Ausgabe 
13.4.1912
 
Einzelbild herunterladen

232

tzxplosionsVereiten Pulverfässer unb weitere Bomben tn zischendem Aufleuchten die vorderen Gruppen des Angreifers zerschmettern. Um die grauenerregende Vernichtungsarbcit noch zu vervollstan- digen, prasselt in den von emporsteigendem bleifarbenen Gewölk verdunsteten Trümmerhaufen ein betäubendes Schnellfeuer der auf dem Kähn befindlichen 100 ScharfsclKtzen hinein. Und wenn­gleich das grausige Bild der Hügel von Leichen pind Verstümmelten den nachfolgenden Trupps das Blut in den Adern fast erstarren macht, sie scharen sich doch hinter ihren tapferen Offizieren zu­sammen und stürzen über die Leiber der gefallenen Kameraden und die mit eisernen Zacken gespickten Bohlen hinweg die Böschung hinan. Ader auch dieser Anprall zerschellt, als die Kammhöhe fast schon erreicht war, an einem wuchtigen Bajonettangriff der vor den spanischen Reitern aufgestellten französischen Grenadiere und der tapfer fechtenden Hessen. Ein Hagel von Geschossen folgt den Flüchtigen, da jeder Brescheverteidiger mit drei Gewehren ausgerüstet ist. Doch sie geben die Hoffnung auf ein Gelingen des Durchbruchs nicht auf, die beiden todesmutigen Divisionen, noch zweimal versuchen sie unter dem vernichtenden Feuer der frohlockenden Gegner den Aufgang auf die Breschen zu erzwingen, bis nach zweistlindigem, erbittertem Kampfe ihre Kraft zu Ende ist. Aber auch jetzt wollen die braven Truppen von Rückzug nichts hören, unter dem verfrühten Siegesgeschrei des VerteidigersJls ne monteront Pas!" suchen sie um Mitternacht in den Quer­gängen des Grabens und hinter einem unvollendeten Ravelin einstweilen Schutz.

Gerade will Wellington den Befehl zum vorläufigen Rückzug der beiden braven Divisionen geben, als vom General Picton die Erstürmung des Schlosses gemeldet wird. Dort hatten die Sturmkolonnen der dritten Division zunächst den Anschlußwall zwischen dem südlichen Teil der Schloßbefestigungen und der be­nachbarten Bastion San Pedro durch Leiterersteigung zu stürmen versucht, waren aber von dem dort postierten 3. Bataillon des hessischen Regiments zu wiederholten Malen blutig zurückgeworfen worden. Nachdem sich der verwundete General Picton nach ern- stündigem, verlustreichem Ringen von der Nutzlosigkeit des Sturmes an diesem Punkte überzeugt, läßt er das Schloß von der Südost- und Nordseite angreifen. Erst nach halbstündigem verzweifeltem Kampfe gelingt es dem 54. englischen Regiment, auf der Mauer­krone an der Südostecke festen Fuß zu fassen und den größeren Teil der durch Abgaben an die Brescheverteidiger auf kaum 100 Mann zusammengeschmolzenen Hessen nach tapferster Gegen­wehr zu überwältigen. Gleichzeitig glückt es einer anderen Ab­teilung der Division unter tätiger Mitwirkung einer Artilleristen­abteilung unter dem bei der Leiteranlegung verwundeten Leutnant von Goeben, den nördlichen Teil der Schloßmauer zu ersteigen Und so die von allen Seiten gehetzten Trümmer der mit Löwen­mut fechtenden hessischen Besatzung niederzumachen.

