716

nichts Vernünftigeres, als jede Art von Groll an den Feuern der Aufrichtigkeit zu verbrennen", sagt Antt-Knigge.

Suche dich selbst bis ins Innerste zu erkennen", steht im Knigge. Und wir haben gehorsam in uns htnemgefcheü. Wir haben uns nach innen gestülpt. Wir haben den Kopf über unfern Kopf hängen lassen und in uns hmernspmtrsiert. Werl wer uns selbst erkennen wollten. Und was ist dabei herausgekommen?

Daß wir blind geworden sind nach außen. Daß wir die Un­befangenheit vor uns selbst verloren haben. Daß wir am Schlusie dümmer waren als am Anfang. Daß wir den Roienduft draußen versäumten, als wir uns nach innen immerzu begasiten. Daß uns ungezählte Freuden unsrer Umwell untwschlagen wurden. Datz wir keine Augen hatten für die Wunder außer uns. Worüber wir dann schließlich außer uns geraten sind. Als es zu spat ^Daun, als wir erkannten:Es gibt für mich nichts Un­interessanteres, als inich selber ich habe über mich Mr Tages­ordnung meiner Umwett überzugehM." Laut Antt-Kmgge.

Als ich mit diesen Erkermtnissen soweit gekommen war, da war ich vierzig Jahre alt. Dm nahm ich den Knigge und feuerte ihn in eine Ecke. Aber es war zu spät das Beste war ja schon vertan. Was hatmich's" geholfen, daß jetzt der Knigge zerfetzt am Boden lag? Nichts. Nein, nicht nur nichts sondern ich habe noch drei Mark fünfzig für einen neuen Knigge zahlen müssen. Denn der ins Eck gefeuerte war ein geliehener.

Fritz Züricher

im ersten Novemberhest des Kirnstwarts und Kultnrwarts (Halb- nonatschml für Ausdrucksknltur auf allen LeLeusg.ebieten. Verlag von Georg D. W. Callwey-München).

Vermied? tes»

