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geheiratet, die dir niemals gefiel, warum warst du solch ein Esel, Edmoud?" Da er indessen auf diese.Fragen keine Antwort wußte, öffnete er die Tür und trat ein.

Ah, guten Tag, Madame, ich bin entzückt, Sie so wohl zu sehen," sagte er und erledigte mit weniger Innigkeit als Pflicht­gefühl den gewohnten Handkuß.

Blanche Garnier war eine schlanke Dreißigerin mit außer­ordentlich beweglichen Augen. Sie lag auf einem Divan Und spielte mit einem dickköpfigen, nackten Zwerghündchen.

Man sollte wirklich meinen, lieber Garnier, Sie sehen es nicht, wie ich leide. Sie belieben wieder einmal, mich mit Ihren takt­losen Späßen zu verfolgen, denn ich halte Sie nicht für dumm genüg, daß Sie die Tatsache meiner nervösen Ueberreizung wirk­lich übersehen könnten."

Aber Liebste, Beste, wie können Sie glauben . . ."

Sie seufzte müde und resigniert.Bitte,^lassen Sie nur. Haben Sie noch andere Aeußerungen zu tun, die Sie für notwendig halten, so legen Sie sich keinen Zwang aus, ich habe mich jetzt Wieder in Ihre Art hineingefunden."

Der Bankier spielte nervös an seiner Uhrkette, er hatte es aufgegeben, seiner Frau gegenüber die Gleichberechtigung durch- SUsetzen. Vor vier Jahren einmal war er grob geworden, nieder­trächtig grob, sie natürlich war pünktlich in Ohnmacht gefallen, und anderen -Tages hatte ihm der Jägerleutnant Chevalier de Tiraille eine Pistolenforderung zugefchickt, da er fidji als der be­rufene Beschützer seiner Kusine vierten oder fünften Grades fühlte. Duelle waren Edmoud Garnier unsympathisch, und schließlich endete die Angelegenheit damit, daß er seiner Frau, geborenen Vicomtesse d'Äme-Jaune, Abbitte leistete und dem Vetter allerdings erst drei Tage später 10 000 Frauken pumpte.

Seitdem betonte Garnier Dritten gegenüber stets die kamerad­schaftliche Innigkeit seines Ehelebens.

Ich bin untröstlich, liebe Freundin, Ihnen, ganz bestimmt ohne Absicht, wehe getan zu haben, ich tvollte Ihnen nur mit» teilen, daß ich mir in den nächsten Tagen wahrscheinlich das große Opfer auferlegen muß, auf diese reizenden Mittäglichen Besuche bei Ihnen zu verzichten. Salimain ist auf Urlaub, und da ich dem Vertreter nicht ohne weiteres trauen kann, werde ich gezwungen sein, einige wichtige Kassengeschäfte nach Geschäfts­schluß persönlich zu erledigen."

Blanche gähnte und machte entschieden den Eindruck, als ob sie entschlossen sei, diese Notwendigkeit mit Fassung zu ertragen. ,,Wohin geht Salimain?" fragte sie.

Garnier zuckte die Achseln.Er sagte, nach Aix les Bains, aber ich glaube, er wird wohl in Monte Carlo, Ostende oder Trou- ville zu suchen sein. Der junge Mann gefällt mir nicht mehr besonders in letzter Zeit, er wird mir zu leichtfertig, er hat etwas gar zu sehr die Damen lieb, und gar zu viele außerdem."

Mit einem Ruck führ Blanche in die Höhe, so daß Edmond erstaunt aufblickte.

Ich bitte Sie herzlich, Monsieur, sich dieses Pharisäertons in meiner Gegenwart nicht zu bedienen; Sie haben es wirklich nicht nötig, das Wesen Ihrer inneren Qualifikationen gar zu deutlich zu markieren. Nun, mon Dieu, am Ende können Sie nicht dafür, wie sollte es Ihnen im Blut liegen, daß man ab­wesende Ehrenmänner nicht verdächtigt? Zudem ist es ganz bestimmt unwahr, was Sie behaupten."

Edmond stieg das Blut in die Schläfen, denn er war der Sohn eines picardischen Bauern, doch er beherrschte sich.

