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Miene W schießen, Und bald bemerkte ich auch die Ursache: der junge Mann hatte die Pistolen ans der Halfter genommen, als er sein Nachtquartier bezogen, und mußte sich nun begnügen, seinen Säbel unter kräftigen Verwünschungen drohend gegenmich W schwingen. Tabei kam es ihm noch , gar nicht .einmal in bat Sinn, daß er nun gänzlich in meiner Hand war, sondern er ntt ganz nahe an mich heran und rief: , Rendcz-vous! ,
„Alle Achtung vor Ihrem Französisch!" Jagte ich und zielte nach seinem Gesichte. Nun merkte er doch, wie die Tinge lagen, denn ich sah im Scheine des Mondlichtes, «wie seine Züge kreideweiß wurden. Schon berührte mein Finger den Trucker, da fiel mir seine Mutter ein, und ich jagte.meine Kugel durch die Schulter seines Pferdes. Ein furchtbarer Fall, der mich befürchten ließ,, das Kerlchen möchte sich schwer verletzt haben — aber ich mußte an meinen Brief denken und sprengte davon. ।
Bald sollte ich gewahr werden, daß jene Bande sich mcht so leicht abschütteln ließ, Tie beiden Soldaten bekümmerten sich um ihren Offizier nicht mehr, als um einen Rekruten, der in der Reitschule vom Pferde gefallen ist, sondern überließen ihn ruhig seinem Schicksal, um mir nachzujagen, । Eben gedachte ich, am Fuße eines Hügels ein wenig verschnaufen, da waren sie mir auch schon auf den Fersen. < Nun galt es, nicht zu zaudern; in voller Karriere gings weiter; meine Mähre warf den Kopf empor, und ich den Tschako, um zu zeigen, tote gering tour über; ein paar Dragoner dachten, die hinter uns <her waren. Aber das Lachen wollte mir vergehen, und das Herz,drohte mir stillzustehen, denn vor mir, auf der weißen.Landstraße, hielt eute ganze Abteilung Reiterei und wartete auf mich. Ein junger Soldat hätte sie vielleicht für eine Gruppe Bäume halten können, buch aber täuschte so etwas nicht. ■
Trygoner im Rüchen, Husaren vor mir! Ja, fürwahr, der Tod schien auf allen Seiten meiner zu warten. Seit den -vagen von Moskau war ich in solcher Lage nicht gewesen. Nun, wenn ich die Wahl hatte, wollte ich doch lieber von einem Husaren als von einem Tragoner niedergehauen werden! Ich besann mich also keinen Moment und ließ Violetta unbehindert vorwärts schießen. Ich erinnerte mich noch recht gut, daß ich e»n Stoßgebet zum Himmel schicken wollte, aber da ich in dergleichen Dingen ein wenig aus der Hebung war, fielen mir nur die Worte ein, mit welchen wir am Vorabend unserer Ferien um gut Wetter zu bitten pflegten. „Besser das, als gar nichts," dachte nd> und war eben dabei, diese Fürbitte herzuplappern, als plötzlm) knapp vor mir französische Laute an mein Ohr drangen. Ach, guter Gott, wie schlug mir da das Herz vor Freude! Erkannte ich doch meine heben Kameraden von Marmonts Korps! IM Nn Machten meine beiden Dragoner kehrt undi galoppierten davon, als obs das Leben gälte, während ich ganz gemächlich zu meinen Freunden trabte. Mochten sie sehen, daß der Husar zwar in die Lage kommen kann, fliehen zu müssen, daß er den Rückzug jedoch nur langsam betreibt. Hoffentlich hat Violettas Zustand meine gleichgültige Miene nicht Lügen gestraft!
Wen aber sollte ich an der Spitze der Schar erblicken? Ei, den alten Bouvet, dem ich bei Leipzig das Leben gerettet hatte ! Seine kleinen, roten Augen füllten sich bei meinem Anblick mit Tränen, und seine Frende rührte mich wiederum gewaltig., Natürlich setzte ich ihn sogleich von dem Zwecke meiner Reise in Kenntnis, aber er lachte über meine Absicht, durch senlis zu
reiten. . ,, ,,,,,,
„Geht nicht," meinte er, „ist vom Feind besetzt.
