Samstag, den K September
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Sommrrleutnsnts.
Roman von Walter Bloem.
Copyright 1910 by Orethlein & Co. (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Kein Laut war vernehmbar ... nicht der leiseste Laut... Herrgott — plötzlich — ein Gedanke — — Nein!... das nicht... das um Himmels willen nicht....!!
Mit raschen, leisen Schritten trat Brandeis zu seinem Nachttischchen, drehte die Birne des rotumschirmten Stehlämpchens auf...
Da richtete sich vom Nachbarbette die Gestalt seines Weibes Halbleibs empor. 9Loch völlig bekleidet, hatte sich Cäcilie auf die Urberdecke gelegt. Glasig stierten ihre Augen ...wirr hingen die rostfarbenen Strähnen um ihr blasses Gesicht... das stand im roten Licht irr und verzerrt...
Fritz stand regungslos ... ein trockenes, kurzes Schlucht zen durchrüttelte seine aufrechte Gestalt...
„Willst du dich nicht auskleiden... und dich ordentlich hinlegen, Cäcilie...? Ich lege mich nebenan aufs Sofa.." Ms eine gütige, sorgsame Bitte hatte das geklungen.
„Fritz... was... was willst du tun — ?!"
' „Darüber... hat der Ehreurat... zu entscheiden..." „Du hast — dem Major schon Meldung gemacht —?" „Ich tu's morgen früh!" . .
Cäcilie schlug die .Hände vors Gesicht. Der einzige Kuß . der Abschiedskuß... nein, das war ja doch nicht möglich... das durfte ja doch nicht sein... _
„Mach dir keine Sorge, Cäcilie... ich... schieß ihn dir nicht tot... ich... schieß ihn... dir... nicht tot.. ",
Da fielen Cäciliens Hände mit einem Ruck tn ihren 'Schoß... die starren Äugen ruhten aus dem Antlitz des Gatten mit einem langen, seltsam prüfenden, suchenden Blick... Ein Staunen glomm in diesenk Blick auf... em
großes Sichwundern ... , , .
Plötzlich ein zages Pochen an der Tur. Fritz fuhr zusammen: „Was gibt's —?"
„Verzeihen Herr Hauptmann, wenn ich störe!
„Was haben Sie denn, Fräulein?" , .
Der Bursche vom Herrn Major ist draußen mit eurem dringenden Befehl — von der Brigade, sagt er!"
SoiTiTnc —V*
Das Fräulein stand draußen mit einem Meldekarten- briefumschlag: „An Hauptmann von Brandeis/'
Mit Bleistift von der Hand des Majors gekritzelt, drei 'Kreuze dabei. Sehr dringlich also. Der Hauptmann rrß den Umschlag auf:
„Bataillonsbefehl!
i ' (Auf Befehl der Brigade: Hauptmann von.Brandeis Meldet sich morgen früh 4.80 heim Herrn BngadekoM mündeur als Adjutant für den Rest der Herbstubüngen an
Stelle des durch Sturz mit dem Pferde heute morgen zu Tode gekommenen Hauptinanns Goettig. Die erste Kompagnie führt Leutnant der Reserve Flamberg.
v. Sassenbach."
Ruhig zog Brandeis die Uhr, notierte die Zeit des Eingangs, elf Uhr fünfundvierzig, auf den Umschlag der Meldekarte und gab die Hülle zurück: „Das bekommt der Bursche! — Wilhelm soll mich bereits um halb drei wecken! Frühstück um drei! — Gute Nacht, Fräulein!"
„Gute Nacht, Herr Hauptmann!"
Einen Augenblick stand Fritz von Brandeis in tiefem Sinnen. ,
Hauptmann Goettig durch Sturz mit dem Pferde zu Tode gekommen... schauerlich... Eine glänzende Laufbahn jählings mitten durchgerissen... eine Frau und Vier Kinder des Ernährers, des Beschützers beraubt...
Und er also der präsumtive Nachfolger.... mutmaßlich für die Dauer... Also Brigadeadjutant in spe... das bedeutete — .
Pah — ein bitteres Lächeln spielte um des Hauptmanns Lippen/ Morgen ... spätestens übermorgen stander mit der Waffe in der Hand bent Manne gegenüber, der seines Weibes Mund geküßt... ihm seines Weibes Herz entrissen...
Auf den Trümniern eines solchen Glücks baut man keine--- Karriere auf...
Der andere... der war der Sieger... war der Stärkere ... wenn einer von ihnen bleiben sollte... dann mußte natürlich er selber es sein ... er, der meritenlose Soldat.. . der unbedeutende Mann seiner reichen Frau, die nun auch ihr Herz von ihm gewandt hatte... ihr Schicksal von dem seinen trennte... .
Für einen solchen Adjutanten würde der General sich bedanken — wenn er überhaupt noch in die Lage kant...!
Schwerfällig ging der Hauptmann zum Schlafzimmer zurück, steckte den Kops zur Tür hinein: „Gute Najcht, Cäcilie!"
„Was war's... was hat's gegeben?" stammelte die Stimme seines Weibes aus der rötlichen Dänimerung.
„Nichts von Bedeutung... bin für morgen abkommandiert, muß ,eine halbe Stunde früher fort... Gute Nacht'"
* Er schloß die Tür, wandte sich ab, hakte mechanisch bett Kragen seines Waffenrocks auf.
Aus einmal klang's hinter ihm: „Fritz..."
Brandeis fuhr herum...
• Cäeilie stand an der Tür. „Fritz... lvarnm kommst du denn nicht zu mir hinein... .Fritz — ?"
„Ich... schlaf auf dem Sofa... hier draußen... oder ist es dir lieber, wenn ich schon heut abend... sortgeh — ? hier... das alles... gehört ja dir..."
. Fxitz * nein — nein... alles ist dein dein ganz allein... ich .auch, Fritz - ich auch -U"


