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_ r,Nun zur Sache," sagte ich, als er mit Keuchen untz Räuspern fertig war.Wie heißen Sie?" :

Alexis Barakoff."

1 -,Rang und Regiment?"

>,Rittmeister bei beit Grodnoer Dragonern."

Was ist das für eine Notiz, die'-Sie .bei sich trugen?"

Es sind ein paar Worte, die ich an.meine Liebste geschrieben Hatte." .

'Die Hetman*) Plaioff heißt," vollendete ich seinen Satz.

*1 Hetman heißt der Anführer bei den Kosaken..

-Gestehen Sie nur, mein .Freunb, das ist ein wichtiges Dokument, das Sie von einem General einem andern übermitteln sollen. Sagen Sie mir auf der Stelle, was es ist!"

,Lesen Sies, dann werden Sies ja sehen." Er sprach per­fekt französisch, wie die Mehrzahl der gebildeten Russen. Aber er wußte sehr wohl, daß unter tausend französischen Offizieren nicht ein einziger ein Wort.Russisch kann. Das Blatt enthielt nur eine einzige Zeile, die folgendermaßen lautete:

Pttsfj Franzussy pridutt v Minsk. Mui gotovy.

, Ich starrte es an und schüttelte den Kopf. Dann zeigte ichs Meinen Husaren, die aber auch nichts daraus zii machen wußten. Die Polen waren sämtlich ungebildete Leute, die weder lesen noch schreiben konnten, außer einem Wachtmeister, der aus Memel in Ostpreußen kam, und kein Russisch konnte. Es war zum Toll­werden, denn ich fühlte, daß ich in dem Besitz eines wertvollen Geheimnisses gekommen war, von dem womöglich das Wohl unserer Armee abhing, mtd ich konnte cs nicht rausbringen. Wieder bat ich unseren Gefangenen, es zu übersetzen; ich bot ihm seine Freiheit, wenn ers täte. Er lächelte nur über meine Bitte. Ich konnte ihn nur bewundern, denn es war dasselbe Lächeln, das ich selbst auch gehabt haben würde, wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre.

So sagen Sie uns wenigstens den Namen dieses Torfes!" Tvbrova." ,

Und das dort vorne ist Minsk, vermute ich?"

Tas ist Minsk." ;

Dann werden wir zusammen ins Torf gehen und bald genug jemanden finden, der uns diese Nachricht übersetzt."

, So ritten wir zusammen weiter, auf jeder Seite unseres Gefangenen war ein Reiter mit dem Karabiner in der Hand. Es war nur ein kleines Oertchen, und ich stellte an den Enden der einzigen Straße Wachen auf, so daß uns niemand entschlüpfen konnte. Wir mußten Rast machen und für die Mannschaften und Pferde fonragieren, -weil sie schon die ganze Nacht durch geritten waren und noch eine lange Tour vor sich hatten.

Mitten im Dorf war ein großes steinernes Haus, und darauf ritt ich zu. Es war das Pfarrhaus, der -Bewohner war ein alter ungestalter, verdrießlicher Manu, der auf unsere Fragen nicht sehr höflich antwortete. Ich habe nie einen häßlicheren Kerl ge­troffen, aber, weiß Gott, ganz anders wars mit seiner Tochter, die ihm Haus hielt. Sie war ein Mädchen mit dunklem Teint, rabenschwarzem Haar und einem Paar der wunderbarsten schwarzen Augen, die je beim Anblick eines Husaren geglüht haben. Am ersten Blick erkannte ich, daß sie mein war. Es ist keine Zeit zu Liebeshändeln, wenn man seine Soldatenpflicht zu erfüllen hat, aber doch, während ich das einfache Mahl verzehrte, das sie mir vorsetzte, scherzte ich mit ihr, und ehe eine Stunde um war, waren wir die besten Freunde. Sophie hieß sie mit Vor­namen, den Zunamen hab ich nie erfahren. Ich sagte ihr, sie möchte mich Etienne nennen, und versuchte, sie auf;uheitern, denn ihr liebliches Gesichtchen war traurig, und die Tranen standen ihr in den herrlichen, dunklen Augen. Ich drängte sie, mir den Grund ihres Kummers zu erzählen.