„Desto besser!" antwortete ich.
Aber warum nicht direkt nach Paris retten; wozu einen Crt berühren, wo Sie sicher sind, getötet oder wenigstens gefangen genommen zu werden?" .
„Der Soldat wählt nicht, er gehorcht!" sagte ich genau so, wie ich es von Napoleon gehört hatte.
Da fing der alte Bouvet zu lachen an und lachte, bis ich endlich meinen Schnurrbart zu bearbeiten begann und ihm einen Blick zuwarf, der ihn sogleich zur Räson brachte.
Nun, bann kommen Sie wenigstens mit uns,. L-enlis ist ebenfalls unser Ziel — wir wollen den Ork rekognoszieren; eine Schwadron von Poniatowskys polnischen Ulanen ist uns schon voraus." , , . cm v v
So machten wir uns denn zuiammen auf den Weg durch die fülle Nacht und stießen auch bald auf die Polen — lauter schöne, alte Soldaten, wenn auch em wenig zu schwer für ihre Pferde. Ich konnte mich an den stattlichen Gestalten kaum satt sehen, uub wie stramm sie sich hielten! Am Trüben Morgen sahen wir die Lichter von Senlis und erfubren von einem Bauern, der mit einem Lastwagen des Weges kam, löte es drin aussah.
Wir durften seinen Mitteilungen Glauben schenken, beim fein Bruder, mit dem er am Abend zuvor noch gesprochen hatte, war Kutscher bei dem Maire des Ortes. Eine ganze Division preußischer Infanterie lag in dem Wäldchen gegen Norden zu, und nur eilte einzige Schwadron Kosaken — ein Pulk, wie es in ihrer gräßlichen Sprache genannt wird — war in dem Hache des Marktes und war das größte Gebäude des Ortes. AH, da hatten wir ja die schönste Gelegenheit, uns'an diesen Barbaren zu rächen, die unseren armen Landsleuten so übel nutgeltneu hatten.
Wie ein Wirbelsturm fegten wir in das Städtchen hinein, stießen die Vorposten nieder, ritten über die Wachen hinweg und SertrttTnfnerten hie Türen des, bll.rg?rmeisterli,chen Haufech eh>e die
Wüteriche nur die geringste Ahnung von üNs Balten. Was für scheußliche Köpfe erschienen da am Fenster! Köpfe mit Bärten bis in die Schläfen hinauf, verwirrtem Haar, Mützen ans Schafpelz und dummen, offenen Mäulern. „Hurra!" schrien sie und schossen auf uns herunter; aber unsere Burschen flogen die Treppen hinan und packten sie an den Kehlen, ehe sie.Zeit gehabt, sich den Schlaf aus den klugen zu wischen. Es war ganz schrecklich anzuseheti, wie die Polen sich, gleich hungrigen Wölfen über eine Herde feister HamMel, über 'sie herstürzten. Tie meisten wurden in den oberen Räumen getötet, wo sie Schutz gesucht hatten, und bas Blut tropfte wie Regen durch die Decke herunter.. Ja, diese Polen geben furchtbare Soldaten ab, wenn sie auch, meiner Meinung nach, ein wenig zu schwer für ihre Pferde find. Ich glaube nicht, daß sie an Größe Keklermvims Kürassieren nachstehen; aber natürlich ist ihre Ausrüstung bedeutend leichter, da sie foeber Küraß noch Helm haben.
Jetzt komme ich freilich zu einem Punkte, wo ich einen Fehler, ja, einen sehr großen Fehler gemacht habe. Bisher hatte ich meine Mission in einer Weise ausgeführt, die ich als wunderbar bezeichnen möchte, wenn meine Bescheidenheit nichts wäre, während ich mich jetzt zu einem Schritte verleiten ließ, den ein Vorgesetzter streng rügen, ein Soldat aber gewiß entschuldigen würde.
