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stürmen. Eine Besichtigung der Breschen ergab aber, daß der Verteidiger dieselben inzwischen durch starke innere Abschnitte gesichert hatte, so daß Wellington sich nunmehr entschloß, noch einen dritten Zugang durch Beschießung der dazwischenliegenden Kurtine herzustellen. Krachend schlugen am 6. April seit Tagesanbruch die Bomben sämtlicher Batterien gegen das Mauerwerk der Kurtine, die unter diesem Höllenfeuer bald zusammenstürzte. Gegen vier Uhr nachmittags war auch an dieser Stelle eine Bresche (die dritte) in die Stadtumwallung gelegt, so daß Wellington nunmehr den Sturmbefehl mit größerer Zuversicht ausgeben konnte.
Aber auch der Verteidiger hatte alles aufgeboten, um dein sturmfrohen Gegner das Vordringen durch die Lücken nahezu unmöglich zu machen. Was nur der menschliche Geist an Hindernissen und Zerstörungsmitteln jemals ersonnen hatte, var zwischen den beiden gefährdeten Bastionen Trinidad und San Maria aufgestapelt und vergraben worden. Da man seit der Legung der Breschen allnächtlich auf einen Sturm gefaßt war, dem Gegner aber die Furchtbarkeit der Gegenrüstungen verbergen wollte, wurde alles Sichtbare vor Tagesanbruch wieder abgeräumt. In den Grabenstrecken am Fuße der Breschen waren lange Reihen Pulverminen und unter sich verbundener schwerer 'Bomben unterirdisch angelegt. An dem ausspringenden Winkel der Bastion Trinidad wurde ein mit 100 Scharfschützen bemannter Nachen aufgestellt, von dem aus nicht nur die Bresche flankiert, sondern auch die Front der Nebenbastion beschossen werden konnte. Auf den Kamnt der Wallbrüche legte man eine zusammenhängende Reihe von je 60 Pulverfässern und Bomben, die den Stürmenden beim Ersteigen mit brennender Zündschnur entgegenrollen sollten. Weiter, rückwärts waren durch Sandsäcke neue Brustwehren aufgeschichtet, die infolge ihrer feindwärts mit Degenklingen gespickten spanischen Reiter einen wenig einladenden Eindruck machten. Zu Beobach- tringszwecken und zum Umwerfen der Sturmleitern hatte matt auf Anraten eines erfinderischen Bataillonschefs einzelne Mannschaften in Aushöhlungen der Bastionsbrustwehren versteckt. Zur unmittelbaren Verteidigung der Breschen standen 16 Elitekompagnien unter den Befehlen des Bataillonschefs Barbot und des rühmlich bekannten hessischen Majors Meister bereit, während 2 Bataillone dahinter in Reserve standen. Für die Verteidigung des Schlosses waren daher nur 155 Hessen, darunter>22 bewaffnete Hoboisten, unter Oberst Köhler übrig geblieben.
Punkt 10 Uhr am Abend des 6. April erfolgte der Befehl zum Beginn des in seiner Furchtbarkeit großartigsten blutigen! Schauspiels, das die vielen von beiden Seiten mit seltener Erbitterung geführten Belagerungskämpfe auf der von der Natur so reichbegnadeten Halbinsel aufzuweisen haben. Ein gleicherweise ehrendes Erinnerungsmal für die heldenhafte Tapferkeit der Angreifer wie der Verteidiger — für uns das bedauerliche, bei, dem unheilvollen Ringen schon öfter gezeitigte Bild, daß deutsche Söhne ihren Stammesbrüdern gegenüberstanden. Die leichte Division unter Oberst Bernard und die vierte Division unter General Colville sollten gegen die drei Breschen an der Südostseite der Ümwallung einbrechen, während dem General Picton mit der dritten das in der Nordostecke gelegene Schloß und General Leith mit der fünften Division die im Nordwesten von der Guadiana! bespülte Bastion San Vicente als Angriffspunkte angewiesen wurden. Gleichzeitig hatten die portugiesischen Truppen sowohl die nördlich des Flusses liegenden Befestigungen als auch das südwestliche Fort Pardaleras mit einer Ersteigung zu bedrohen.
