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Gelegenheit erzählt ei» Mitarbeiter des GaUlvis von beit Erfahrungen des Missionars während seiner 20 rahrigcn Tätigkeit in diesem für uns heute so wichtigen Gebiet.
Als Angouard als junger Geistlicher nach dem Longo tont, war dort noch alles zu tun. Brazzaville war nur ein Haufen schlechter Strotzhütten: die meisten der Stämme waren noch völlig unkultiviert und die an den Usern des Ogoue wohnenden Pahmiw Menschenfresser, die ihre Feinde mit vergifteten 4-seilcn erlegten, lieber die Erfolge, die er bei diesen Wilden errungen, denkt Angouard nicht allzu rosig: „Sie bekehren? Ach, bannt kommt man langsam vorwärts. Sie vertrauen uns ivom einige Kinder an, die wir auf unsere Kosten erziehen, die wir zivilisieren und aus denen wir Christen machen. Die meisten Kongobewohner sind für den Glauben sehr wenig empfänglich: wir haben selost einen schwarzeii Priester, der durchaus nicht zu den Eifrern
Der Bischof erzählte dann von den furchtbaren Gebräuchen^der Pahuins, die ihre Gefangenen, wie Gänse, erst fett machen, bevor sie sie verspeisen. Als ein unglücklicher Gefangener so weit gestopft 'war, daß er zum Schlachten reif war, führte man ihn auf den Hauptplatz des Dorfes, ließ ihn auf einen großen Stein setzen und band ihn fest. Dann trat jede verheiratete Frau an ihn heran und wählte sich an seinem Körper das Stuck Fleisch aus, das sie als Mahlzeit haben wollte. Die Stellen wurden mit einem Farbstoff bezeichnet, und der Gefangene, der auf sein Schicksal schon lange vorbereitet war, lachte, wenn einige Feinschmeckerinnen ihn erst genau beklopften und befühlten. Nachdem die Beute bei lebendigem Leibe verteilt war, wurde ihm mit einem kräftigen Säbelhieb der Kopf vom Rumpfe getrennt und nach der Theorie trat die Praxis in ihre Rechte. Die Pahuins opferten auch in Ermangelung eines Gefangenen ein Kind zum Festessen und die größte Ehrung bestand darin, einem Eingeladenen Kinderfleisch cmzubieten. Angouard hat unzähligen Gefahren während seiner MissionStätigM getrotzt; unter den ersten Pionieren ist er heut fast allein übriggeblieben; in 20 Jahren wurden am Kongo 34 Missionare von Entbehrungen, vom Fieber oder von der Hand der Wilden fortgerafft.
Der 60jährige Bischof, der bereits vom Papst Leo zum apostolischen Protonotar erhoben wurde, setzt unermüdlich sein christliches Werk am Kongo fort. Er hat es erreicht, daß heute alle Schwarzen am Kongo zum wenigsten seinen Namen kennen und daß ihn viele als einen guten Manu verehren. Während die von der französischen Regierung eingerichtete Schule sehr wenig besucht wird, haben die von ihm geleiteten Missionsschulen schon sehr viele schwarze Kinder ausgebildet und am meisten zur Verbreitung des Christentums bei getragen. Mit Trauer hat es den Bischof erfüllt, daß ein großer Teil des Landes, dem er so lauge seine Kräfte gewidmet, nun an Deutschland übergeht. „Er besuchte feine schwarzen Freunde," so berichtet unser Gewährsmann, „ver- fünbete ihnen die traurige Nachricht, und fast alle versprachen ihm sogleich, die abgetretenen Gebiete zu verlassen (!) und in dem Lande zu wohnen, 'das Frankreich erhalten blieb."
Vermachtes.
* Der.Priesterstaat Tibet wird noch aus lange Zeit das geheimnisvollste Land der Erde bleiben. Sven Heb in hat am meisten dazu beigetragen, dieses von eisgepanzerten Gebirgen umgebene Land bekannt zu machen. Mit welchen Opfern ihm seine Entdeckungen geglückt sind, hat der kühne Schwede in aller Bescheidenheit geschildert. In weiten Kreisen ist sein Werk „Trans- himalaja" bekannt, das vor wenigen Jahren erschienen ist und nun durch einen dritten Band vollendet wurde. Dieser lange erwartete Schlußband ist soeben in der bei Brockhäus üblichen Ausstattung erschienen (gebunden. 10 Mk.) und er ist noch spannender als die ersten zwei Bände. Mit größtem Interesse verfolgen wir die letzten Ueberschreitnngen des riesigen TranShima- laja, die Verhandlungen mit mächtigen Häuptlingen und ehrwürdigen Achten, bei denen allen die Kaltblütigkeit des Forschers den Sieg davonträgt. Köstlich ist die Unterhaltung mit Seiner Exzellenz dem Grobian, dem Herrn des tibetischen Klosters Totling! Und dann der mühsame Zug der Karawane Hedins durch die vielen verschlungenen Schluchten des Satledsch, der Hedin von den eisigen Höhen des Transhimalaja hinausführt in die stickigen Dschungeln Indiens. Die Flußübergänge bereiteten stets sehr große Schwierigkeiten, und manchmal hing das Schicksal der Karawane nur an einem dünnen Drahtseil, dem sich Mensch und Tier anvertrauen mußten. Zu poetischer Höhe erhebt sich HedinI Darstellung in der Entdeckungsgeschichte des heiligen Sees der Inder und Tibeter. Hochinteressant ist sein Nachweis, welch großen Verdienste den katholischen Missionaren der frühesten Zeiten, insbesondere aber beit Jesuiten, zukommen. Das Kapitel „Der erste Jesuit in Tibet" liest sich wie ein Roman. Ebenso fesselt das Kapitel „Ein gelehrter Santa aus Ungarn", in dem sich Hedin mit dem berühmten Sprachforscher Csoma beschäftigt, der die Stammväter der Magyaren in Asien suchte und mehrere Jahre seines aben- teuerreichen Lebens an der Grenze von Tibet, in dem von Hckstn ausführlich geschilderten Kloster Kanam, zubrachte. Die Aus
stattung Mit bunten UUd einfarbigen Bildern nach Photographin und Zeichnungen des Verfassers ist ausgezeichnet und schließt sich aufs engste an die ersten zwei Bände des „Transhimalaja" an.