Wie könnte es anders sein," sagte sie im reiz-endsten Franzö­sisch,wenn sich einer meiner Landsleute als Gefangener in Ihren Händen befindet? Ich sah ihn zwischen zwei von-Ihren Husaren, als sie ins Torf 'reinritten."

Tas geht so im Krieg," antwortete ich.Heute er, morgen vielleicht ich." i

Aber bedenken Sie, Monsieur" fuhr sie fort.

'. -Etienne," verbesserte ich.

:Oh, Monsieur"

Etienne," sagte ich wieder.

!Also gut," rief sie, reizend errötend, endlich in ihter Ver­zweiflung,bedenken Sie, Etienne, .daß dieser junge Offizier zu Ihrem Heer transportiert werden unb Hungers sterben ober erfrieren wird, denn wenn, wie ich gehört habe, schon Ihre eigenen Soldaten einen beschwerlichen Marsch haben, was wird dann erst das Los eines Gefangenen sein?"

Ich zuckte die Schultern.

Sie haben ein gutmütiges Gesicht, Etienne," sagte sie weiter; r,Sie wollen den armen Menschen gewiß nicht zum sicheren Tode Perurteilen. Ich bitte Sie inständig-, ihn los zu lassen."

Ihre zarte Hand ruhte auf meinem Arm, ihre dunkeln Augen schauten flehentlich in meine.

Plötzlich kam mir ein Gedanke. Ich wollte ihr die Bitt« gewähren, aber sie' ihrerseits auch um einen Gefallen Bitten. Ich gab Befehl, den Gefangenen ins Zimmer zu führen.

Rittmeister Barakoff," sagte ich,diese junge Dame hat mich tzebeten, Sie freizulassen, und ich bin nicht abgeneigt, es zu tun. Ich bitte Sie, mir Ihr Wort zu geben, vierundzwanzig

Stunden unter diesem DaH zu bleiben Und keinen Menschen über unsere Bewegungen zu informieren."

Tas will ich tun," versetzte er.

Ich vertraue auf Ihre Ehre. Ein Mann mehr oder weniger macht im Kampfe so großer Heere keinen Unterschied, und Sie als Gefangenen mitnehmen, würde heißen, Sie zum Tode ver­urteilen. Gehen Sie und erweisen Sie Ihre Dankbarkeit nicht mir, sondern dem ersten französischen Offizier, der Ihnen in die Hände fällt."

Als er hinaus war, zog ich mein Papier aus der Tasche.

Nun, Sophie," sagte ich,ich habe Ihren Wunsch erfüllt,- unp ich bitte Sie Ihrerseits um weiter nichts, als um eine Lektion im Russischen."

Von Herzen gern," antwortete sie.

Wir wollen hiermit beginnen," fuhr ich fort und Breitete den Zettel vor ihr aus.Wir wollen Wort für Wort üBerfetzen und sehen, wies heißt."

Sie sah das Schreiben erstaunt an.Es heißt," sagte sie, Wenn die Franzosen nach Minsk kommen, ist alles verloren." Mit einemmal wurde sie ganz bestürzt.Großer Gott!" rief sie,was hab ich getan? Ich hab mein Vaterland verraten! Oh, Etienne, Ihre Augen sind die letzten, für welche diese Mit­teilung bestimmt ist. Wie konnten Sie so verschlagen sein, ein armes, einfältiges, nichtsahnendes Mädchen zum Vaterlandsverrat anzustiften?"