Aber, liebste Blanche, wie können Sie sich nur eines Kassierers wegen derart aufregen?"

Madame Garnier biß sich auf die Lippen.Des Salimain wegen gewiß nicht, Ihretwegen; aber es hat keinen Zweck, Ihnen das zu erklären, Ihr Empfinden ist zu robust für derartige Selbstverständlichkeiten des Noblesse oblige."

Jetzt wurde es Edmoud doch zu ungemütlich; er erhob sich. 7,Ich sehe, teure Freurrdin, meine Gegenwart ist Ihrem Wohl­befinden heute nicht zuträglich. Ich wünsche Ihnen gute Besserung und einen angenehmen Abend, Madame." Mit diesen Worten küßte er nochmals die Hand seiner Frau und ging aüf sein Zimmer. Hier ergriff er eine kostbare Onyxschale und warf sie an den Kamin: er hatte das Bedürfnis, irgend etwas- zu zerbrechen; dann fuhr er mit seinem Auto nach Grenoble, wo er ein -niedliches Midinettchen entdeckt hatte.

Am nächsten Nachmittage versagte sich der Bankier den Besuch bei feiner Gattin und fuhr schon UM 5 Uhr in die Stadt zum Juwelier, um ein bestelltes Kollier selbst abzuholen. Schon eine halbe Stunde später laugte er wieder vor seinem Häufe an, wo er sich umkleiden wollte. Der Chauffeur konnte nicht ganz vor­fahren, denn unmittelbar aM Eingänge hielt ein großes, ge­schlossenes Privatautomobil.

Merkwürdig," dachte Garnier,die Geschäftsstunden sind vorbei, .Blanche hatte ihren Jour erst vorgestern, kennen htc ich das Auto auch nicht/ wem Mag das nur gehören?"

Als Edüiond die unterste Treppenstufe betreten wollte/ be­merkte er, daß die Tür zum Kassenzimmer nur angelehnt war; erstaunt begab er sich dorthin, um nachzusehen, er öffnete die Tür vollends und . sah sich Octave Salimain gegenüber, der soeben die Tür des großen Wandtresors wieder verschloß.

Der Kassierer ward bleich wie Kalk und wie sein Chef, dann reißt er in nervöser Hast einen Revolver aus der Brusttasche, richtete ihn auf Garnier, schob sich mit etwas ängstlichem Blick, aber mit unglaublicher Schnelligkeit an diesem vorbei, lies auf das unbekannte Auto zu, sprang hinein, undtut tut" gings davon.

Edmond Garnier hatte sein Riesenvermögen gewonnen, weil er die Gabe besaß, in den alleraufregendsten Momenten an der Börse seine Ruhe zu bewahren; was nicht ausschloß, daß er im übrigen ein Mann von keineswegs außerordentlichen Geistesgaben und persönlichem Mut war.

Die Augenblicke, in denen er sich über sich selbst erhob, be­gannen bei einem Wertobjekt von etwa 50 000 Franken, und in dem Tresor waren heute morgen noch 55 000 gewesen.

Genau eine Sekunde bewilligte er seinen Nerven, dann stürzte er zur Portierloge, riß den Wächter des Hauses aus seiner behag­lichen Ruhe und befahl ihm, sofort in sein Automobil zu steigen. Auf der Straße gingen gerade drei Männer des Arbeiterstandesj vorbei. Garnier hielt sie fest, zeigte auf das Auto des Flücht­lings, das auf der langen Straße, die hinten zur Landstraße: wurde, noch deutlich zu sehen war:

Autoverbrecher," sagte er, und dann auf den eigenen Wagest weisend: ,,Verfolgen helfen; 5000 Franken, 1000 für jeden, wenn wir sie fassen." ; . »

Die Drei begriffen sofort und sprangen Garnier nach ist dessen Rennautomobil.

Hinter dem da her," schrie Edmond den Chauffeur ast, Höchste Geschwindigkeit."