kf. Vierzig Stahlfedern in der Sekunde! Vierzig Stahlfedern in der Sekunde erzeugt jahraus jahrein eine einzige Stadt, nämlich Birmingham, und die Stahlfedererzeugung Birminghams ist noch immer im Steigen. Im Jahre 1850 arbeiteten in Birmingham, tote ein Rückblick der „Times" augibtp 2000 Angestellte in 12 Federfabriken und erzeugten wöchentlich 65 000 Groß Federn. Im Jahre 1866 stieg die Erzeugung auf 98 000 Groß wöchentlich, und zwanzig Jahre später wurden in Birmingham jährlich 160 000 Groß, int Jahre also 22 Millionen Federn hergestellt. Gegenwärtig stellt man in Birmingham 100 000 verschiedene Federarten her, und von diesen sollen wöchent- lich 200 000 Groß erzeugt werden. Das wären etwa 28,8 Millionen Stück wöchentlich, täglich also 4,1 Millionen oder rund vierzig Stück in der Sekunde. Was diese Zahl bedeutet, zeigt sich, wenn man sie in Beziehung zu allen Menschen auf der Erde setzt. Vierzig Federn in der Sekunde bedeuten im Jahre in runden Zahlen eineinhalb Milliarden.. Diese Zahl ist. ungefähr gleich der der menschlichen Bewohner der Erde, und vierzig Federn in der Sekunde bedeuten demnach, 'daß jeder Beivohner der Erde eine Feder im Jahve in Birmingham hergestellt bekommt. Nun stehen wir aber im Zeichen der Schreibmaschine, weit über die Hälfte der Menschen schreibt nicht mit Stahlfedern, ungezählte Menschen schreiben überhaupt nicht,, und schließlich ist hier nur von der Federerzeugung einer einzigen Stadt die Rede. Tatsächlich kommen auf jeden Menschen auf der Erde also bedeutend mehr Federn, als eine im Jahr,
* Erkannt. „Gnädige Frau, es ist ein Herr draußen, der Sie zu sprechen wünscht!" — „Hat er seinen Namen nicht genannt?" — „Nein, er sagte, es sei nicht nötig!" -7 „Kennst du ihn denn nicht?" — „Nein — er hat mich in die Backen gekniffen!"— „Ah! Das ist mein Bruder Gustav!"
* Mißverständnis. Richter: „Angeklagter, wie kant es nur, daß Sie die Wäsche stahlen und den mit Goldwaren angefüllten Kasten unberührt ließen?" — Angeklagter: „Ich bitte Sie, Herr Richter, 'halten Sie mir das nicht auch noch vor, meine Frau hat schon genug deshalb geschimpft." ,
* Der Heiratsschwindler. „Dieser Trauring gefallt mir, also machen Sie mir mal von dieser Sorte ein Dutzend,"
Viichettisch.
— Deutsche Männer. Fünfzig Charakterbilder von Robert Hessen. Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart. Dieses Buch erzählt von dem Leben und Streben, den Ideen unb Taten, dem Ringen und Erreichen großer deutscher Männer und gibt so ein reiches Bild aus der geschichtlichen Zeit unseres Volkes. Wir lernen die blühende Wirklichkeit dessen, kennen, was so oft in Wolken von Phrasen gehüllt wird, nämlich die deutsche Art, deutsche Aufgaben und Ideale: wir sehen Kühnheit und Bedächtigkeit, frohes Hoffen und zähes Standhaftem den Glauben au die gute Sackte und die Treue zu ihr am Werke, und aus den vielen Charakteren und Bestrebungen formt sich ein einheitliches, großes, frisches Bild des deutschen Wesens rund und treu zusammen. Der .Verfasser übt die Porträtkunst meisterhaft, mit wenigen Zügen arbeitet er die Eigenart der Personen zugleich scharf und ansprechend heraus; er weiß uns diese deutschen Männer menschlich nahezubringen in ein lebendiges, herzliches Verhältnis. Man kann sagen, er macht uns alles, die Personen und Verhältnisse/ zur Familiensache, so daß wir alles' Sorgen und Sehnen, Hoffen und Streben lebhaft mitmachen und uns als lebendiges Glied einer großen, herrlichen Genieiiischaft fühlen.
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Auflösung in nächster Nummer.
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Auslösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr — Treff, p = Pique, « = Coeur, car — Carreau trB = Treff-Bube, pA = Pique-Aß, eD --- Coenr-Tame uff. Vorhand sand noch carA und drückte trK und pD. Mittelhand hatte pB, tr9, tr8, pK, p8, p7, cZ, cK, cai9, ear8. Hinterhand den ~ " Gang des Spieles:
1. V. trB M. pB
H. carB = 4-6. £>. trZ ---- + 21. H. carT = — 11. H. carK = 4- 14. H. c7 = 4. 15.
M. p7 H. pZ = + 21. Im Skat liegen bereits 4~ 7-
Redaktion: K. Nenrat h. — Notatiousdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buck- und Steindruckerei, R, Lange, Gieße«,


