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für ein Souper im Savov gesorgt, wo wir nach! einem Besuch des Theaters unseren Sieg feiern .sollten. Die beiden jungen Damen sollten sich hinterher in ihre Zimmer begeben und uns am nächsten Morgen dort erwarten. Marcella sollte sich bann alles andere ans dem ©um schlagen und ihr ganzes Denken ans den fehlenden Brief konzentrieren, d. h-, sich alle -Einzelheiten jenes ersten Abends ins Gedächtnis zurückrufen und angestrengt dar­über Nachdenken, wo sie das wertvolle Schreiben verborgen, hätte. Es war dies zwar ein merkwürdiges und etwas zweifelhaftes Experiment, bot aber eine gute Aussicht auf Erfolg.

Ich billigte den Plan natürlich, nur mit dem Besuch des Theaters und deni Souper konnte icfy mich nicht einver­standen erklären. Von Mortimer war es selbstredend gut gemeint, .ich hielt es .jedoch in Rücksicht auf das tragische Ende meiner Taute sür unschicklich, in dieser Wy.se öffent­lich zu feiern. Mortimer sah meine Gründe auch gleich ein und stand nicht an zuzugeben, daß er nur im Gefühl der übersprudelnden Freude. über meine Befreiung aus ernster Gefahr auf diesen unpassenden Gedanken gekom­men sei. So wurde denn dieser Teil des Abendprogramms fallen gelassen.

Der denkwürdige Tag ging allmählich zur Neige. Helen begleitete uns gegen Abend «ach London, und wir fünf speisten dann zusammen in Marcellas Privatzimmer im Hotel Cecil. Trotzdem die Spannnng über den Ausgang unseres Experiments unsere Stimmung nicht ganz zum Ausbruch kommen ließ, ging es doch recht lustig her, und es war Mitternacht, ehe wir uns trennten. Mortimer und ich versprachen, am nächsten Vormittag um elf Uhr zurückzukehren, um welche Zeit sich auch Inspektor Beate hier einsind-en wollte, der uns zwar schon am Nachmittage aus dienstlichen Gründen verlassen hatte, aber auf das Ergebnis unseres Experiments nicht weniger gespannt war als wir selbst. Wir erreichten gerade noch den letzten Zug nach Richmond, und damit war dieser ereignisreiche Tag zu Ende.

Punkt elf an: andern Morgen langten Mortimer und ich im Hotel an; trotzdem trafen wir den Inspektor schon im Flur.

Wahrhaftig! sagte er, ich hatte keine Ruhe mehr heute morgen ich bin ganz nervös. Wenn sie um Gottes willen nur den Brief gefunden hat. Sie glauben gar nicht, was für mich davon abhängt.

Das werden wir bald erfahren, antwortete ich, wäh­rend ich einen Jungen mit meiner Karte in Marcellas Zimmer schickte.

Zwei Minuten später saßen wir bereits im Fahrstuhl. Schon beim Eintreten bemerkte ich, daß unser Plan ge­glückt war. Marcella stürzte mir freudestrahlend in die Arme, und Lucy tanzte mit einem Briefe im Zimmer herum. '

Hurra! rief sie. Hurra! Wir haben ihn wir haben ihn! Da ist er, Herr Doktor.

Ich nahm ihn mit zitternder Hand und las die Adresse: Herrn Doktor Edward Williams, St. Bartholomäus- Spital, London, England."

Mein Herz klopfte wie im Fieber, als ich den Um­schlag aufmachte und zu lesen begann:

Carson City, Nevada, am 12. 11. 189..

Werter Herr!

Bezugnehmend auf einen früheren Akt Ihrer Güte, bitte ich Sie herzlich, mir einen zweiten Gefallen zu tun. Da Sie früher mich aus der Hand meiner Feinde errettet haben, so lege ich jetzt vertrauensvoll das Leben meiner Tochter in Ihre Hände.

Ich vertraue Ihnen voll und ganz, denn ich erkenne einen ehrenhaften Mann auf den ersten Blick, wahrschein­lich weil ich lange Zeit mit Leuten ganz anderen Schla­ges zu tun gehübt habe. Von Natur bin. ich selbst ein ehrlicher Kerl; aber gewisse Umstände haben mich als einen Verbrecher schlimmster Sorte erscheinen lassen.

Meine Mutter ivar von einer sehr hochstehenden Per­sönlichkeit schmählich verraten und im Stich gelassen wor- oen, und ich hatte ihren Groll und Haß gegen die oberen Klassen schon mit der Muttermilch eingesogen. Infolge­dessen schloß ich mich bereits in jugendlichem Alter jener anarchistischen Richtung an, die allen Herrschenden Tod Und Feindschaft schwört.

Als ich dann alt genug war einzusehen, daß die Fehl­

tritte eines Einzelnen nicht an dem ganzen Stande ge­rächt werden dürfen, gab es kein Zurück mehr, ich mußte, äußerlich wenigstens, dem Bunde treu bleiben.

