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sich dem andern so nah, daß er ihn kennen lernt, mit ihm Bekannt- schast schließt, und doch wird keiner vom andern gestört. Er ist allein mit seiner Gesellschaft und abgeichlossen ttt ferner Ecke, in seiner Koje. Man schaut über das Geländer durch rate Laube, in der lustige Paare Sekt trinken, in einen größeren Raum, wo Tische stehen, wieder in eine leicht abgeschlossene Ätsche . . -

Die Musikanten in roten Jacken gehen mit ihren Instrumenten herum singen, spielen und tanzen bald hier, bald dort. Uiid nun aleiten einzelne Paare zwischen der bunten Fülle der eng unb gedrängt Sitzenden hindurch. Sie wiegen sich, sie schweben, scheinen sich auf der Stelle rhythmisch zu bewegen und kommen doch weiter, gleichsam getragen vom Takt m den Wellen der Lust, die um sie her brandeil. Licht wogt und Farbe und ausgelassenes Men chentum. Mein Freund steht glückstrahlend in der Mitte:

Herrlich! Was? Das Lokal!"

Friedrich Theodor Vischer als Politiker.

(Zum 25. Todestage, 14. September.)

Der politische Werdegang F. Th. Vischers erhält seine Bedeutung nicht nur durch die organische Entwicklung eines radikalen Republikaners zum Anhänger des von Bis­marck geschaffenen Deutschen Reiches, sondern durch den allgemmnen und typischen Wert, den diese Wandlungen einer kraftvollen, männlich leidenschaftlichen Persönlichkeit für die Stimmungen seiner Zeit und Generationen über­haupt besitzen. Der große Aesthetiker und feine, Poet, dessen Gedichte und dessen RomanAuch Einer" sein An­denken stets lebendig erhalten haben, dessen rvissenschaftliche Werke ein Vierteljahrhundert nach seinem Tode eine neue Auferstehung erleben, wußte ja, daß die Politik nicht sein eigentliches Gebiet war.Meine Welt ist die Wissenschaft, die Kunst." Wer wie er durch die Gewalt der Ereignisse zum Politiker ward, wie er in seiner späten und überhasteten politischen Entfaltung die mannigfachsten Stusen durchlief, darin ist er ein charakteristischer Vertreter des deutschen Volkes, das, wie er, sich nur schwer hineinfand in die For­derungen der Gegenwart und sich unvorbereitet vor die größten politischen Entscheidungen gestellt sah.

Diese Seite des Vischerschen Lebenswerkes hat Karl Alexander v. Müller in einem Aufsatze der Deutschen Rundschau anschaulich dargestellt. Das streitsrohe derbe Naturell des strammen untersetzten kleinen Mannes mit dem offenen bärtigen Gesicht und den scharfen Augen drängte ja zur Betätigung im öffentlichen Leben. Ein Meister der Polemik, der nicht nur inkritischen Gängen" sich mit seinen wissenschaftlichen Widersachern auseinander­setzte, sondern selbst seine Poesien in dielyrischen Gänge" eines Zweikampfes einordnete, fühlte er sich stets zum Drauflosschlagen bereit, liebte, selbst ein guter Reiter und Schütze, das kriegerische Handwerk, und gesunde Grobheit gegen dieKäseseelen" wärmte ihm.das Herz. Eine solche Feuerseele müßten nun die vierziger Jahre unwiderstehlich in die nationale Leidenschaft hineinreißen. Während er noch 1838 erklärt hätte, von staatlichen Fragen verstehe .er nichts und schweige lieber darüber, so läßt er sich 1848 von den Reutlingern, denkräftigsten Demokraten, die in Württemberg auMtreiben waren", ins Frankfurter Parla­ment wählen. Aber hier wartete seiner eine große Ent­täuschung.Den ganzen Kopf voll.ungehaltener Reden", saß er inmitten des unerschöpflichen Wortschwalls der De­batten und Sitzungen, kurzsilbig,dumpf und freudlos", das ganzeMarteriahl:". Durch den Fanatismus des auf­geregten Parteitreibens wurde ihmdas allgemeine Men- schmgefühl erstickt". Mer die politische Leidenschaft, die dieses Jahr entfacht hatte, brannte doch in ihm wie im ganzen Volk weiter und ließ in ihm den Gedanken an! Deutschlands Einheit und Deutschlands Größe zur Hellen Flamme emporlodern.

