ML <»

wundert als in der zauberhaften Schnelligkeit, mit der man heute durch einen raschen Druck auf einen Knopf ein früher kaum vorstellbares Glanzrneer entfaltet. r

Als die täglichen Beleuchtungsmittel kannte man vor Mindert Jahren nur Talg und Oel. Zwar gab es auch Wachskerzen und sie verbreiteten in großer Menge ein schönes vornehmes Laicht. In der Zeit der Grandseigneurs, da das Geld keine Rolle ge­spielt hatte, waren bei Hofe und in den Schlössern des Adels die Kronleuchter aus dem funkelnden venezianischen Glas mrt Hun­derten von Kerzen besät gewesen und hatten einen feenhaften Schimmer ausgestrahlt. Aber vor hundert Jahren war man arm geworden und die Wachskerzen waren unerschwinglich teuer; nur noch bei großen Festlichkeiten oder in den vornehmsten Zirkeln sah man Wachslichter; in bürgerlicheri Kreisen hielt man sich höch­stens einenWachsstock" zum augenblicklichen Anzünden für kleine Gänge. 'Die Talglichter waren die regelmäßige Beleuch­tung der Zimmer, und die waren nichts weniger als hell und angenehm. Meist stand nur eines auf dem Tisch; bie, Malerur Caroline Bardua erzählt aus ihrem Jugendlehen, das sich in einer guten Bürgerfamilie abspielte, das stets nur ein Licht brannte, bei dem die Mutter las und die Töchter arbeiteten. Nur wenn Besuch kam, zündete man zwei, bei hohen Gästen sogar vier Talglichter an. Das Licht bedurfte beständiger Pflege und Auf- merkfanikeit, denn alle Viertelstunden verdüsterte es sich und Mußte dann geputzt werden. So spielte denn die Lichtputz- schere eine große Rolle; sie stand als stehendes Juventarstück in einem blechernen Schiffchen neben dem Leuchter. War man ungeschickt, so erlosch das Licht und die Gesellschaft saß plötzlich im Dunkeln: oft war diese Ungeschicklichkeit nicht unbeabsichtigt und die plötzliche Verdunkelung des Zimmers gibt in den Bieder­meiergeschichten seit Jean Paul den besten Anlaß zu allerlei Schabernack und komischen Verwicklungen. Oesters mußte auch einDieb" vom Lichte genommen werden und das Putzen war überhaupt eine kleine Kunst, die manchem recht schwer fiel. Ein solcher der Lichtputzschere Üeberdrüssiger schlägt B. in den Entmischen wöchentlichen Nachrichten 1805 vor, die Talglichte in einem Winkel von 30 Grad von dem Perpendikel brennen zu lassen, nm des Lichtputzens überhoben zu sein. Beim Auslsöchen des Lichtes entstand ein sehr häßlicher Geruch; man mußte es daher mit einem kleinen Klümpchen Talg, das man an die Spitze der Lichtputzschere nahm, ersticken.

Auch die O e l l a m p e n würden unseren heutigen Ansprüchen keineswegs genügen. Da mau der Kunst noch nicht Herr war, durch eilten geschlossenen Glaszylinder die Leuchtkraft zu steigern, brannte die Flamme zumeist offen. Tie primitivste Form war eine offen brennende Lampe mit dünnem Docht, dasO e l l i ch t". Vielfach sah man auch, besonders in der Küche, Hanglichter, Lampen .ohne Fuß, die mit einer Kette an einem Haken am Gesimse des Rauchfanges aufgehängt waren. In besonderen Häu­sern hatte man schon größere, künstlicher eingerichtete Lampen, aber die Beleuchtungsformen, die noch unsere Jugend erhellten, die Gasspiritus- und Petroleumlampen, kamen erst langsam um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf.

Noch viel primitiver, ja von einer heute ganz abenteuerlich amnütenden Beschwerlichkeit war das Feueranzünden. Das schwedische Zündholz, das um Sie Mitte des Jahrhunderts erfunden wurde, war auf diesem Gebiet eine wahre Erlösung. Im Winter hielt man meistens im Ofen oder Herd eine glühende Kohle, an der ein Schweflfaden oder Schwefelholz entzündet werden konnte. Hatte man bereits eine lichte Flamme, so genügte ein Fidibus zum weiterzünden. An den hin und herziehenden Funken des erlöschenden Fidibus hatten die Kinder ihre Freude; sie sagten:Sie sähen die Leute aus der Kirche gehen" und der letzte Funke warder Küster". War kein Feuer mehr im Hause, dann bediente man sich eines Feuerzeuges, das gewöhnlich aus Stahl, Stein und Schwamm bestand. Man'schlug mit dem Stahl so lange an dem' Stein herunter, bis der auf den Stein gelegte Zunder von einem der heraussprühenden Funken Feuer gefangen hatte. Ta der billige FeuerschwaMm nur sehr schwer zündete, so konnte man sich bei diesem Geschäft

recht lange abmühen. An den glimmenden Schwaimn

hielt man ein Schwefelholz, das dann nach einiger Zeit in lichter Flamme brannte. Die in geschmolzenen Schwefel getauchten Fäden mürben in Päckchen zu 3 Pfg. verkauft; spar­same Hausfrauen sollen mit einem solchen Päckchen ein Jahr lang ausgekommen feilt. Man trug so für den Kampf mit dem Licht imFeuertäschcheu" bereits eilte Anzahl Waffen mit sich; es gab aber auch noch besondere Z ünd maschinen. Ta waren die Luntenfeuerzeuge und die Zunderbüchsen, daun die chemischen Feuerzeuge, die nach der Entdeckung Berthollets, daß chlorsaures Kali sich durch Schwefelsäure entzünde, aufkamen. DieseTätsche- feuerzeuge" bestanden aus langen plumpen Schwefelhölzern, die man in Fläschchen tauchte und brennend herauszog; man konnte sich mit der Säure aber leicht den Rock für immer verderben. Im Wohnzimmer des besseren Bürgers fand man wohl auch ein Mahagonikästchen, das ein kopliziertes Instrument umschloß. Durch den Druck einer Messinghandhabe wurde ein Platinschwämmchen glühend, das einen Fidibus entzündete. Die Entzündung wurde durch Entwicklung von Wasserstoffgas hervorgerufeit. Dieses