Ich tröstete meine arme Sophie, so gut ich konnte, und gab ihr die Versicherung, daß ihr niemand einen Vorwurf darüber machen könnte, daß sie von so einem alten Feldzügler unb einem so schlauen Kerl wie mir überlistet worden sei. Aber es war jetzt keine Zeit mehr zur Unterhaltung. Aus dieser Botschaft ging deutlich hervor, daß in Minsk wirklich das Getreide lagerte, und daß keine Verteibigungstruppen bort waren. Ich ließ rasch zum Sammeln blasen, und nach zehn Minuten hatten wir bas Dorf hinter uns unb ritten schleunigst auf bie Stabt los, bereit golbene Kirchen kuppeln unb Türmchen sich am fernen Horizont vom Scknee abhvBen. Sie würben immer höher unb höher, unb als bie Sonne nach Westen sank, befanden wir uns in der Breiten Hauptstraße und sprengten unter dem Fluchen der Muschiks und dem Geschrei der erschreckten Weiber immer weiter die Straße hinauf, Bis wir an dem großen Rathaus angelangt waren. Ich ließ meine Leute draußen warten und Begab mich bann selbst mit meinen zwei Wachtmeistern in bas Haus.

Himmel! Den Anblick vergeß ich nie wieder! Gerade vor uns standen drei Reihen russischer Grenadiere. Sie legten an unb feuerten eine Gewehrsalve auf uns ab. Oudiri unb Papilette stürzten zu Boden. Mir selbst war der Tschako weggeschosfen, und ich hatte zwei Löcher in meinem Tolman. Tie Grenadiere gingen mir mit den Bajonetten zu Leibe.Verrat!" schrie ich.Wir sind verraten! Auf die Pferde!" Ich sprang naus, aber der ganze Platz wimmelte von Soldaten. Aus allen Seitengassen kamen Dragoner und Kosaken auf uns losgeritten, und aus den umliegenden Häusern krachten bie Schüsse. Tie Hälfte meiner Leute und Pferbe lag auf dem Boden.Folgt mir!" rief ich unb schwang mich auf Violetta, aber ein riesenhafter russischer Dragoneroffizier riß mich runter, unb wir fielen zusammen zur Erbe. Er griff nach bem Säbel, mich zu töten, besann sich aber gleich wieder anders, faßte mich im Nacken unb stieß meinen Kopf immer gegen bas Steinpflaster, bis ich bewußtlos war. So würbe ich dann gefangen genommen.

Als ich toieber zu mir kam, bebauerte ich nur, baß er mir nicht den Garaus gemacht hatte. Auf dem großen Rathausplatz von Minsk lag die Hälfte meiner .Reiter tot ober verwundet, um sie herum hatte sich eine jubelnde Menschenmenge versammelt. Tie übrigen wurden in bie Vorhalle getrieben unb von einer Ab- fonnte ich tun?

(Fortsetzung folgt.)

Nutzen und Schutz unserer heimischen vogeiwelt!

Von Oktroi-Aufseher Roloff-Gießen.

Durch bie Vernichtung von Hecken und Sträuchern vertreiben wir einen großen Teil unserer in Walb unb Flur besoubers für bie Landwirtschast so nützlichen Bügel, so hätten auch bet der Felbbereinigung manche Hecken unb Bäume noch eine Niststätte bleiben können, wenn man bie Sache erst reiflich erwogen, und namentlich der Vögel gedacht hätte. Hierüber schreibt mein iinterm 8. Mai lsd. Js. aus Storndorf (Kreis Alsfeld) bem Gießener Anzeiger: Wie gründlich durch bas Feldbereiniguitgs- versahreu bie Nistplätze unserer so nützlichen heimischen Vogel- Welt beseitigt werden, bafür bietet toieber einmal die Feldbereini- gnng in unserer Gemarkung ein entsprechendes Beispiel. Vor kaum vier Jahren wurde die Bereinigung beschlossen und seit dieser Zeit sind viele Hecken ans unserer Gemeinde verschwunden. Tie meiften Grundbesitzer gehen von dem Standpunkt aus, mög­lichst viel urbares Land zu besitzen, und mancher gefieberter Sänger Wirb, wenn er im Frühjahr wieberkehrt, ber Stätte, wo er jahrelang sein Nest baute unb seine Jungen großgezogen, ent­täuscht beit Rücken kehren müssen.

Tergleicheit Klagen habe ich schon viele gelesen, unb leider zu spät sehen bie Sanblcute ein, baß Man hier vorsichtiger zu- Werk hätte gehen sollen.