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Flügel aus von vbenher und- deckten damit den Gnadenstuhl; und ihre Antlitze stunden gegeneinander und sahen auf den Guaden- stuhl." War es in diesem neuen Tempel nicht ebenso? «Ergriffen von Demut vor dem Allerhöchsten, aber zugleich voll mensch­lichen Stolzes fällt Justianian auf die Knie nieder und ruft: Gepriesen sei Gott, der mich gewürdigt hat, 'dies Werk zu vollen­den! Ich habe dich besiegt, Salomo!"

Tann ertönen Flöten und Trommeln, und die Jubellieder des Volkes hallen zwischen den Häusern wider, aus deren Fenstern lange Bahnen kostbaren Brokates herunterhängen. Vierzehn Tage dauert das Fest; Tonnen voll Silbermünzen werden unter das Volk verteilt, und die ganze Stadt ist Gast des Kaisers.

Und neue Generationen, neue Jahrhunderte folgen in der Spur der alten. In der Kirche der Heiligen Weisheit werden noch immer die christlichen Jahresfeste prunkdoll begangen, und Patriarchen und Kirchenväter versammeln sich hier zu gebietenden Konzilien. Fast sind tausend Jahre über dies gewaltige Gottes­haus hingerauscht. Ta bricht der 29. Mai des Jahres 1453 an.

Ter türkische Sultan hat mit seinen zahllosen Kriegerscharen die Mauern Konstantinopels erstürmt. Wahnsinnig vor «Tnt- setzen flüchten hunderttausend Männer, Frauen und Kinder in die Hagia Sophia, die übrige Stadt der Verwüstung preisgebend. Ter Eroberer wird es nicht wagen, diesen heiligen Ort zu schänden! In der Stunde der Not, so lautet eine Prophezeiung, wird ein Engel Gottes vom Himmel steigen, um Kirche und Stadt zu retten.

Ta dröhnen die wilden Trompetenstöße der Mohammedaner schon von den nahen Hügeln. Herzzerreißende Ungstrufe hallen unter den Wölbungen wider, Mütter drücken ihre Kinder ans Herz, Ehegatten umarmen sich, Galeerensklaven, die Handgelenke noch in Ketten, flüchten sich in das 'Dunkel hinter den Säulen. Donnernd schlagen die Beile der Mohammedaner .gegen die Pforten; Splitter kostbaren Holzes fliegen unter den Hieben. Noch kracht die eine Tür in den Fugen, die andere ist schon gesprengt. Mit Feuer und Schwert seine Lehre zu verbreiten, ist ja der Befehl des Propheten, das schändlichste Gebot, das je einer Religion ent­stammte. Berauscht schon von dem blutigen Gemetzel an der Mauer stürmen die Jauitschareu herein, und mit trieseuden Krunun- säbeln mähen sie ihre «Ernte nieder nachdem Befehl des Propheten. Haufen Wehrloser werden mit Ketten gefesselt und wie Vieh hinaus­getrieben. Dann geht es an die Plünderung. Unter Schwert­hieben und Lanzenstößen zersplittert die Mosaik, die kostbaren! Altardeckeit tocrben hervorgerissen und unermessliche Schätze an Gold und Silber aus die Rücken der Maulesel und Kamele ge­laden. Unter wildem Geheul wird das Bild des Gekreuzigten durch die .Kirche getragen, ein schwarzbärtiger Moslem hat ihm voll wahnwitzigen Religionshasses seine Janitscharenmütze auf die Dornenkrone gedrückt, und den übermütigen Siegesjubel über­schreien die Worte des Hohns:Das ist der Gott der Christen!"

Da oben am Hauptaltar aber steht ein griechischer Bischof in hohepriesterlichern Ornat. Furchtlos liest er mit lauter, ruhiger Stimme die Messe für die Christen und spendet ihnen Trost in ihrer furchtbaren Not. Aber schliesslich steht er ganz allein. Da ergreift er den goldenen Kelch und schreitet die Treppe hinauf zu den oberen Galerien. Jetzt bemerken ihn die Türken, jttü> mit gezückten Säbeln und gesenkten Speeren .stürmt ein Schwarm Jauitschareu hinter ihm drein. Im nächsten Augenblick wird er­töt über seinem Kelche zusammeubrecheil, denn entrinnen ist un­möglich, rings starren steinerne Wände. Doch in diesem Augen­blick öffnet sich plötzlich vor ihm die graue Steinmauer, der Bischof tritt hindurch, und schon ist die Pforte wieder verschwunden. Starr vor Staunen prallen die Türken zurück, dann aber geht es mit Spießen und Beilen auf die Mauer los. Aber sie gibt nicht nach, und die Steine spotten ihrer vergeblichen Anstrengung. Voll ratlosen Staunens ziehen sich die Soldaten zurück.

