Ausgabe 
13.4.1912
 
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beit heraus. Natürlich war ihr Ritt mit Amthor bereits wieder Schiffsgeschwätz. Aber mochten sie doch! Unwtll- kürlich warf sie bett feinen Nacken ein wenig zurück, unb ein leis ironischer Blick streifte ihn.

Seien Sie ganz ohne Sorge. Der Ritt ist mir ganz nusgezeichnet bekommen."

Er verneigte sich ein wenig gegen sie:Schließlich auch begreiflich unter so vorzüglicher Führung!"

Sie sah ihm ruhig ins Gesicht.

Allerdings Herr Doktor Amthor ist ein ausgezeich­neter Führer, und," sie betonte es mit voller Absicht,der Ritt mit ihm war sehr genußreich."

Zweifle nicht daran," erwiderte er mit seinem ver­steckten malitiösen Lächeln, dessentwegen allein sie ihn schon hassen konnte. Am liebsten hätte sie ihm verächtliche den Rücken zugekehrt, aber sie mußte ja nun doch einmal, hier aus bas Schiff gebannt, gewisse Gebote ber Lehensklugheit beachten. So fuhr sie denn, wie in natürlicher Erläuterung ihrer letzten Worte, fort:

Ich habe unter Herrn Doktor Amthors Führung inter­essante Einblicke in Land unb Leute Jslanbs tun können, die Ihnen allen versagt waren. Ich freue mich baher sehr, daß der Zufall mich diese Bekanntschaft hat machen lassen. Ah, guten Abend, Herr Kapitän!" wandte sie sich dann aber schnell an den gerade mit einem anderen Herrn vor­übergehenden guten Bekannten, der da er sie im Ge­spräch sah r- nur liebenswürdig grüßend vorübergehen wollte.

Pardon, lieber Professor, Sie entschuldigen mich wohl!" machte sich der galante alte Offizier alsbald von seinem Begleiter frei, und trat ritterlich zu ihr.Nun, Gott sei Dank, daß Sie wieder Wohl sind, meine gnädigste Frau! Wir waren schon ganz unglücklich bei Tisch nicht, Herr Regierungsrat?" Und artig küßte er ihre ihm gereichte Hand.

Sollte Sie die Witwe Cliquot nicht schnell getröstet haben?" neckte sie ihn, auf sein regelmäßiges Taselgetränk anspielend.

Wer Gnädigste wie können Sie glauben!" machte er gekränkt, was rhn aber nicht hinderte, mit den an Bord stets behandschuhten Händen nach seinem Zigarettenetui zu greifen.Wir waren untröstlich wahrhaftig untröst­lich!" er gab sich Feuerallerdings haben wir, ich will es nicht leugnen, aus dem Gefühl unserer Vereinsamung heraus eine zweite Carte blanche getrunken aber nur -aus Trauer! Verlassen Sie sich darauf, gnädigste Frau."

Nun, es ich wirklich gut, daß ich wieder erscheineit kann in Ihrem eigensten Interesse!" scherzte sie.Daß Sie nicht noch tiefer in Ihre Junggesellengewohnheiten Verfällen." Sie drohte dem weinfrohen alten Seemann lächelnd zu.

Küss' die Hand, gnä' Frau!" bekannte aber der Un­verbesserliche.In Ihrer Gesellschaft fchmeckts auch viel besser."

Er lachte nach seiner Art vergnügt vor sich hin und ließ den jugendlich lebhaften Blick über die fast schon ver­schwundene Küste drüben gleiten.Na, Island haben wir ja nun glücklich überstanden. Zum Abschied just das rechte Wetter!" er nickte ironisch zu dem herniedergleitenden Regen draußen vorm Schiff hin.Ist auch nicht weiter schade drum. Aber wir haben 'nen nettes Souvenir mitbekom­men, vom deutschen Konsul, einen jungen, niedlichen Blau­fuchs haben Sie ihn schon gesehen? Sein Käfig steht oben vorm Kartenhaus und ja, was sagen Sie dazu? ir-i einen ausgewachsenen Isländer!"

Was? Einen Isländer?" staunte der Regierungsrat. Einen Pony meinen Sie?"

Nee, nee einen richtig gehenden, zweibeinigen Is­länder!" versicherte Neidhardt, sich an ihrem Irrtum er­götzend.

Ja aber wie denn? Etwa als Wärter zu dem Blaufuchs?"

I wo als Passagier."

Wie?" Die Hand der jungen Frau legte sich plötzlich dem Kapitän auf den Arm, ohne daß sie es wußte.Ein Massagier, ber bie Reife mit uns machen will?"

Der Kapitän nickte, harmlos vergnügt, baß seine Neuig­keit so viel Effekt machte.Ja gewiß! Er ist noch kurz vor Tores Schluß mt Bord gekommen, wie ich vorhin vom tpachthabenben Offizier hörte."

Eva Söllnitz durchfuhr es int Innern: Also boch er! Es konnte ja kein anberer sein. Wer um sich Gewißheit zu verschaffett, wanbte sie sich weiter, anscheinenb unbe­fangen, an den Kapitän:

Ach nein, was Sie sagen! Ein wirklicher Isländer?

i Was ist er denn?"

DerKapitän zuckte die Achseln:Es soll ein Doktor sein wie er heißt, weiß ich nicht."