Mlerdings, das Pferd unter mir war erschöpft; was hinderte mich aber, Senlis den Rücken zu kehren und das freie Feld aufzusuchen, wo ich außer aller Gefahr war? Aber es ist doch für einen Husaren gar zu schwer, an einem hübschen Gefecht vorbeizureiten, ohne daran teilzunehmen, und überdies hoffte ich, ein paar Stunden der Rast-würden Violetta so erfrischen, daß sie ihr Ziel bann um so schneller erreichte. Den Ausschlag aber gaben jene Köpfe oben an den Fenstern, mit ihren ungeheuren Pelzmützen und dem wüsten Geschrei. Da ging's nicht mehr; ich sprang aus dem Sattel, schlang den Zügel um einen Pfahl und stürmte mit den übrigen ins Haus. Leider kam ich zu spät, um etwas nützen zu können und war überdies in großer Gefahr, durch die Lanze eines dieser Barbaren verwundet zu werden — aber es ist doch immerhin schade, eine Gelegenheit zum Avancement vorübergehen zu lassen. Und ich versichere Ihnen, derartige kleine Scharmützel sind dem strebsamen Soldaten häufig weit günstiger als die größten Schlachten.
Nachdem sich der Lärm gelegt hatte, trug ich meinem Pferde einen Eimer Wasser hinaus, und der freundliche Kutscher verriet mir auch, wo sein Herr das Futter aufbewahrte. Ah, wie das meinem Liebling schmeckte! Nun rieb ich das Tier noch ab und ging dann wieder in das Haus hinein, um "mich selbst ein wenig zu starken, damit ich vor Paris nicht wieder anzu-- halten brauchte. <
Und nun komme ich zu einem Abschnitt in meiner Geschichte, der Ihnen vielleicht ein wenig seltsam vorkommt, aber glauben Sie mir, Messieurs, ich könnte Ihnen wohl ein Dutzend Dinge aus meinem Leben erzählen, die mindestens ebenso seltsam sind. Ist es denn nicht nur zu natürlich, daß ein Mann, der Zeit seines Lebens auf dem blutgetränkten Felde zwischen zwei großen Armeen auf Posten gestanden und umherpatrouillierend Umschau gehalten, reichlich Gelegenheit zu seltsamen Mentcuern gefunden hat? So hören Sie denn zu, liebe Freunde, und seien Sie versichert, daß ich mich in dem Folgenden streng an die Tatsachen halte.
Der alte Bouvet wartete schon auf mich und wagte, ob wir nicht zusammen einer Flasche den Hals brechen wollten, „Aber, man Dien," fügte er hinzu, „lange darf's nicht dauern, im Walde drüben liegen 10 000 Preußen."
„Wo ist der Wein?" forschte ich.
„Nun, den werden ein paar Husaren bald genug gefunden haben," meinte er, ergrif ein Licht und flieg, von mir gefolgt, die Steintreppe zur Küche hinab. Hier erblickten wir eine Türe, hinter welcher eine Wendeltreppe sichtbar wurde, durch die man in den Weinkellner gelangte. Wie wir aus den umherliegeuden, zerbrochenen Flaschen bemerkten, waren die Kosaken uns hier bereits zuvorgekommen, aber der Maire war einer, der da wußte, was gut schmeckte, und man konnte sich nichts Besseres wünschen, als was wir hier fanden. Was lag da nicht alles beifammen! Alicante, Chambertin, weißer Wein und roter, moussierender und und stiller — ganze Pyramiden von Flaschen dieses edlen Getränkes schauten uns aus ihrem Lager von Sägespänen neckisch an. Der alte Bouvet spionierte mit seinem Licht tu allen Ecken umher und schnurrte dazu, wie die Katze vor dem Milcheimer. Eben hatte er sich zugunsten -einer Flasche Burgunder entschieden und streckte schon schmunzelnd die Hand darnach aus, als Plötzlich die Decke über unseren Häuptern von Flintenschüssen erdröhnte, in die fick so entsetzliches Geheul und Gekreisch mischte, Ivie ich es in meinem ganzen Leben nicht vcrnommcn. Die Preußen waren hinter uns her ! , .
(Fortsetzung folgt.)
Mssionms-EnahrMgen am Kongo.
Dem verdienten Bischof des französischen Kongo, Monsignore Augouard, ist in Anerkennung [einer Verdienste von der „Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften der Uudiffred-Preis von 15 000 FrcS, verliehen worden; bet dieser


