leichtigkeit, mit ber sie zusammengesetzte Wörter t ilbet. So muß ber Franzose unser „Strohwitwer" durch die Wenbimg roiebergeben: „Ein Mann, dessen Frau für einige Zeit abwesend ist"; und der Spanier sagt für „Eichamt"; oficiua de registro de pesas y inedidas. Allein diese Leichtigkeit verführt nach zwei Seilen hin zum Mißbrauch: es werden ungeheuerlich lange Wörter gebildet, und man gebraucht Zusammensetzungen, wo sie gar nicht angebracht sind. Beispiele für die erste, von Äns- Innbent so oft verspottete Unart kann man mit Händen greifen; es seien daher nur drei besonders hübsche angeführt: Arrnensuppen- sleischlieferung, Drolchkenbestellmarkeiiabgabestelle und Eisenbahn- baudotationshauptkassenbiichhalterstochter. Die zweite Art ist weniger auffällig, aber auch sehr verbreitet. Wenn es irgendwo gebrannt hat, reden die Zeitmigen immer von einem Brand Unglück ober einer Brand katastrophe. Man sagt nicht, das und das wird gegessen, sondern es dient zu Nahrungs zwecken; man sendet nicht Blumen, sondern ein Blumen arran gement (als ob jemand ans den Gedanken käme, dnrcheinanberliegende Blumen als Ausmerffam- keit zu übersenden); ja in einem Münchener Gasthof werden sogar „Konzerta rr a n g e m en tS" aufgeführt. Ter Südländer greift aus Furcht vor Erdbeben zur Holzbau a rt, ber Kaiser versammelt seine Gäste zum Bierabend um sich, und die Hitz welle kehrt nach kurzer Unterbrechung zurück, derweil ein Kaufmann wegen Todes f a l l e s feiner Schwester eine Stelle nicht antreten kann und dies zur gefl. Kenntnisnahme mitteilt.
vüchertisch.
— Gutzkows Werke!, Auswahl in zwölf Teilen. Heraus- gegeben, mit Lebensbild, Einleitungen und Anmerkungen versehen von Reinhold Gensel. Deutsches Verlagshaus Bong & Co. Berlin. Karl Gutzkow, der am 17. März 1811 geboren ist, gehört mit Tieck und Hehse zu den berühmt gewordenen Berlinern, hät aber von allen, um zur Höhe zu gelangen, den weitesten Weg zurücklegen müssen. Und auf diesen Weg wurden ihm noch ganz besondere Schwierigkeiten gewälzt durch jenen Bundesratsbeschluß vorn Jahre 1835, der die Schriften einiger junger Schriftsteller verbot, von Gutzkow auch die, die er künftig erscheinen lassen würde. Es gehört wahrlich eine zähe Natur dazu, um unter solchen Bedingungen sich zum Wortführer seiner Zeit auf- tzuschwingen und sich Mit einer fast unübersehbaren Mille von lournalistischen, erzählenden und dramattschen Werken Gehör ;u verschaffen. Diesem reichen Nachlaß wendet sich heute das aVV gemeine Interesse wieder zu, und die im Rahmen der Goldenen Klassiker-Bibliothek erschiene schöne Ausgabe kommt hier eben recht. Daß es sich bei der außerordentlichen Fruchtbarkeit Gutzkows nur um eine! Auswahl handeln konnte, versteht sich von selbst. Der Herausgeber Reinhold Gensel hat aber mit Kenntnis und Geschmack so ausgewählt und angeordnet, daß ein deutliches charakteristisches Bild entsteht und namentlich die Vielseitigkeit dieser Protensnatur klar.vor Augen tritt Ein knappes, doch erschöpfendes Lebensbild sowie Einleitungen zu den einzelnen Bänden vermitteln, dem Leser die Kenntnis der Lebens- umstände und Zeitverhältnisse und führen in Verbindung mit den Anmerkungen in das Verständnis der Werke selbst ein. Ein ausführliches Namenregister am Schluß..der Ausgabe wird in Anbetracht ber zahlreichen Anspielungen und Zeitbeziehungen in Gutzkows. Schriften dem Leser höchst willkommen sein. Die Ausstattung ist, was Druck, Papier und Einbände betrifft, die in ber Goldenen Klassiker-Bibliothek übliche gediegene und geschmackvolle. Der große Roman „Die Ritter vom Geiste", der bei feinem Umfang in dieser Ausgabe keinen Platz finden konnte, wird, wie uns das Vorwort verspricht, in drei Erweiterungsbänden erscheinen. Wir empfehlen die vorliegende Auswahl allen denen, die sich mit ber politisch und literarhistorisch so wichtigen Zeit des Jungen Deutschlands und mit der interessanten Gestalt Gutzkows insbesondere vertraut Machen wollen.
Sitatenratfel.
Ans jedem ber folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt:
1. Wer reitet so spül durch Nacht und Wind? —
2. Gar vieles kann, gar manches muß gescheh'n, Was man mit Worten nicht bekennen darf.
3. Schlecht webt ber Wind, ber keinen Vorteil bringt.
4. Die Welt wird schöner mit jebem Tag.
5. Schon manchem wibersuhr bes Schicksals Ungemach ....
6. Etwas fürchten imb hoffen und sorgen
Muß ber Mensch für ben fommenben Morgen.
7. Die Boten bringen traurige Mähr.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nnrnnter: Tein, ber keine Rosen bricht, 9rt fein Kranz bescheret.
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiubruckerei, R. Lang«, ©ieiäfe


