Donnerstag, den H- rrovemoer

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Die Dame im Pelz.

Nornau von G. W. Appleton.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Die/o Erklärung des bekannt en Polizeichefs rief aber­mals til (gemeine Sensation hervor, und mein Herz klopfte vor Freude immer Heftiger gegen die Brust.

Herr Male fuhr dann fort, daß, wenn Doktor Penny- feather sich nicht durch bloße Indizien hätte leiten lassen und die Ortspolizei den Gründen des Verbrechens etwas mehr nachgesorscht hätte, es überhaupt nie 'zur Verhaf­tung des Beklagten -gekommen wäre. Das Versäumte sei jetzt von der Kriminalpolizei gewissenhaft nachgeholt wor­den und habe ganz überraschende Resultate zutage ge­fördert.

Gericht und Publikum hingen staunend an den Lippen des Polizeiinspektors, als -er mit Nachdruck weiter erklärte, daß er in dem Krankenzimmer außer dem ersten Fläsch­chen ein zweites und in einem Versteck auch eine Dame gefunden habe, eine Mitverschworene der Bande, die auch bereits in das vvrljer erwähnte Attentat gegen die Verlobte des Angeklagten verwickelt gewesen sei den Verhaf­tungsbefehl gegen sie habe er bereits in der Tasche.

.Hier hielt Herr Beale inne und fegte das Schriftstück auf den Gcrichtstisch.

Einen Augenblick herrschte tiefes Schweigen. Das Ge­fühl der Freude, das mich jetzt durchzog, läßt sich nicht beschreiben. Ich weiß nur noch soviel, daß Mortimer die allgemeine Stille unterbrach, und in Anbetracht der überwältigenden Beweise meiner Schuldlosigkeit meine ehrenvolle Freisprechung unv sofortige Haftentlassung be­antragte, der dann der Gerichtshof nach kurzer Beratung äuch stattgab.

Dann befand ich mich plötzlich in den Armen Mar­cellas und fühlte, daß ich nun endlich und auch wirk-! lich alle Fährnisse überstanden hatte.

22. Kapitel.

Das war ein Freudentag, den ich nie vergessen werde. Die Reaktion von der schrecklichen Niedergeschlagenheit der letzten Wochen und das frohe Bewußtsein, wieder ein freier Mann zu sein, der tun und lassen kann, was er tzvill, erweckten ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Jetzt nach längerer Zeit kommt ntit die Sache vor wie ein böser Traum vollkommen unglaublich.

Eine heiterere Gesellschaft als wir auf unserer Heim­fahrt hat es wohl nie gegeben. Inspektor Beale, der uns natürlich begleiten muhte, machte das zufriedenste Ge- sicht von der Welt, und Gregory sah mit seiner Lilie im Knopfloch aus tote die verkörperte Freude. Marcella er­schien mir herrlicher als je zuvor. Sie hielt meine Hand

auf dem ganzen Wege fest in der ihrigen, wie um mich nun niemals wieder zu verlieren.

In Richmond blieben die Leute auf der Straße stehen und fahen uns staunend nach. Einige, denen mein Frei­spruch wohl schon bekannt sein mochte, zogen ehrerbietig den Hut. Die Kaufleute liefen vor ihre Ladentüren, um sich den seltsamen Anblick nicht entgehen zu lassen. Dann verbreitete sich das Gerücht von meiner Entlassung tote ein Lauffeuer durch die ganze Stadt; und ehe wir mein Heim erreichten, kamen Unzählige auf mich zu, mir die Hand zu schütteln. Es regnete nur so Glückwünsche von allen Seiten. Es war kein einfacher Willkomm, es war eine richtige Ovation.

Als wir, die Gartentüre öffneten, stürzten uns Helen und Lucy to-ie toll entgegen und begrüßten uns mit un­bändiger Freude. Es dauerte kaum fünf Minuten, so war guch schon der Geistliche, der uns hätte trauen sollen, zur Stelle und gratulierte uns aufs herzlichste. Wir waren alle mehr oder weniger außer uns vor Freude und Glück. Bis zum Essen war es das reine babylonische Sprachen-, gewirr, und dann -erst brachte uns der Inspektor Beale etwas zur Besinnung, tote man so zu sagen pfelgt.

Dabei erfuhr ich. erst, daß Hephzibah das Gerichts­gebäude nicht hatte verlassen dürfen und sich zurzeit bereits hinter Schloß und Riegel befinden mutzte. Das gleiche Schicksal hatte auch die Baronin von Eitzen ereilt. Die Etikette an dem verhängnisvollen zweiten Giftfläschchen hatte die Polizei auf eine Drogerie in Pimlico geführt und eine dort vorgenommene Revision der Bücher ergeben, daß es ein paar Tage vor dem Morde von dem bereits erwähnten Doktor Mercier gefüllt worden war, der darauf­hin nun ebenfalls wegen des Verdachts der Beihilfe ver­haftet war. Auch die geheimnisvolle Gräfin Katinsky wurde aufs schärfste polizeilich bewacht, so daß sie nicht entrinnen konnte. So tonten denn unsere ärgsten Feinde in kurzer Zeit unschädlich gemacht: von Eißen war tot, seine angebliche Gattin, Hephzibah, Bertholdi und Merzier befanden sich tatsächlich in Nummer Sicher, und die Gräfin Katinsky war so gut wie gefangen. Das war fraglos eine gute Lösung der Angelegenheit, aber immerhin noch keine vollkommene. Der Schlüssel zum ganzen steckte zweifellos tn dem verloren gegangenen Briefe. Eine genaue Durch­suchung danach in meiner eigenen Wohnung tote auch in -den Räumlichkeiten, die Marcella und Lucy in der ersten Nacht ihrer Ankunft in London int Hotel Eecil inne gehabt hatten, war vollständig ergebnislos verlaufen. Deshalb hatten sie einen neuen Plan -entworfen, um das wichtige Schriftstück in Besitz zu' bekommen. Er fand meine volle Billigung und bestand in folgendem:

Marcella und Lucy sollten heute nacht noch im Hotel Cecil ihre alten Räume wieder einnehmen Mortimer hatte sie zu diesem Zweck vor ein paar Tagen schon be­stellt und in der festen Ueberzengung, daß meine Irei- fprechung zweifellos erfolgen würde, .hatte.er auch bereits