Montag den 15. Januar
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Glückslasten.
Dlontan von Hanns von ZobeltiK
(Nachdruck verboten,),
(Fortsetzung.)
Mit offenen Armen kam ihm der Herr von Hellstein entgegen:
„Lassen Sie sich endlich . . . Pardon, alter lieber Freund, läßt du dich endlich sehen! Wie ich mich freue! Da, setz dich und steck dir eine Zigarre an. Laß dich ansehn: famos siehst du aus. Ja, unsereiner rackert sich früher ab, wie solch glücklicher Rentier. Ich wette, du schwingst heut noch deinen Humpen wie damals — damals! Ach ja, —. . . . und i chbin ein alter müder Büreaukrüppel geworden mit höchst mangelhaften Magen- Verhältnissen und alljährlichem Nauheim! Dja. . . dja . . . du . . . und die Hand muß ich dir drücken. Ist schon so was daaewesen: sitzt man da irgendwo an der Ostsee und da fällt einem plötzlich ein Riesenvermögen in den Schoß. Sei nur still, ich weiß Bescheid. Mein Aeltester ist ja Hauptmann in deinem alten Regiment. . ."
Gar nicht zum Sprechen kam Vater. Wenn Hellsteiu an Magen und Herz laborierte, mit der Lunge haperte es sicher nicht. „Wo habt ihr gemietet?" „Du gehst natürlich mit deinen Töchtern zu Hofe?" „Bon deiner Aeltesten weiß ich auch schon viel. . . nee... dja ... solch einen Star können sie hier gebrauchen." „Und deine Jungens? Den einen hab ich mal flüchtig gesehen . . . brillante Erscheinung, flottes Kerlchen . . . was? Ein bissel zu flott? Na . . . dir tut das ja nichts, wenn er mal ein paar braune Lappen zu viel braucht. Aber du hast doch noch einen, nicht wahr?"
Nun war Gudarcza endlich soweit, daß er einhaken konnte.
Der andere steckte gleich ein Dienstgesicht auf, strich sich den grauen Bart, den er nach alter Kaiser Wilhelms- art am Kinn ausrasiert trug, fragte wichtig nach dem und jenem. Schließlich aber meinte er: „Es wird sich schon machen lassen. Da hast du meine Hand — ich tu, was ich kann, schon um unserer alten Freundschaft willen. Und im Vertrauen: der junge Herr hat recht. Die Aussichten sind gut, denn übergroßer Ueberfluß ist grad nicht an Leutchen aus guter alter Familie, die den Zuschuß mitbringen, den der diplomatische Dienst nun mal fordert. Du wirst wohl informiert sein. Wenn dein Sohn ins Ausland kommt — es ist je nach den Stationen verschieden — aber so int Durchschnitt wirst du mit 15 bis 20000 Mark rechnen müssen."
Ein wenig hatte Gudarcza sich schon an die großen Zahlen gewöhnt. Der Betrag, den Hellstein nannte, fuhr ihm aber doch in die Glieder. Er mußte immer wieder an die eigene karge Vergangenheit denken. Indes er ver
barg's unter einem Lächeln, dachte auch daran, daß Friedel in seiner Art ein ganz guter Rechner war.
Und dann sagte Hellstein gleich: „Na dja . . . für dich ist das eine Lappalie. Alle Wetter, alle Wetter, wie es unsereinen freut, wenn mal ausnahmsweise in unsere Kreise Geld hineinschneit, solch tüchtiger Batzen, der sich lohnt."
Ein Paar Tage trug er's noch mit sich herum und ertrug das sanfte ©c.; .nölten seiner Frau ohne Murren. Dann kam auch Eberhard zu seinem Recht: was der eine bekam, durste schließlich dem anderen nicht vorenthalten werden — und im Grunde war's nun doch mal eine Geldfrage. So gab er auch seine Einwilligung zur Versetzung Eberhards.
Das ging freilich nicht ohne einige brennende Stiche in der Brust ab. Denn es traf sich, daß er an demselben! Tag zum ersten Male wieder bei seinem alten Regiment zu Tisch war.
Das war ihm gleich einem kleinen Fest erschienen, und er hatte Fvait Ida gebeten, die Uniform aus den noch nicht ausgepackten Kipen zu erlösen. Es deuchte ihm nötig, des Königs Rock, den zu tragen Seine Majestät ihm beim Abschied guädigst bewilligt, bei dieser Gelegenheit anzulegen, als wolle er damit dem Regiment seine Honneurs erweisen. Aber als er damit vor die Seinen trat, schlug Signe die Hände zusammen: „Papa, das geht wirklich nicht. Sei nicht böse, du siehst höchst antediluvianisch aus." Dodo, die häufig vom Oppositionsgeist beseelt war, erklärte zwar sofort energisch: „Sehr gut sieht unser Vater aus —" dock die Freude war ihm verdorben. Er ging in sein Ankleidezimmer zurück, um die Uniform mit dem Gewand des friedlichen Bürgers zu vertauschen, und während er vor dem Spiegel die Krawatte zum modernen Knoten band, was ihm immer Mühe machte, predigte er sich vor: „Signe wird schon recht haben, wie sie immer recht hat. Alt Eisen ist alt Eisen . . . aber schade ist es doch." Dabei stieg ihm etwas wie ein leichtes häßliches Würgen der Enttäuschung im Halse empor.
Und das kehrte während des ganzen Abends, toie er's auch herunterkämpfte, immer wieder.
Es war alles, alles so anders geworden, fand er. Aeußerlich die Räume des neuen Kasinos so prunkvoll, er selbst so fremd, daß er sich bei aller Liebenswürdigkeit mit der man ihm begegnete, vereinsamt vorkam. Er hatte gemeint, gehofft, etwas wie Heimatsodem zu finden, und vermißte den schmerzlich. Er hatte geglaubt, an dem großen Gasttag viel alte Bekannte zu treffen, und fand fast keinen in dem Menschenschwarnt. Und der eine, der graubärtige General a. D., der aus einem schlesischen Winkel einmal wieder nach Berlin geschneit war, empfand wie er. Als sie beide nach dem Kaffee sich noch zu einer Flasche Mosel und einer guten Zigarre in ein Eckchen setzten, da sagte der: „Ja, Gudarcza, — was? M ist so vieles