Unten im Schiff der Kirche haben. Plünderung und Lärm ihren Höhepunkt erreicht, da trägt ein schnaubendes Streitroß einen Reiter ans Hauptportal. Mohammedanische Heerführer und Paschas begleiten ihn. Der Eroberer selbst, Mohammed II., der Sultan der Türken, naht. Er ist jung 'und stolz und von unbeugsamem Willen, aber auch ernsten Sinnes. Zu Fuß schreitet er über die Marmor-platten, die stör tausend Jahren der Fuß des christlichen Kaisers Justinian berührte. Das erste, was er sieht, ist ein Janitschar, der mutwillig mit dem Beil den Marmor­hoden zerhackt. Mohammed tritt an ihn heran und fragt: Warum?"Um des Glaubens willen?" ist die Antwort. Da schlägt der Sultan mit seinem Säbel den Soldaten nieder.Ihr Hunde! Habt ihr nicht genug an der Bente? Tie Gebäude dieser Stadt sind mein!" Ten Erschlagenen mit dem Fuße beiseite stoßend, geht er hinauf auf die christliche Kanzel und übergibt mit tönender Stimme die Kirche der Heiligen Weisheit dem Islam als Eigentum.

Viereinhalb Jahrhunderte sind es jetzt her, daß auf der Doni- kuppel der Hagia Sophia das Kreuz durch einen mächtigen Halb­mond ersetzt wurde, und allabendlich tönt noch immer ,von der Plattsornr der Minaretts, deren die Türken vier au die Kirchk angebaut haben, die .Stimme des Gebetrufers. Er trägt einen weißen, Turban und einen lang herabwallenden Mantel. Nach allen vier Himmelsrichtungen läßt er seine wohllautende Stimme über Stambul ertönen; sie klingt von silberklaren, langgezogenen M-Lauten und vollen Ls und weckt das Echo nahe und fern. >,Gott ist groß", lauten seine Worte.Außer Gott ist kein Gott

und Mohammed ist sein Prophet! Kommet zum Heile! Kommt zur Erlösung! Gott ist groß. Außer Gott ist kein Gott!"

Nun versinkt die Sonne unter dem Horizont. Da ertönt eilt Kanonenschuß. Tenn es ist Fastenmonat, während dessen die Mohammedaner tagsüber weder essen noch trinfen noch rauchen dürfen. So befiehlt der Prophet im Koran, ihrer heiligen Schrift. Jenes Zeichen verkündet für heute das Ende der Fasten, und wenn sich die Rechtgläubigen mm gelabt haben an dampfenden Fleisch­knödeln und Reispuddings, an Obst, Mokka und Wasserpfeife/ bann lenken sie ihre Schritte zur alten Kirche ber Heiligen Weis­heit, wie sie noch immer heißt. Um bie Minaretts herum leuchten Tausenbe von Lampen, und zwischen den Türmen schreiben flackernde Lichter heilige Namen auf das Dunkel ber Nacht. Im Innern der Moschee aber hängen an fünfzig Meter langen Ketten Kron­leuchter mit unzähligen Oellampen, und auf straffgespannten Seilen sitzen Lichter so bicht wie bie Kugeln des Rosenkranzes. Sin Licht­meer überflutet den Boden ber Moschee. Mächtige grüne Schilbe an den Säulen tragen in goldener Schrift die Namen Allahs, Mohammeds und der Heiligen; die Schriftzeichen allein sind jedes neun Meter hoch.