Um mich jedoch tatsächlich allen Anforderungen zu entziehen, die die Mitglieder an mich stellten, ging ich nach Amerika,. wo ich mich lange Zeit vor ihren. Nach­stellungen sicher wähnte. Leider, in einer Beziehung wenigstens, war mir das Glück hold. Seine Güter fielen mir fast mühelos in den Schoß. Ich heiratete ein gutes Weib, und sie schenkte mir ein liebliches Kind. Das Leben eröffnete mir neue Reize, meine früheren Vorurteile da­gegen schwanden immer mehr. Ich hörte nichts mehr von meinen alten Genossen und- fühlte mich wieder als freier Mann.

Da auf einmal mußten sie durch einen unglücklichen Zufall von meinem Aufenthalt und meinem Reichtum Kenntnis erhalten haben. Sie Erinnerten mich plötzlich an meinen alten Schwur, bei Todesstrafe, drei Viertel meines etwa zu erwerbenden Vermögens für die gemein­same Sache hergeben zu wollen. Ich hatte dieses Ver­sprechen leicht genug gegeben, hatte ich doch nie geahnt, daß. ich jemals mit Glücksgütern gesegnet werden würde.

Schweren Herzens entschloß ich mich, um den Verdacht der Untreue und den .sicheren Tod zu vermeiden, ihnen eine beträchtliche Summe zu einem Zwecke zur Verfügung zu stellen, den ich längst nicht mehr billigte. Ich hoffte, mich ihren späteren Nachstellungen aus irgend eine Weise entziehen. zu können.

Leider erfuhr ich bald darnach, daß ich mich durch mein Geldopfer zum Mitschuldigen eines furchtbaren Ver­brechens gemacht hatte, das damals die ganze zivilsierte Welt mit Entsetzen erfüllte. Jjch Machte mir die bittersten Vorwürfe und nahm mir vor, nie wieder einen Ifennig zu solchem furchtbaren Treiben herzugebeu.

Es dauerte jedoch nicht lange, bis man mit neuen An­sprüchen an mich herantrat und die volle Erfüllung meines Versprechens verlangte. Daraufhin reiste ich rasch nach London, und bei dieser Gelegenheit war es, wo Sie mir das Leben retteten. Nach meiner Rückkehr war ich nur noch ein Gefangener aus meinem Besitztum, und mein Haus war meine Festung. Bewaffnete Mannschaften bewachten es Tag und Nacht. Ich kämpfte um mein Leben.

(Fortsetzung folgt.)

Die Hagia Sophia in Konstantinopel.

Bon Sv en tz edin.*)

Wir zählen das Jahr 548 nach Christi Geburt. Eine der herrlichsten Kirchen der Christenheit ist soeben von den größten Baumeistern jener Zeit, Kleinasiaten, vollendet worden. Sechzehn Jahre hat die Arbeit gedauert und zehntausend Arbeiter unauf­hörlich beschäftigt. Jetzt aber steht das Riesenwerk fertig da, und heute soll die Kirche der Heiligen Weisheit cingeweiht werden.

Der große Kaiser des Byzantinischen Reiches, Justinianus, kommt auf schnellem Viergespann dahergefahren und betritt in Begleitung des Patriarchen von Konstantinopel die Kirche. Ihr Inneres ist so weit wie ein Marktplatz, und 56 Meter hoch wölbt sich, einem Himmel gleich, die Kuppel. Justinian sieht sich um und freut sich seines Werkes. Er bewundert den bunten Marmor an den Wänden, die kunstvolle Mosaik im Goldgrund der Kuppel, die hundert Säulen aus rotem Porphyr uudo.grünem Marmor, die Kuppel und Galerien tragen. Unermeßlich ist der Reichtum des Kaisers! Sieben Goldkreuze hat er der neuerbauten Kirche ge­schenkt, jedes einen Zentner schwer! Vierzigtausend Kelchdecken, alle mit Perlen und Edelsteinen gestickt, birgt die Sakristei, und vierundzwanzig Bibeln, die in ihren goldbeschlagenen Deckeln jede zwei Zentner wiegen! Die Türbekleidungen der drei Portale sind aus Bauholz von der Arche Noah gezimmert, und die Türen des Haupteinganges sind gediegenes Silber; die übrigen tragen pracht­volle eingelegte Arbeit aus Zedernholz, Elfenbein und Bernstein. Zwischen zwölf silbernen Säulen prangt, gleichfalls aus getriebenem! Silber, aber vergoldet, das Allerheiligste dieses Tempels, ein Bild des Gekreuzigten, ein getreues Wbild jenes Kreuzes, das römische Barbaren mehr als fünfhundert Jahre vorher in Jerusalem

Tas Gewölbe schwimmt in Licht. Silberne Kronleuchter über dem Haupt des Kaisers bilden eine mächtige Kreuzesform, ein Sinnbild des sieghaften Glanzes himmlischen Lichtes .über, der Finsternis der Erde. In der Kuppelmosaik leuchten die milden Antlitze der Heiligen, die in stummer Andacht vor Gott knien; unter der Wölbung schweben die vier Cherubim. Und der Kaiser denkt des zweiten Buches Mosis:Tie Cherubim breiteten ihre

*) Aus Hedins trefflichem Volks- und JugendbuchVon! Pol zu Pol". (Leipzig, Blockhaus.)