Eine dumpfe, unheimliche Stille auf den von der Belagerungsarbeit aufgewühlten Gefilden. Fast atemlose Spannung hüben und drüben. Geräuschlos schlängeln sich zur festgesetzten Zeit die Sturmkolonnen durch die im Zickzack angelegten Verbindungsgräben, vorneweg die Träger der Heu- oder grasgefüllten Säcke, dann die .Leitertruppe, hinterdrein die Stürmer. „Sieg oder Tod!" liest man in den entschlossenen Mienen, blindes Vertrauen zu ihrem! schwärmerisch verehrten Führer und der unwiderstehliche Wille, dem trefflichen Gegner die Palme zu entwinden, sprüht aus den kampsgierigen Blicken der wetterharten Krieger. Das, knatternde' Kleingewehrfeuer einer Nebenkolonne der dritten Division unter Mäjor Wilson an der linken Flanke der bald darauf erobertest Lünette San Rochus gibt das Zeichen zunk allgemeinen Borbrechen. Gleich einem unaufhörlichen Wetterleuchten wird das grausige Dunkel der Nacht wie mit einem Schlage vom hellsten Lichtschein durchstrahlt und der blendende Glanz der zahllosen Leuchtkugeln entrollt den Angreifern in kurzen Zwischenpausen das Bild aller der ihnen Tod und Verderben zugrinsenden Feuer- schlünde und des sichtbaren Teiles der vor Unüberwindlichkeit strotzenden Annäherungshindernisse. Am furchtbarsten wütet der Kampf an den Breschen. Neben ihren mit Leitern, Aexten und Brechstangen versehenen Sappeurabteilungen stürmen die beiden dorthin angesetzten Divisionen — die leichte unter Oberst Bernard links, die vierte unter General Colville rechts — Unter ablenkcnder Feuervorbereitung ihrer Schützen an den diesseitigen Grabenrand. Trotz mörderischen Eisenregens aus den Gewehren der Besatzung und den mit Kartätschen geladenen Wallgeschützen klettern die kampfwütigen Stürmer mit beispielloser Todesverachtung in den Graben hinunter. Gerade wollen sich die dort massierten Kolonnen unter verheerendem Feuer der Flankengeschütze auf die Böschung der Mauerbrüche stürzen, da fliegen unter markerschütterndem Getöse die am Fuße der Breschen angelegten bombengefülltöu Fladderminen in die Luft, während gleichzeitig von obenutzer die
»st einer Art Zitadelle umgeschaffen tob durch Anlage von vur neuen Batterien verstärkt. Die Besatzung bestand aus 3Vs Bataillonen französischer Linien- und 2 Bataillonen leichter Infanterie, dem Gro jherzoglich Hessischen Regiment Groß- rind Erbprinz — jetzt 4. Großh. Hess. Inf.-Reg. (Prinz Karl) Nr. 118 —, je einer Kompagnie Mineure und Sappeure und 2 Kompagnien Fußartillerie, insgesamt etwa 5000 Mann. Die Abschnitte der Verteidigungswerke hatte der Truppenkommandeur, General Wey- ler, derart verteilt, daß« die West- und Südseite der Festung sowie die Außenwerke von den französischen Bataillonen besetzt wurden, während er die Verteidigung der gesamten Ostfront dem hessischen Regiment zuwies. ,.
