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Wie überhaupt unsere Vogelwelt zurückgeht, davon kann ich aus eigener Erfahrung Beispiele erwähnen.

Zu meiner Jugendzeit waren auf den Anlagen der da­maligen alten Schoor noch Hunderte von Vögeln zu treffen, besonders aber unsere Mcisenarten, welche eine unserer nütz­lichsten Gattungen sind, da sie ihre Jungen, deren es meistens 68 sind, nur mit Larven und Insekten groß futtern. Tie alten Pappeln der Nord-Anlage mit ihren knorrigen Auswuchsen und Löchern boten ihnen die beste Nistgelegenheit, aber das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit. Tie Pappeln fielen ohne das? man für anderweitige Brutstätten (vielleicht durch Aufhangen von Meisenkasten) gesorgt hätte, man hat damit einen unserer nützlichsten Insektenfresser förmlich vertrieben. .

Nicht besser erging es unserer Hauvschwalbe, die ja wohl zu Hunderten in der Stadt vertreten war., Tie moderne ~5elt duldete auch sie nicht mehr länger, tveil sie durch ihren kunstvollen Nestbau die Häuser etwas beschmutzten, stieß man bei einem Neu- cm strich die Nester einfach herunter, ohne daß man dm nützlichen Vögeln an Hintergebäuden, Scheunen usw. eine andere Nistgelegen- heit geboten hätte. Zur Vertreibung der Schwalben trug ge­legentlich der Aberglaube bei, sie schleppten Wanzen ms Haus; diese Ansicht entbehrt aber nach unseren Zoologen jeglicher Grund­lage. In anderen Gegenden wird sie gerne gesehen, man glaubt von ihr, dort wo sie baue sei Glück im Haus. ,

Staatliche und städtische Behörden sollen darauf bedacht sein, durch Anpflanzen von Sträuchern und Buschwerk, Aushängen von Nisthöhlen in den Anlagen unserer lieben heimischen, Vogelwelt eine angenehme Brutstätte zu bereiten, denn was wären unsere Anlagen und der deutsche Wald ohne den herrlichen Gesang unserer AögLl.

Eine große Anzahl nützlicher Vogelarten will ich kurz er- wähueu, z. B. der Haus- und Gartenrotschwanz, der Fliegen­schnäpper, die Grasmückenarten, Lerchen, Ammern und Drosseln, welche teils mehr und weniger Jnsektenvertilger und deshalb für die Landwirtschaft von großem Nutzen sind. Die guten und schlechten Eigenschaften des Sperlings hier zu besprechen, würde zu weit führen. Er vertilgt allerdings auch einen großen Teil schädlicher Raupen und Larven, so daß sein Schaden sich mit dem Nutzen ziemlich gleichstellt. In Gärten und Anlagen halte man den zänkischen Gesellen kurz, da er manchem nützlichen Singvogel die Nistgelegenheit streitig macht.

Nützlich ist ein jeder Bogel in der Natur, schädlich kann er nur dem Haushalte des Menschen werden, und auch das nur bis zu einem gewissen Grade. Oertliche Verhältnisse spielen hier eine große Rolle. Unser sonst so nützlicher Star richtet in den Weinbergen ost erheblichen Schaden an und so nähren sich die Grasmückenarten bei uns vorwiegend von schädlichen Insekten, während sie in Südeuropa von Feigen, Oliven und Trauben leben.

Einige Räuber und Nestplünderer unserer heimischen Vogel- welt will ich noch anführen. Tie größten unter ihnen sind die Korn- und Wiesenweihen, sowie die Sperberarten, alle diese muß man energisch bekämpfen, da viele unserer Lieblinge durch sie enden müssen. Ter rotrückige Würger, Neuntöter, dürfte ebenfalls als Feind zu betrachten sein, weshalb auch er nicht überhand nehmen darf. Ich habe in meiner Ausführung nur von den bei uns am meisten vorkommenden Vogelarten gesprochen und komme nun zum Vogelschutz. Vou der Berechtigung des Vogelschutzes brauche ich wohl nicht zu sprechen. Ich möchte nur den Vorteil des Vogel­schutzes betonen. Für den Landwirt kann nicht oft genug darauf hiugewiesen werden, wie sehr es an seinem eigenen Interesse liegt, auf die Erhaltung und Vermehrung unserer Vogelwelt bedacht zu sein, denn wie ich schon ausführte, nützen sie ihm jeden Tag.

Aus der Erkenntnis des immer wcitergreifcnden Rückgangs unserer Vogelwelt entstand die Vogelschutzbewegung.

Auch die Staatsregierungen konnten sich der gesetzlichen Regelung der Vogelschutzfrage nicht länger entziehen, und so ent­stand eine Reihe von Vogelschutzgesetzen, die aber auch noch manche Fehler aüfzuweisen haben.

In letzter Zeit sind denn auch verschiWene Staaten, darunter Deutschland, Oesterreich-Ungarn, leider aber nicht Italien zu einer internationalen Regelung des Vogelschutzes gelangt, so lange jedoch Italien dem Vertilgen und Fangen von Tausenden unserer lieblichen Sänger ein Ende bereitet, wird aller Vogelschutz ver­geblich sein.

