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be.ru der „FriMmetz" zuständigm Wer an bi« Stadt Herbstein verkauft bat.13) .
(Fortsetzung folgt.)
t- 12) So nach einer Mschrist in btt Herbsteiner kathol.Pf arr- Kronik aus etaeni Mrbrannten alten Herbsteiner Gerichtsbuch.
Kritzlar.
Wir lieben oft diejenigen Kunstwerke am Meisten, .die unausgeführt, skizzenhaft sind. Auch Ruinen und Fragmente, deren fiprFtnruna nicht gar zu weit vorgeschritten ist, wetten uni ästhetisches Wohlgefallen. Weil alle diese Kunstwerke unserer WLautasie Spielraum zur Ergänzung lassen. Moderne meirau SZ Z mir L-»I° wir *
sehen von anderen Gründen, schon Mirum nicht, weil unter Phantasie dabei unterbunden Wirb. Eine Stadt, die ihrvor- Zeitliches Gepräge gut bewahrt hat, heimelt uns aus demselben Mchologischen Grunde an. Wohl hat der Strom der Z- t du schärfsten Linien verwischt und die Kinder unserer Tage mit ihrem Aussehen und Gehaben stehen Wie em Schleier vor den alten Dingen. UM so weht kann unsere Phantasie spielen, die alte Zeit wieder herzustellen.
Amönebing war^die^erste Gründung des Bonifatius in Kiffen.
Ranke derDochfläche, die zum Edderflusse abfällt, gttindetc der deutsche Apostel ein BenedMinerlloster, nachdem er die Monar- Eiche bei dem benachbarten Geismar gefallt hatte. Als ersten Abt setzte er den heiligen Wigbert em. Unter Wigberts M^rung wuchs der heilige Sturmius auf, der /pater von ihrer aus ?diAbttl Fulda begründete. Kloster und Klosterichule entwickelten sich zu hoher Blüte, die auch die erste Saecularisation, die Umwandlüna in ein Chorherrenstift, überdauerte Diesem gehörte um 1200 Herbort von Fritzlar an, em „gelarter Schulere , der auf Aufforderung des Landgrafen Hermann von Thüringen^ desBe- schützers her Minnesänger, em „Siet von Trohe (Troia) schrieb, von 18 438 Versen. Der Anfang heißt:
„Swer siner Kunst meister ist Der hat gemalt an siner List Der kann ft beferen, Minren und meeren Witen und engen, Kyrtzen und lengen. Des ist der lichtere Wist und gewere."
Und das Ende:
„Jr hat diz Geticht wol gehört, Ez tichte von Fritzlar Herbort, Ein gelarter Schulere.
Ez en ist nicht achtbare Daz er icht dichten kann Doch so nimet er sis an Mit andern tichtern Der schar will tt mereu. Er gert anders Lobes nif Alsüs endet sich diz Siet."
Aber auch in politischer Beziehung warFritzlär ttn bedeutender Platz. Es wurde der Sitz des Hefsisch-Conradinischen Grafengeschlechtes. Aus ihm ward Conrad der jüngere Herzog der Franken und bestieg nach dem Aussterben der deutschen Karo- kinger 911 den Königsthron. Er war es, der auf dem Totenbette 918 seinen Bruder Eberhard überrredete, dem Sachsenherzog Heinrich die Reichskleinodien zu überbringen und die Wahl der Franken auf ihn zu lenken. In Fritzlar wurde dann Heinrich I„ der Vogeler, zum Könige ausgerufen. — Otto I. hatte eine Königsvilla dort. Heinrich dem IV. war die Stadt ein wichtiger Stütz- hunkt in den Sachsenkriegen. — In der Folge wurden die äußeren Geschicke der Stadt durch die ewigen Fehden zwischen dem Erz- bistume Mainz, in dessen Besitz sie gekommen war, und den Fürsten vno Hessen bestimmt. — IM 30jährigen und' tat 7jährigen Kriege hätte Fritzlar viel zu leiden. 1803 verlor es durch den Reichst, beputationshauptschluß die Quelle seiner Bedeutung: Das Chor- härrenstift wurde aufgehoben. Heute ist es eine stille Landstadt.
