Ausgabe 
13.3.1912
 
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Eine Heldin.

Novelle von Max Karl Böttcher-Chemnitz.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Kammerherr und Erbprinz atmeten aus. Hans Jochen unterdrückte nur mit Mühe seine Entrüstung über die dreiste Aufdringlichkeit des Höflings. Mit schneidender Stimme fragte er:Das ist alles Ihre Pflicht, Herr Graf?"

Meine Pflicht und Schuldigkeit, Ew. Hoheit."

Mir ist nur neu, daß die Beamten (Graf Hollen zuckte zusammen) meines Hofstaates ihre Pflichten selbst formu­lieren." Und Herr von Hollen antwortete:Ew. Hoheit wird wohl noch mancherlei neu sein im Getriebe des Hoflebens."

Hans Jochen erbleichte. Er wandte sich ab und herrschte ihn an:Verlassen Sie mich jetzt."

Hollen verneigte sich tief und verließ das Zimmer, während der Erbprinz in großen Schritten und vor Zorn zitternd das Kabinett Durchmaß. Er entschloß sich, noch heute bei seinem Vater die Entfernung des Grafen Hollen aus seinen persönlichen Diensten zu beantragen. Doch im Nächsten Augenblick verwarf er diesen Entschluß wieder. Er kannte den Herzog zu genau, um nicht zu wissen, daß dieser zwar wohl den Grafen von seiner Stellung als Adjutant ent­heben, ihm aber als Entschädigung einen noch höheren Posten verleihen würde. Und diese Förderung des Ein­flusses Hollens auf das ganze Hofleben wollte er doch lieber sein lassen. Der Kammerdiener Born trat ein und erinnerte den Erbprinzen, daß es Zeit fei, sich nach dem Audienzsaal zu verfügen. Er durchschritt die lange Galerie, die bei großen Hoffestlichkeiten mit als Speisesaal verwendet wurde und betrat dann das Audienzzimmer. Der Staatsminister Dr. Löwe, der Oberhofmarschall Freiherr von Graul und Kam­merherr Graf zu Hollen waren schon zugegen. In tiefer Verneigung begrüßten sie den Erbprinzen, der dem Minister die Hand reichte, hie beiden anderen Herren aber nur mit einem kühlen Gruße bedachte. Er sprach mit dem Minister über gleichgültige (Dinge, wie ihm und seiner Gemahlin das Fest gestern abend bekommen sei, und wie es seinem Sohn, der an die Reitschule nach Hannover kommandiert worden war, erginge? Zwei Lakaien rissen die Flügel­türen auf, der Hofjäger mit dem Kronenstabe trat ein und vermeldete das Erscheinen Sr. Hoheit des Herzogs. Gleich darauf trat auch der Herrscher in Begleitung des Hosjägcr- meisters Baron von Merkwitz und des Geheimen Kabinetts­sekretärs Dr. Brian ein. Nachdem Se. Hoheit die anwesenden Herren begriißt hatte, setzte man sich um den großen grünen Tisch und Dr. Brian verlas nun, daß Se. Hoheit der Herzog in Rücksicht auf sein hohes Alter Se. Hoheit den Erbprinzen Hans Jochen zum Mitregenten ernannt habe, ferner daß Graf zu Hollen zum persönlichen Adjutanten Sr. Hoheit des Erbprinzen bestimmt worden sei und endlich in An­betracht der Wichtigkeit des Tages einen Amnestieerlaß. Die

Hofbeamten gratulierten dem Erbprinzen in der vorgeschne» denen Weise, der Herzog küßte ihn auf Stirn und Wangen, und nachdem die anwesenden Herren das Aktenstück unter­zeichnet hatten, erhob sich der Erbprinz und sprach folgende Worte:Erlauchtester, mächtigster Herzog und Herr, gnä­diger und gütiger Water, geschätzte Herren! Durch eben! unterzeichnetes Dekret zum Mitregenten Sr. .Hoheit und zum Herrn des 'Landes ernannt, versichere ich, daß ich ganz im Sinne meines Herrn Vaters und Mitregenten die Re- gierungsgeschäfte sichren werde. Die Wohlfahrt des Landes und meiner Untertanen als höchstes Ziel vor Augen, wird es mein Bestreben sein, die loyale Regierungsweise meines Herrn Vaters noch weiter auszubauen und zu fördern. Nehmen Sie darauf mein fürstlich Wort und Handschlag." Merkwitz und Dr. Brian warfen sich einen freudigen Blick zu, während Graul und Hollen ziemlich betreten vor sich nieder sahen. Hans Kochen reichte jedem der Herren fest die Hand und dann verließen Herzog und Erbprinz den Audienzsaal. Sie begaben sich, nur von Dr. Brian begleitet, in die Gemächer des Herzogs.

Der Hofjägermeister Baron von Merkwitz eröffnete noch den Herren, daß sie für heute 2 Uhr zur Frühstückstafel befohlen seien, an der auch Ihre Durchlaucht die Fürstin mit ihrer Hofdame teilnehmen werde. Nun folgte auch Merkwitz den höchsten Herrschaften.

Die zurückbleibenden Herren verharrten schweigend, bis die Lakaien die Türm geschlossen hatten, dann begann Graf zu Hollen:Meine Herren, was sagen Sie nun?"

Ich finde die Worte des Erbprinzen männlich und ziel- bewußt und seinen bekundeten Willen als durchaus dem Staate dienlich," meinte Minister Löwe.

Hm... ich finde, daß die Regierungsweise unseres Landes loyal genug ist, als daß unser junger .Herr sie noch weiter auszubauen .und zu fördern nötig hätte."

Dem pflichte ich bei, Exzellenz, aber ganz und gar," wandte sich Gras Hollen zum Obermarfchall.

Mit erhobener Stimme sagte der Minister:Meine Herren. Ob Sie den bekundeten Willen Sr. Hoheit gut heißen oder nicht jedenfalls wird der Erl>prinz in den maßgebenden Regierungsorganen eine treue Stütze finden. Dies Ihnen mitzuteilen, halte ich für meine Pflicht. Ihr ganz gehorsamster Diener." Dr. Löwe verneigte sich und verlieh das Zimmer.

Par bleu Exzellenz," ächzte Graf Hollen,mir scheint, es weht ein anderer Wind." Der Oberhofmarschall hastete mit kleinen Schritten auf uud ab. Plötzlich blieb er dicht vor Hollen stehen uird mit gedämpfter Stimme sprach er:Ich will Ihnen was sagen, Graf: Wir brauchen einen anderen Minister." Mit wiederholtem Händedruck gingen die guten Freunde auseinander.

Währenddessen stand Kathinka hochklopfenden Herzens im Vorraum zum Privataudienzgemach des Herzogs. Der Lakai, ein alter, biederer Diener, erzählte ihr mancherlei aus dem Hofleben, besonders von der Güte des alten