In der jüngsten Zeit ist es namentlich Freiherr Hans von Berlepsch, der dem praktischen Vogelschutz durch seine verschiedenen Arten von Nisthöhlen zur weiteren Verbreitung verholfen hat. Dieser ist gerne bereit, seine Schriften über Aufhängen von Nisthöhlen, sowie Anlagen von Vogelschutzgehölzen jedermann zu senden. Erfreulicherweise hat auch der Gießener Stadtvorstand solche Anlagen gebilligt und bereits damit begonnen. Freiherr v. Berlepsch veranstaltet auf seiner Vogelstation auch Kurse über praktischen Vogelschutz. Die Teilnahme für dazu geeignete Per­sonen ist sehr zu empfehlen.

Ich möchte nicht unterlassen, ein Wort an alle Gartenbesitzer zu richten: Bei der heißen Jahreszeit die Sträucher und Bäume nach oben nicht anhaltend zu begießen, da, wie ich mich selbst überzeugte, durch das anhaltende Abtropfen des Wassers mancher Bogel von seiner Brutstätte vertrieben wird.

Für das Füttern der Vögel im Winter ist eine wichtig« Forderung, daß man das Leben der Vögel kennt, damit man auch weiß, was man ihnen füttern soll. Ueberhaupt ist ja daS Vertiefen in das Leben und Treiben der Tiere nicht nur em interessantes Studium, sondern auch der praktischste Tierichutz. Wer sie kennt, wird sie lieben. Auch unsere Schulen leisten sehr viel auf dem Gebiet des Vogelschutzes, ober hier kann nicht oft genug gemahnt werden.

Im letzten Grunde heißt ja Tiere schützen doch immer zu­gleich auch Menschen nützen. Wenn jeder einzelne sich bemüht, unseren Bestrebungen zum Gelingen zu verhelfen, dann wird er selbst seine Freude daran haben und sich gerne der Stimmung hingeben, die aus des dichterischen Vogelfreundes Worten spricht!

Willst du die Stimmen der Vögel ihr Lied,

Der Insekten Summen verstehn,

Dann mußt du im Frühling zur herrlichsten Zeit

In die Wälder, die flüsternden, geh'n.

Wenn der Pirol auf dem Eichenbaum

Mit lieblicher Stimme pfeift. Wenn die Amsel flötet im blühenden tzag Und der Kuckuck die Büsche durchstreift.

Wenn der Hänfling schmettert in flötendem Ton

In schweigenden Hainen sein Lied, Wenn über dir mit verhallendem Ton Der Falke, der wandernde, zieht.

Wenn der Häher krächzt und die Taube gurrt

In der Buchen dichtem Gezweig, .

Wenn der Finken Schlag und der Meisen Sang Erschallet melodisch und weich.

Dann hast du vernommen die Lieder des Hains Und es hat dich ihr Tönen berauscht, Dann hast du den Stimmen der freien Natur Mit klopfendem Herzen gelauscht.

Dermi|d)tc>.

* Epocdema ev ende Erfindungen in der Svort- T e eh n i k sind seit der Vervollkömmmmg der stlugmaschme eigentlich nicht mehr gemacht worden; um so interessanter in bä­he, hie Tatsmhe, daß an dem ältefteir Sportwerkzeuoe, das wir befitien, nämlich dem Schlittschuh, eine Verbesserung eriunben woideu ist, die beru en erscheint, in der oabrikalwn von Schlitt schuhen sowie in der Lauftechnik eine völlige Umwälzung hervor- zuruien. Tie neue Erfindung ist überaus eigenartig und unter- icheidet sich im Grunde von allen bisher dagewesenen Lchlili­sch n h e n. Tie Gleittu'e wird nämlich nicht wie bisher diirch eine gerade Linie gebildet ionbern durch einen s ch l a n g e n i ö r m i g gewundenen Stahl, dessen äußere Teile gebogen sind, während der innere Teil gestreckt reim geradlinig ist. Tie Vor­teile dieses neuen Schlittschuhes, der bereits von ersten Eis- tüuiilern hemmt wird, liegen darin, daß der Lauf viel natürlicher und leichter wird als mit dem bisherigen System. Tie aus­wärtigen üinrven merken am vorderen, die inneren Kurven am butteren Teile des Sch utichubes gel uien. Dadurch, daß her neue Schlitlichuh infolge seiner Eigenart den beim $ogenlnmen erfolgen­den Kantenwechsel von selbst bewirkt, entlieht auch eine nicht un­wesentliche Rrntieriumnis. Es bai sich herausgestellt, daß selbst schwierige Fi liiren MN dem neuen Schlittschuh ohne Mühe korrekt anegefuhit werden können.

* Die schmutzigen Rangen. Dame (die ein Glas Milch trinkt, zur Bäuerin):Ich wills Ihnen gerne glauben, Bäuerin, daß die Wasserbeschaffung hier oben auf große Schwierigkeiten stößt, aber nehmen Sies mir nicht übel . . . mit dem, was Sie in die Milch schütten, sollten Sie lieber Ihre Kinder waschen!"

* Kunstverständnis. Frau Schulze (im Konzert zu einer zu spät kommenden Bekannten):Kommen Sie an meine grüne Seite, Frau Müller, sie spielen gerade die neunte Spm- phonie."Was Sie sagen! Da.müssen doch die anderen achte man sehr kurz gewesen sein!"

Rätsel.

Auflö'u u nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummert Ter Manwi ums Daiem.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Bilch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,