Ausgabe 
14.8.1912
 
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imfe und Fabriken werden die Snmmlen aufgebracht, die unsere Baumelster in Architektur umzu setzen haben.

, Zuerst standen sie ein wenig ratlos vor den plötzlich gestellten Man wußte von den Hochschulen her sehr wohl Bescheid, tote em Palais gefällig und künstlerisch anzulegen wäre; M^me so nüchterne und gewöhnliche Sache wie eine Fabrik?! Mre Griechen hatten keine Fabriken gebaut, die Römer so etwas nicht geklnnt, die Gotik kerne Beispiele dafür hinterlassen; also konnte

etü? Aufgabe sein für Menschen, die sich als Bau- kunstler suhlten, die etwas an die Straßen setzen wollten ähnlich raSYrtes.°rt^ geschaffen hatten. Den Jlldustriebau

überlies; also der künstlerisch bestrebte Architekt minder ehrgeizigen Uud rnlnder befähigten Bautechnikern. Für Leute; die eben nichts r,Höheres zustande bringen konnteii, war er als Arbeitsgebiet gerade recht.

v c gguze 19. Jahrhundert, das diesen verblüffenden Sieges- '

V?,. MAfAuue erleben sollte, war von solchen Anschauungen ^herrscht. Ate,,Arbeitskaserne" war eine von jenen widerwärtigen Erscheinungen, die das Leben täglich ungemütlicher machten und die man am liebsten garnicht auf der Welt gehabt hätte. Man tonnte sie sich nur roh, nur häßlich, nur abstoßend vorstellen, und welchen Sinn hatte es gehabt, an so etwas künstlerische Sorgfalt Kil verschwenden! War es nicht des Guten genug, wenn man die ruaH« ment Ästchen stilgerecht herrichtete, wenn man einen Happen Elk, Renaissance oder dergleichen als Aufputz dreingab? Kein Äwlr rri rie uupid anschwellenden Fabrikstädte ein so unsagbar rropioses Aussehen boten, wenn der Naturfreund zu zittern begann, I? Wen SöI der erste Schlot zu rauchen anfing. Wo

t schiuen erst einmal ratterten, die Räder surrten, die Hämmer Wn°rn^en/~5ar r? .auS der Schönheit. Kahle Backsteinmauern, klobige Schornsteine, geteerte Dächer, ungeordnete Baumassen, kgn Ä^lt der Arbeit, die sich alles unterjochte. Eine Entwürdigung des lebendigsten aller

$C9rl s: Arbeitsbegriffes. Die stolze Industrie, die

Hunchrttauseuden die Daseinsmöglichkeit gab, hauste so, als ob ,t®?OT3 em« Falschmünzerwerkstatt das Tageslicht zu scheuen hätte, und pferchte diese Hunderttausende zeit ihres Lebens in Baulich- tu'r-Y Vorzeitig altern und arbeitsunfähig machen mußten. Unhygienisch und unwirtschaftlich, war diese Art der Kasernierung nicht langer' haltbar. Männer von weiterem Blick erkannten, daß uian den Leuten, die gute Arbeit leisten follten, menschen­würdige Ausenthaltsräume, Licht, Luft und eine zweckmäßige Ord­nung bieten müßte. Schon im Aufbau sollte der Betrieb so ge­gliedert sem, daß ;ebe Arbeitssunktiou wie eine Selbstverständlich­keit zu der nächsten überleitete, daß unnötige Härten gegenüber den vielerlei Angestellten vermieden wären. So war es ein Gebot der Klugheit, sich bei solcher Gelegenheit an die besten Architeften der Zeit zu wenden. Nicht weil sie mehr oder minder große Künstler waren, sondern weil bei ihnen am meisten Verständnis zu erwarten war für die Bedürfnisse des praktischen Alltages, weil sie ja auch sonst darauf ausgingen, das Notwendige zweckvoll und harmonisch zu organisieren.

