Ausgabe 
15.1.1912
 
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geschlagen iv*uri>e, iueit Eulers beide Gegner, sein Sohn Johann Andreas Ludwig und sein Schwiegersohn B a l s e r N o l l, wäh­rend des Prozesses Tods verfahren waren. Den Anlaß zu dem Verfahren bildete die Tatsache, daß der 75 jährige Euler die beiden wegen einer geringfügigen Sache derart verhauen hatte, daß beide sich in ärztliche Behandlung begeben mußten. An­feuernd hatte ihm bei dieser Gewalttat seine ledige Tochter zur Seite gestanden, die gegen ihren etwas verwachsenen Bruder den Schlachtruf ausgab:Uff den Bukelormn, daß er die Kränk kriegt!"

So viel von Eulers' Persönlichkeit. Wir reihen an diese Ausführungen ein paar Bemerkungen über Eulers Wohnungen, die deshalb interessant sind, weil sie uns mitten in die Zeit der schlimmsten Eulerkappereien hinein fuhren.

Als Euler im Jahr 1764 Mädchenschullehrer in Gießen ward, wohnte er in des Pfarrer K e m p s e n Daus auf dem Sältzers- berg. Dekretmäßig stand ihm nunmehr die Wohnung des bis­herigen Mädchenschullehrers Saalfeld zu, der von seiner im Jahr 1734 erfolgten Anstellung anauf der Waag" am Wagen­gäßchen gewohnt hatte. Es waren das zwei Stuben, in denen früher die Beständer der Stadtgüterwage gehaust hatten, die aber 1734 dem Mädchenschulmeister von der Stadt überlassen worden waren, daß er darinnen wohne und Schule halte. In diese Mädchenschule einzuziehen, gelang Euler erst nach einigen Monaten, da sich die Saalfeldin gegen den Auszug aus dem ihr lieb ge­wordenen Heim sperrte. Von 1765 an wohnte dann Euler über zehn Jahre lang auf der Waag. Im Jahr 1776 kam der Stadtrat zur Ueberzeugung, daß die zwei Stuben viel besser verwandt wären, wenn man aus ihnen eine Industrie- und Armenschule mache, in der vor allem das Spinnen gelehrt werden sollte. Der Stadtrat ließ deshalb in der zweiten Hälfte des Oktober dem Mädchen­schullehrer Euler durch die Polizei bedeuten, daß er innerhalb vier Wochen die Mädchenschule räumen solle. Trotzdem Euler sofort Beschwerde hiergegen einlegte, kam es, naclzdem er noch einmal durch den Ratsdiener,N e p p zur freiwilligen Räumung aufgefordert worden war, zur gewaltsamen Entfernung von Eulers Hausrat aus derSchule".

(Schluß folgt.)

Vermischter.

kf. AuS den Geheimnissen der französischen Banknoten. Zum eisten Male seit ihrer Ausgabe im Jahre 1910 ist in Frankreich ein Versuch gemacht worden, die neuen Hnitdertirancsnolen zu fälschen DieBauque de France" stehl der Nachricht allerdings sehr skeptisch gegenüber; denn es ifl immer sehr schwer geivesen, die sranzösischen Banknoten nacbznahmen. Wie eine von derBanqne de France" hernusgegebene Statistik bekundet, sollen seit 1889 nur sechs Versuche gemacht worden sein, die HnnderürancSnote zu kätschen. 9iur biennal hat man verjnchl, die Fünizigkrancsnole nachznahmen und nur ein einziges Mal ver­zeichnet die Statistik eine Fälschung der Tausendkrancsnote. Im Jahre 1910 gab dieBangne de France" Noten heraus, die in vier Tönungen gehalten waren, nämlich in Blau, in bräunlich Rosa, in Schwarz und in toelb. Tie Banknoten werden selbst­verständlich mit anßerordenllicher Vorsicht und mit der größten Technik hergestellt. Das Papier bestem aus zwei Schichten. Tie äußere Schicht ist aus dem feinften Material hergeuellt, die innere Lage besteht alis einer Masse, vo» der mir bekannt ist, daß sie ans reinem Hans gewonnen ivird. Jede neue bedeutende Entdeckung hat man sich bei der Herstellung der Banknoten zunutze gemacht. Bis zum Jahre 1830 waren sie schwarz und nur eine Seite war bedruckt; im Jahre 1831 prägte man sie auk beiden Seiten, und iwar stellte die Rückseite das umgekehrte Bild der Vorderieite dar, o daß, wenn die Noten gegen das Licht gehalten wurden, wiederum ein bestimmtes Bild entstand. Aber mit Hiße der Photographie gelang es geschickten Fälschern, auch dieie Noten nachznahmen. Im Jahre 1862 ging man dazu über, blaue Banknoten zu ver­ausgaben. da zu jener Zeit die photographiichen Platten die blaue Farbe nicht festhlelten Bald icdoch wurden auch dieie Bauknoten überholt, da ein neues Veriahren entdeckt wiirde, welches mit Hilie von mehreren Lichtschirmen gestaltete, dte blauen Baiiknolen tänschend ähnlich nachznahmen. Alan versuchte es nun **nt rosa Banknoten und diese wurden dann durch die heutigen auHJöfL Die Kosten der Herstellung sind äußerst gering. Tein iranzösischen Staate verursacht die Herstellung einer Hundertfrancsnote nur eine Ausgabe von 0,068 Francs. Tie Tausendfrancsnolen sind etwas teurer; sie kosten 0,072 Francs.

