Donnerstag den \5. Februar
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Glückslasten.
Effontftlt von Hanns von Zo böltiA
MaMruck verboten.1
(Fortsetzung.)
10.
„Reinen Tisch machen! Ganz reinen Tisch! Das verlange ich —"
Eberhard saß in sehr gedrückter Stimmung an seinem Schreibtisch, hatte den Kopf in beide Hände gedrückt und starrte über das Bild der Frau, die er liebte, hinweg auf Vater, der im Zimmer auf- und abging und eine ganz ungewohnte Energie entwickelte.
„Reinen Tisch! Und ich will die ganze Wahrheit wissen. Wer ist diese Person?"
„Bitte, Papa."
„Na also: wer ist diese Frau? Und wie weit hast du dich engagiert?"
„Frau Cläre Kähne. Und engagiert? Du inachst dir doch eine ganz falsche Vorstellung, Papa. Ich bin . . . nun, ich liebe Cläre! Wenn du das engagiert sein nennen willst. . ."
Vater war hinter Eberhard getreten und sah gerade auf das Bild, sah die tiefausgeschnittene Corsage und die hohe Frisur mit dem kecken Reiherstutz. Er lachte bitter. Mach dir und mir doch nichts weis. Wenn eine. . . eine Frau einem jungen Leutnant ihre Photographie schenkt, in der Pose, so muß es schon ziemlich weit zwischen den beiden gekommen sein. Also rundheraus: willst bit diese Beziehungen, wie immer sie gestaltet sein mögen, abbrechen oder nicht? Kannst du das noch? Wenn es Geld kostet, ich bin zu einem Opfer bereit."
Eberhard zuckte zusammen. „Geld ■—" stieß er bitter hervor. „Als ob wir an das elende Geld gedacht hätten!" Und dann schwieg er und starrte wieder vor sich hin.
Vater hatte eine dunkle Vorstellung, daß Beziehungen, die mit Geld abzulösen seien, immerhin noch die ungefährlicheren wären. Er erschrak. Das saß also doch tiefer. Es wär eine wirkliche Leidenschaft. Schon drohte etwas .wie Mitleid mit dem Sohn in ihm wach zu werden. Man fah's dem armen Kerl ja auch an, wie er litt. Aber das half nun nichts. Diesmal galt es, fest und hart zu bleiben; es handelte sich um sein Lebensglück.
Vater sah wieder auf die Photographie, und gerade das gab ihm neue Festigkeit. Diese . . . diese Dame trieb ja doch nur ein Spiel mit seinem Jungen. So oder so — sie verfolgte egoistische Zwecke. Eberhard mußte gezwungen werden, jede Beziehung zu ihr abzubrechen.
„Nun, ich warte!"
Es klang wie ein leiser Seufzer: „Was quälst du mich?"
„Lieber Eberhard, denke an deine Zukunft. Willst du deine Karriere aufs Spiel setzen? Willst du dich aus allen deinen Kreisen ausgeschlossen sehen? Sollen auch wir dich aufgeben?"
Keine Antwort.
„Mach dir auch das klar: ich ziehe meine Hand völlig von dir zurück, wenn du nicht brichst. Bilde dir nicht ein, daß ich dich noch unterstützen würde. Ich denke nicht daran, und ich weiß mich darin mit Mama eins. Wenn ich dies Zimmer ohne dein Versprechen verlassen muß, ziehe ich deine Zulage zurück. Du wirst dir sagen müssen-, was das bedeutet."
Dunkelrot färbte sich die Haut unter dem kurzgeschorenen Haar, und der Nacken steifte sich einen Moment, wie im Trotz. „Ja — ja — du hast mich ja in der Gewalt."
„Mer ich wende diese Gewalt nur an, um dich zu retten. Aus Elternliebe, Hardt!"
Es kam wieder keine Antwort. Eberhard brütete dumpf vor sich hin.
Ganz still war es im Zimmer.
Dann kläffte es plötzlich in einer Ecke leise auf, und ein winzig kleiner Bologneser kroch unter dem Sofa hervor, trippelte bis zu Eberhard und rieb sich an dessen Bein. Da wandte er den Kopf und sah auf das kleine kokette Tierchen herunter — lange —
Und Vater dachte: „Natürlich ihr Schoßhund. Ein dummer Köter, herausgeputzt lote ein Aeffchen. Anders wird sie selber auch nicht fein."
Hardis Rechte war herabgeglitten. Sie streichelte ein paar Male über das seidenweiche lange Haar. „Mignon =— Mignon —" Mit einem Male schlug die zärtliche Stimme um. „Geh, Mignon!" rief er hart. Und stand jäh auf, zog die Litewka straff herunter: „Es muß also sein. Ich sehe es ein. Es soll nach deinem Willen geschehen. Was es mich innerlich kostet . . . das ist ja gleichgültig . ."
Am liebsten wäre Vater ihm um den Hals gefallen. Aber er hielt gewaltsam an sich. Ganz kurz sagte er nur: „Das ist vernünftig."
Sie hatten noch eine lange und recht unerquickliche Unterredung. Aber das Unerquickliche, das diese brachte, hatte wenigstens das Gute, daß es sich mit Geld aus- gleichen ließ. Himmel, mußte der Junge gewirtschaftet haben! Und es figurierten unter den Rechnungen, die er beichtete, doch auch Posten, die die uneigennützige Liebe der Frau Cläre in ein seltsames Licht stellten: eine Perlenkette von Friedländer, ein Anhänger mit Saphiren von Werner. Vater mochte nicht mehr darüber rechten. Gottlob, daß man das nicht brauchte. Nur reinen Tisch machen — reinen Tisch!
*
Und so schien alles geregelt, geordnet. Auf Hardis Wort konnte man sich ja verlassen.
Als der Major acht Tage später Eberhards Kommandeur bei Habel traf, wär Jugenheim sehr befriedigt.