Ter Fußboden ist mit Strohmatten bedeckt; wer eintritt/ muß die Schuhe aus'ziehen und Gesicht, Hände und Arme waschen. Weiße und grüne Turbane und rote Fesse.mit schwarzen Troddeln mischen sich durcheinander. Alle Andächtigen wenden das Gesicht nach Mekka hin. Aus einmal heben sie die Hände bis zur Höhe des Gesichtes, die Handflächen nach vorn gekehrt, und halten' die Daumen an die Ohrläppchen. Dann beugen sie den Ober­körper vornüber und stemüten die Hände gegen die Knie. Zuletzt fallen sie auf die Knie und berühren, iden Fußboden mit der Stirn. Tas Gebet ist der Schlüssel zum Paradiese", sagt der Koran, und jeder Teil des Gebetes erfordert eine bestimmte Körperstellung-

Auf einer Kanzel steht ein Priester. Seine klare, singende Stimme unterbricht die feierliche Stille. Tas letzte Wort ver­klingt auf seinen Lippen, aber es hallt nochlange in der dämmerigen Wölbung der Krippe! nach und flattert wie ein unruhiger Geist zwischen den Statuen der Cherubim-.

Den Türken aber ist nicht mehr geheuer in diesem ihrem Heiligtum. Tie Stuitde der Abrechnung wird auch für die Er­oberer der Hagia Sophia einmal kommen, und immer mehr Be­wohner Stambuls geben ihre Grabstellen draußen auf den Fried­höfen vor der Stadtmauer auf und über führ en ihre Toten nach Shitari, um sie im Schatten asiatischer Zypressen ruhen zu lassen. Und die Griechen glauben noch immer, daß an dem Tage, wo die Hagia Sophia wieder in die Hände der Christen zurückkehrt, die Mauer droben auf der Galerie sich öffnet und der Bischof mit dem Kelche in der Hand wieder hervortritt. Ruhig und würde­voll steigt er die Treppe herunter, durchschreitet die Kirche, tritt an den Hauptaltar und liest feine Messe weiter, genau Von der Stelle an, wo ihn vor vierhundertsünfzig Jahren die Türken! unterbrochen haben,

Knigge oder nicht?

In Gesellschaft sprich nicht von dir selber", steht im Knigge. Und wir haben uns ein Leben lang ängstlich daran gehalten., Weil wir wohlerzogene Menschen waren. Und was ist dabei herausgekommen?

Daß wir aneinander vorbeigeredet haben, ein Leben lang. Daß wird uns gelangweilt haben bis auf bie Knochen. Daß ber prächtige Kaufmannskopf, ber von weltumfpaimenden Hcmbels- ibeen sprühte, sich mit dem tatenluftigen Ingenieur über das dämonische Prinzip in Ibsens Dramen unterhielt. Daß die geist­volle Hausfrau dem geistervollen Dichter mit schmerzhafter An­strengung zuhörte, wie er seine Ansichten über die ueudeutschL Wirtschaftspolitik fünf Viertelstunden auseinanderfaltete, wobei sich beide wanden unter der für sie vollendetenWurschtigkeit" ihres hochaktuellen Themas. Daß wir einen Fuhrmann unterwegs/ den wir in der Sommerfrische ein Stück.Wegs begleiteten, um­armen hätten mögen vor freudiger Erfrischung über die präch­tigen Geschichten, die er uns von sich und seinem Pferd erzählte.

Und das Ergebnis nach einer lebenslangen Kniggeübung? Es gibt nichts Vernünftigeres als von sich selbst zu sprechen", sagt Anti-Knigge.

Es ist taktlos, einem Menschen unangenehme Dinge sagen", steht im Knigge. Wie sind wir überall mit gekrümmten Zehen durch die Salons gegangen, um nicht gegen diese Regel zu verstoßen. Und was ist dabei herausgekommen? .

Daß wir unsre ebenen Gesichter mit einem lebenslang ge- sälschten .Lächeln ganz verkuiggten und verknitterten. Daß sich Berge ungesprochnen Grolls in uns häuften, bis sie unsre Wirbel- säule bogen. Daß wir falsche Verdachte durch die Jahre schleppten. Daß wir es schließlich auch verlernten, uns selber unangenehme Dinge mitzuteilen, die so heilsam für uns gewesen wären. Daß iuir schließlich aus lauter Kniggeübersättigung statt einem Wahr­heitsmenschen einem Grobian die Hand zum Freundschastsbunde reichten.

Und das Ergebnis nach hundert braven Herzen, die uns crstarben am Gift ber Höflichkeit um jeden Preis?Es gibt