kt Das geheiratete Bild. William Harrison, der New- yorker Milliardär, der eine der berühmtesten Gemäldegallerien Amerikas sein eigen nennt, ist auf eine merkwürdige Art und Weise zu seiner Frau gekommen. Eines Tages stöberte er auf der Suche nach Gemälden in einem alten Trödlerladen herum. Plötzlich hei ihm das Bildnis einer reizenden Schnilierm in die Hände. Ihre blauen Augen, ihr blondes Haar und ihie schone Geuall schlugen sein Herz sofort in Fesseln. Nach dem Preise frage», bezahlen und das Bild mitnebmen, waren das Werk eines Augenblickes, und Nun begann die euctie nach dem Original. Em Heer von Teiektiven

wurde auf die Spur des Malers gehetzt. Man fand ihn in Boston. Aber er konnte nur Mitteilen, daß er die reizende Schnitterin vor einigen Sommern in einem Erutefelde am ll'er des OntarioieeS gemitben und gemalt habe Harrison ließ sich jedoch nicht beirren, und rastlos wurden die Nachforschungen fortgesetzt. Endlich wurde seiner Liebe Sehnsucht gestillt. Er fand das junge Mädchen aus einem Erntefeld in Kanada. Das Original stellte das Bild in den Schatten; der liebeglübenbe Milliardär sank dem verwunderten Schniliermädchen zu Füßen und ftammelie seinen Antrag. Kurz entschlossen geruhte die Schone, ihn anjunehmen, und heute fie eine der gefeiertsten Herrscherinnen im Kreise der oberen Zehn­tausend.

kt. Fingernägel, die seit 27 Jahren nicht ge­schnitten worden sind. Die orienlalischen Priester ver­suchen auf alle mögliche Art und Meise, die Gläubigen zum Be­suche ihrer religiösen Veranstaltungen zu gewinnen. Sie verfallen dabei auf die verschiedensten Anziehungen: der eine trägt seine un­verletzbare Haut zur Schau, em anderer wiederum glänzt durch Zauberkunststücke. Ein chinesischer Priester in Shanghai hat be­sonders großen Erfolg zu verzeichnen. Tie Gläubigen ftiömen in Scharen zu ihm, um seine langen Fingernägel zu besehen. So weil bekannt ist, stellen seine langen Fingernägel den Rekord selbst für China bar, wo es unter den Vornehmen zur Sitte geworden ist, sich zum Zeichen ihres Reichtums unb Müßigganges die Finger­nägel fleben zu lassen. Ter längste Nagel desberühmten" Priesters hat eine Länge von 56,8 cm, zwei andere sind nur wenig kürzer. Leider hat et zu seinem größten Bedauern vor einigen Jahren zwei Fingernägel der linken Hand durch einen unglücklichen Zufall verloren. Es überfiel ihn plötzlich ein derartiges Haut­lucken, daß er nicht umhin konnte, sich heftig zu kratzen. 'Met ach I zwei Fingernägel, der Erfolg jahrelanger Pflege, brachen ha­bet ab. Um seine Nägel zu schonen, tragt er sie gewöhnlich in langen SBambueifiitteralen, und nur bei religiösen Festen zeigt er sie dem andächtigen Volke, ist dabei aber wohlweislich bedacht, sich durch Alinosen für die 27jährige Müde unb die Pflege, die er seinen kostbaren Nägeln gewidmet hat, einigermaßen eiitschädigen zu lassen.

* Zweifelhaftes Lob. Frau Mierig:Tiefe Nacht haben je sich wieder jräßlich gehauen hier an die Ecke. Ne«, mit de Männer! Sie müssen doch oock immer in Angst sind. Frau Nachbarn?" Frau Dierig (ScyuhmannSfrau):Ich? 'Das muß ich mich doch verbitten! Ich habe 'n ordentlicher? Mann, der geht jeder Prügelei aus dem Wege!"

An meine Großmutter.

So saß fie da, in ihrem Kammerftübchen, Tie alte, schwarze Haube um den Kopf, Unb schaut mich an, ich war ein kleines Bübchen, Unb fuhr mir burch den blonbgelockten Schopf. Ter Strickstrumpf drehte sich in ihren üben Unb emsig sprang der Stöcke starre Schar.

Es reiht sich Masch an Blaich in flinkem Wenden Unb siehst bu wohl, em Strümpstein fertig war. In liefern Düster, halb verdeckt vom Tische, Stand, alt und wacklich nun es war, Ihr Bett in einer Mauernische, Darüber hingen Bilder alt und rar.

Ta sah den alten Fritz in heißem Streite Man jagen vor dem Heer in wildem Trab Und dort auf jener andern Seite Zwei Kinder an der Mutter Grab.

Tas war der Rest von ihrer eutftgen Habe, Da fie geflüchtet aus dem Kampf her Welt, Es war ihr Stolz, war ihre einz'ge Labe, Die ihres Alters Gram erhellt. Wie oft, rote oft hab ich fie so gesehen. Die blinbe Brille vor dem müden Äug', Unb durch ihr Fenster drang mit lindem Wehen Ter Abendsonne rotverklärter Hauch.--

Nun ist sie sanft bahlngegangen Nach schwerem Kampf und herbem Leid, Mit Morgenschimmern auf den Wangen Ging sie beseligt in die Ewigkeit.

Still unb geduldig trug sie ihre Leiden,

Klaglos wie'S Lamm, mit kindlich frommem Sinn, Kem Wesen stand in letzter Stunde ihr zur Seiten, Einjam wie sie gelebt ging sie dahin. 0. N.

Logognph.

ofoperniänger Brüllini benyt cs mitg" so gewaltig,

laß man erbebend fast glaubt: Fürchterlich tobt es mit ,t*, Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz.

1. Rochiert. K f 8 e 8.

2. Ld5 c4f und Malt.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Universtläts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Grete«.