Ausgabe 
12.10.1912
 
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für vieles zu revanchieren, und die Augen meiner Kameraden blickten sehnsüchtig von mir nach jenen roten, flackernden Feuern. Weiß Gott, ich war stark versucht, ihnen nachzngeben, denn es würde für diese Kerle eine gute Lektion gewesen, sein, ihnen be- greislich zu machen, sie hatten einige Meilen Abstand zu nehmen von einer srauzösischen Armee. Aber das Wesen eines guten Führers besteht darin, daß er alles zur richtigen Zeit tut; so ritten wir ruhig weiter durch beit Schuee, und ließen die Kosakcu- biwaks zur Rechten und Linken ruhig liegen. Hinter uns sahen wir an dem schwarzen Nachthimmel einen hellen 'Streifen, der uns zeigte, wo unsere unglücklichen Landsleute sich am Leben zu erhalten versuchten für fernere Tage des Elends und des Hungers.

Wir ritten die ganze Nacht langsam weiter, indem wir den Polarstern im Rücken behielten. Wir fanden zahlreiche Spuren von Pferden und benutzten diese Führte, damit niemand merken könne, daß feindliche Reiterei durchgekommen war. Das sind.so kleine Vorsichtsmaßregeln, die den erfahrenen Offizier kennzeichnen. Außerdem würden wir, wenn wir diesen Spuren folgten, am wahr­scheinlichsten in Dörfer kommen, und nur in Dörfern konnten wir erwarten, Fonrage für Pferde und Mannschaften zu kriegen. Beim Morgengrauen waren wir in einem dichten Kiefernwald, die Bäume waren so dick beschneit, daß das Tageslicht kaum durch­dringen konnte. Als wir draußen ankamen, wars hellichber Tag, die Strahlen der aufgehenden Sonne schienen über die unendlichen Schneefelder und ließen sie in rötlichem Lichte erglänzen.. Ich ließ meine Reiter im Schatten des Waldes halten und rekognoszierte das Terrain. In unserer Nähe befand sich ein kleines Bauern­haus. Weiter weg, einige Meilen entfernt, lag ein Dorf. In noch weiterer Ferne tauchten am Horizont die Kirchtürme einer größeren Stadt auf. Das mußte Minsk sein. Ich konnte in keiner Richtung irgend welche Anzeichen von Soldaten erblicken. Offenbar hatten wir die Kosaken hinter uns, und zwischen uns und unserem Ziel lag kein Hindernis mehr. Meine Leute stießen ein Freudegeschrei aus, als ich ihnen unsere Lage auseinandersetzte, und wir ritten nun rasch auf das Dorf,los.

(Fortsetzung folgt.)

Goldene Tiere.

Tie Sagenwelt des grauen Altertums weiß gar mancherlei zu berichten von seltsamen Tieren, um derentwillen Helden aus­zogen, um die verwegensten Taten zu vollbringen. So einst, wie wir alle wissen, Jason mit seinem Heldenschisf gen Kolchis ge­fahren, um das goldene Widdeikell zu holen, das, von einem Drachen bewacht, an einer Eiche im Areshain hängt. Nun ist zwar ein Häuflein Gold in der Größe und Dicke eines. Widder­vlieses gewiß noch kein besonders großer Schatz; aber das Ver­blüffende ist, daß ein lebendiges Säugetier Gold am Leibe getragen haben soll. Und darum lohnte dieses Tierfell schon die kühne Heldenalbeit.

Der Grundgedanke dieser Argonautensage, die Frage, ob es in Wirklichkeit solchegoldene Tiere" gibt, Tiere, die zwar kein wirk­liches münzbares Gold in oder mit ihrem Fell Herumtragen, deren äußere Bekleidung aber dennoch int wundervollsten Goldglanz gleißt, als sei gleichsam jedes Härchen einzeln in Schaumgold ge­taucht, findet eilte interessante bejahende Beantwortung durch eine fesselnde Plauderei, die der bekannte Haeckelianer Wilhelm Bötsche in der soeben erschienenen Nr. 1 des neuen, 55. Jahrgangs von lieber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) ver­öffentlicht.

