lich entfernt und! sei unverzüglich in das Hotel Cecil zik ihrem Gatten geeilt. ,
Das war ungefähr die mysteriöse Geschichte, die sich alle Welt zuraunte. Gleichzeitig bemerkte icfy, daß mich! fast alle meine Patienten mit einer auffallenden Kühle empfingen. Die frühere Sympathie hatte sich infolge dieser Darstellung rasch in ihr Gegenteil verwandelt, und es unterlag für mich keinem Zweifel, daß, wenn sich die Sache nicht bald aufklärte, meine Praxis binnen kurzer Zeit ruiniert sein würde.
Was mich jedoch am meisten überraschte, war die Be- zugnahme auf das Hotel Cecil. Daraus ging deutlich hervor, daß man Marcellas Bewegungen feit ihrer Ankunft in London genau kennen mußte. Dieser Umstand deutete auf nichts Gutes hin, und- icfy muß gestehen, daß mich auf dem Heimwege au jenem Nachmittage sehr gemischte Gefühle durchzogen.
Während meiner Abwesenheit war zwar nichts von größerer Bedeutung vorgefallcn, aber es sollte noch kommen. Die Dunkelheit brach mit Macht herein, und ich wunderte mich schon, wo Helen so lange bleibe, als ich durch das Fenster hindurch zwei Frauengestalteu den Gartenweg her- anskvmmen sah. Die eine war meine Schwester mit einem sehr ernsten Gesicht, das nichts Gutes ahnen ließ, und die andere meine Tante Maria, steif wie ein Stock und, ihrem Gesichts ausdruck nach, zur endgültigen Abrechnung entschlossen.
Beim Eintreten warf mir meine Schwester erneu ivar- nenden Blick zu, wodurch meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt wurden. , .
Meine Tante war zwar nicht ganz so eisrg wre der unserem letzten Beisammensein; immerhin war unser Wiedersehen doch kühl genug.
(Fortsetzung folgt.)
Gut! antwortete ich gerührt, aber zuversichtlich. Das Wollen wir, und falls Marcella nicht abgeneigt ist, wmde ich deinem Beispiel folgen, so daß es in der Familie Wili- liams in Kürze zwei neuvermählte Paare geben soll.
Recht so, versetzte er. Ich habe schon so was geahnt, aber zrr diesem Zweck mußt du deine Marcella erst wieder fangeluZ mir -e.p. tzorgenommen, erwiderte ich.
Ohne Zweifel hat sie der Baron fortgezaubert, aber rch werde sie ausfindig machen, und sollte ich dre ganze Erde nach ihr absuchen müssen.
Sehr schön, mein Lieber; aber bedenke, daß die alte Mutter Erde ziemlich groß ist.
Hm — allerdings, sagte ich. Meine Praxis kann ich! auf diese Wanderung nicht mitnehmen, und die biedere Tante Maria würde mir zu einer solchen Reise schwerlich Geld geben, selbst wenn ich sie auf den Knien darum bäte und demütig ihre Füße küßte.
Das bleibt noch abzuwarten, meinte er, ich habe Helen bereits den guten Rat gegeben, sofort — heute noch — nach Putney 'nauszusahren und die Tante zu besänftigen,—; wemr's auch nur vorübergehend ist. Es gibt immer Mittel und Wege, so 'ne alte Dame wieder umzustimmen.
Ja, wenn sie nicht so eigensinnig wäre, aber sie ist ’n herrschsüchtiges altes Weib.
Das bildest du dir jetzt nur ein, antwortete er. Helen hat mir den Vorgang bei eurem letzten Interview, genau erzählt. Ihr habt eben alle beide die Fassung verloren, und euer Temperament ist mit euch durchgegangen. Zum Diplomaten eignest du dich nicht, mein Junge. Du hättest ihr ruhig alles versprechen sollen und —
Sie hinterher betrügen, warf ich erregt ein. Ihr sagen, ich würde Marcella ans dem Hanse toeifen, wo du doch selbst weißt, daß mich keine Macht der Welt dazu hätte veranlassen können, — das hätte ich einem hysterischen alten Weib zuliebe tun sollen? Das ist ja 'n netter Rat! .
Da trat Helen gerade wieder herein und sckMtt mir das Wort ab.
Was ist das für 'ne Geschichte nut dem netten Rat? fragte sie. , __ ,
Nun, Charley hier meinte eben, ich hatte der Tante Maria versprechen sollen, Marcella auf die Straße zu werfen. So 'ne Zumutung, einfach wahnsinnig!
Pst! pst! sagte sie. Nicht so aufgeregt — und gerade ’fieutß!
Da kam mir meine Taktlosigkeit zum Bewußtsein. Ich ging zu ihr hin, küßte sie zärtlich und sagte ihr, daß ihr Freudentag auch der ineinige fein solle, und bat sie um Verzeihung wegen meiner harten Worte gegen ihren zukünftigen Gatten und meinen besten Freund und willigte gerne ein, daß sie gleich nach Putney führe und in meinem Namen einen Waffenstillstand abschlösse, falls es ihr nicht gelingen sollte, einen dauernden Frieden zwischen uns zustande zu bringen.