* Eine berühmte S ch w eiz erfchlacht. Ain Cunter des Murtener Sees, der mit den beiden anderen ivestschweizerifchen Wasserbecken, dem Neuenburger und bem Bieler See, ein seiner Geschickte nach eng zusannnenge i,örig es Trio bildet, erhebt sich, mit schlanken Türmen und rvinkeligen Gassen ein altertümliches Städtchen: Murten, das dem Lee den Namen gegeben. Es ist ein alter Waffenplatz, der Schlüssel zum Berner Oberland, be­günstigt durch seine Lage am steilen liier eines Sees, Unter den Mauern dieses Städtchens bat sich eine der bedeutsamsten Waffen- taten des späten Atittelalters abgespielt: die Schlack t bei Murten, in der am LS. Juni 1476 das treffliche Fußvolk der Eidgenossen den Burgundecherzog Karl den Kühnen vernichtend schlug, war der erste Kampi, den ein deutsch fühlender Grenzstumm ohne Unter­stützung des morschen und schwachen Reichs gegen einen fremden Eroberer siegreich auSiocht. Wir lesen Näheres darüber in einem reich illustrierten Auisatz derZeiten und Volker" (Stuttgart, Franclh'sche Verlagshnndlmigl aus der Jeder von F. Seitz. Am S. Juni 1476 erschien Karl der Kühne mit einem stattlichen Heer vor Murten Chronisten erzählen von 60 000 Mann, in Wirk­lichkeit waiTn es höchstens 20 000. Er erkannte, daß dieses Boll- werk mit seiner auserwalüten Besatzung von 1580 Bernern und Freiburgern unter Adrian von Bubenberg erst durch eine sorg­fältig vorbereitete Belagerung mürbe gemacht werden müsse. Die schwächste Stelle der' Stadt lag gegen bionlellier nach Nord- osleu, au! der Seite des Sees; dahin richteten die Burgunder ihre Angriffsgräben. Im Osten versicherten sie sich gegen Ersatzversucke durch eine etwa 2 km von der Festung entfernte vorbereitete Stellung. Am Abend Les 18. Juni waren hier die Stadtmauern soweit zerstört, datz sie ihren ersten großen Sturm wagen konnten. Gerade als die Not am höchsten stand, als eine tiefe Bresche in die Mauer gelegt, ein Turm gestürzt und ein anderer in seinen Grund­sesten erschüttert war, da erschien das eidgenössische Heer, im ganzen 25000 Manu stark, unter der Fübruirg Wilhelm HerterS und Oswald von Tierstems. Lothringer unb Oesterreicher nahmen in beträcktlicher Zahl am Kamp! test; so zahlreich >ms Berichte aus den Federn von Chronisten, Briefe rmd Heldengedichte vorliegen, so wenig ist es möglich, ein genaues Bild von itjrem Verlaut zu geben. Tie Schweizer hatten sich bei Glimmen en gesammelt und gingen über die Saane an den Bkberenbach vor. Karl wurde völlig überrascht, die Verschanzungen, die ganz ungenügend besetzt waren, genommen, noch ehe feine Kerntruppen zur Stelle ivareii. Ter Sieg aber war ein durchschlagender; das lockere Gefüge der burgundischen Heeresmacht unterlag dem wuchtigen Massensioß des geschloffenen schweizerischen Fußvolkes. Fast die Hälfte der Bur- grinder kam auf dem Schlachtfeld oder im SOiurtener See um. Karl war durch diese Schlappe tief gebeugt: er floh mit seinen Truppen nach Gex am Genier See, an dessen Ufern er untätig liegen blieb. Unb doch trug er selbst die Schuld an dem Miß­erfolg : er hatte sich auf dem Marsch nachDiirrten unb mit der Belagerung der Stadt zu lange auigehalten; er hätte sofort einen kühnen Vorstotz nach dem Herzen der Schweiz, nach Bern, wagen müssen, noch ehe das eidgenössische Heer Zeit z>ir Versamm­lung gefunden hätte. Er fiel im Januar 147r vor Nancy, noch keine 44 Jahre alt.

Redaktion: K. N

Eine E h e auf Kündigung. Von einer Eheschließung nach allermodernster Form wird aus Island also ausnahms* weise einmal nicht aus dem Lande der unbegrenzten Mögliche ketten berichtet. Wie das in Reykjavik erscheinende Blatt Jngolfur" mitteilt, gingen der Dozent an der dortigen Uni» versität, Augenarzt Dr. Andrss Fjeldsted und Fräulein Sigridur Blöndahl, die Tochter eines früheren isländischen Volksvertreters,- jüngst die Ehe ein, und zwar in der eigentümlichen Weise, datz sie einen richtigen Kontrakt aufsetzten, der vor der zuständigen Rechtsstelle zur Verlesung gebracht wurde. Dieser Konttakt be­sagt, daß die beiden vertragschließenden Personen als Eheleute zusammenleben wollen, und daß alle üblichen Bestimmungen über die Ehe für sie, ihr Vermögen und ihre Kinder Gültigkeit haben sollten. Dieser Ehevertrag ist jedoch kündbar, und zwar ist eine Kündigungsfrist von mehreren Monaten festgesetzt. Außerdem sind besondere Bestimmungen für den Fall vereinbart worden, daß bin beiden Eheleute in Zukunft nicht mehr miteinander leben' wollen. Dieser Abschluß einerEhe auf Kündigung" ist nicht nur der erste dieser Art, der in Island bisher zu verzeichnen war, son­dern sie stellt wohl überhaupt einen in ganz Europa bisher noch nicht erhörten Vorgang dar.

* Ein sparsamer Ehemann. A.:Ich habe soeben einen Brillantring für meine Frau zum Geburtstage gerauft; welcher 500 Mark kostet." B.:Ist das nicht ein bitzchen extravagant?"- A.:Durchaus nicht, bedenken Sie doch, was ich dabei an Handschuhen für sie erspare l"

Vüchsrtisch.

