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Gesamtbedarf an Fcueruugsstraterial in jenem Hafen an Bord zst nehmen, der die billigsten Preise aufweist. tut auch bte Selandia; ihre Reeder, die ostasiatische Gesellschaft, beziehen auf Grund eines Vertrages das Petroleum für 35 Schilling pro Tonne ; das Schiff braucht also für die ganze Reise für rund 31 500M Petroleum. Wenn der Dampfer die 3700 To nnen Kohle, die er benötigt, auf einmal anfuehmen und mit 12 Schilling per Tonne bezahlen könnte, so würde das Motorschiff auf geder Reise 13 000 Mk. billiger fahren. Nun kann aber der Dampfer die gesamte Kohlemnenge nicht auf einmal aufnehmen, da sonst zu wenig Raum für Ladung übrig bliebe imd die ganze Rentabilität der Fahrt fraglich würde. In der Praxis nimmt der Dampfer in verschiedcneii Häfen je 600 Sonnen Kohle ein. Hier ist die Kohle billig, dort teuer: der Durchschnitt für die Fahrt von der Nordsee nach Bangkok und zurück beläuft sich in Wirllichkeit auf 21 Schilling für die Tonne. Bei bescheidener Schätzung ergibt sich ein Kohlenverbrauch von mindestens 60 000 Mk. Dazu kommt der Verlust von zwei Hafentagen, der von den Reedern! auf rund 2000 Mk. geschätzt wird. Zudem aber müssen die Maschinen im Hafen unter Dampf gehalten werden; die ganze Fahrt bringt 46 Hafentage, die den Dampfer Geld kosten, während das Motorschiff in der gleichen Zeit nichts verbraucht. . Wenn man all diese Mehrausgaben in Rechnung setzt, so ergibt sich schliesslich, daß das Motorschiff die Reise um 40 000 Mk. billiger zurücklegt. Beide Schiffe können jährlich drei Reisen unternehmen; wem: man sogar zugunsten des Dampfschiffes die ungewöhnliche Elastizität der Kohlenpreise in Betracht zieht, so ergibt sich im Fahre für das Motorschiff doch eine Ersparnis von mindestens 100 000 Mk. gegenüber dem Dampfer. Aber hiervon! müssen einige Abzüge gemacht werden. Die Selandia führt 900 Tonnen Petroleum mit, der Dampfer durchschnittlich nur 300 Tonnen Kohle, das Motorschiff opfert also 400 Tonnen; Raum, der für die Frachteinnahme wegfällt. Das ergibt rechnerisch pro Jahr 13 000 Mk. weniger Einnahme. Andererseits ist das Petroleum im Doppelboden verstaut, so daß das Motorschiff Raum für Einzelgüter gewinnt. Als unbedingt sicher wird aber, selbst unter den ungünstigsten Verhältnissen, die Selandia um 80 000 Mk. billiger reisen als der Dampfer. Und diese Zahlen; basieren auf den Erfahrungen, die man mit einem der ersten großen Motordampser gemacht hat; Man muß also die fortschreitende Verbesserung der Motorentechnik im Auge behalten. In Hamburg ist kürzlich der erste 2000 UL-Motor mit bestem Erfolge bereits erprobt. Wenn man die Mehrkosten des Motorschiffes, also die ersten Anschaffungskosten der Maschinen in Rechnung setzt, so zeigt sich, daß die Mehrausgaben in höchstens vier Iahten in der Praxis viel schneller völlig getilgt werden. Von dann ab aber arbeitet das Motorschiff mit einer reinen jährlichen Ersparnis von mindestens 80000 Mk., voraussichtlich aber mehr.