Und nun begann eine wilde Jagd, die durch viele Ortschaftest ging. Niemand dachte daran, den Flüchtigen anfzuhalten, denn dessen Wagen konnte ja keinen Verdacht erwecken. Die Geschwindig­keit war zwar außerordentlich, abw so etwas kam täglich vor.,

Doch Edmonds Auto war das leistungsfähigere, und als die letzten Häuser der Vorstädte längst hinter dem Dahinrasendest lagen, .konnte es seine außerordentlichen Eigenschaften erst richtig entwickeln. Geringer und geringer wurde die Entfernung zwischen Verfolger und Verfolgten. Längst war die offene Landschaft er­reicht, vereinzelte Gehöfte kamen und verschwanden, nur noch 80 Meter ungefähr bettug der Abstand, da bemerkten die Ver­folger, wie sich das Vorderteil des Verdecks von dem Wagen des Kassierers niederscnkte und über der hochgebliebenen hiuteien Hälfte Octave Salimain bis zur Brusthöhe sichtbar wurde, in der Rechten den Revolver haltend.

Garnier hatte sich nie sehr für den Schießsport interessiert/ aber in diesem Augenblick stand er unter dem Bann seiner spontanen Energie; von 50 000 Franken aufwärts kannte er keine Furcht. Auch seine Hilfsmannschaft zeigte keine sonderliche Unruhe, wahr­scheinlich dachte jeder: wenn der erste abgeschossen ist, kann man sich immer noch überlegen, ob man auf die 1000 Franken ver­zichten will. ' _

Octave begann alsbald ans seinem Revolver die Kugeln zu! spritzen, als ob das kleine Instrument ein Maschinengewehr sei; aber er schien sehr erregt, denn treffen tat er nicht, und plötzlich hörte er auf; die Munition war zu Ende. Jetzt stellte der Chauffeur des Bankiers die äußerste Geschwindigkeit eist, und im Nu war das verfolgte Auto überholt. Dies wollte wenden, doch der große Rennwagen fuhr ihm in die Seite, es gab einen ge­waltigen Ruck, der indessen niemandem etwas schadete; die Auto­mobile hielten und die Flucht war zu Ende.

Edmond Garnier sprang aus dem einen Wagen Und Salimaist aus dem anderen, er wurde sofort umringt von bett drei Ar­beitern und dem Portier.

Octave Salimain," schrie Garnier in höchster Wut, die man dem kleinen rundlichen Manne kaum zugetraut hätte.Sie sind ein Scheusal, und ich habe so große Stücke auf Sie gehalten/ während Madame Garnier mich noch gestern vor Ihnen gewarnt hat. 55 000 Franken, beim Himmel, das ist zu viel! Sie werden ja vermutlich nicht gern ins Zuchthaus wollen, aber Mensch/ ich könnte Sie würgen: und . . .", er wollte weiter schellest/ da fielen seine Blicke auf das Automobil, in dem der Kassierer seine Flucht bewerkstelligt hätte, und dort bemertte er hinter bem! noch hochgeklappten Teile des Verbecks: Madame Blanche Garnier/ geborene Vicomtesse d'Ame-Jaune, bie ostentativ nach ber ent­gegengesetzten Richtung sah. >

Abermals gewann Edmond seine berühmte Ruhe zurück, denn dies Objekt war ganz groß. Er faßte Salimais Arm nnd zog

Octave," sagte er,kommen Sie mit 55 000 Franken auch standesgemäß nach drüben? Sie," hier nickte er mit dem Kopf nach der Richtung, wo seine Gattin saß,sie ist ?ehr. verwohnt. Ich will Ihnen doch lieber noch einen Scheck ausschreiben. «0/ hier, bitte." t t

Mit diesen Worten ergriff er die Hand des Kassierers und schüttelte wie wild daran herum.Nun leben Sie wohl, mein lieber Octaöe, ulnd seien Sie versichert, ich werde Sie stets iw gutem Andenken behalten."

Meine Freunde," wandte er sich dann zu den Arbeitern. Die Sache war ein großes Mißverständnis, ich hielt meinest Kassierer für untreu, während er im Begriffe ist, in meinem! Interesse eine wichtige Reise anzutreten. Monsieur Salimain seinerseits ist stark kurzsichtig, er hielt mich für einen Konkurrenten,