Die junge Frau frohlockte innerlich. Aber sie sah den heimlich lauernden Blick des Regierungsrats und so spielte sie die ihr aufgezwungene Rolle der Unbefangenen weiter.

Wer das ist ja wirklich interessant. Das muß ich doch'gleich Mrs. Sanderham erzählen!" Sie meinte eine Dame des engeren Verkehrszirkels, die kurz vorher vor- üb er gegangen w ar.

So verließ sie die Herren, aber in Wahrheit nur, um Amthor zu suchen, dessen Anwesenheit an Bord für sie ja nun nicht mehr zweifelhaft Ivar.

(Fortsetzung folgt.)

Die Erstürmung von DadajoZ.

Schon zweimal hatte General Philippon die vom Marschall Soult im März 1811 eroberte altspanische Festung Badajoz im Lause dieses Jahres mit Erfolg gegen die Angriffe englischer Armeen gehalten. Am linken Ufer der Guadiana ürt Süden Estramaduras dicht an der Portugiesischen Grenze gelegen, hatte ihre stark be­festigte Stadtumwallung in Verbindung mit geschickt angelegten Äußenwerken zu beibeit Seiten des Flusses dem Liebeswerben der englischen Donnerbüchsen und Leiterangriffen gegenüber sich durch­aus ablehnend verhalten.

Nun hatte am 19. Januar 1812 die gleichfalls in der Nähe der portugiesischen Grenze, etwa 26 Meilen nördlich Badajoz, gelegene Festung Gindad Rodrigo vor einem überraschend schnellen Angriff des genialen Wellington die Waffen strecken müssen, bevor der am Duero operierende Marschall Marmout zum Entsatz eintraf. Begreiflicherweise ermutigte das Gelinge» dieses Wagestückes den dafür in den Grafenstand Erhobenen, nunmehr die ihm im Juni 1811 mißglückte Belagerung von Badajoz mit verdoppeltem Eifer wieder auszunehmen. Nachdem Gindad Rodrigo wieder in Ver­teidigungszustand gesetzt und eilt Nachrücken Marmonts infolge feiner Verproviantierungsschwierigkeiten vorerst nicht zu besorgen war, setzte sich Wellington nach Zurücklassung einer schwachen spanischen Garnison und des 1. Husaren-Regiments der deutschen Legion unter General Viktor von Alten am 5. März nach bent1 Süden in Bewegung.

Auf einer von Lissabon aus östlich Abrantes vorbereiteten! Pontonbrücke wurde der Duero überschritten und am 11. März traf Wellington mit drei englischen Divisionen, einer portugiesischen Brigade und drei Linienbätaillonen der deutschen Legion ins­gesamt etwa 12 000 Mann in der 20 Kilometer westlich Badajoz gelegenen Grenzfeste Elvas ein. Dort war inzwischen bereits das gesamte Belagerungsmaterial angelangt, darunter 16 Viernnd- zwanzigpfünder und 20 Achtzehnpfünder aus Lissabon sowie 16 eiserne Bierundzwanzigpsundige Haubitzen aus Älmeida. Auch hatte die kleine Garnison von Elvas in den benachbarten Waldungen einige Tausend Schanzkörbe und Faschinen hergestellt. Zur Deckung der Belagerungsarmee gegen den mit etwa 35 000 Mann bei Sevilla stehenden Marschall Soult operierte General Oraham mit drei Divisionen und zwei Kavalleriebrigaden Bei dem 90 Kilo­meter südöstlich gelegenen Llerena, während General Hill mit zwei Divisionen und einer Kavalleriebrigade 32 Kilometer öst­lich der Festung bei Merida gegen einen etwaigen Entsatzverfuch Marmonts bereit stand. Diesem Korps waren auch die beiden leichten Bataillone und das 2. Husarenregiment der deutschen Legion zugeteilt, während die 3 Linienbataillone und die beiden in Irland stationierten Dragoner-Regimenter der Legion erst "Ende März bei diesen Beobachtungstruppen eintrafen.

Auch die Verteidiger von Badajoz hatten die lange Zeit seit Wellingtons vorjährigem Besuche nicht ungenutzt verstreichen lassen. Sowohl die im Osten vom Revillas-Bache bespülte Um­wallung wie auch die Außenwerke waren durch Verbesserungen!, Verstärkungen und Erhöhungen wesentlich sturmfreier gemacht wor­den. Von den letzteren hatten die auf dein rechten (nördlichen^ Ufer der Guadiana gelegenen Befestigungen der Brückenkopf und das Fort San Christobal in der lauf einem Hügel inördlich beider Werks neuerrichteten Lünette M'on Coeur einen willkommenen Zuwachs erhalten. Im Osten waren hinter der Lünette San Rochus an der Revillas-Brücke zu UeberschwemMnngszwecken zwei Dämme angelegt worden. Auch das Südwestfort Paroaleras lag nur einige hundert Schritt von der Stadtbefestigung entfernt,, während int Südosten die mit Sturmpfählen umgebene Lünette Pieurina tveiter vorgeschoben war, well von ihr ans der schwächste Teil der Um- wallung, die Südbästion Trinidad, eingesehen werden konnte. Ich nordöstlichen Winkel der Festung an der Mündung des Revillas in die Guadiana hatte man das dort auf einem 120 Fuß hohen Marl aekoene alte. Schloß durch aut gemauerte Böschungen