Inzwischen ersteigt die Brigade Walker der Division Leith an der Nordwestecke der Stadt nach ähnlich verlustreichem Kampfe Wie bei dem auf der anderen Seide gelegenen Schloß die Bastion Sau Vicente, während ein Scheinangriff der portugiesischen Rttsi- menter auf den Brückenkopf und das Fort Pardaleras die Be­satzungen dieser Werke beschäftigt. Die siegreiche Brigade Walker wirft sich nun an der inneren Seite der llmwallung vorbei auf die weiter südlich postierten Bastionsbesatzungen, wird aber durch einen entschlossenen Bajonettangriff der französischen 28 er wieder nach der Bastion San Vicente zurückgedrängt. Erst nachdem der pflichtvergessene Gouverneur der Festung, General Philippon, mit seinem Stabe und seinem sorgfältig auf Mauleseln verstauten Gepäck unter Geleit eines ganzten französischen Bataillons durch das Nordtor Las Palmas sich nach dem nördlich der Guadiana belegenen Fort Christobal hinübergerettet hat, gelingt es der «weiten Brigade der Division Leith, durch ebendasselbe Tor von Norden her in die Stadt ei'.zudringen. Nunmehr vereinigen sich zwei Regimenter mit den Erslürmern des Schlosses, zwei andere mit der Brigade Walker und dann werden 'unter gleichzeitigem Vormarsch nach der Südfront der Umwallung die dort aus Befehle des entwichenen Gouverneurs harrenden Teile der Besatzung nach kurzer, vergeblicher Gegenwehr gefangen genommen. Auch General Philippon setzt dem Einrücken der verbündeten Truppen in die Nordbefestigungen keinen Widerstand mehr entgegen.

Mit Tagesanbruch war ganz Badajoz, wenn auch teuer erkauft, in Wellingtons Besitz. Gewissermaßen vor den Augen.der beiden feindlichen Entsatztruppen, denn Soult mußte seinem kaiserlichen Herrn von dem nur zwei Tagemärsche südöstlich Badajoz gelegenen Willaftanca de los Barros aus berichten, daß die ihm als so hochwichtig bezeichnete Veste sich nunmehr in den Klauen des scheußlichen Leoparden" befinde. Und auch Märmont stand schon in bedrohlicher Nähe der Brücke, auf der die Belagerungsarmee den Tajo überschritten hatte. Ungeheuer waren die Verluste der beiden an Tapferkeit ebenbürtigen Gegner. Während der gesamten 20 tägigen Belagerungszeit einschließlich der Sturmnacht war die etwa 5000 Mann starke Besatzung genau auf die nunmehr kriegs­gefangene Hälfte zusammengeschrumpft, wogegen die Belagerer Item ttt der Nacht vom 6. zum 7. April etwa 400 Offiziere und 4500 Mann also ungefähr ein Drittel ihres Bestandes ian Toten und Verwundeten einbüßten. Auch das brave hessische Regiment hatte von seiner Mitte März über 900 Mann betragenden

Stärke int ganzen 7 Offiziere und etwa '450 Mann an Gefallenen! verloren, während sich unter d^r gleichen Anzahl der Kriegs­gefangenen allein 7 schwerverwundete Offiziere befanden.

.Von großer Bedeutung war auch der strategische Erfolg der Besitznahme des ftanzösischen Bollwerkes. Marschall Soult trat unverzüglich den Rückmarsch nach Andalusien an und Marmont wich, als sich Wellington schon am 13. April wieder nach Norden in Bewegung setzte, eileirds nach Salamanka zurück, wo er dann am 22. Juli von seinem genialen Gegner gründlich aufs Haupt geschlagen wurde.

Vermischtes.