Annettenott Dr o st e-H ülsho ff. Sämtliche Werke in sechs Teilen. Her ausgegeben, mit Einleitungen und Anmer­kungen versehen von Julius Schwering. Goldene Bassiker-Vibsio- thek. Deutsche Verlagshaus Bong u. Co., Berlin. Ein Leben, das äußerlich 'so einförmig erschien, enthüllt sich in den Dichtungen- Erzählungen und Briefen der Droste als überaus reich und be­wegt, und während sie sich scheinbar bereitwillig in dem^ engest Kreise eines Mädchens von altabtigcr. strenggläichiger yamthe hielt, ging ihre Seele, in beständigem heimlichen Widerstand pogen die Ihrigen, ihre ganz eigenen, gar nicht kouv entionellen W cge. Es ist «ne Freude, das Leben und das Werk dieser genialen Fran tn einer vortrefflichen Ausgabe vereinigt zu sehen. Ter Herausgeber, Professor Julius Schwering in Münster, als Landsmann der Dichterin mit ihrer Heimat innig vertraut, konnte durch per­sönliche Beziehungen Quellen erschließen, die bisher für die L-roste- forschung noch nicht benutzt worden sind. So gibt er denn die Texte in sorgfältig revidierter Gestatt, was namentlich auch den unsicher überlieferten Gedichten desGeistlichen Jahres" zugute gekommen ist. Die gesamte literarische Hinterlassenschaft der stvvste wird hier vereinigt und eine interessante Auswahl ihrer Briefe hm- zugefügt. Gern lassen wir uns vom Herausgeber in das Land der Dichterin führen und folgen mit Spannung diesem eigenartig reizvollen Lebenslauf. Was an literarhistorischem unb erklären­dem Material irgend zum Verständnis der Werke dienen kann, finden wir in Einleitungen und Anmerkungen bequem vereinigt. Daß Truck, Papier und Einband des großen Inhalts würdig sind, braucht bei den Untern djmltngat der Goldenen Klassiker-, Bibliothek nicht erst betont zu werden.

Adolf Schmittheuner: Treuherzige Ge­schichten. Mit einer -Einleitung von Dr. Alfred Graf, -einen, Blld des Verfassers und Zeichnungen voH, Ludwig Berwald. (Hausbücherei"-Vcmd 44.) Verlag der Deutschen Tichter-Ge- dächtnis-Stistung in Hamburg-Groß borftel. 159 Seiten. Tresor billige Band derHausbücherei" ist ein echtes Familienbuch. Schmittheuner erzählt von rührenden .Kinderherzen, von ihren über­mütigen Streichen und edlen Regungen. Durch alle seine Ge­schichten scheittt das alte, traurigschöne Lied von der glückliches Jugendzeit und dem licken Heimatland M Hinge»

Lögsgriph.

Ein frommer Sang vielstimmig klingt Aus friebltdiem, geweihtem Orte.

Eine" daran: wenn's dann noch singt, Sprichl's deutlich inhaltsschwere Worte.

Auflösung m li.a. ;;a Nummer

Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer k Abkürzungen: tr = Treff, p Vigne, c = Coeur, car = Garreau trB = Treff-Bube, pA Pigue»Ätz, cD Coeur-Dame uff.

Vorhand drückt 20 Augen (trZ und carZ). Mittelhand hat: trD, tr9, trS, tr7, pA, pZ, eZ, c9, carA, carD. Hinterhand den Rest, Verlauf des Spieles:

1. V. trB M. pZ H. p8 --- 12.

2. V. pB M. pA H. pD = 16.

8 V trA M. tr7 H. trK = 15.

Die übrigen Stiche erhalten die Gegner, Vorhand hat aber zu­

sammen mit den gedrückten 20 Augen das Spiel bereits gewonnen.

eurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Giebel