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Die von Gründingrn.
Roman von Freiherr von Schlicht,
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Gewaltsam machte sie dem Gespräch ein Ende. Der Baron merkte es und machte ein ganz vergnügtes Gesicht: „Na ja, also! So weit wären wir jetzt! Wer mir das heute morgen prophezeit hätte, den hätte ich zur Beruhigung seiner erhitzten Phantasie auf ein Glas Selterwasser eingeladen."
Und während er sich vorhin nur wenig an der all-, gemeinen Unterhaltung beteiligt und sich nur darauf beschränkt hatte, ein aufmerksamer und dankbarer Zuhörer KU sein, riß er jetzt plötzlich das Gespräch an sich. Wie vorhin die anderen, so erzählte jetzt er, oft mit beißender Ironie, oft mit gewaltsamen Uebertreibungen, dann wieder ganz trocken und harmlos rind dadurch die Wirkung seiner Worte erst recht hervorhebend. Und der laute Beifall der anderen lohnte ihn. 4
Nur eine lachte nicht mit, hörte kaum hin auf das, was er sagte. Das war Dagmar. Sie kannte den Grund seiner übersprudelnden Laune, seines Humors und seines Uebermuts. Er glaubte sie heute gewonnen zu haben, ihrer sicher zu sein! Und sie haßte ihn, wie noch nie zuvor einen Menschen, und das ihr bisher ganz fremde Gefühl der Verachtung stieg in ihr auf —.
„Nie — niemals!"
Ihre Augen sagten es ihm immer wieder und immer deutlicher. Mer das alles machte auf ihn nicht den leisesten Eindruck. Ihm war, als wäre er plötzlich ein .anderer Mensch geworden, als lägen alle Enttäuschungen und Bitternisse, die er durchlebt, weit, weit hinter ihm, als hätte er die ganze Vergangenheit überwunden.
„Baron, was haben Sie heute nur — Sie sind ja gar nicht wiederzuerkennen — haben Sie Nachrichten aus Kuba?"
Das sollte ein Scherz des Grafen seirr, ein übermütiges Witzwort. Aber es traf den Baron wie ein Peitschenhieb. Er zuckte förmlich zusammen, seine Hand, die, auf dem Tisch ruhend, den Fuß des Weinglases umspannt hielt, zitterte, und eine fahle Blässe überzog sein Gesicht. Gleich darauf brannte ein dunkles Rot auf seinen Wangen.
Niemand achtete auf ihn. Nur Dagmar sah, wie er die Farbe wechselte. Sie allein verstand ihn.
In seinem Siegesgefühl hatte er ganz vergessen, daß sie reich war. Jetzt, bei dieser Frage kam ihm seine eigene Armut erst wieder zum Bewußtsein. Der Baron hatte.auch ihr und Alexa scherzend von seiner etwaigen Kuba-Erbschaft erzählt. Dann war auch er Millionär, reich, wie er damals gewesen.--
Dagmar erriet, daß er sich jetzt fragte: wird sie nicht glauben, daß ich in erster Linie um des Geldes wegen um sie
werbe? Daß ich jetzt so froh und glücklich bin, weil ich nur die Gewißheit zu haben glaube, nicht nur ihre Hand, sondern auch ihre reiche Mitgift zu erhalten — — ?
Sein jähes Erblassen hatte sie erschreckt. Sie sah: es war keine Verstellung, er war ins Innerste getroffen.
Und so sehr sie ihn noch vor einer Mmute gehaßt hatte — plötzlich schwand der Groll dahin — sie empfand in diesem Augenblick für ihn nur das reinste und schönste Mitleid. Es tat ihr weh, es mit ansehen zu müssen, wie er, aus allen Himmeln gerissen, ganz blaß dasaß, wie sein Traum mit einem Male für ihn ein Ende zu haben schien wie die Luftschlösser, die er sich gebaut, krachend um ihn herum zusammenstürzten.
Sie fühlte ihm nach, wie das laute Lachen der Anderen, das der scherzhaften Frage des Grafen folgte, ihm das Blut in die Wangeil trieb. Eine Anerkennung hatte sie ihm stets zollen müssen: er war ein Mann, nicht nur „mit eisernen Muskeln und Sehilen" wie er sagte, sondern von eiserner Energie und eisernem Willen. Hocherhobenen Kopfes ging er durch die Welt, und daß sie ihn jetzt so gewissermaßen zusammenbrechen sah, das tat ihr weh. Und sie empfand förmlich einen stechenden Schmerz im Herzen.
Es dauerte lange, bis der Baron sich wieder gesammelt hatte. Dann wandte er fast mechanisch seinen Blick wieder Dagmar zu.
Wohl ein paar Sekunden sah er sie ruhig an. Dann sagte er mit leiser Stimme: „Ich danke Ihnen, Komtesse."
Er tat ihr so leid. Sie hatte den -Wunsch, ihn irgendwie zu trösten — ihm etwas Freundliches zu sagen. Da dachte sie zurück an das, was er vorhin erwähnt hatte: „Das Schicksal ist stärker, als wir selbst, Herr Baron," kam es eirdlich über ihre Lippen.
Einen Augenblick saß er noch niedergedrückt da, darin warf er, wie vorhin sie, stolz und übermütig derr Kopf zurück: „Doch wer nicht Trotz dem Schicksal beut, — der ist kein Mann."
Er war mit einemmal ganz wieder der Alte. Seine Spannkraft war wieder erwacht. Die Wunde war schnell geschlossen, werm sie auch noch brannte. Aber höher noch erhob er den Kopf urrd sah ihr fest in die Augen.
Der Kampf war aufs neue entbrannt. Aber sie fühlte sich ihres Sieges nicht mehr so sicher — —.
VII.
Wie im Fluge wären die Tage dahingegangeir, der Urlaub von Hans war zu Ende. Morgen sollte er abreisen, noch immer hatte -er sich niemand anvertraut, keiner wußte, weshalb er so plötzlich nach Haus gekommen war.
War es wirklich in erster Linie Sehnsucht nach der Mutterliebe gewesen?
So schmerzhaft -uird so kränkend, ja fast beleidigend es auch für sie war, — die Gräfin mußte dennoch zugeben, daß ihn keine -sentimentale Aufwallung hierher geführt hatte. Am meisten ärgerte sie sich, daß der Graf mit seiner Skat* Prophezeiung Recht behielt. Kem Tag wär vergangen, an


