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Anselnw fass ganz vernick>tct Vor dem blutigen Bogel, der aus der feinen Strohmatte am Boden lag. .
„Ein schöner Schaden!" stöhnte er, „ich sage m, drese Löwen, diese Unglücksbiester! Sitzt der Bogel ruhig ans seiner Stange, die ich ihm oben im Löwenkäflg angebracht hatte da sollte ihn schon keiner stehlen! - Aber im Traum plumpst er hinunter, gerade auf Sultan. !Ter erschriat, schürgt zu urck erhebt ein MordsgebMl. Nun, wenn mir im schlafe tut Truthahn auf den Kopf fiele, schlüge ich wahrscheinlich auch um mich.
Da meldete der Kellner Mr Archibald Gültton.
„Sagen Sie dem Kerl, er soll sich zum Teufel fcheren! ± Aber der Kellner kam zurück. D-er Herr müsse Herrn Pmto Unbedingt sprechen.
„Zum Kuckuck, uh bm doch kern Irrenarzt!" .
Da stand Mr. Glutton vor uns. „Good mormng!" grüßte Cr ^Daml hob er eilig den Truthahn bei den Ständern auf und fragte: „How nruch, Sir, wie viel?" ,
„Lassen Sie sich den Bogel gut bezahlen, Anselmo!" net ich lachend. Und der Artist sagte verdrossen: „Zwanzig Pfund, ipcrr!"
Er erwartete offenbar, daß ihm Herr Archibald Glutton den toten Bogel an den Kopf feuern werde; aber der Sohn Albions zog ruhig seine Brieftasche, blätterte vier nagelneue Fünfpfundnoten auf, grüßte artig und verschwand mit seiner Beute.
Wir standen da und sperrten den Mund auf.
Mr. Glutton wohnte mit mir im gleichen Hotel. Ich habe sonst nicht die schlechte Gewohnheit, mich in anderer Leute Angelegenheiten zu mischen. Aber diesmal fragte ich den Oberkellner am folgenden Morgen, vb Mr. Glutton zu Tische kommen tverde.
„Mr. Glutton ist gestern abgeveist, mein Herr!"
„So? Und wohin?"
„Nach London."
„Und der Truthahn? Er will ihn offenbar ausstopfen lassen?"
„Das glaube ich nicht. Der Koch hat ihn gestern abend braten müssen, gefüllt mit Maronen, mit zweierlei Gemüse serviert. Dann hat Mr. Glutton die beiden Herren, die ihm die Nachricht von dem Unglück brachten, zu Tisch geladen, und sie haben auf einen Sitz den braungebratenen Bogel verzehrt, viel Champagner dazu getrunken und endlich mit Antoninha und Fvasquita, den Stubenmädchen, Machiche getanzt, bis ich ein wenig eingreifen mußte. Ich sage Ihnen, der Truthahn sah gewiß komisch ,aus', als er noch tanzte, aber dieser lange Englishman sah noch komischer aus, als er sprang wie ein Heuschreck. !Die Stutzuhr auf dem Kamin ging freilich dabei in Scherben. Und dabei schrie er: „Three cheers for the turkey! Dreimal hoch der Truthahn! Endlich habe ich das Teufelsvieh doch Mischen die Zähne bekommen! Lange genug hat es' gedauert. Aber es lebe die Konsequenz ! Three cheers for the turkey! Ich habe meine Wette mit Dom Morrison gewonnen. Sie sind Zeugen, meine Herren !"
Ich schüttelte den Kopf. Manchen seltsamen Bogel hatte ich in der Welt schon kennen gelernt. Aber Mr. Glutton noch nicht.
vermischtes.
kt Häuser für kinderreiche Familien i n P a r i s Jüngst wurde aus Varis von einem kinderreichen Familienvater berichtet, der gerade wegen seines Kinderreichtums keine Wohnung finden konnte. Er scheint die „Häuser sür kinderreiche Familien" nicht gekannt zu haben, die am Boulevard Ornano und der Rue Belliard stehen. Von diesem weiß ein Pariser Mittagsblatt merkwürdige Dinge zu erzählen: sie liegen in einer hübschen Gegend, sind mit Gas- und Wasserleitung, sowie mit Bädern versehen und zu den billigsten Preisen zu haben. Sie werden an Junggesellen oder kinderlose Familien nicht vermietet, wie schon die Inschrift verrät: Beservö aux familles nombreuses“, nur sür kinderreiche Familien! Ter niedrige Mietpreis erklärt sich daraus, daß es sich um eine wohltätige Stiftung handelt.
* Das Toilettenbudget einer „vernünftigen' Amerikanerin. Als Beitrag zu der Frage, wie viel eine wohlhabende Amerikanerin alljährlich sür Garderobe auswenden muß, veröffentlicht Mrs. C. H. Anthony aus Indiana jetzt einen Ueberblick über ihre gesamten Einkäufe im vergangenen Jahre. Sie hält sich für keinesivegs extravagant, denn sie gebrauchte nur 200 Paar Seidenstrümpse, das Paar zu 8 Mk., 50 Paar Handschuhe ä 14 Mk., 50 Paar Schuhe ä 60 Mk. und 6 Paar diamant- besetzte Schuhe, die 28 800 Alk. kosteten. Ein Paar rubinenbesetzte Schuhe sind billig: 1600 Mk. Verhältnismäßig teuer kommt der Verbrauch an Spitzenunterröcken: 75 Stück kosten 7500 Mk. Für 30 Nachmittagstoiletten hat Mrs. Anthonv rund 29 000 SDlt. bezahlt, sür 25 Abendroben 40 000 Mk. Vier Pelzgarnituren kosten nur 28 000 und die vierzig Hüte dieser „sparsamen" Frau annähernd 20 000 Mk. Insgesamt hat Mrs. Anthony für Kleidung 199 760 Alk. ausgegeben, wobei sie davon überzeugt ist, durchaus „vernünftig gewirtschaftet" zu haben.