Um an einem Beispiel zu zeigen, nm1 was es sich da eigentlich handelt, braucht man nur auf die neue Turbinen Hal le u nd di e n eu en Fabrikanl a g en d er A. E. G. zu verweisen. Es ist ja bekannt genug, daß die A.E. G. sich für ihre Bauten Peter Behrens aus Düsseldorf herühergeholt und daß im Norden Berlins Jngenieurwerke von jauchzendem Schwung und prickelnder Elastizität entstanden sind. Arbeitsstätten, in denen die Arbeit Ulchts mehr Gedrücktes und Helotenmäßiges an sich zu haben schemt, die als Wahrzeichen einer neuen Großmacht in die Welt hmelnragen. Man kann es begreifen, daß die auf große Reprä- sentatton bedachten Gebr. Mannesmann sich von diesem Behrens etn Bureauhaus richten, daß die S t a d t F r a n k f u r t am Main sich von ihtn ein Projekt für eine neue Gasanstalt hat machen lassen. Ihr Ost Hafen mit seiner Luftschisfhalle, seinen prachtvollen Brückenanlagen, Mühlen, Lagerhäusern und Fabrikgebäuden, die da in den letzten Jahren in die Höhe geschossen Md, ist ia so recht ein Milien für diese Art neuer Bestrebungen. Ein Dokument besonderer Pflege ist das Bad Nauheim. Tie hessische Regierung hat dafür Sorge getragen, daß die Salinen, Badeanlagen, Gaswerke usw. sich zu einem harmonischen Bild runden. Eine Tendenz, die ohne eine behördliche Fürsorge in der lost genannten Gartenstadt Hellerau durchgeführt worden ist. Eine imposant geleitete Möbel-Fabrik: die deutschen Werk­stätten für Handwerkskunst, tritt ja hier als Siedlerin im großen Stile auf. Nicht nur ein moderner, von Riemerschmid durch»- geformter Fabrikbau ist da geschaffen worden, sondern auch sehr ansprechende Ein- und Zweifamilienhäuser für die in der Fabrik beschäftigten Arbeiter. Bei dieser Anlage denkt man unwillkürlich an das von Fischer gebaute Fabrikdorf G emind ersdo rf bei Reutlingen oder an die vorbildlichen Siedelungen, die sich au die Krupp-Werke schließen.

Fürwahr, wenn man mit einem Blick für diese Dinge dtirch das Reich fähtt, findet man doch eine ganze Menge Anlagen, die wie einst die Tome und die Schlösser davon zeugen, daß die deutsche Arbeit sich zu einer stolzen, ihres Wertes auch bewußten Wacht entwickelt hat. Da sind die liebenswürdigen, mitunter spielerisch liebenswürdigen Gestaltungen, die man in schwäbischen Nestern antrifft, da die monnUtentale Wucht der rheinischen Jndustriewerke, Von denen auch nur die Besten aufzUzählen.auf schrkaleW Raunt

m°sllch rst. In der Ruhr spiegelt sich ein vorbildlich anständiger Aurbmenbau, den Bruno Taut für Har kort und

.Wetter errichtet hat. Und aus' der Silhouette der iTP9V^. höchst charaktervolle Bau, den die - ?^^b-Handels-Aktren-Gesellschaft von H.Wagner erhalten hat. ^n Hannover steht man überrascht vor der neuen §^^»^?8'abrtk von Bahlsen, in Wiesbaden vor der ^^'"l.chen Sektkellerei. Dresden hat in seinem Stadtbaumetster Erlwetn, Barmen in Kuebart, Offen­bach tit Eberhardt, die Provinz Schlesien in Poelzig Manner, die sich an solchen Aufgaben mannigfach bewährt haben. Den Kenner unserer architektonischen Bewegung wird es auch inter- estteren zu erfahren, daß Muthesius, der die netten Land- hauschen baute, eben dabei ist, für eine Berliner Seidenfabrik in N^wa^s eine große Fabrikanlage zu schaffen.