Das hervorragendste Denkmal der Stadt ist die Stiftskirche St. Petri. Dadurch, daß die Bautätigkeit vieler Jahrhunderte sich an ihr verewigt hat, und daß sie im wesenttichen von der Hand stilwütiger Restauratoren des 19. Jahrhunderts verschont geblieben ist, gibt die Kirche ein wundervoll malerisches Gesamtbild. Nettester Teil und Rest eines 1078 von den Sachsen zerstörten Baues ist die ApsiS des nördlichen Choranbaues unter $ent 1560 entstandenen originellen Fachwerkgeschoß. Der Bau, wie er heute int großen und ganzen steht, ist das Produkt des Umbaues einer zwischen 1079 und 1118 in sächsischen Formen errichteten Basilika, der nach 1171 vor sich ging. Er brachte die EinWölbung des Mittelschiffs. Bis ins 13. Jahrhundert hin dauerte der Bau des reichen, in Wormser Formen aus ge
führten Chorb au es. Die Mchtige West-Vorhalle int UebergaUgSsU ist, wie Stephan Beissel 1895 in den „Stimmen aus Matta Laach" bewiesen hat, erst um 1260 errichtet worden. Der Gotik entstammen die Hellen beiden südlich«! Seitenschiffe, der Kreuz., gang und die ziemliche tat Norden angebaute Bomfattuskapelle. Barock und Louis XVI., Zopf nannten das die bösen Stilpuristen des 19. Jahrhunderts, haben sich im Aeußeren dmch einen Vorbau der Nordseite und int Inneren durch zahlreiche Ware und speziell der Louis XVI.-Sttl durch BW ei wundervolle Türen int ^Um^bie'alte Stiftskirche lagen die Wohnhäuser, die Kurie» der Stiftsherren, deren eine bte gotische „Kuria in der Fische- gaffen" sich besonders charakteristisch erhalten hat. Wer Kapitular werben wollte, mußte ein Jahr in Bologna oder Varis studiert haben; alle unadligen mußten Magister fein; so laßt sich denken, daß ein feingeistiges Leben in den Kutten herrschte. Sie int Geiste mit ihren alten Bewohnern zu bevölkern, Hellen uns die Bilder auf manchem Grabstein in Kreuzgang und Krypta der Sttftskirche. Wie sehr Kunst ihr Leben durchdrang, beweist btt schöne Form, die alles, was sie untgab, adelte, Kirche, Wohnens, Gerät. Der Kirchenschatz enthalt Stücke von wunderbarer Schönheit: Romanische, gotische, Renaissance uitb Barock; Gewänder Kelche Monstranzen, Reliquiare, Cibotten, Tragaltare. Das Stift mit seinem bedeutenden Verwaltungskörper bildete eme aristo- krattsch geschlossene Welt für sich; es lag in stetem Kampfe um seine Privilegien mit der Stadt. „ „ ,
Hier traten als vermittelndes Element Bettelmönche, Franziskaner ein. Selbst freiwillig bettelarm, begründeten sie 1237 ,m Stadtteil der Attmeren, deren Seelsorge ihnen ia besonders am Herzen lag, Kirche und Kloster, oben auf und an der Stadtmauer. Eine helle Predigtkirche von schlanken, schönen Verhältnissen. Ihr alter Totenhof ist heute ein Garten, der die hohe Kirche in grünen Blätterschmuck hüllt. Im Osten war sie mit der Stadtbefestigung in Verbindung gesetzt. 1377, berichtet eine Urkunde, erlaubten bte Minoriten der Stadt, auf ihrem Chore ein Wächterhaus zu erbauen und einen Aufgang dazu an der Giebelwand der Sakriltet ""^Um^das bunte Bild der gttstlichen Korporationen zu vervollständigen, gab es noch eine DeutschordenscomMende etn Augustmer- nonnenlloster in Fritzlar. An die Stelle der letzteren traten Ursulinerinnen, die im ersten Viertel des 18. Jahrhund«ts dm Barockbau errichteten, dessen breite Masse das Bild der Neustadt am Abhänge des Berges beherttcht. , .
Einer starken Befestigung bedurfte Fritzlar als kurmainzpches Bollwerk gegen Hessen. Noch ist genug von Türmen und 9Jtaittn übrig, um dem mittelalterlichen Stadtbild den charakteristischen festgeschlossenen Rahmen zu geben. Dem Trutze gegen den Feind gibt der große graue Turm besonders monumentaleil Ausdruck. Er War auch Signalstation für die auf den umliegenden Hohen und tat Tale verteilten Warttürme, die das Anrücken des Feindes zu Melden und als Zuflucht für die auf dem Felde arbeitenden: Stadtbewohner zu dienen Hätten. Hinter der Mauer lauft der Rundengang, von bett Türmen führen radiale Straßen nach dem Stadtherzen, dem Markte. So konnte jebeT angegriffene Teil leicht mit KttegsUramien beschickt Werben. IM Schutze dtcfer Be- feftigung eng zusamMengedrängt, spielte sich bas künstlerisch so unendlich reiche mittelalterliche Leben ab: Fast leber Burger bewohnte fein eigen Haus, an dessen Einrichtung mid Ausstattung Generationen arbeiteten. Bunte Fachwerkhäuser mit reichem Schnitzschmuck — am Markt ein besonders hübsches, mit keckem Türmchen — stattliche Steinhäuser mit wuchtigen Staffelgiebeln. Wohl waren die Räume des einzelnen Burgers beschränk, aber für die bürgerlichen Feste gab es ein gewaltig großes Fachwerkhaus, das um 1585 errichtete Hochzeitshaus. Seme reiche Ausstattung — jeder, der bort gefeiert hätte, Hochzeitspaare, Taufeltern usw. Mußte ein Stück stiften — ist leider verschwundem Wie anheimelnd ettchttnt bas alles deut modernen Mensche«, dem Mist feiltet Mietsetage. Christian Rauch.
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Charade in voriger Nummert • Aufrichtig.
Redaktion: K?N e n"r'a th. - Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'fchm Universitäts-Buch- und Steinbruckerei, R. flano«, Wiche»