* Wer anderen eine Grube gräbt. . . Eine lustige kleine Geschichte erzählt der Gaulois: Ein sehr bekannter Pariser-)
Bildhauer, der auch durch seinen Witz berühmt ist, war am Donnerstag auf zwölf Uhr zu einem Frühstück geladen. Er ging über den Boulevard Saint Germain: plötzlich brach ein Platzregen los, der Künstler mußte sich in einen Hausgang flüchten. Die Automobile streikten, alle vorüberfahrenden Dro-chken waren besetzt: was sollte mau tun? Draußen geht ein würdiger älterer Herr mit einem vrächtigen großen Regenschirm einher. Dem witzigen Bildhauer kommt ein Einfall: er stürzt au! deu Fremden, packt ihn am Arm, drängt sich unter den Schirm und ruft mit der Miene ehrlichen Entzückens: „Aber wie ich mich freue, Sie zu treffen I Seit zwei Wochen will ich Sie besuchen. Welch glücklicher Zufall I Ich muß mit Ihnen sprechen, kommen Sie doch ein Stück mit." Und ohne dem guten alten Herrn Zeit zu lassen, sich zu fassen, plaudert unser Bildhauer weiter, erzählt Anekdoten, berichtet von einer nicht existierenden Familie, die beiden teuer sei: kurz, er kommt durch diese List unter dem Schutze des Schirmes seinem Ziele immer näher. Unmittelbar vor dem Hause, wo der Bildhauer erwartet wurde, richtet er plötzlich mit glänzend gespieltem Erstaunen seinen Blick genauer auf das Gesicht des Nachbarn und ruft mit erheuchelter Verlegenheit: „Oh, pardon, Monsieur, ich sehe, daß ich mich geirrt habe." „Tas scheint mir auch," erwidert kühl und gelassen der Fremde. „Nein, ich bitte Sie tausendfach um Verzeihung, entschuldigen Sie meine Indiskretion, ich ahnte gar nicht . . . Ich bin Bildhauer, mein Name ist 3E. Es würde mich freuen, wenn Sie mich im Atelier besuchen wollen, ich danke Ihnen, auf Wiedersehen." Und auf seinen wohlgelungenen Trick nicht wenig stolz, stürmte der Künstler in das Haus und erzählte lachend feilten Freunden die Geschichte von dem düpierten allen Herrn. „Ihre Krawatte sitzt schief," flüstert ihm ein Bekannter zu. Ter Bildhauer faßt mit der Hand nach der Krawatte: feine Krawatteunadel fehlt. Mechanisch durchsticht er seine Taschen: sein Portemonnaie ist verschwunden, seine Ubr, seine Brieftasche. Der „düpierte" ivürdige alte Herr ivar ein erprobter Taschendieb.
kf. Ein Theater, in dem die Zuschauer bezahlt werden. In L o n d o n gibt es ein merkwürdiges Theater, bei dem die Schauspieler die Zuschauer bezahlen, ivährend sonst das umgekehrte Verfahren üblich ist. Tiefes Theater, das in der Maiden-Lane liegt, ist eine Verfuchsbühue, die um 10 Uhr morgens ihre Pforten öffnet und bis 6 Uhr abends ununterbrochen geöffnet ist. Hier wagen die künftigen Garricks und Kemts die ersten Schritte auf den berühmten Brettern, die die Welt bedeuten, und dies ist auch der Grund, warum die Zuschauer nicht bezahlen müssen, sondern bezahlt werden. Es gehört nämlich, wie die „Comödia" berichtet, oft die größte Nachsicht dazu, während einer ganzen Vorstellung auszuharren, und ivenn man für das Tableiben bezahlt wird, macht es doch einen gar zu üblen Eindruck, wenn man mitten im Stücke roegläuft. In den benachbarten Straßen halten sich die Anpreiser des Theaters auf, die die Zuschauer mit den schönsten Reden zum Besuche des Theaters anlocken müssen. Trotz der Bezahlung kargen sie mit dem Beifall sehr, ja wenn ihnen etwas nicht gefällt (was oft vorkommt), pfeifen und zischen sie sogar. Das einzige, >vas dieses Theater mit gewöhnlichen Theatern gemeinsam hat, ist die Abhängigkeit des guten Besuches vom Wetter, bei Regen ist das Theater gewöhnlich bis auf den letzten Platz „ausverkauft'. , , , _ „ ,
* Bahn frei. Freundin: „Küßt dich btetn Bräutigams oft?" — „Ich brauche nur die Zigarette aus dem Mund iU nehmen, dann geht es los."
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer;
Auflosimg der Skat-Ansgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr — Treff, p — Pique, c — Coeur, car — Garreau trB — Treff-Bube, pA — Pique-Aß, cD Coeur-Dame uff.
Vorhand erhielt: trB, pB, trK, tr7, p9, p7, sK, sD, s9, s8, Mittelhand drückt trA und trZ, Hinterhand hat den Rest. Spiel
gang:
1. V. carK
(- 8) (- 13)
cB,
M. carA V. trK M. carZ V. tr7 M. car7
M. e8, H. tr9 M. cZ.
3. V. carD
4. H. cD
5. V. ear9
Mittelhand erhält nur einen „ ,
da Hinterhand inzwischen p8 abgeworfen hat und stechen kann. So ieler ist demnach Schneider geworden.
. 13)
H. pD. = (- 3) usf. Stich ohne Zählblätter auf ihren
H. trD. = (- 18)
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gicht»