Starke Forderung verdanken diese BestrÄungen der sogenann- f $u e,to e 9 u n 9- In dem alten Fabrikbau, der rücksichtslos Landschaften und Städtebilder verwüstete, bekämpfte einen ihrer grimmigsten Gegner. Den Unternehmern suchte sie das Gewissen zu schärfen, den Leuten draußen im Lande klar zu machen, wie unsozial es doch sei, wenn ein Einzelner die Möglichkeit habe, mit einem rohen Ban die Schönheit eines ganzen Bezirkes zu zerstören; ja, sie scheute sich nicht, gegen derlei ästhettsche Roh­linge die Klinge der Gesetzgebung in Bewegung zu setzen. Schade nur/ daß diese verdienstvollen Absichten gelegentlich beeinträchtigt werden durch ein paar Heißsporne, die in einem liebereifer die neuen Fabrikbauten in das Gewand alter Bauerngehöste stecken mochten. Sie glauben den Charakter der heimischen Landschaft einzig dadurch bewahren tzu können, daß sie für alles, was neu hin­zukommt, eine Maske verlangen, die den Anschein erweckt, als ob das Oertchen seit fünfhundert Jahren ohne Entwickelung ge­blieben wäre. Eine Spinnerei, eine Weberei, eine Gießerei ober etne Papierfabrik sollen nicht anders aussehen als die Tenne des Rittergutes, das vielleicht einmal an dem Platz gestanden hat. Wo die Räder sausen, die Treibriemen surren, die Hämmer schlagen, die Schlote rauchen, ist dieseScheunenromantik" aber wahrlich nicht weniger operettenhäft als die Autogarage, die Ivie ein Schwemekober eingedeckt wird. Abgesehen von den unsachlichen und oft undurchführbaren Anforderungen, die dadurch an die Industriellen gestellt werden, hemmt man durch solche Tendenzen die künstlerische Entwicklung des modernen Fabrikbaues, dessen eigentliche Größe doch darin besteht, daß er für die organisatorischen/ tecymschen, hygienischen und sozialen Voraussetzungen eines solchen Betriebes sich die selbstverständliche Form schafft, daß, er aus den neuen Konstruktionen, den neuen Baustoffen, die zur Verwendung gelangen müssen, und den neuartigen Möglichkeiten, die in dieser Welt der großstiligen Arbeitstaten schlummern, Gestaltungen ent­wickelt, die an Größe und charaktervoller Schönheit nickst zurück- bleiben hinter den Dokumenten, durch die die alten Mächte vor der Nachwelt .bestehen.

Der siegeszug der Motors auf -em Weltmeer.

In wenig niehr als einem Jahre ist der Motor und die Petro­leumfeuerung im Schiffahrtsverkehr von Bedeutungslosigkeit zu einem ernften Nebenbuhler der Dampfmaschine emporgewachsen/ und an, die Tore unserer Gegenwart pocht bereits mit harter Faust die Zeit, da ein Teil der traitsatlantischeu Schiffe von der Kohlenfeuerung zur Petroleumfeuerung übergehen wird. Welche wirtschaftlichen Vorteile und Ersparnisse bieten nun int Schiffsverkehr die Dieselmotoren, die in jüngster Zeit im prak­tischen Dienste ihre erste Probe abgelegt haben, sind die Erspar­nisse und die Vorteile groß genug, um eine schnelle Umformung! der Schiffbautechnik erwarten zu lassen? Zum erstenmal wird diese Frage auf Grund praktischer Erfahrungen zahlenmäßig von dem Herausgeber der bekannten englischen FachzeitschriftDas Motorboot" ausführlich beantwortet, und das vorgelegte, sorgsam zusammengestellte Zahlenmaterial spricht eine deutliche Sprache. Der englische Fachmann legt Wert auf die Feststellung, daß sein Material einer großen englischen Schiffahrtsgesellschaft entstammt, die bisher nur mit Kohlenfeuerung gearbeitet hat. Er stellt bei seinen Ausführungen zwei annähernd einander gleichwertige Schiffe nebeneinander: die mit Dieselmotoren ausgerüsteteSelandia", die regelmäßig zwischen Nordseehäfen und Bangkok verkehrt, und ein Dampfschiff gleicher Größe. Die Verhältnisse beider Schiffe sind folgende: Selandia 7400 Tonnen geladenes Deplacement/ 4900 Brutto Registertons, 3200 Netto Registertons, 370 Fuß Länge bei 53 Fuß Höhe und 30 Fuß Breite. Das Dampfschiff dagegen Mit: ebenfalls 7400 Tonnen geladenes Deplacement, 4930 Brutto-Registertons, 3210 Netto-Registertons, 356 Fuß Länge bei 50 Fuß Höhe und 32 Fuß Breite. Die Schnelligkeit beider Schiffe ist gleich groß: 11 Knoten. Das Dampfschiff ist im übrigen etwas schlanker gebaut, aber dieser Vorzug kann durch das etwas höhere ungeladene Deplacement als ausgeglichen angenommen werden. Was verbrauchen nun diese beiden Schiffe täglich auf der Fahrt an Feuerung? Die Selandia verzehrt 1012 Tonnen Petroleum, der Dampfer 4045 Tonnen Kohlen. Für die ganze Reise von der Nordsee nach Bangkok, die hin un$ zurück 75 Tage beansprucht, braucht die Selandia 900 Tonnen Petroleum, der Dampfer 3700 Tonnen Kohle. Nun wechselt der Preis von Petroleum und Kohle in den einzelnen Häsen sehr stark. Das wirtschaftlich zweckmäßigste.re natürlich, dey