Derweil nun in Elvas die letzten Vorbereitungen für die Einschließung von Badajoz getroffen wurden, überzeugte sich Wellington durch persönliche Erkundungen, daß er bei der Unzulänglichkeit seiner Angriffsmittel und dem Maiigel an geeigneten Mineuren und Sappeuren gegen einen derartig wohlvorbereiteten und schlagfertigen Gegner keinen leichten Stand haben werde. Da ihm die Marschälle Marmont und Soult die zu einer Aushungerung nötige Zeit nicht gegönnt haben würden, ging er im Vertrauen auf die Unerschrockenheit feiner Untergebenen mit der ihm eigenen verblüffenden Schnelligkeit ans Werk. Auf einer am 15. März geschlagene Pontonbrücke überschritt die Armee am, folgenden Tag unterhalb der Festung die Guadiana, vollzog die Einschließung stnd schon in der Nacht des 17. Marz wurden trotz Sturm und Regen die Laufgräben gegen die Vorwerke der Ost- und Südostfront — die Lünetten San Rochus und Picurina — eröffnet. Nichts vermochte die zähe Energie Wellingtons und seiner braven Truppen zu erschüttern, weder die unaufhörlichen Regengüsse, die das Tempo des Fortschreitens der Angriffsarbeiten ungemein verlangsamten, noch das heftige Geschütz- und Gewehrfeuer von den Wällen und Außenwerken. Noch stärkere Belastungsproben aber sollten die Zuversicht der Belagerer ins Wanken bringen. In den Abendstunden des 19. März machte General Wepler mit zwei Bataillonen — darunter 200 Hessen — und 30 Reitern nördlich der Lünette San Rochus vorbei gegen die Laufgraben- besatzungen einen energischen Ausfall, der unter Mitwirkung von 100 Infanteristen der Lünette Picurina dem Belagerer, abgesehen von der Zerstörung einer Parallele, einige 100 Tote und Verwundete sowie 500 Stück Schanzzeug kostete. Dazu wurde Oberst Fletcher, der sachkundige Leiter der Angriffsarbeiten, durch eine Verwundung im Unterleibs fürs erste ausgeschaltet. Aber auch der Verteidiger hatte starke Verluste. Von den 220 Toten und Verwundeten entfallen auf die dabei beteiligten Hessen allein 97. Am 22. März riß die Strömung der durch die anhaltenden Wolkenbrüche stark angeschwollenen Guadiana die Brücke weg und ließ 11 Pontons an ihren Ankern in die Tiefe sinken. Zwar hals man sich durch die Einrichtung fliegender Brücken, jedoch konnte deren Vorsicht heischende langsame Arbeit mit dem Bedarf der Truppen an Verpflegung und Kriegsvorräten nicht Schritt halten. Obwohl der Magen knurrte und die Arbeiter bis an 'die Knie im Wasser standen, stunden die.Laufgräben und Batteriebauten durch die wackeren britischen, deutschen und portugiesischen Truppen doch derart gefördert, daß schon am Vormittag des 24. März aus sechs Angriffsbatterien, 21 Kanonen und 7 Haubitzen beiden Lünetten und der Ostfront der Umwallung ihre verderbensprühenden Gegengrüße, zudonnern konnten. Auch die Mannschaften der deutschen Fußbattericn wurden zur Bedienung dieser Belagerungsgeschütze eingeteilt.
Bald waren die Kanonen der Lünette Picurina zum Schweigen gebracht. Noch in der Nacht zum 25. März gelang es dem Generalmajor Kempt, mit 7ÖO Mann das hartnäckig verteidigte Werk durch eine Ahne Leiterersteigung von der Kehlseite aus mit einem Gesamtverlust von 20 Offizieren und 300 Mann zu erstürmen. Von den 116 Ueberlebenden der 200 Mann starken Besatzung gerieten 86 in Gefangenschaft, .während etwa 30 Hessen unter Hauptmann Kullm'ann sich fechtend.nach der Festung durchschlugen. Der Besatzung von Badajoz hatte sich beim Beginn dieses nächtlichen Angriffs eine ungeheure Aufregung bemächtigt. Da man eine Ueberrumpelung befürchtete, mischten sich in den Trommelwirbel und das gellende Dröhnen der Alarm- trompeten die dumpfen Baßtöne der von allen Wällen speienden Feuerschlünde, während unzählige Raketen und Leuchtkugeln das in pechschwarze Nacht geMlte Vorgelände in kurzen Zwischenräumen erhellten. Erst nachdem ein in Richtung auf die angegriffene Picurina unternommener Vorstoß zurückgewiesen war, verstummte allmählich der Höllenlärm.
Nun konnte nördlich des eroberten Werkes die zweite Parallele ausgebaut werden. Bald begannen drei in derselben angelegte Breschbatterien ihr Zerstörungswerk gegen die Südostfront der Stadtumwallung, wobei sich die Fußbatterie der deutschen .Legion Unter Leutnant von Goeben besonders erfolgreich hervortat. Schon am Morgen des 3. April waren zwei brauchbare Breschen in die beiden inneren Flanken der an der Südostseite nebeneinander- liegenden Bastionen Trinidad und San Mariä geschossen worden. Da sich inzwischen Marschall Soult von Sevilla aus gegen das Beobachtungskorps des südlich Badajoz operierenden Generals Craham in Bewegung gesetzt hatte und Marschall Marmont von Nordosten, her mit baldigem! Vormarsch drohte, zog Wellington bte 5. britische Division unter General Leith zur Belagerungs- vxmee heran und wollte schon am Abend des 5. April den Platz