Ein paar Minuten später wanderte das neugebackene Brautpaar nach der Station.
Diese Gelegenheit wird sich Mary Ann wohl nicht ent- aehen lassen wollen, dachte ich bei mir selbst und gab daher, ehe ich meine Visite antrat, Gregory den ausdrücklichen Befehl, das Mädchen sireugsteiis zu beobachten. Ich merkte draußen sofort, daß die Kunde von Marcellas Verschwinden schon auf irgend eine Weise bekanntgeworden war, und zwar kolportierte man in der Stadt zu meinem größten Erstaunen ein ganz merkwürdiges Gerücht, von dem ich heutigen Tages noch nicht weiß, wie oder wo es entstanden ist: nur soviel war mir klar, daß es von meinen Feinden in Umlauf gesetzt worden war. Indem ich hier und dort einen Brocken aufschnappte und die einzelnen Teile zusammensetzte, gelang es mir allmählich, folgendes Gesamtbild zu erhalten:
Die geheimnisvolle Dame — eine verheiratete Frau natürlich — die unter eigentümlichen Umständen in meinem Hanse gelebt hätte, wäre allem Anscheine nach plötzlich zur Besinnung gekommen und hätte erkannt, daß sie sich in der Gewalt vollkommen fremder Personen befände. Dies wie die Besorgnis, welch großen Kummer sie ihrem Manne verursacht haben müßte, habe den Entschluß in ihr wachgerufen, bei der ersten besten Gelegenheit unbemerkt zu entwischen. Sie habe sich daher im Dunkel der Nacht heim-
Abenteuer des Brigadier Gerard.
Von C. Doyle.
(Fortsetzung.)
Wie ich schon sagte, lag birett bor uns ein kleiner Bauernhof. Als wir darauf zuritten, bemerkte ich einen stattlichen.Schimmel, der einen Militärsattel trug und am Eingang angebunden war. Ich galoppierte sofort drauf los, ehe ich aber hinkonimen konnte, stürzte ein Mann zur Tür 'raus, schwang sich auf das Pferd und sauste in wilder Hast davon, so daß der.trockene Schnee hinter ihm in die Höhe flog und ihn wie eine.Wolke.einhüllte.. Doch erkannte ich an seinen Epauletten, daß es ein russischer Offizier war. Er würde die ganze Gegend alarmieren, wenn wir ihn.nicht em- fingen. Ich gab Violetta die Sporen und setzte hinter ihm her. Meine Leute folgten mir; aber es war kein Pferd dabei, das. sich mit Violetta vergleichen konnte, und ich wußte sehr wohl, daß, wenn ich den Russen nicht einholen konnte, ich von den anderen erst recht nichts zu erwarten hatte. ;l
Freilich gehört ein flüchtiges Pferd und em guter.Reiter dazu, wenn er hoffen kann, Violetta mit EUenne .Gerard ich Sattel zu entrinnen. Er ritt ausgezeichnet, dieser junge.Russen und hatte ein feines Tier, aber allmählich kamen wir ihm näher.. Er blickte fortwährend hinter sich und zeigte uns .ein dunkles,- hübsches Gesicht und blitzende Äugen. Ich merkte, als ich ihm- näher rückte, daß er die Distanz zwischen uns abschätzte. Plötzlich drehte er sich halb 'rum; ein Blitz und.ein Knall, und ferne Pistolenkugel pfiff an meinem Ohr vorbei. Ehe er noch den Säbel aus der Scheide ziehen konnte, war ich an ihm; aber er gab! seinem Pferd noch immer die Sporen, und unsere beiden Tiere galoppierten nun über die Ebene, ich mit dem Bein an dem des Russen und meine linke Hand auf seiner Schulter. Ich sah, wie er rasch mit der Hand nach dem Mund fuhr., Ich zog ihn sofort zur Seite und drückte ihm die Kehle zu, daß er nicht schlucken tonnte.- Sein Pferd schoß unter ihm fort, aber ich hielt ihn fest, und Violetta blieb stehen. Wachtmeister Oudin kam zuerst hinzm Er war 'n alter Soldat und sah auf den ersten Blick, worum sichs handelte. .... '
„Halten Sie ihn fest, Herr Oberst! rief er, „das ubrrgä will ich schon besorgen". ■ ,c. , „ „ .
Er machte fein Messer auf, klemmte die Schneide dem Russen! zwischen die festgeschlossenen Zähne und drückte, als ob er ihm bett Mund ausbrechen wollte. Er hatte ein Stück feuchtes Papier auf der Zunge, das wars gewesen, was er so gerne hatte hinunterschlucken wollen. Oudin nahms 'raus, und ich ließ nun den Nals des Mannes los. Trotz seines jammervollen Zustandes — er war halb erwürgt — behielt er das Papier im.Auge. Es war miy Kar, daß es eine äußerst wichtige Meldung enthalten mufjte. Seine Hände zuckten, als ob er mirs entreißen wollte. Als ich mich wegen meines unsanften Benehmens entschuldigte, zuckte ejQ jedoch nur noch die Schultern und lächelte gutmütig.