Als das erste, wirklich den Fachzoologen bekannt gewordene goldene" Tier nennt Bölsche den im tropischen Afrika lebenden Goldmull, der nach Art unsers Maulwurfs unter der Erde haust und mit diesem sehr viel gemein hat. Seine Existenz unter dem Boden mag auch die Ursache sein, daß man ihn für gewöhnlich nicht sieht; andernfalls hätte man wohl auch schon längst systema­tisch Jagd auf ihn gemacht. Und merkwürdig, ausgerechnet diesem ewigen Gast der Finsternis", der weder Schwanz noch Ohr­muscheln und kaum nach außen sichtbare Gliedmaßen besitzt, hat die Natur den Argonautenzauber des Goldvlieses verliehen. Jedes Härchen seines Maulwurfsiellchens ergleißt wirklich und wahr­haftig im schönsten Goldschein. Je nach der Lichtbrechung mischen sich in dieses Grundgold noch einzelne goldtg angehauchte Farben, die dann gleich Edelsteineit aus der Goldfassung glühen, bald grün wie von Smaragden, bald ein unbeschreiblich schönes Violett gleich Amethysten. Wozu wohl all der Glanz und die Pracht in diesem finsteren Bergwerke?

Und dazu hat der Goldmull noch obendrein einen stamm­verwandten Vetter, der die Seltsamkeit des Falles nur noch selt­samer gestaltet. Auch er ist ein ebenso ausgesprochener Erdgräber nn Finstern und dennoch der Träger eines goldenen Vlieses. Um ihn zu finden, muß man den dürren Sandboden der zentralaustra- lischen.Wüste auffchaufeln.. Seine Bergwerke liegen so versteckt in der Wüste, daß man ^rst in allerneuester Zeit seiner habhaft ge- worben ist. Seiner Wesensart nach gehört er zu der altertümlichen Klaffe der Beuteltiere; er selbst fuhrt den Namen Beutelmull. Auch das Fell dieses Tieres schimmert in Gold, wobei bald mehr reines Gelbgold, bald mehr Silber ober irisierende Edelsteinsarbe zu beob­achten ist.

Die Frage nach der Ursache des prächtigen Arbeitskleides diefer Tunnelarbeiter fordert zu man-cherlei Betrachtungen heraus. Ausgeschlossen aber muß es von vornherein erscheinen, als handle es sich hier um ein Schutz- oder Jägerkleid, denn bei der Finster­nis, die in den Jagdgebieten dieser Tiere herrscht, bringt auch die glänzende Goldfarbe keine Vorteile für den Besitzer. Auch um ein sonst bei Tieren häufig vorkommendes sogenanntes Hochzeitskleid kann es sich wohl kaum handeln, da sowohl der Goldmull wieder Beutelmull so gut wie keine Augen besitzen und das Sehen längst abgeschafft haben. Bleibt noch übrig, daß wir es hier mit einer chemischen Beeinflussung durch die aufgenommene Nahrung zu tun haben, wie sie anderwärts bei Tieren ebenfalls schon festgestellt worden ist. Doch scheint es säst, als ob auch solch chemischer Ein­fluß noch keine hinreichende Erklärung für den goldenen Pelz (icrabe dieser Tiere abgebe; vielmehr gewinnt die Ansicht Raum, «ls mischen sich hier noch ganz besondere Gesetzmäßigkeiten ein, bereit Ergründung den Forschern noch vorbehalten bleibt.