Ob Deutschland eine Einheit werde", schreibt er,ist mir so sehr Lebensfrage, daß sch als Geist umgehen müßte, wenn ich heut stürbe."Ich bin gegen alles andere als gegen die Frage per deutschen Mtron roh geworden, und wenn eS für mich noch esne Freude mit Schwung gibt, ist es die, wenn ich in klarem, unzweifelhaftem Fall für diesen großen Gegenstand die .Patrontasche anziehen dürfte. Meine Hühneraugen sollten mich nicht hindern." > Nach schweren Gewissenskämpfen gewann er die innere Sicherheit wiederr .Folge, was folgen mag; du darfst nie dein Ja dazu geben, daß ein deutscher Volksstamm aus hem Vaterhaus scheide^ Um! in d.te Fremde zu wandern." So wurde er, der pro­

testantische schwäbische Demokrat, einer der besten uny reinsten Vertreter des großdeutschen Gedankens, ein b'e- geisterter Verehrer des schönen Oesterreichs, dessen deutsche Stammesgenossen ihrn mit zu dem Vaterland der Zukunst gehörten. Es waren Träume phantastischer Art, aber von großartiger Weite, wenn er sich,einen von betten nannte, die dem Deutschtum Türen und Fenster in die Welt hinaus öffnen wollen, deren Auge sehnsüchtig dem Lauf der Donau zum Schwarzep Meer und den .Bahnen des Handels zum Adriatischen Meer folgt. Wer auch in dieser Vision eines großen geeinten weltbeherrschenden Deutschlands war er ein Typus so vieler der Besten jener Zeit, die die praktische Nüchternheit realer Politik über leidenschaftlichen Hoff­nungen und Theorien vergaßen. Und dieser süddeutsch schwärmende Zug brachte Vischer in einen strengen Gegen­satz zu Preußen und zu dem kleindeutschen Programm. Freilich ist die heftigste Bitterkeit gegen Preußen, Ivie bet vielen anderen süddeutschen Patrioten, enttäuschte Hoff­nung, denn er glaubt in manchen Krisen an den Beruf dieses Staates zur Führerschaft, aber dazu wäreaus­gezeichnetes Genie, verbunden mit Kühnheit und Entschluß" notwendig undes.ist auch nicht vorhanden, es lebt kein Friedrich der Große".

Als Vischer das schrieb, bereitete schon Bismarck, der preußische Junker", dieschlagenden Gründe des Ka­nonendonners" vor, um die nationale Einheit zu schassen. Als er dann zum Kriege mit dem blutsverwandten Oester­reich kam, da stand Vischerin der reinen Negation" und' gehörte zu den erbittertsten Gegnern des ungeheuren; Mannes, der den Bruderkampf heraufbeschworen. Wäh­rend die Stimmung um ihn her immer stärker zu Preußens Gunsten umschlug, verharrte er in bitterem Schweigen. Erst der Krieg von 1870 entfachte wieder in ihm die Freude am Kampf; er erblickte in ihm die Sühne für die Schuld, die Bismarck 1866 für die ganze Nation auf sich ge­nommen. Zum wahren Parteigänger des Kanzlers wurde aber Vischer erst während des Kulturkampfes; derGe­fühlspolitiker" undStockschwabe vom alten Schlage" beugte sich vor pem eisernen Begründer der dentschen Einheit. ------------

Vermischtes.

kf. DerSchrecken der V er s i ch e r u n g s g e s e l l' schäften' sind nach einem Aussprüche des Präsidenten des gegen- wärtig tagenden amerikanischen Versicherungskongresses die Tanien der oberen Zehntausend.Sie essen so viele unverdauliche Speisen und nehmen so zahlreiche schädliche Getränke zu sich, daß sie gewisserinaßen mit v-Zug-Geschmindigkeit dem Tode entgegen- eilen.' So führte Präsident Gold aus, und begrimdete damit die Abneigung der Versicherungsgesellschasten, hohe Prämien auf das Leben der Gesellschaitsführerinnen aufzunehmen. Ihm erstand aber ein Widersacher in Henry L. Rosenfeld, dem Vizepräsidenten der bekannten Equitable Lebensversicherungsgesellschaft.r.ie grauen der Gesellschaft", so erklärte er, ..sind für die Versicherungs­gesellschaften beinahe Goldgruben. Sie leben durchweg länger als ihre sämtlichen anderen Geschlechtsgenossinnen, weil sie am besten ernährt sind und viel Ruhe haben. Leset doch die Zettungen l Dte Frauen der Gesellschaft lassen sich scheiden, entlausen ihren Mannern, verursachen Skandale, aber sie sterben nie! Schon aus Ettel- feit sind sie darauf bedacht, gesund und schön ztl bleiben. Es ist vielmehr der Millionärsgatte, dessenLebenskerze an beiden Enden zu gleicher Zeit brennt', dessen Leben eine Kette von Aufregungen und Ausreibung bildet. Von ihm sollten sich die Versicherungs­gesellschaften fernhalten.' -------------

Arithmogriph.

1 2 4 4 2 ein Maurerwerkzeug,

2 3 3 2 ein Ackergerät.

3 2 2 4 belgischer Bildhauer.

2 3 4 2 deutscher Architekt.

4 2 2 7 deutscher Bildhauer.

1 9 8 2 4 Stadt in Sachsen.

4 2 2 1 Stadt in England.

8 4 2 ein Naturforscher.

7 2 5 1 Schauspieler zur Zeit Schillers. 123245467 eine Bereinigung.

Auslösung in nächster Nummer,

Auflösung des Diamant-Rätsels in voriger Nummert

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Dresden

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Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.