Vermischtes.
hi. S ch in e 11 e r l i n g s t r e i b h ä n s e r. Jetzt, wo die kleinen flinken Gesellen nmherhnschen nnd -schwirren, ist die goldene Zeit für die Schmetterlingssammler gekommen. Aber, wie müheselig ist der Fang! Und nicht gar selten muß der Sammler zu seiner Enttäuschung sehen, wie der Falter trotz größter Anstrengungen entwischt. Dem hat man nun in England abgeholien, wo man schon fett einigen Jahren regelrechte Schmetterlingstreibhäuser eingerichtet hat. Augenblicklich gibt es vier große Landgüter in England, auf denen ausschließlich Schmetterlingszucht betrieben wird. Das Leben im GlaShause bekommt den kleinen Gesellen gar sehr, und alles wird getan, um sie die goldene Freiheit nicht allzu sehr vermissen zu lassen. Kleine Käfige, die mit Moskitonetzen behangen sind, sind eigen? für sie erbaut worden, und in ihnen wachsen Blumen, deren Blüten ihnen die Nahrung geben. Um ihre Schmackhaftigkeit noch zu erhöhen, tverden die Blüten von Zeit zu Zeit mit Honig überstrichen. In diesen Treibhäusern werden die Schmetterlinge äußerst zahm. Sie gehorchen sogar dem Rufe des Wärters. Selbst der Kolibri-Falter verliert feine Furchtsamkeit. Aber nicht allein die ausgewachsenen Schmetterlinge werden regelrecht gezüchtet, sondern auch für die Raupen wird gesorgt. Große Pflanzungen, besonders von Birken, deren saftige Blätter die Lieb- lingSspeise der gefräßigen Larven bilden, sind ihnen als Wohnsitz zugewiesen, und um sie gegen die Verfolgung ihrer natürlichen Feinde, die von der kleinen Schlupswespe an bis zur Hauskatze ihnen unablässig „auf den Fersen" sitzen, zu schützen, werden die Bäume zur Raupenzeit in eine Art Mousseline eingehüllt. Planche Raupenarten sind wegen ihrer Gefräßigkeit berüchtigt und die ihnen als Wohnsitz zugewiesenen Bäume würden bald in Kahlheit glänzen, wenn die Raupen nicht von Zeit zu Zeit ziehen müßten. Daß eine Schmetterlingszüchterei ein lohnendes Geschäft ist, wird man verstehen, wenn man hört, daß für einzelne der gezüchteten Sorten Preise von 4—500Mk. erzielt werden. Auch die Eier werden verkauft; die Eier des gewöhnlichen Falters kosten ungefähr 20 Pfg. das Dutzend, während andere Arten nicht unter 4 Mark zu haben sind.
* Die grö ßke Blume bet SS ei t. Von den Riesen der Flora, bta nur in der Tropensonne zu voller Entwicklung ihrer! Größe gelangen können, ist wohl am Merkwürdigsten eine in Su
matra heimische Aroidea, deren gewaltige Ausdehnungen allcH andere, was man sonst an großen Blumen kennt, weit in den Schatten stellen. Diese Blume, die den botanischen Namen „Arnor- phophallus Titanurn" trägt, gehört tziu den Aroidceu, ist also uuserrst bekannten Aronsstab in der Form der Blüte ähnlich; sie hat wie; diefer einen Blüten- bezw. Fruchtkolben, der von einer Blumen-, scheide umgeben ist. Aber welche Ausmaße hat diese Blume! De« Forscher Boccari, der im Jahre 1878 zuerst diese Blume am Fuße des Vulkans Siegelang auf Sumatra entdeckte, ließ eine Wurzelknolle der Pflanze ausgraben, die anderthalb Meter Umfang hatte und von zwei Männern nur mit Mühe getragen werden konnte. Das einzige Blatt, welches sich unmittelbar über den Erdboden bildete, hat eine Höhe von 3Vs Meter bei einem Stengel- umfang von 90 Zentimetern und bedeckt mit seiner glänzend grünen, von zahlreichen kleinen, runden, weißen Flecken überhäuften Blattspreite eine Fläche von 15 Metern Umfang. Der Blütenkolben, der später zum Fruchtkolben wird, hat eine Länge; von 1,75 Meter, und die Blumenscheide, die diesen Kolben umgibt, hat einen Durchmesser von 75 bis 85 Zentimetern. Diese Schäide ist in ihrem unteren Teile hellgrün, an ihrem oberen Rand dunkel- purpurn gefärbt. Die Stengelblüten befinden sich an dem unteren Teile des Blütenkolbens und hier sitzen später bei der Reife die ungefähr olivengroßen, mennigroten Früchte. Die RiesenblurnA hat aber durchaus keinen Wohlgeruch an sich, im Gegenteil strömt besonders die absterbende Pflanze einen höchst widerlichen Geruch aus, durch den große Mengen von Insekten, Aasfliegen undj Aaskäfern herbeigelockt werden, von denen die verwesende Pflanze wimmelt. Man hat schon vielfach versucht, diesen Goliath de« Blumenwelt in unseren botanischen Gärten zu züchten, aber die erzielten Pflanzen, deren Entwicklungszeit mehrere Jahre beanspruchte, blieben in ihren Maßen weit hinter den Exemplaren zurück, die in ihrer ostindischen Heimat ohne jede Pflege heranwachseu.