VerWrschLes.

on. Aus dem Leben eines F r e m b e n (e g i o n ä r s. Als Beweis, auf wie pfiffige Art sich Jremdenlegionäre oft aus rechtliche Weise dem aufreibenden Dienst für immer zu entziehen wissen, sei folgendes reizende Stückchen eines Deutsch-Schweizers erzählt: Eines schönen Tages, als verschiedene Legionäre, darunter auch er, feldmarschmäßig zum Straflaufen antreten mußten, warf er plötzlich Gewehr und Tornister zu Boden und kletterte mit affen­artiger Geschwindigkeit auf einen Baum. Oben angekommen, setzte er sich ruhig nieder und machte mit einem abgerissenen Zweige die Pantomime des Angelns. Seine Vorgesetzten befahlen ihm, herab- zukommen, aber weder durch Drohungen, noch durch gute Worte ließ er sich bewegen. Mit anderen Worten: er spielte den Ver­rückten. Schließlich stellte man eine große Feuerleiter an und holle ihn herunter. Er kam sofort in Einzelhaft In der Zelle fischte er ruhig weiter und murmelte dabei stets die Worte :Es packt nütt." Da man sich nicht zu raten wußte, brachte man ihn zuletzt ins Lazarett zur Untersuchung seines Geisteszustandes. Auch dort fischte er weiter. Der Chefarzt sah sich endlich veranlaßt, ihn alsgeistes­krank" zu entlassen. Ein Krankenwärter brachte ihn nach Marseille und von dort zur schweizerischen Grenze. Nach wenigen Tagen kamen bei seinen Kameraden Postkarten von ihm an, auf denen er sie freundlich grüßte und mit den Worten schloß:Nun hals doch noch gepackt!"

*' In der rauhen Herbstzeit ist es Menschenpflicht, auch an die Haustiere zu denken, welche gleich uns die Kälte und Nässe unangenehm empfinden. Ter Mensch zieht sich warm an und heizt seinen Ofen. Wer sich Tiere hält, muß auch für deren Winterbedürfnisse sorgen, und nicht vergesse», daß die Tiere eben­falls aus Fleisch und Blut bestehen und. nicht aus Eisen und Stahl. Alit einem bißchen Liebe wäre den Tieren leicht geholfen. Zum Beispiel soll man die Zugtiere nicht ungebührlich lange und nicht ungeschützt im Freien stillstehen lassen. Während jeden Aufenthaltes ist den Pferden eine große, warme, trockene Decke überzuwerfen. Doch muß die Decke wieher abgenommen werden, wenn es weiter- gebt. Für die Zughunde soll 'man eine trockene Unterlage (Brett mit altem Teppich) in den Haltepausen unterlegen und die Tiere auch warm zudecken. In der Hütte des Kettenhundes muß inan die Ritzen gegen den Zugwind verstopfen und außen um die Hütte eine Wand von Stroh oder ein Strohgeflecht fest aufschichten. Mist hält auch warm; wegen der Düfte ist die Eiudeckung der Hütte mit Mist aber nicht zu empfehlen. Tritt starke Kälte ein, so hängt man das Einschlupfloch noch mit einem Tuche zu. Die Oeffnung der Hundehütte darf nicht gegen die Windrichtung stehen. Im Hühnerstall sorge man in der schlechten Jahreszeit für reichliche Streu. Man vergesse auch nicht, den Hühnern zugleich mit Rörner- futter jedesmal scharfen Sand zu geben, weil dadurch ihr Gesund- befinden gefördert wird. Als geruchaufsaugende Liren eignet sich für Stallungen jeder Art der Torfmull gut. Rinder und Schafe, die sich noch auf der Weide befinden, sollen bei naßkaltem Wetter und Frost nachts in den Stall und morgens nicht eher aus die Weide kommen, bis die Sonne die Nässe größtenteils aus-

gesogen hat.

Bilderrätsel

-V- Passau

'München ?

' / -y!'1 Auslösung in nächster Nummer-

Auflösung der Charade in voriger Nummer t Haltlos; halt! los!

Redaktion: K. N e n r a t h. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»,