Ick. Eine Schnellbahn, die 5 0 0 km in der Stunde fährt. Seit 18 Jahren arbeitet der französische Erfinder Emile Bachelet in Nenyoik an dem sl?au einer elektrischen Schnellbahn, die die anßerordeiitlich große Geschwindigkeit von 500 km stünd­lich erreichen soll. Er glaiibt, jetzt am Ziele seiner Beinnhnnaen angelanat zn sein. Vor kurzem hat er einer Re he von Fachleuten seine Versilchsürecke in Mount Vernon bei 9ieui)ort vorgesiihrt. Tie Versiichsslrecke ist allerdings nur 1 m lang. DerEisen­bahnzug", wenn man sein Modell so nennen will, ist ein zigarren- iörmiq gebauter Alumimumivagen von enva 15 kg Gewicht. ;lm gleichen Augenblick, wo Bachelet den elektrischen Belriebsüroin einfchattet, fliegt dieser Versuchswagen, ivie aus der Piuole ge­schossen, von einem Ende zum andern der Versiichsslrecke Das Geheimnis der großen Geschivindigkeit beruht darin, daß der Wagen außer bei» Widerstande der Vnft nicht mit Reibung zu kämpfen hat. Er läuft nicht mit Radern aur Schienen, sondern wird aui elektrischem Wege ireischivebend in der Luit gehalten. In den Schienen ist ein Wechselstrom vorhanden. Dieser Wechselstrom übt aus das Aluminium eine abstoßende Kraft aus und wirkt des­halb ^entgegengesetzt der Schwerkrait. Sobald bei den Boriüh>ungen der Strom von 110 Volt in der Führungsschiene eingeschaltet wird, erhebt sich derVersuchswagen" ungeiähr einen Zentimeter hoch und bei Verdovvelung der Stromstärke verdovreit sich die Erbebung. Das Problem, die Reibuirg an den Schienen zu um­gehen, das sonst der Steigerung der Geschwtudigie t sahrencer Züge außerordentlich hinderlich ist, glaubt Bachelet gelöst zu haben. Die zweite Schwierigkeit bei seiner Schnellbahn liegt in der fort- bewegenden Kraft. BZ seiner Verluchsnrecke, die nur lo Pieter lang ist, arbeitet er mit Elektromagneten, die den Verstlchsivagen anziehen und ihm tatsächlich eine Geschwindigkeit erteile», die einer Stundengeschivtiidigkeit von 500 km gleich ist. Bachelet nimmt aber an, daß er mit Lustschrauben ebenso große Geschivlndigkeilen erreichen kann Bachelet hat zwar bereits Patente au>geuomu,en, denkt jedoch »och nicht daran, Geldleute zur Äusiührnng e »er Schnellbabn zu suchen. Vorläufig will er versuchen, eine etwas größere Schnellbahn zu bauen die vielleicht zur Beförderung von Briesen oder leichieren Pakeleit bienen soll.

kf. Das W >l n d e r m ä d ch e n. Wiederum ist ein Wunder­kind entdeckt woiden, diesmal in Amerika. Miß Winifred Sackville Sloner zählt erst 8 Jahre, spricht aber nenn Sprachen geläufig: Eiiglisch, Französisch, Teiilsch, Japanisch, Chinesisch, Russisch, Latemisch, Griechisch uiid - Esperanto. Warum sie nun gerade noch Esperanto gelernt hat, ist nicht recht zu verfiel en, beim man sollte doch glauben, daß sie sich aus Grund ihrer anderen Sprach- keimtnis genügend hätte verständigen können. Tie Eltern dieses Wunderkindes schreiben seine Begabung und seine Fähigkeiten einzig uno allein der sorgfältigen und ausgezeichiieten Erziehung zu, die sie ihn, haben angedeihen lassen. SDlit Virgilversen hat die Mimer ihr Kind in den Schlas gesungen; sicherlich hat sie sie nach einem amerikanischen Wiegenliede umgeschrieben. Im Alter von sechs Monaten soll das Kind schon größere Vorträge gehalten Haren köimen und mit vier Jahren erict)ienen die ersten Gedichte und Ab- handlnngen, die drei biae Bände umfassen. So wird aus Amerika ivenigstens berichtet.

* Auf leisen Sohlen. Kunde fznm Schuhmacher): Meister, machen Sie mir unter meine sämtlichen Stiefel Gummi­absätze!"Ah, Sie haben sich wohl verheiratet, Herr Duch» meyer!" ___________

Ergänzungsrätsel.

.. ß, P..g.r, -S..g. . u . d.. S. i.l,

S.. . a.h. d..h .i..t b.n.;

H.e..e.en b.a..h. ..r M.. s.. .L.t .i.I, D.e. W. »'. e a.. h .i..t l.n,.!

Auflösung in nächster Nummer.

erusiösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer r Abkürzungen: tr Treff, p x ique, c = Coeur, car Carreatt trB Treff-Bube, pA Pigue-, cD Coeur-Dame uff.

Im Skat liegen b9 und c9, Vorhand hatte aA, aZ, a8, a7, dZ, dK, dl), d9, d8, d7, Hinterhand die übrigen. Verlaus des Spielest 1. V. aA 201. H. av = 14.

2. V. aZ M. aK H. cZ 24.

3. V. dZ M. dA H. dB --- 23.

Summa = 61.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Sleindruckerei, R. Lange, ©leiem