* ©in Prophet, der eine Stadl entvölkert Eine furchtbare Panik hat ein mexikanischer Fanatiker Cesario Garcia in der Stadt Guadalajara entfesselt. Tie blühende Stadl, die 150 000 Einwohner zählte, liegt nun verödet und ist von einer großen Zahl ihrer Bewohner verlassen. Grausiges Entsetzen herrscht überall; die, die ihre Wohnungen nicht aufgegeben haben, schleichen verstört durch die leeren Gassen. Eine Wolke des Grauens hat sich über alles gesenkt. Und warum? Weil der Prophet, an dessen übernatürliche Kräfte die Menge glaubt, in einer glühenden Bußpredigt ein Erdbeben prophezeit hat, durch das Guadalajara in seiner Sünden Maienblüte wie ehedem Sodom und Gomorrha mit Feuer und Schwefel zerstört werden würde. War die andächtige Gemeinde zunächst noch geneigt, dieses anschaulich geschilderte furchtbare Schreckbild für eine rhetorische Drohung zu halten, so wurden alle Anhänger Garcias von der entsetzlichen Wahrheit seiner Prophezeiung überzeugt, als ein dumpfes Grollen sich hören ließ, die Erde erbebte und einige leichte Erdstöße dis Grundfesten der Häuser erschütterten. Zwar erfolgte weiter nichts als diese im Lande durchaus nicht ungewöhnliche Erscheinung; das Strafgericht schien noch einmal gnädig vorüber gegangen zu sein, aber die durch den Fanatiker verwirrten Gemüter konnten sich nicht mehr beruhigen; der Stachel der Angst haftete fest; man glaubte, daß mm jeden Moment der Feuer- und Schweselregen beginnen müsse, und seit der Bußpredigt und dem ihm folgenden drohenden Ereignis haben täglich viele Tausende von Bewohnern die Stadt verlassen. Garcia selbst und ein Teil seiner Anhänger blieben zurück, weil sie sich dem Schicksal, das der Herr über die Stadt verhängt, nicht entziehen wollten. Mitten auf dem Marktplatz hat die fanatische Menge dem neuen Propheten einen Altar errichtet und schmückt ihn jeden Tag mit Blumen. Man verehrt in ihm den „neuen Elias", einen gottgescmdten Boten, der in einer feurigen Wolke vom Himmel niedergefahren sei. Die Einzigen, die in diesem Chaos allgemeiner religiöser Verzückung und wahnsinniger Angst die Besinnung noch nicht verloren zu haben scheinen, sind die Stadtbehörden von Guadalajara. Sie hielten es für das beste, was sie tun konnten, wenn sie den Anstifter all dieser Verwirrung aufheben ließen. Ader als Garcia ins Gefängnis gebracht wurde, entstand ein Sturm unter der Menge; man versuchte das Gefängnis zu stürmen und nur ein starkes Militäraufgebot konnte mit großer Mühe die Fanatiker vertreiben. Garcia soll keine Speise und keinen Trank angenommen haben, feit er int Gefängnis ist. Seine Anhänger behaupten, er erhalte Nahrung durch göttliche Hilfe. Jedenfalls ist es dem Propheten gelungen, die Stadt zu entvölkern und in heillose Verwirrung zu bringen.
Gleichllang-Rätsel.
Hauptwort trägt besondre Kleider Und spricht fremd im deutschen Lande. Zeitwort sehen wir beim Schneider Am getragenen Gewände.
Auslösung tu nächster Nummer.
Auslösung des Rösselsprungs ist voriger Nummer t Die Mühe ringt dem harten Felsen ab, Was je um Schweiß ein Gott der Menschheit gab. Die Treue spart des Schicksals Preise, Arbeitend, wissend bildet sich der Weise.
Redaktion: I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießs/»