D ö b e r e in er s che Feuerzeug wurde nicht in Kästen, sondern auch in gefälliger händlicher Form aus Blech, Glas oder Porzellan hergestellt. Man konnte es im! Spazierstock oder in der Westentasche tragen.

Aber tote kostspielig war diese Vorrichtung, wie unsicher, wie unbequem ! So drängte seit 1830 die Entwicklung immer mehr auf Sie Streichhölzer hin, die freilich zunächst noch einen übten: Phosphorgeruch und große Feuersgefahr mit sich brachten. Mit dem Siegeszug derSchweden" sank dann Die Lichtkultur der Biedermeierzeit endgültig dahin. Das Anzünden der Zigarre war nun fein großes, Minuten dauerndes Ereignis mehr und man brauchte keine Repetieruhren, nm im Dunkeln zu wissen, wie spät es ist. . . _____________________

Vermischtes.

ff. Manet als Käsern aller. In den Erinnerungen des früheren Ministers der schönen Künste Antonin Proust an Edouard Manet, bereit Fortsetzung das Novemberheft der bei Bruno Cas- sirer in Berlin erscheinenden MonatsschriftKunst und Künstler" bringt, stndet sich ein allerliebstes Geschichtchen aus'Manets Früh- zeit. Er war auf der Schule ein rechter Faulpelz, so daß fein Vater mit ihm nichts anderes anzufangen wußte, als baß et ihn dem Kapitän Besson, der das SchiffLa Guadeloupe" nach Rio de Janeiro führte, als Schiffsjungen mit gab. Ta der Ka­pitän seinen neuen Schiffsjungen während der Fahrt hatte malen sehen, so sagte er zu ihm, als dieGuadeloupe" Rio in Sicht bekam':Ta Sie malen können, junger Manit, so werden Sie mit diese holländischen Käse frisch anstreichen, die durch die Heber» fahrt verblichen sind. Hier ist ein Topf Wertige und ein Pinsel." Manet tat seine Pflicht. Als das Schiff in den Hafen einlief, glänzten die Käse wie Tomaten. Tie Einwohner, hauptsächlich die Neger, kauften sie mit Begeisterung, verschlangen sie mit der Rinde und bedauerten nur, daß nicht mehr zn haben war.

* EinHeld.Na, ich sage Ihnen," so berichtet Mt. Jenkins stolz, >,dem Herrn hab ich's aber gegeben das kann ich Ihnen sagen. Und wenn er auch zweimal so groß und zweimal so stark ist tote ich, das hat mich nicht gehindert, ihm meine Meinung schlankweg ins Gesicht zu sagen. Namen habe ich ihm gegeben, die kein Wörterbuch verzeichnet. Und nicht gemuckst hat er, der Feigling."Er versuchte nicht, Sie zu mißhandeln?"Was? mich mißhandeln? Nein, mein Liebet, das wagte er nicht. Als er nur Sen geringsten Versuch machte, mir zu antworten, da, ja da hing ich einfach den Höret an und ließ ihn stehen » .

Büchertisch.

Der Hande & Spettersche Damen-Almanach (47. Jahrg. für 1913. Verlag von Haube & Spener, Berlin), ist auch dieses Iaht wieder erschieneit. Das geschmackvoll aus- geftatiete Büchlein vereinigt in sich Taschenkalendet, Notiz- und Tagebuch in zierlicher Form.

Leonardo d a Vinci, von Bruno Schrader (Band 13 der Biographiensammlung berühmter MaletMeisterbilder in Farben"), Schlesische Verlagsanstalt (vormals Schottlaender), G. m. b. H. in Berlin W 35. Leonardos da Vincis Leben und Wirken ist von der kuiistgeschichtlichen Forschung immer noch nicht in allen Punkten aufgehellt und untersteht noch den stärksten Widersprüchen. Gleichwohl kann die Darstellung, die in dem vor­liegenden Bande geboten wird, als eilte sehr befriedigende be­zeichnet werden; sie ist wohl geeignet, das Verständnis für diesen großen universalen Geist der Renaissance und für sein viel­seitiges Wirken zu fördern. Der Band ist mit einer Anzal vop Abbildungen versehen.

Zkat-Ausgadr^

Vorhand erhält folgende Karten:

<9 c? c?

Q Q Q i<2 Q

c? c?

Q Q

Q <2

ch ch

O

M

+ .+ +*+ * +

Sie tourniert Pique-Sieben und findet noch Carreau-Sieben. Das Spiel wird gewonnen. Wie saßen die übrigen Karten und wie wurde gespielt?

Auflösung in nächster Stimmet.

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer? Als Mann auch halt die Mutter hoch, Es wird das Herz ihr laben;

Die Mutter sieht im Alter noch Jui Sohne gern den Knaben.

Redaktion: K. N e n r a t h. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen.