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Die Dame im Pelz.

Roman von G. W. Appleton.

(Nachdruck verboten.)' (Fortsetzung.)

Es lag offenbar nicht in seiner Absicht, dem dienst­tuenden Beamten die Sache lang und breit auseinander- znsetzen. Er erkundigte sich bloß, ob einer der Leute gestern abend eine Dame gesehen habe, welche der Beschreibung entsprach, die ich ihm von Marcella gegeben hatte. Die Antwort darauf lautete verneinend. Dann fragte Herr Beale noch, ob vielleicht ein unbekanntes Gefährt in der Nähe meiner Wohnung beobachtet worden sei. Auf diese Frage erhielt er einen besseren Bescheid.

Einer der Schutzleute, der gerade vom Dienst zurück­gekommen war und die Erkundigung des Inspektors mit angehört hatte, gab sofort folgenden Bericht darüber:

Während er gestern abend seine Runde gemacht habe soviel er sich entsinnen könne, habe es gerade acht geschlagen sei er die fragliche Straße heruntergekommen und habe gerade vor sich ein paar Lichter bemerkt, die er für Wagen­laternen gehalten habe. Im selben Moment habe er etwas aufblitzen sehen, als wenn man ein Streichholz anzünde,- aber bevor er in die Nähe gekommen sei, wären die Laternen plötzlich in dem Nebel verschwunden gewesen, und er habe nur noch in der Richtung nach Ker Rood dumpfen Huf- schlag gehört. Gesehen habe er keine Menschenseele. An­fangs sei ihm die Sache sehr merkwürdig vorgekommen, daß sich ein Wagen bei einem so furchtbaren Nebel in dieser Weise davonmachen sollte, als er aber dann mit Hilfe seiner Laterne gesunden habe, daß der Wagen von Doktor Wil­liams Haus weggefahren sei, habe er sich nicht weiter dar­um gekümmert, da er selbstverständlich wisse, daß Aerzte zu jeder Zeit und bei jedem Wetter geholt würden.

Diesen Angaben hatte er nichts hinzuzufügen, und meine schlimmsten Ahnungen hatten sich somit als zu­treffend erwiesen. Dre Zukunft erschien mir trüber als je zuvor, und meine Hoffnung sank auf Null.

Nun, sagte der Inspektor, als wir wieder auf der Straße waren, wie denken Sie darüber?

Ich kann nur das Schlimmste denken, antwortete ich traurig.

Dieser Meinung bin ich nicht gerade. Das wollen wir erst abwarten. Die Sache läßt sich auch noch von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachten. Dieser angebliche Baron will Ihnen womöglich nur einen Schreckschuß ein­jagen und den Ehemann spielen, solange es ihm vorteilhaft erscheint. Es kommt eben darauf an, wie sich die Sache in Wirklichkeit verhält.

Wie meinen Sie das eigentlich? sagte ich.

Nun, antwortete er, wenn sie sich an nichts erinnern kann, wie soll sie dann wissen können, daß sie nicht mit

ihm verheiratet ist? Und nachdem er sie nun in seine Ge­walt gebracht hat, sehe ich kein Mittel, wie Sie sie ihm wieder entreißen wollen. Außerdem sehe idj- auch nicht, was wir ich meine die Polizei in der Sache .tun können. Meiner Ansicht nach bleibt Ihnen weiter nichts übrig, als vorläufig auf das Geld zu achten und die Ent­wickelung der Angelegenheit ruhig abzuwarten. Ich glaube nicht, daß sie es wagen werden, gerichtliche Hilfe in Arn sprach zu nehmen, und wenn sie 's täten, müßten sie ihre Ansprüche gesetzlich nachweisen, wozu sie natürlich nicht.in der Lage sind. Nein, ich will nicht wieder mitnein», gehen. Bei diesen Worten waren wir vor meinem Gartentor angelangt. Ich muß gleich wieder in die Stadt zurück und vorher noch meinem Mann hier wegen Ihres Dienst­mädchens die nötigen Anweisungen geben.. Wenn .Sie mich brauchen, was wohl doch der Fall sein wird, so wissen Sie ja, wo ich zu finden bin, und ebenso weiß, ich's um­gekehrt. Also guten Erfolg, Herr Doktor, und einstweilen: Adieu!

Ich blieb noch -einen Augenblick am Eingang stehen und beobachtete ihn. Ein Stück weiter unten kam ein Mann auf ihn zu und- sprach mit ihm. Kurz darauf trenn­ten sie sich nach verschiedenen Richtungen, und ich wußte nun, daß der Beamte meinetwegen Instruktionen bekommen hatte, denen gemäß er handeln würde.

12. Kapitel.

Als ich ins Wohnzimmer trat, fand ich Mortimer und Helen etwas dicht nebeneinander -aus dem Sofa sitzen. Mein Freund sprang sofort auf, während meine Schwesteri blutrot im Gesicht eine flüchtige Entschuldigung hervor­stieß und schleunigst verschwand. Dann ergriff Mortimer meine Hand und sagte:

Bevor wir in unserer Angelegenheit weiter beraten^ muß ich dir ein kleines Familienereignis mitteilen, lieber Ted. Ich glaube allerdings, daß du nicht übermäßig dar­über -erstaunt sein wirst: Helen und ich haben uns nämlich! während deiner Abwesenheit über dies und jenes nnter- halten und sind dabei zu dem übereinstimmenden Ergebnis gelangt, daß wir füreinander geschaffen sind. Also deut­licher aus-gedrückt, das verehrungswürdigste Mädchen der Welt (Marcella natürlich ausgenommen) h-at eben ein­gewilligt, meine g-rau zu werden. Wie denkst du darüber?

Wie ich darüber denke? rief ich. Das ist großartig, und ich gratuliere dir von ganzem Herzen. Ich verliere die beste aller Schwestern, aber du gewinnst die liebenswerteste g-rau; mehr läßt sich darüber nicht sagen.

Ich danke dir, und will dir gleichzeitig versichern, daß es nun, nachdem ich- wirklich zu deiner Familie gehöre, mein eifrigster Wunsch ist, dir einen Dienst zu erweisen, der dieser Erhebung würdig ist. Du liebst Marcella, ich in gewissem Sinne gleichfalls, und Helm ebenso. In diesem Punkte sind -wir pns alle einig, und nun wollen wir den Kampf mit gller Energie bis zu einem glücklichen Ende durch fechten.